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Wann und wo sind Praktika für das Studium gefragt?

Auf einen Praxisbezug vor und während des agrar- und ernährungswissenschaftlichen Studiums wird an deutschen Hochschulen unterschiedlich viel Wert gelegt. Das hat die aktuelle Umfrage des VDL-Bundesverbandes ermittelt, an der sich 12 Universitäten und 13 Fachhochschulen beteiligt haben. Die Umfrage ist zugleich Beleg dafür, dass der Föderalismus in der deutschen Hochschullandschaft auch bei den Praktika-Anforderungen zwischen „Pflicht und Kür“ voll zur Geltung kommt. Sehr zum Leidwesen der Studierenden. Der nachfolgende Überblick kann eine erste Orientierung geben.
Vorpraktikum beim Bachelor-Studium

An den agrarwissenschaftlichen Fakultäten wird lediglich von den Universitäten Hohenheim und Kassel vor Beginn des Bachelorstudiums ein 8 bzw. 13 Wochen dauerndes Praktikum in einem Ausbildungsbetrieb vorausgesetzt. Die Humboldt-Universität Berlin erwägt die Einführung einer „Vorstudiumpflichtpraxis“ von zwei Monaten, während die Universität Rostock ein Praktikum ausdrücklich empfiehlt.

Alle Fachhochschulen – mit Ausnahme der Hochschule Anhalt/Bernburg – verlangen ein Agrar-Vorpraktikum. Die Dauer variiert zwischen 4 Wochen und 12 Monaten.

Ein landwirtschaftliches Praktikum befasst sich u. a. mit Arbeits- und Wirtschaftsabläufen in landwirtschaftlichen bzw. gartenbaulichen Betrieben, in Agribusiness-Unternehmen der Be- und Verarbeitung bzw. des Handels, in Dienstleistungsunternehmen aus dem Agrarbereich oder verwandter Disziplinen.

Im Fachbereich Ökotrophologie fordert keine der befragten Universitäten ein Praktikum vor Beginn des Studiums. Dagegen ist bei fast allen Fachhochschulen ein Vorpraktikum Voraussetzung zum Bachelorstudium, ausgenommen die Hochschulen Fulda und Albstadt-Sigmaringen. Die vorgeschriebene Dauer des Vorpraktikums reicht von 4 Wochen (HS Anhalt) bis zu maximal 3 Monate (FH Osnabrück).

Ein Vorpraktikum kann u. a. im hauswirtschaftlichen Bereich, in einschlägigen Betrieben der Lebensmittelverarbeitung und Produktion, in Kliniken, Pflegeheimen, Verbraucherzentralen, Cateringunternehmen, bei Verbraucher- und Ernährungsberatungsstellen oder in der Lebensmittelüberwachung geleistet werden.

Vorpraktikum beim Masterstudium

Beim Master Agrar setzen weder Universitäten noch Fachhochschulen ein Vorpraktikum voraus, nur die FH Bingen macht hier eine Ausnahme.

Auch im Fachbereich Ökotrophologie werden in der Regel keine Praktika vor Beginn des Masterstudiums verlangt. Ausnahmen bilden die Universität Hannover- Dauer 52 Wochen, berufspraktische Tätigkeiten in den Bereichen Versorgung und Betreuung oder abgeschlossene Ausbildung – und die Hochschule Niederrhein, die ein 12wöchiges Vorpraktikum vorschreibt.

Interne Praktika und Bachelorstudium

Beim Bachelor-Studium der Agrarwissenschaften werden Interne Praktika an fast allen Fachhochschulen (Ausnahme von FH Osnabrück und HS Südwestfalen-Soest) sowie an den Universitäten Gießen, Bonn, TU München und Kassel angeboten.

Diese können nach Anzahl, Art und Dauer stark variieren: Anzahl: 1 bis 21 (21 bei HS Niederrhein = es handelt sich hierbei um Pflichtpraktika innerhalb des Studienverlaufs )
Für den Agrarbereich sind u.a. im Angebot: Allgemeine und organische Chemie, Phytomed. Praktikum, Praktische Laboranalyse grundlegender Milch-, Fleisch- und Eiqualitätsparameter, Agrochemisches Praktikum und Pflanzenschutz.

Interne Praktika während des Ökotrophologie-Studiums finden mit Ausnahme der FH Osnabrück an allen Fachhochschulen sowie den Universitäten Halle-Wittenberg, Bonn, Potsdam, Kiel und Gießen statt.

Auch hier fallen die Angebote nach Art und Dauer sehr unterschiedlich aus. Die Palette reicht von Laborpraktika/ Pflichtpraktika bis zu Studienprojekten in Chemie/Lebensmittelchemie, Anatomie und Mikroskopische Anatomie.

Externe Praktika und Bachelorstudium

Keine Externen Praktika sind an den Agrarfakultäten der Universitäten Hohenheim, Gießen und Bonn sowie der Fachhochschule Kiel und der Hochschule Südwestfalen-Soest in den Bachelor-Studiengang integriert.

Die Anzahl der Praktika schwankt zwischen 1 und 6, die Praktikumsdauer an den Universitäten zwischen 12 Wochen (TU München) und 6 Monaten (Halle) sowie an den Agrar-Fachhochschulen von 8 Wochen (FH Osnabrück) bis zu 30 Wochen (HS Neubrandenburg).

Beim agrarwissenschaftlichen Bachelorstudium gehören zu den Offerten u. a. ein Landwirtschaftliches Betriebspraktikum, ein Berufliches Praktikum im landwirtschaftlichen Organisationsbetrieb des vor- und nachgelagerten Bereiches oder ein Agrochemisches Praktikum.

Im Fachbereich Ökotrophologie verzichten die Universitäten Gießen, Bonn und Potsdam sowie die HS Niederrhein auf Externe Praktika. Die Dauer der Externen Praktika bewegt sich an den Universitäten von 4 bis 8 Wochen, an den Fachhochschulen von 12 bis 20 Wochen oder 1 Semester. Es handelt sich hier beispielsweise um ein Berufsfeldbezogenes Praktikum, ein Betriebspraktikum im Ernährungsbereich oder um berufspraktische Semester.

Interne Praktika und Master

Die Anzahl sowie die Dauer der einzelnen internen Praktika im Masterstudiengang können von Uni zu Hochschule und von Studiengang zu Studiengang stark variieren. Es ist keine Vergleichbarkeit möglich, da verschiedene Einheiten (SWS, Semester, Wochen) gebräuchlich sind. Die Beschreibung der einzelnen Praktika ist ebenfalls sehr variabel. Es werden beispielsweise für Ökotrophologie die Fachbereiche Lebensmittelchemie, Ernährungstoxikologie, Biochemie der Ernährung und Forschungsprojekte (Kleingruppenarbeit) genannt. Bei den Agrarwissenschaften sind es z. B. Pflanzenzüchtung, Ernährungsphysiologie und im Vorlesungsbetrieb integrierte Praktika.

Es bieten jedoch nicht alle Universitäten und Fachhochschulen interne Praktika an.
Lediglich die Universitäten Gießen und Kiel sowie die Fachhochschule Hochschule Weihenstephan/ Triesdorf (Abteilung Triesdorf) schreiben für den Masterbereich Agrar interne Praktika vor. Für den Master Ökotrophologie liegt die Zahl der angebotenen Praktika an den Universitäten und Fachhochschulen deutlich höher.

Externe Praktika und Master

In den Masterstudiengängen Ökotrophologie/Ernährungswissenschaften und Agrarwissenschaften u.ä. werden weder an den Universitäten noch Fachhochschulen Externe Praktika gefordert – mit Ausnahme der Hochschule Anhalt (FH)/ Bernburg (Food and Agribusiness), Fachhochschule Eberswalde (Öko-Agrarmanagement), Hochschule Weihenstephan/ Triesdorf (Abteilung Triesdorf/ Agrarmanagement) und Hochschule Neubrandenburg (Agrarwirtschaft). Die Praktika-Anzahl liegt zwischen 1 und 2, die Dauer zwischen 12 und 22 Wochen, u.a. als Berufspraktikum, Unternehmenspraktikum , Praxissemester und Betriebspraktikum im vor- oder nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft.

Auslandsaufenthalt freiwillig

Ein Auslandsaufenthalt für Studierende der Agrar- und Ernährungswissenschaften ist laut Aussage aller Universitäten und Fachhochschulen freiwillig. Lediglich die HS Fulda macht eine Ausnahme. Hier haben deutsche Studierende einen Auslandsaufenthalt im Umfang vom 12 ECTS credits nachzuweisen.

Zu guter Letzt: Ein Dankeschön gilt allen Hochschulen, die sich an der VDL-Umfrage beteiligt haben.

Text: Dr. Dieter Barth/Margarete Nowak

Bundesmitgliederversammlung: Agribusiness im Osnabrücker Land

Anlässlich der diesjährigen Bundesmitgliederversammlung des VDL-Landesverbandes Weser-Ems stand der Tag der Fachexkursionen unter dem Leitthema „Globalisierung im Agribusiness und Auswirkungen auf das Berufsfeld“.

First Mover aus Tradition

Über 100 Jahre Landtechnikerfahrung kann das 1906 im emsländischen Spelle gegründete Unternehmen Krone aufbieten, das als „First Mover“ seiner Branche immer wieder innovative, richtungsweisende Entwicklungen im Grundfuttersegment präsentiert hat. So war Krone der erste Hersteller einer Rundballenpresse (Comi Pack) für die Landwirtschaft, die in einem Arbeitsgang pressen und wickeln konnte. Auch mit dem selbstfahrenden Hochleistungs-Mähaufbereiter „BiG M“ setzte das Unternehmen neue Maßstäbe nach Leistungsvermögen und Schlagkraft. Nach Aussage von Hermann Börger, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender, sind mittlerweile „weltweit über tausend BiG M mit einer Arbeitsbreite von 13.20 Meter im Einsatz“.

n der neuen Reihe „BiG X“ kann Krone den derzeit stärksten Häcksler der Welt mit den Leistungsklassen von 500 bis über 1.000 PS anbieten.

Landtechnik plus Nutzfahrzeuge

1971 war eine entscheidende Weichenstellung für das Familienunternehmen: Firmenchef Dr. Bernard Krone entschloss sich, neben Landmaschinen auch Nutzfahrzeuge am neuen Standort Werlte in das Produktprogramm aufzunehmen. Das zweite Standbein sorgte für eine deutliche Expansion auf den Inlands- und Auslandsmärkten.

Während die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2008/2009 im Landtechnikgeschäft noch einigermaßen moderat blieben, erlebte der Nutzfahrzeugmarkt einen regelrechten Einbruch. Im Geschäftsjahr 2009/10 ging der Umsatz der Krone-Gruppe (2.300 Mitarbeiter) auf 720 Mio. Euro zurück. Aber auch solche Schwächemomente kann das Familienunternehmen verkraften, liegt doch das Eigenkapital bei über 50 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die LVD Bernard Krone GmbH ein Umsatzplus von 4 bis 5 Prozent.

In den kommenden Jahren will Krone den Landtechnik-Standort Spelle mit 1.300 Mitarbeitern weiter ausbauen: „In das Projekt 2015 sollen über 30 Millionen Euro investiert werden, insbesondere für den Bau eines Versuchszentrums“, informiert Experte Börger die VDL-Besichtigungsgruppe. Mit der zunehmenden Stimmungskurve in der Landwirtschaft wächst auch der Optimismus in der Landtechnikbranche. Dass bei Krone in und für die Zukunft investiert wird, zeigt der mit über 17 Mio. Euro jährlich ausgestattete Bereich Forschung und Entwicklung: Hier sind 100 Entwicklungsingenieure und 40 Versuchstechniker beschäftigt.

Größenordnung kein Argument

In der Landwirtschaft fallen immer wieder „Ausnahmebetiebe“ ins Auge, wie etwa der Milchviehbetrieb Westrup-Koch GbR  in Bissendorf im Osnabrücker Land.

Foto: VDL

Die Größenordnung von zurzeit 517 Milchkühen, 480 Rindern, Jungrindern und Kälbern sowie 15 Zuchtbullen mag Zündstoff liefern für die Abstempelung “Massentierhaltung“ und allen dazugehörigen emotionalen Verwerfungen.

Doch die Besichtung und der Informationsaustausch mit Betriebsleiter Ulrich Westrup machte deutlich, dass die Größe eines Viehbestandes absolut keine Aussage über den Gesundheitszustand und das Leistungsvermögen von Nutztieren vermitteln kann. Davon konnten sich die VDLer überzeugen.

Vom aktuellen Milchviehbestand am 27. Mai waren gerade einmal zwei Tiere im Krankenstand und damit aus der Produktion genommen. „Das Wohl und Beobachten der Tiere hat für uns oberste Priorität“, bekennt Betriebsleiter Westrup, der sehr eng mit dem Tierarzt zusammenarbeitet und in betriebswirtschaftlichen Fragen auch die Kammerberatung einschaltet. Auch die Nähe und Anbindung zum Osnabrücker Herdbuch wird gesucht. Nicht von ungefähr liegt die durchschnittliche Milchleistung bei zurzeit 11.300 kg und fast 4 % Fettgehalt. Außer dem hohen Leistungssegment wird auch eine lange Nutzungsdauer der Tiere angestrebt. Vor allem mangelnde Eutergesundheit, nachlassende Milchleistung und instabiler Klauenzustand sind Gründe für eine Selektion aus der Herde.

Nichts dem Zufall überlassen

Für alle Arbeitskräfte (insgesamt 9 Voll-AK einschließlich drei Auszubildende) gibt es einen klar abgesteckten bestimmten Zuständigkeitsbereich. Alle Bereiche sind doppelt besetzt, um bei Ausfällen auf Nummer sicher zu gehen. „Ob Aufzucht, Fütterung oder Melken, wir überlassen nichts dem Zufall“, sagt Tierexperte Westrup, der auch für die Ausbildung im Betrieb verantwortlich ist.

Das durchdachte Management wird besonders im Melkstand 2 x 20 Side by side sichtbar. Das Melken in vier Leistungsgruppen geht ziemlich geräuschlos vor sich. „160 Kühe pro Stunde werden hier gemolken“, erläutert Betriebsleiter Westrup den Zeitaufwand.

Praxisbezug der Hochschule Osnabrück

Die Fakultät Landschaft und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück legt großen Wert auf einen ausreichenden Praxisbezug während des Studiums. So bietet der Versuchsbetrieb im WABE-Zentrum (Zentrum für Verbraucherinformation, Ernährung, nachhaltige Lebensmittelproduktion und Nacherntetechnologie) in Wallenhorst auch den Rahmen für Forschungsaktivitäten und zugleich die Plattform für wechselnde studentische Projekte. Dabei stehen der „Waldhof“(Bioland) für die ökologische und der „Nettehof“ für die konventionelle Landwirtschaft.

Foto: VDL

Während der Besichtigung des „Waldhofes“ erläuterte Prof. Dr. Hans-Werner Olfs den hohen Stellenwert einer praxisorientierten Lehre, die eine intensive Zusammenarbeit mit Unternehmen der Wirtschaft exerziert. Die Agrarfakultät beschäftigt insgesamt 175 Mitarbeiter, davon 60 Professoren und 37 wissenschaftliche Kräfte.

VDL mit der Land- und Ernährungswirtschaft verwurzelt

Die Verwurzelung des VDL – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. mit den Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft spiegelte sich auch in der Programmgestaltung der diesjährigen Bundesmitgliederversammlung vom 26. bis 28. Mai in der Katholischen LandvolkHochschule Oesede im Osnabrücker Land wider.

o konnte VDL-Präsident, Markus W. Ebel-Waldmann, am Begrüßungsabend unter den Ehrengästen u.a. den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel, den Verbandsdirektor vom Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V. WP Rainer Backenköhler (Oldenburg) und Peter Kuhlmann-Warning (Mitglied des Vorstandes, Volksbank Dammer Berge eG) begrüßen.

In seinem Kurzvortrag erläuterte Meyer zu Wehdel Aufgaben und Struktur der niedersächsischen Landwirtschaftskammer, die mit ihrer Zentrale in Oldenburg und den 11 Bezirksstellen insgesamt 2.400 Mitarbeiter zählt. „Wir wollen immer besser und effizienter werden, besonders im Bereich der Tierhaltungsversuche“, so der Kammerpräsident. Die Akzeptanz in der Gesellschaft sei eine „Riesenaufgabe für die Gesellschaft“. Hier könne die Landwirtschaftskammer mit Argumenten und Fakten sowie Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit einen wichtigen Beitrag leisten.

Studierende und Berufseinsteiger erhielten beim VDL-Jobforum „Employer Branding – Was tun Unternehmen der Agrarbranche, um junge Talente für sich zu gewinnen?“ nützliche Tipps von den Personalverantwortlichen aus Unternehmen der Agrar- und Umweltwirtschaft. So sollen Bewerber „am Arbeitsumfeld Gefallen finden“, sich nicht „verstellen“, sondern authentisch bleiben, die „Initiative ergreifen“ und hochprofessionelle Bewerbungsunterlagen abliefern. Beteiligt waren an dem von Dr. Clemens Schwerdtfeger (Dr. Schwerdtfeger Personalberatung) moderiertem Job-Forum: Jörg Schomburg (Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Katrin Selzer (EnviTec Biogas AG), Sascha Kus (Big Dutchman AG), Sigrid Seelhorst (Miavit GmbH) und Harald Krummenauer (R+V Allgemeine Versicherung AG).

Im Rahmen des VDL-Begegnungsabends machte Dr. Clemens Schwerdtfeger mit seiner Fragestellung „Fach- und Führungskräftemangel in der Agrar- und Ernährungsindustrie – Mediales Schreckgespenst oder Wachstumsbremse?“ auf einen vielfach noch unterschätzten Problembereich aufmerksam. Vor allem eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft sei notwendig „Die Chancen für den Nachwuchs sind hervorragend, wir haben einen echten Bewerbermangel“, so Dr. Schwerdtfeger, der einen weiteren Schlüssel in der gezielten Imagebildung für die Agrarwirtschaft sieht.

Bei der Mitgliederversammlung des VDL Bundesverbandes stellte VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann wiederholt die Position des Verbandes bei der Umsetzung von Bachelor- und Masterstudiengängen heraus. „Mit allein 300 Studiengängen im Agrarbereich ist die totale Verunsicherung für unsere Studierenden vorprogrammiert“, so Ebel-Waldmann. In der Diskussion wurde von den VDL-Mitgliedern die schwindende Praxisnähe beim Studium der Agrarwissenschaften kritisiert. Hier solle der VDL auch weiterhin zu mehr Transparenz beitragen und eine engere Vernetzung zwischen Studierenden und dem Berufsfeld „Agrar-Ernährung, Umwelt“ fördern.

VDL-Fahrt: Brüsseler Lobbyarbeit kennengelernt

Ende März nahmen 34 Teilnehmer am diesjährigen Brüssel-Seminar teil, um sich über die neuesten Entwicklungen in der EU-Agrar- und Ernährungspolitik zu informieren. Die Zusammensetzung der Seminarteilnehmer war in diesem Jahr besonders heterogen: Studenten, Berufseinsteiger, Berufstätige, Rentner gleichmäßig verteilt aus dem gesamten Bundesgebiet und aus den verschiedenen Berufsfeldern. Dadurch wurden die Diskussionen mit den Referenten und auch untereinander ungemein bereichert.

Das Seminar startete mit einem Stadtrundgang durch die Brüsseler Innenstadt vorbei am Grand Place, Manneken Pis, dem Königlichen Palst und den zahlreichen europäischen Einrichtungen wie Parlament und Kommission.

Nach einem ersten Eindruck von Brüssel folgte der Einstieg in das Fachprogramm. Im Deutschen Haus der Land-und Ernährungswirtschaft wurden wir von Willi Kampmann vom Deutschen Bauernverband und Dr. Thomas Memmert vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) begrüßt. Beide gaben einen Einblick in Organisation und Aufgaben ihrer jeweiligen Verbände. So machte Kampmann deutlich, warum seine Arbeit in Brüssel wichtig ist für die deutschen Landwirte und wie sich seine Arbeit in Brüssel gestaltet. Dr. Memmert stellte dar, welche Organisationen im DRV zusammengefasst sind und welche Themen aktuell auf der Agenda stehen. Im Laufe der beiden Vorträge gesellten sich Vertreter verschiedener Institutionen und ständigen Vertretungen zu der Seminargruppe. Nach einer allgemeinen Vorstellungsrunde aller Teilnehmer und Gäste, bestand die Gelegenheit mit allen anwesenden Vertretern in lockerer Runde ins Gespräch zu kommen, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde.

 

Beim Empfang des Raiffeisenverbandes und Bauernverbandes für das Brüssel-Seminar (Foto: VDL)

 

Am folgenden Morgen war es zunächst schwierig zu unserem ersten Programmpunkt zu gelangen, da viele Straßen um die EU-Kommission wegen Demonstrationen und EU-Gipfel abgesperrt waren. So absolvierten wir das letzte Stück zu Fuß, bevor wir, nach dem „Einchecken“ ins Kommissionsgebäude, dem Vortrag von Antonia Lütteken zum Thema Ländliche Entwicklung hören konnten. Sie machte einmal mehr die Problematik deutlich, die die große Diversität innerhalb und zwischen den Mitgliedsstaaten mit sich bringt, wenn man versucht eine gemeinsame Politik zu gestalten und gab dann einen Ausblick auf die zukünftigen Regelungen nach 2013 zum Thema ländliche Entwicklung. Anschließend präsentierte uns Gebhard Seiwald, ebenfalls von der Kommission, verschiedene Aspekte zur Lebensmittelsicherheit und -kennzeichnung, bevor uns Felix Bloch mit einem spritzigen Vortrag zu Im- und Exportinteressen der EU am Beispiel der bilateralen Beziehungen zwischen EU und USA, begeisterte und die Bedeutung der EU Handelspolitik herausstrich. Dabei wurde deutlich, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten keinen Einfluss auf den EU Handel haben und bei Verhandlungen über Handelsabkommen und -beziehungen häufig viel Politik im Spiel ist, wodurch viel diplomatisches Geschick beim Aushandeln der Konditionen nötig sein kann.

Im Anschluss blieb uns über eine Stunde der Weg aus dem Kommissionsgebäude versperrt, da draußen Demonstranten vorbeizogen, wodurch sich unser Programm etwas verzögerte. Nach einem abenteuerlichen Weg durch das Kommissionsgebäude trafen wir schließlich zu den Vorträgen von Dr. Tania Runge von COPA/COGECA und Stephan Jürgenliemk vom Zentralverband Gartenbau ein. Beide berichteten kurz über ihren Werdegang und wie es sie letztlich nach Brüssel verschlagen hat, bevor es mit dem fachlichen Teil begann. Hier berichtete Dr. Runge über Aufbau und Funktion von Copa/Cogeca und welchen Arbeitsaufwand eine solch große, internationale Interessenvertretung mit sich bringt, zum Beispiel in Form von Übersetzungen aller Papiere in 6 verschiedene Sprachen, aber auch immer wieder die Kompromissfindung hin zu einem gemeinsamen Standpunkt aller Mitgliedsverbände. Der Lohn dafür ist dann andererseits aber auch, dass die Stimme von Copa/Cogeca bei den Brüsseler Institutionen Gewicht hat. Herr Jürgenliemk strich die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den heimischen Verbänden und Praktikern für seine Arbeit in Brüssel heraus, um eine fachlich fundierte Einschätzung zu bestimmten Sachverhalten geben zu können.

Anschließend folgte die Besichtigung des Europäischen Parlaments inklusive Sitzungssaal mit sehr anschaulicher Einführung in die Arbeit des Parlaments durch Herrn Böcker, Mitarbeiter der EU-Abgeordneten Elisabeth Jeggle. Anschließend erzählte Frau Jeggle von ihrer Arbeit, wie etwa dem Berichte schreiben und Kommentieren oder der Bedeutung der Lobbisten für ihre Arbeit. Auch nahm sie sich, wie im letzten Jahr, wieder viel Zeit für unsere Fragen. So beantwortete sie etwa die Frage: „Was muss ein junger Mensch mitbringen, wenn er in Brüssel arbeiten will?“ Nach dem abschließenden Gruppenfoto vor den Flaggen der Mitgliedsstaaten ging es über in den geselligen Netzwerkabend.

 

Julian Böcker vom Büro Jeggle erläutert den Plenarsaal des EU-Parlaments (Foto: VDL)

 

Das Brüssel-Seminar endete am Freitag mit einem Vortrag von Dr. Franz Eversheim von Bayer CropScience zum Thema Biotechnologie, was wie erwartet einige Diskussionen mit und unter den Teilnehmern auslöste. Weiterhin gab er seine Einschätzung was bei Lobbyarbeit in Brüssel besonders wichtig ist. Abschließend präsentierte uns Götz Brandau vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels den Aufbau und die Aufgaben seines Verbandes, bevor er das Dauerbrennerthema „Lebensmittelkennzeichnung“ behandelte, von dem er hofft, dass es nach gut drei Jahren Diskussionen in Brüssel bald eine einheitliche Regelung geben wird.

Danach ging es auch schon wieder mit dem Bus zurück nach Köln. Alles in allem war es also wieder eine gute Mischung aus Information, Netzwerken und, in diesem Jahr, auch ein kleinem bisschen Abenteuer.

Maria Brockmann