VDL-Landesverband Niedersachsen auf der Grünen Woche

Seit 1969 richtet die Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft den nieder­sächsischen Messeauftritt auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin aus. Auch in diesem Jahr wurde in Halle 20 wieder ein vielseitiges Programm mit Brauchtum zum Anfassen, köstlichen Spezialitäten von niedersächsischen Unternehmen und Einblicken in die schönsten Gegenden unseres Bundeslandes geboten. Natürlich waren wir wieder mit dabei, befassten uns mit den Zukunftsperspektiven unserer Land- und Ernährungswirtschaft, nutzten den Niedersachsen-Abend ausgiebig zum Netzwerken und verschafften uns auf der Messe einen kompakten Überblick über die neuesten Trends.

Zukunft der Landwirtschaft erfordert Mut zur Veränderung

Hat uns was zu sagen: Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (Foto: Jens Ditter)

Vor dem abendlichen Netzwerk-Vergnügen stand die Beschäftigung mit einem ernsten Thema an. Die von der Marketinggesellschaft organisierte Zukunftswerkstatt widmete sich mit einem Expertenpodium von Rang und Namen dem “Agri-Food-Sektor im Transformationsprozess” und diskutierte die Frage, wie die Landwirtschaft die Treiber der Zukunft nutzen kann.

„Wie sollen wir uns konkret anpassen, und woran?“, fragte Ulrich Löhr, Vorstandsvorsitzender der Marketinggesellschaft, und bemängelte, dass die Bundesregierung ja „nur auf Sicht fahre“. Dabei werde in der gesellschaftlichen Diskussion außer Acht gelassen, dass die Landwirtschaft nicht nur CO2 produziere, sondern gleichzeitig zu den großen CO2-Senkern gehöre; außerdem leiste sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und Qualität der Ernährung. Die Experten auf dem Podium vertraten teilweise recht kontroverse Positionen und präsentierten ein breites Spektrum von Einschätzungen. Kompetenzen und Ressourcen für zukunftsfähige Lösungsansätze seien gegeben, sie erforderten aber auch den Mut zur Veränderung, zu unkonventionellen Lösungsansätzen und die Bereitschaft, “für etwas zu sein”. Dann sei die Basis für die eigene Gestaltung der Zukunft gegeben. Mit Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Ministerpräsident Stefan Weil, der das Schlusswort sprach, war auch die niedersächsische Politik prominent vertreten, und nicht in allen Fragen herrscht Einigkeit mit der Bundespolitik.

Netzwerken auf höchstem Niveau

Höhepunkt des niedersächsischen Messeauftritts in Berlin ist der Niedersachsen-Abend – ein Branchentreff, bei dem kein Niedersachse fehlen sollte. Sehen und gesehen werden, wirklich jede/r, der oder die in der Branche etwas zu sagen oder zu tun hat, ist hier dabei. Entsprechend voll und laut war es auch in diesem Jahr wieder, 3.000 Gäste füllten die Halle 20, hatten sich eine Menge zu sagen, feierten abgeschlossene Projekte und hoben neue aus der Taufe. Dazu gab es reichlich Gutes aus Niedersachsen in fester und noch mehr in flüssiger Form und Stimmung von der Bühne, was bei der gebotenen Hallenakustik allerdings eher zu einem Wettbewerb in Dezibel mutierte. Seit einigen Jahren folgen auch die niedersächsischen VDLer dem Ruf nach Berlin und laden sich dazu auch gleich noch Gäste aus den benachbarten Landesverbänden ein. Auch in diesem Jahr war der VDL wieder gut vertreten.

Du entscheidest

Nach einer kurzen Nacht zogen die Teilnehmer*innen noch einmal zur Grünen Woche, um sich ein wenig umzusehen und dann einen gemeinsamen Rundgang in der Halle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu erleben. Hier wurde uns die besondere Ehre zuteil, von Cornelia Berns persönlich alles über das Hallenkonzept zu erfahren. Als neue Leiterin der Unterabteilung „Bodenmarkt, Export, Absatzförderung“ im BMEL ist sie unter anderem zuständig für das Messereferat, wo das Ausstellungskonzept ausgearbeitet wurde.

Unter dem Motto “Du entscheidest” stellte das BMEL in diesem Jahr den Verbraucher und seine Einflussmöglichkeiten innerhalb der Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt seiner Messe-Präsenz in Halle 23a. In das Ausstellungskonzept waren zahlreiche Institutionen im Geschäftsbereich des BMEL mit einem breiten Spektrum von Themen eingebunden. So war das Bundessortenamt in Hannover vor Ort, um den Messebesuchern die Feinheiten bei der Beurteilung unterschiedlicher Kartoffelsorten nahezubringen. Dazu konnte man die verschiedenen Sorten auch verkosten. Herkunfts- und Qualitätskennzeichnung und das Unterbinden krimineller Machenschaften waren ein weiteres zentrales Thema in mehreren Ausstellungsbereichen. Das Max-Rubner-Institut informierte über marine Speisefische und zeigte, wie sich herausfinden lässt, ob im Restaurant wirklich der teure Qualitätsfisch auf den Tisch kommt oder nur ein “Plagiat” unter der Panade versteckt wurde.

Kartoffelvielfalt – ansprechend präsentiert vom Bundessortenamt (Foto: Horst Ringe)

Vom Einkauf in einem virtuellen Supermarkt bis hin zur Zubereitung und Verwertung von Nahrungsmitteln wurde aufgezeigt, wie der Verbraucher mit seinen eigenen Entscheidungen Einfluss entlang der Stufen im Nahrungsmittelbereich nimmt. Inwieweit sich über die Zahlungsbereitschaft auch Veränderungen bei der Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln, vor allem in der Landwirtschaft, auf den Weg bringen lassen, ließ sich auf einem virtuellen Landwirtschaftsbetrieb ausprobieren. Hier konnte der Messebesucher verschiedene Vorgaben zum Tierwohl auswählen und nachvollziehen, welchen Einfluss seine Vorgaben auf die Produktionskosten und den daraus resultierenden Verbraucherpreis haben.

Ob Tropenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder zertifiziertes Palmöl, Ideen für den Insektenschutz im eigenen Garten, Rezepte für die Verwertung von Nahrungsmittelresten oder Alltagsprodukte aus Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen – über all das und noch viel mehr konnte man sich in dieser wirklich vielseitigen Halle informieren. Dabei wurde gleichzeitig deutlich, wie das BMEL mit seinen Forschungseinrichtungen durch politisches Handeln und Forschung den Rahmen für bewusste Verbraucherentscheidungen schafft.

Dass der VDL “nicht der Kegelclub” ist und die Teilnehmer*innen kompetent und kritisch nachfragen würden, war Cornelia Berns natürlich klar, schließlich ist sie auch langjähriges Vorstandsmitglied im VDL Landesverband Ost. So waren wir bei ihr nicht nur im doppelten Sinne bestens aufgehoben, sondern wurden nach der Führung auch noch zu einer echten Berliner Currywurst eingeladen. Dabei ergab sich die Gelegenheit, die Eindrücke aus dem Hallenrundgang im Gespräch zu vertiefen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Cornelia Berns und kommen nächstes Jahr gerne wieder zur Grünen Woche nach Berlin.

Torsten Hansen, Ruth Franken

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Eine Studienreise mit dem Schiff

Es war ein Versuch und er ist gelungen. Erstmals unternahm der VDL Niedersachsen mit 26 Teilnehmern eine agrarische Bildungsreise und kombinierte diese mit einer Kreuzfahrt. So war es möglich, in acht Tagen eine portugiesische und vier spanische Inseln im Atlantik zu besuchen: das schöne Madeira, das vulkangeprägte Lanzarote, das agrarische La Palma, das vielfältige Teneriffa  und das touristische Gran Canaria. Dazwischen hatte man auf der AIDAstella alle Möglichkeiten der Ablenkung und eine unglaubliche Fülle an kulinarischen Angeboten. Einen ausführlichen Bericht und die schönsten Bilder gibt es hier zum Ansehen und Downloaden.

30 Jahre Walderneuerung im Harz – Klimawandel und Borkenkäfer bringen umfangreiche Waldaufforstungen

90 % Mischwälder durch das LÖWE-Programm (langfristige ökologische Waldentwicklung) bis zum Jahr 2050, so lautet ein Ziel der Niedersächsischen Landesforsten für Ihre Wälder im Harz. Doch der Borkenkäfer hat ihnen in den letzten Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Gruppe von niedersächsischen Agrarjournalisten und VDL-Mitgliedern machte sich jüngst ein Bild vor Ort in der Nähe von Torfhaus bei Altenau. Ein Bericht von Angelika Sontheimer (VDAJ)

 

Was 1987 mit einem 7-Jahresprogramm begann, hält bis heute an: Mitte der 1980er Jahre begannen die Niedersächsischen Landesforsten, die aufgrund von Immissionsbelastung, landläufig unter den Schlagworten „Waldsterben durch sauren Regen“ bekannt, stark geschädigten Fichtenwälder mit Laubbäumen zu erneuern. 12 Mio. Buchen und 2 Mio. Bergahorne, Eschen, Roterlen wurden damals gepflanzt. Dieses Walderneuerungsprogramm ging 1991 in das LÖWE-Programm auf. Doch dann machten Klima, Wetter und der Borkenkäfer in den Jahren 2018 und 2019 den Harzwäldern zu schaffen: „Wir haben in den vier Harzforstämtern im Jahr 2017 unsere normale Einschlagsmenge von 344.000 Kubikmeter geerntet. 2018 waren es 749.000 und 2019 sogar 940.000 Kubikmeter“, berichtet Regional-Pressesprecher Michael Rudolph vom Forstamt Clausthal. Nachdem auch der Sommer 2019 sehr trocken war, habe sich die Lage noch einmal verschärft. „Die Borkenkäfer haben sich in den südniedersächsischen Wäldern weiter massenhaft vermehrt und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in der Holzernte eine Sisyphus-Arbeit, die ihnen mehr und mehr zusetzt“, erklärt Rudolph. Das Schadholz überschwemme einen sowieso schon übersättigten Holzmarkt, die Fichtenpreise seien mittlerweile um die Hälfte reduziert.

 

300 Mio. Euro Schaden in Gesamt-Niedersachsen

Im Waldzustandsbericht 2019 wird der Schaden durch die Wetterextreme der letzten Jahre für die Landesforsten auf ca. 300 Mio. Euro beziffert. Die Wetterextreme schlugen hart durch: „Das Vegetationsjahr 2018/2019 war das zweite Jahr in Folge, das deutlich zu trocken und zu warm war. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 -1990 waren von 12 Monaten 8 zu trocken und 11 zu warm. Die höchsten Abweichungen mit bis zu +2,5 °C und nur 70 % des Niederschlagssolls während der Vegetationsphase wurde u.a. im Harz beobachtet“, berichtet Sebastian Alexander Höft, Forst-Referendar am Forstamt Clausthal.

 

Holzkonservierung und Export nach China

Um den Holzmarkt zu entlasten, haben die Niedersächsischen Landesforsten einen Teil des Schadholzes durch spezielle Methoden langfristig eingelagert, um dieses bei Entspannung auf dem Holzmarkt zu besseren Holzpreisen verkaufen zu können. Die Holzkonservierung erfolgt in Nasslagern, wo das Fichtenholz dauerhaft während der warmen Jahreszeit in einem Kreislaufsystem beregnet wird. Als zweite Konservierungsmethode werden Folienlager, sogenannte Woodpacker, genutzt, bei denen durch das Verschweißen der einzelnen Folienlagen ein Sauerstoffabschluss erzielt wird. Aufgrund der Übersättigung des Holzmarktes, seien die heimischen Sägewerke bereits völlig ausgelastet. Als einziger momentan noch guter Abflusskanal des Fichtenschadholzes diene der Exporthandel, vor allem mit Fichtenstammholz nach China, erklärten die Forst-Praktiker.

 

Fichte bleibt, Laubbäume und Lärche kommen dazu

Umfangreiche Wiederaufforstungen stehen jetzt an. In den Hochlagen des Harzes bleibt auch künftig als Anbauschwerpunkt die Fichte. Diese soll aber zukünftig vermehrt in Mischbeständen stehen, um die Wälder stabiler gegenüber klimatischen und biotischen Schadereignissen zu machen. „Wir wollen zukünftig auf die Anpassungspotentiale der heimischen Baumarten der Laub- und Nadelbäume setzen und bewährte nicht-heimische Baumarten wie die Douglasie zur Risikoverteilung miteinbeziehen“, erläutert der Clausthaler Forstamtsleiter Ralf Krüger. Die Douglasie soll beispielsweise die Fichte in Zukunft auf den trockenen sonnenexponierten Hanglagen sowie auf exponierten Lagen ersetzen, da sie ein geringeres Trockenstressrisiko hat. „Hier wollen wir den Anteil bis 2055 von derzeit 1 % auf 5 % erhöhen“, erklärt Krüger. Weitere Mischbaumarten sind Bergahorn, Eberesche, Birke, Roterle und Europäische Lärche. Das Gelingen der Aufgabe hänge jetzt von der Finanzierung ab. Die klimabedingten Schäden gingen auf gesamtgesellschaftliche Ursachen zurück und die Wiederaufforstung liege im Interesse aller, erklärte Landesforsten-Präsident Dr. Klaus Merker Ende November bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts.

Autorin: Angelika Sontheimer

Wege in den Beruf – Unternehmen stellen sich vor

Bereits zum dritten Mal hat die VDL-Studierendengruppe Göttingen am 20. November 2019 mehrere Arbeitnehmende aus der Agrarbranche eingeladen. Referiert wurde über den eigenen Werdegang sowie die Einstiegsmöglichkeiten in das jeweilige Unternehmen, welche für die Studierenden besonders interessant waren und intensiv diskutiert wurden.

Mandy Reese, HR Business Partner bei KWS Saat, hat Wirtschaftswissenschaften studiert und ist über ein Trainee-Programm ins Unternehmen eingestiegen. Dies wird individuell gestaltet und bietet ebenfalls für Agrarwissenschaftler eine interessante Option für den Berufseinstieg. Aber auch das Anfertigen von Abschlussarbeiten mit vorhergehendem Praktikum oder Initiativbewerbungen sind willkommen. Die Unternehmenssprache Englisch sollte sicher beherrscht werden – Es handelt sich um ein international agierendes Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern weltweit.

Joachim Zwank und Sarah Brandmann von der VR Plus Bank haben hingegen ein regional verwurzeltes Unternehmen mit 100 Jahren Erfahrung vorgestellt. Im Agrarbereich, welcher Lagerung, Bezug, Produktion und Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse umfasst, sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Für Studenten gibt es diverse Möglichkeiten von Praktika, Werksstudentenjobs oder der Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten bis hin zum Direkteinstieg nach dem Studium, zum Beispiel in den Vertrieb. Initiativbewerbungen sind auch hier gerne gesehen, wie Frau Brandmann betonte.

Frank Deckert stellte die AGRAVIS Raiffeisen AG mit ihren 400 überwiegend nationalen Standorten und den verschiedenen Kerngeschäftsfeldern vor. Agrarwissenschaftler werden in den Bereichen Futtermittel, Pflanzenbau und Technik ebenso wie für den Rohwarenhandel und das Marketing eingestellt. Es besteht die Möglichkeit ein Orientierungspraktikum zu absolvieren, um sämtliche potenzielle Einsatzbereiche kennenzulernen, aber auch spezifische Praktika, eine Kooperation bei Abschlussarbeiten und die Teilnahme an einem Trainee-Programm werden angeboten. Im Rahmen von training-on-the-job, also der Ausbildung direkt am Arbeitsplatz, ist für Berufsanfänger auch ein Direkteinstieg möglich.

Über 50 Studierende nahmen an der Veranstaltung teil und konnten wertvolle Informationen über die Charakteristika der Unternehmen und Tipps für den Berufseinstieg aus erster Hand erhalten. Auch für das nächste Semester ist dieses erfolgreiche Veranstaltungsformat wieder geplant!

„Hochschule trifft Praxis – Wie gelingt der Berufseinstieg?“ auf der Agritechnica 2019 in Hannover

Der VDL Bundesverband und der VDL Landesverband Niedersachsen boten auf der diesjährigen AgriTechnica in Hannover am Donnerstag, den 14. November 2019 gemeinsam zwei Messerundgänge zu den Themen „Agrartechnik“ und „Agrarverwaltung“ an, die sich an Studierende und Absolventen der Agrarwissenschaften richteten. Die AgriTechnica ist die weltweit größte Leitmesse der Landwirtschaft, auf der alle führenden Unternehmen der Branche ihre Neuheiten und Innovationen präsentieren.

Bei den Messerundgängen berichteten Personalverantwortliche und Mitarbeiter über typische Berufsfelder für Agrarier in ihren Institutionen, erläuterten ihre Anforderungen an Bewerber und gaben einen Überblick über die aktuellen Jobperspektiven. Neben beruflichen Einstiegsmöglichkeiten informierten sie auch über Praktika sowie Bachelor- und Master-Arbeiten.

Die besuchten Unternehmen und Behörden waren sehr offen für die Studierenden und ihre Fragen. Beim Rundgang der Agrarverwaltung erhielten die Studierenden beispielsweise vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Tipp, sich im Studium und in der Praxis möglichst breit aufzustellen, da viele große Bundesbehörden nach Generalisten suchen. Als Agrarwissenschaftler hat man hierbei hervorragende Voraussetzungen. Es gibt jedoch auch Bundesbehörden wie z.B. das Bundessortenamt, die im Gegensatz dazu explizit nach Spezialisten im Bereich Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung suchen. Als allgemeiner Tenor stellte sich heraus, dass die beruflichen Aussichten sowohl im Bereich der Agrarverwaltung als auch in den Unternehmen in den nächsten Jahren rosig aussehen. Viele Institutionen stehen kurz vor einem Generationswechsel und suchen verstärkt neue und gut qualifizierte Mitarbeiter*innen. Hierfür haben die Teilnehmenden der Messerundgänge heute zahlreiche Tipps und Informationen für einen erfolgreichen Berufseinstieg mitnehmen können.

Beide Gruppen besuchen anschließend gemeinsam den Stand von Corteva AgriscienceTM, um sich über berufliche Möglichkeiten im Pflanzenschutz unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu orientieren. Im Anschluss an die Rundgänge stand die Podiumsdiskussion zum Thema „Ab vom klassischen Weg und auf zum neuen Berufsziel!“, die im Rahmen des Fachprogramms des Young Farmers Day der DLG e. V. stattfand.

Den Abschluss bildete ein Get Together auf der Karrieremeile, wo die Teilnehmenden ihre Fragen im persönlichen Gespräch mit den Personalern der Aussteller klären und individuelle Tipps für den Berufseinstieg erhalten konnten. Speziell für die Interessenten an einer Laufbahn im öffentlichen Dienst wurde die Möglichkeit geboten, am Gemeinschaftsstand der Landwirtschaftskammern das Berufsfeld “Agrarverwaltung” noch einmal von einer anderen Seite zu betrachten. Hier ging es um den Transfer von Verwaltungshandeln auf die Ebene der landwirtschaftlichen Praxis. Die Vertreter der Landwirtschaftskammern gaben den Interessierten Hinweise zum Referendariat für den Gehobenen und den Höheren Dienst.

Wir blicken zurück auf einen erfolgreichen Tag auf der Agritechnica 2019 mit zwei interessanten Messerundgängen und zahlreichen hilfreichen Tipps für den Berufseinstieg und die weitere Karriere. Die nächsten Messerundgänge in Hannover wird der VDL zur EuroTier im November 2020 anbieten. Zuvor sind wir jedoch noch zu Gast auf der Internationalen Grünen Woche im Januar 2020. Alle Details und Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

Kosten sparen und Einkommen sichern in der Milcherzeugung – was Landmaschinenhandel und Molkerei dazu beitragen können

Im Rahmen einer ganztägigen Exkursion besuchten 32 VDLer aus Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zwei wichtige Geschäftspartner der Milchvieherzeuger im Elbe-Weser-Dreieck. Sie erkundeten, welchen Beitrag die Fricke Landmaschinen GmbH und das Deutsche Milchkontor zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Milcherzeuger leisten können, wenn Dürre und Marktschwankungen die Liquidität bedrohen.

Landmaschinen sind ein erheblicher Kostenfaktor im Betrieb, zumal gerade eine schlagkräftige Erntetechnik schnell mit mehreren Hunderttausend Euro zu Buche schlägt. Landmaschinen jeglicher Art sind das Geschäftsfeld der Fricke Landmaschinen GmbH in Heeslingen, die mit insgesamt 2.600 Arbeitskräften an neun Standorten zu den fünf größten Landtechnikhändlern in Deutschland gehört. Geschäftsführer Joachim Schlesselmann, der den Gebrauchtmaschinenbereich verantwortet, gab einen Überblick über das Unternehmen und die nationalen und internationalen Märkte, auf denen Fricke vertreten ist.

Ein optimales, sprich kundenorientiertes Sortiment aus Sicht des Landmaschinenhandels würde wohl in jedem Segment den Marktführer erwarten lassen – das wäre dann Claas für die Erntetechnik in der Region und Fendt bei Traktoren, um nur zwei Beispiele herauszugreifen. Das ist allerdings nicht im Sinne der Unternehmenspolitik der Hersteller, die von ihren Händlern eine klare Alleinvertretung verlangen. Heißt im Fall der Fricke Landmaschinen GmbH, dass bei Neumaschinen die Produktpalette von Claas angeboten wird, obwohl die Claas-Traktoren in der Region einen eher kleinen Marktanteil haben. Hier gab die Erntetechnik den Ausschlag für die Entscheidung, den Handel mit neuen Traktoren von Fendt dem Wettbewerb zu überlassen.

Anders liegt der Fall bei Gebrauchtmaschinen, da wird jede Marke angeboten, die Fricke ins Sortiment bekommen kann – natürlich auch der Farmer 306 von Fendt. Vor allem für Landwirte, die genau kalkulieren müssen, ist das Gebrauchtsortiment von Fricke mit bis zu tausend vorgehaltenen Maschinen sehr interessant. Aber auch Landwirte im Ausland wissen die Expertise von Fricke zu schätzen – ca. 70 % der Gebrauchtmaschinen werden exportiert. Weitere Standbeine des Unternehmens, das 1923 aus einer Dorfschmiede hervorgegangen ist, sind unter anderem die Herstellung von Geräten zur Boden- und Grünlandbearbeitung (Marke Saphir) und eine breite Palette von Komponenten und Ersatzteilen für Maschinen und Geräte aller Hersteller (Marke Granit Parts). Ein umfangreicher Servicebereich bis hin zum Erntenotdienst rundet das Angebot der Firma ab.

Beim Rundgang durch den Werkstattbereich – das gesamte Gelände hätte für einen ganzen Tag gereicht – gab es vor allem Maishäcksler mit ihren riesigen Beißwerkzeugen zu bestaunen, die hier für den anstehenden Ernteeinsatz fit gemacht wurden.

Nach dem Mittagessen ging es nach Zeven zum Deutschen Milchkontor, wo der Standortleiter des größten DMK-Werks Ulf Tabel die VDLer schon erwartete. Hier wurde diskutiert, welchen Beitrag die Bindung an den Abnehmer DMK auf der Ertragsseite zum wirtschaftlichen Erfolg der Milcherzeugung leistet. Das DMK gehört zu den größten Molkereiunternehmen in Deutschland und ist ungeachtet der Firmierung als Aktiengesellschaft fest in landwirtschaftlicher Hand. Die Erwartung, angesichts der Größe und Eigentumsverhältnisse auch einen attraktiven Milchauszahlungspreis zu erzielen, wird aktuell allerdings (noch) nicht erfüllt.

Ulf Tabel gab zum Einstieg einen Überblick über das Unternehmen: 8 Mrd. kg Milch werden jährlich von 7.000 Milcherzeugern angeliefert, davon 2,9 Mrd. kg GVO-frei. Am Standort Zeven ist der Hauptsitz des DMK mit der Verwaltung und der F&E-Abteilung angesiedelt sowie das größte der über 20 Werke, das mit 1.082 Mitarbeiter auch der größte regionale Arbeitgeber ist. Hier befindet sich die Trocknungsanlage, die täglich 150.000 kg Milch verarbeitet, außerdem werden Sauermilchprodukte, H-Milchprodukte und Kondensmilch hergestellt. 40 % der Milchmenge wird am Standort Edewecht zu Käse verarbeitet.

Mit vielen Zahlen im Kopf reichte die Zeit gerade für einen schnellen Rundgang, vorbei an der Milchanlieferung, die täglich 160 Tankwagen abfertigt, durch die Abfüllanlage für H-Milch und haltbare Milcherzeugnisse. In der Stunde können 24.000 Packungen abgefüllt werden, die überwiegend nach Asien exportiert werden. Die Lagerkapazität beträgt 50.000 Palettenstellplätze, rund 180 LKW-Abholer tummeln sich im Werksbereich, um die Produkte auf den Weg zu bringen. Positiv für den Export ist auch die Nähe zum Hamburger Hafen, der nur 76 km von Zeven entfernt ist. Milch ist ein empfindliches Produkt und die Verarbeitung enorm energieaufwendig. Der Energieverbrauch des 34 ha großen Werksgeländes in Zeven liegt in der Größenordnung einer mittleren Kleinstadt, vier eigene Brunnen gewährleisten die Wasserversorgung.

Natürlich kam auch der kürzlich erfolgte Rückruf von Milch von einem DMK-Werk in NRW zur Sprache, den Tabel als einen guten Beweis für professionelles Krisenmanagement bezeichnete. Eigenkontrollen hatten eine erhöhte Keimbelastung in einer Partie Frischmilch nachgewiesen, die nur durch ein undichtes Ventil verursacht worden sein konnte. Die Ursache war schnell gefunden und beseitigt, parallel erfolgte der Rückruf mit genauer Bezeichnung der fraglichen Etikettierung. 800.000 l Milch wurden zurückgerufen, Verbraucher brachten 600 l zum Umtausch, fünf Fälle leichter Übelkeit wurden gemeldet.

Nach dem Rundgang erlaubte Heinz Korte, Milcherzeuger und seit drei Jahren Aufsichtsratsvorsitzender des DMK, den Besuchern einen tieferen Einblick in die täglichen Herausforderungen, die die Führung eines so großen Unternehmens mit sich bringen. Er vertritt gegenüber dem hauptamtlichen Management die Interessen von ca. 6.000 Genossenschaftsmitgliedern und knapp 8.000 Mitarbeitern. Der Aufsichtsrat setzt sich aus sechs Eigentümern und sechs Mitarbeitern zusammen und verantwortete 2018 einen Gesamtumsatz von ca. 5,6 Mrd. Euro.

Die Milcherzeuger wirtschaften mit durchschnittlich 200 Kühen, ein Viertel der Betriebe arbeitet noch mit Anbindehaltung, allerdings in den meisten Fällen kombiniert mit Weidegang. Korte stellte dazu fest, dass manche Anbindehaltungen besser organisiert sind und die Kühe einen besseren Eindruck machen als in einigen Betrieben mit Boxenlaufställen. Nicht die Haltung, sondern die Fähigkeiten des Betriebsleiters seien hier die ausschlaggebenden Faktoren.

Kritisch hinterfragt wurde die Leistungsfähigkeit des DMK, deren Auszahlungspreis in den letzten Jahren im Molkereivergleich auf den hinteren Plätzen landete. Heinz Korte gab dazu offen Auskunft und berichtete, dass infolge der Milchmarktkrise der letzten Jahre und der Folgen der Dürresommer viele Lieferanten ihre Verträge gekündigt hätten; insgesamt sei ein Liefervolumen von einer Mrd. kg verloren gegangen. Das DMK habe in den letzten Jahren große Investitionen getätigt, so dass die Spielräume für einen attraktiven Auszahlungspreis nicht gegeben waren. Er rechne aber damit, dass sich die Investitionen amortisieren und die Milchlieferanten bald mit höheren Milchrpreisen rechnen könnten.

Auf die Entwicklungsperspektiven in den nächsten Jahren angesprochen, führte Korte aus, dass die in der Vergangenheit durch den Vorgänger Nordmilch verfolgte Philosophie, durch Größe Marktmacht gegenüber dem Lebensmittelhandel aufbauen zu können, sich als nicht haltbar erwiesen habe. Der Lebensmittelhandel spiele die Molkereien konsequent gegeneinander aus, was in Grenzen nur durch eine starke Markenstrategie zu kontern sei. Da seien aber die süddeutschen Molkereien und die Privatmolkereien mit einem Markenanteil von ca. 20 % stärker als das DMK, das mit seiner Kernmarke Milram nur zehn Prozent des Milchaufkommens an den Markt bringe. Der überwiegende Teil der Produkte geht in die Industrie, in Handelsmarken oder in den Export.

Anstelle der nicht erreichbaren Marktmacht soll die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Handel sowie unter den Molkereien verstärkt werden. So tauschen DMK und frischli bereits Tanklieferungen untereinander aus, um die Streckenlogistik zu optimieren und mit anderen Molkereien werden Koppelprodukte wie Molkeneiweiß zu interessanten Nischenprodukten verarbeitet.

Die Frage, ob ein Landwirt im Ehrenamt eine Chance habe, bei einem Umsatz von über 5 Mrd. Euro mit einem professionell ausgebildeten hauptamtlichen Management auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, klang im ersten Moment frech, wurde aber von Heinz Korte ausdrücklich begrüßt. Dazu führte er aus, dass die ehrenamtlichen Aufsichtsräte regelmäßige Weiterbildung auf professionellem Niveau erhalten und durch ihre Arbeit an Erfahrung gewinnen. Unabdingbar sei ein respektvoller Umgang miteinander, aber auch Sorgfalt und Konsequenz im Rekrutierungsprozess. So sei die aktuell tätige Geschäftsführung ins Amt gekommen, mit der eine vertrauensvolle Zusammenarbeit besteht.

Das Exkursionsprogramm fand eine würdige Abrundung mit einem Begegnungsabend im Scheeßeler Hof, zu dem drei Agrarexperten aus der Region eingeladen waren. Christian Intemann, 2. Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Rotenburg-Verden, und Thomas Christeleit, Geschäftsführer des Maschinenrings Niedersachsen Mitte, gaben kurze Statements zur Landwirtschaft, zum Maschinenring und zur ehrenamtlichen Arbeit für die Landwirtschaft und beantworteten Fragen dazu ausführlich. Der ehemalige Kreislandvolkvorsitzende Gerhard Eimer gab den jungen Menschen in der Landwirtschaft mit auf den Weg, nicht zurückzublicken und sich nicht erzählen zu lassen, früher sei alles besser gewesen. Nicht romatische Verklärung der Vergangenheit, sondern Optimismus, Mut und Realitätssinn sollten die Ratgeber für ihren Weg in die Zukunft sein.

Den Abschluss eines ereignisreichen Tages bildete schließlich mit einem großen Dankeschön die Verabschiedung von Helmut Behn, der als Regionalvertreter des Verbandes über Jahrzehnte die Region Stade betreut hat und manche interessante Exkursion – wie auch diese – organisierte. Die Teilnehmer entließen ihn mit großem Applaus aus der aktiven Vorstandsarbeit in den VDL-Ruhestand und freuen sich darauf, ihm auch zukünftig auf den VDL-Veranstaltungen zu begegnen.

Autoren: Gustav Wehner, Ruth Franken

 

Von den Dänen düngen lernen . . .

Unter dem Titel „EU-Verordnungen im Spannungsfeld zwischen Gleichbehandlung, regionalen Besonderheiten und nationalen Partikularinteressen“ machten wir uns am 13. September 2019 mit 29 VDL Mitgliedern und einem feldwegfähigen, auch an der Thematik interessierten Busfahrer auf den Weg nach Süddänemark. Auf dieser Exkursion wurden wir exzellent betreut vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN), dessen Vorsitzender, Jörgen Popp Petersen, das gesamte Programm für unsere Exkursion vorbereitet hatte. Der LHN ist ein seit fast 100 Jahren bestehender Beratungsverein mit Wurzeln in der deutschsprachigen Bevölkerung in Nordschleswig, der den Landwirten in der Region in allen Fragen von der Produktion über die Betriebswirtschaft bis hin zur Finanzierung und Umsetzung der Agrarpolitik zur Seite steht.

Zwei Tage lang beschäftigten wir uns mit der Frage, ob es bei der Umsetzung der EU-Agrarpolitk auf den landwirtschaftlichen Betrieben länderspezifische Unterschiede gibt. In der Tat sind die Unterschiede groß, speziell bei der Umsetzung der Düngeverordnung scheinen die Dänen uns meilenweit voraus zu sein, was allerdings bei den Reisenden zunächst einigen Schrecken verbreitete. Die Grundlage dazu legte der Abteilungsleiter der Pflanzenbauberatung des LHN, Hans Henrik Post, der uns nach einem kompakten Überblick über die dänische Landwirtschaft umfassend Auskunft über die Feinheiten der Umsetzung der Düngeverordnung in Dänemark geben konnte.

Das nordische Land ist bereits seit 15 Jahren verschärften Düngeregelungen unterworfen. Als Grundlage für das ganze Land dienen modelltheoretische Berechnungen zur Nährstofffreisetzung unterschiedlicher Dünger in den verschiedenen Kulturen. Von 2010 bis 2016 durften die Betriebe nur 80 % des errechneten Stickstoffbedarfs ausbringen, inzwischen wurde die Quote auf 100 % angehoben. Jeder Betrieb hat eine Quote für Nitrat und seit neuestem auch für Phosphat, die nicht überschritten werden darf. Die Betriebe müssen zu einem Stichtag ihre gesamte N- und P-Bilanz elektronisch melden, es herrscht totale Transparenz.

Die praktischen Implikationen konnten wir dann auf drei Milch erzeugenden Betrieben kennen lernen, die sich strategisch sehr unterschiedlich aufgestellt haben und ein entsprechend anspruchsvolles Güllemanagement betreiben. Zwei der Betriebe, einer davon ökologisch bewirtschaftet, liegen auf der dänischen Seite, der dritte nur wenige Kilometer entfernt auf deutscher Seite, er hat aber einen großen Anteil seiner Betriebsflächen in Dänemark gepachtet. Alle Betriebe werden vom LHN intensiv betreut, der jüngste Landwirt hat seinen Betrieb erst vor dreieinhalb Jahren erworben und wurde zum “Junglandwirt des Jahres 2019” gewählt.

Ein weiteres Highlight war die Besichtigung des Grenzzauns, den die dänische Regierung seit kurzem gegen die befürchtete Invasion von deutschen Wildschweinen errichtet, die möglicherweise mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert sind. Dänemark exportiert den größten Teil seiner Schweinefleischproduktion nach Asien und Osteuropa und hat mit den Märkten auch einen Ruf zu verlieren. Entsprechend groß ist die Nervosität. Allerdings gehen die Meinungen darüber, was der Zaun bewirken kann, auseinander – man hat schon Wildschweine darüber springen oder am Zaun vorbei durch Kanäle schwimmen sehen.

Abgerundet wurde das Exkursionsprogramm durch den Begegnungsabend im Hotel, wo wir neben dem LHN-Vorsitzenden noch einen dänischen Schafhalter und den Vorsitzenden des Kreisverbandes Südtondern des Bauernverbandes Schleswig-Holstein als Gäste begrüßen konnten. So entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über unsere Eindrücke und viele Hintergrundinformationen konnten beleuchtet und bewertet werden.

Nach zwei Tagen bei strahlendem Sonnenschein kehrten wir mit vielen Informationen und neuen Eindrücken nach Hause zurück. Besonders beeindruckt waren wir von dem Pragmatismus, mit dem die dänischen Landwirte sich mit der sehr restriktiven Umsetzung der EU-Düngeverordnung arrangieren. Alles wird hier digital überwacht, sogar Satelliten werden bemüht, um die korrekte Umsetzung der Vorgaben durch die Landwirte sicherzustellen. Im Ergebnis hat Dänemark zwar die deutlich besseren Nitratwerte im Grundwasser, erzeugt aber auch kaum noch proteinreiches Qualitätsgetreide, weil das Risiko der Überschreitung der N-Grenzwerte zu hoch ist. Hans Henrik Post vom LHN prophezeite den deutschen Besuchern: „Ihr könnt es noch nicht, werdet es aber noch lernen“. Vor allem für die Landwirte unter den Teilnehmern ist das aktuell noch schwer vorstellbar, aber die deutsche Landwirtschaft ist gut beraten, sich gründlich mit dem dänischen Modell auseinanderzusetzen.

Insgesamt war es eine gelungene Exkursion und wir danken ganz besonders Jörgen Popp Petersen vom LHN und Anne Katrin Kittman vom VDL Schleswig-Holstein für die kompetente und freundliche Begleitung – wir haben uns bestens aufgehoben gefühlt und der Apfelkuchen war unschlagbar lecker.

Insa Alter, Ruth Franken

Wir müssen Abschied nehmen

Am 8. August verstarb Dr. Hans Kalis kurz vor seinem 93. Geburtstag in Schweinfurt, wo er die letzten Lebensjahre gemeinsam mit seiner Frau in der Nähe seiner jüngsten Tochter und Enkel verbrachte. Geboren wurde er 1926 in Breslau, Schlesien, kam 1945 nach Westfalen, wo er mit dem Abschluss der Höheren Landbauschule in Herford die Hochschulreife erlangte. 1952 begann er das Studium der Landwirtschaft in Bonn. Nach dem Diplom wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Agrarpolitik und Marktforschung, absolvierte das Referendariat und promovierte bei Professor Heinrich Niehaus.

Seine berufliche Laufbahn begann Dr. Hans Kalis als  persönlicher Sekretär beim Präsidenten des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Dr. Hermes, später bei dessen Nachfolger Dr. Sonnemann. 1965 übernahm er die Leitung der Abteilung Vieh und Fleisch beim DRV in Bonn und war in zahlreichen Fachausschüssen in der Bundesrepublik und in Brüssel tätig.

Nach Niedersachsen kam Dr. Hans Kalis 1971, als er in den Vorstand der Centralgenossenschaft (CG) Vieh und Fleisch in Hannover berufen wurde; 1989 ging er als stellvertretender Vorsitzender der CG in den Ruhestand. Parallel zu seiner Vorstandstätigkeit hielt er von 1984 bis 1990 Vorlesungen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Während der ersten Jahre im Ruhestand führte er noch Lehraufträge in Lettland, Kasachstan, Russland, der Ukraine und Ungarn aus.

Dem VDL war Dr. Hans Kalis seit 1967 tief verbunden und nahm bis ins hohe Alter regen Anteil an der Entwicklung seines Landesverbandes. Auch wenn er nach seinem Wegzug in den letzten Jahren nicht mehr aktiv am Verbandsleben teilnehmen konnte, blieb er seinem Landesverband dennoch stets verbunden und begleitete auch den Schritt der Verschmelzung zum VDL Niedersachsen mit seinem Wohlwollen und gutem Rat. In der Traueranzeige der Familie heißt es: “Das schönste Andenken, das er bekommen kann, ist ein fester Platz in unseren Herzen.” Dieser Platz ist ihm sicher, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren und sprechen seiner Familie unsere tief empfundene Anteilnahme aus.

Dr. Horst Thiel, Ruth Franken

VDL Landesverband Niedersachsen

Im Alter von 91 Jahren verstarb am 14. September 2019 in Oldenburg unser langjähriges Mitglied Dr. Reinhold Röder. Nach dem Studium der Landwirtschaft und der Promotion trat Dr. Röder 1960 in den Dienst der Landwirtschaftskammer Weser-Ems, wo er viele Jahre als Referent für Fütterung und Futtermittel, dann als Abteilungsleiter Tierzucht bis zum Eintritt in den Ruhestand 1989 tätig war. 1960 wurde er auch Mitglied im VDL-Landesverband Weser-Ems, heute Landesverband Niedersachsen, wo er die Vortragsveranstaltungen und den Winterbälle besonders geschätzt hat. Wir sind dankbar für die lange Zeit, die wir ihn bei uns haben durften und sprechen seinen Angehörigen unser herzliches Beileid aus.

Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod unseres Mitglieds Dr. Jakob Groenewold erfahren, der am 20. September 2019 plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts verstarb. Seine berufliche Laufbahn begann Dr. Groenewold 1991 als Rinderspezialberater bei der Landwirtschaftskammer Weser-Ems in Oldenburg und wurde 2006 zum Referenten für alle Fragen der Rinderzucht und -haltung berufen. Als Experte auf seinem Gebiet genoss er weit über Niedersachsen hinaus Anerkennung und Wertschätzung. Neben seinem Beruf engagierte er sich auch in der Politik und war stellvertretender Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Moormerland. Im VDL war Dr. Groenewold seit 1983 Mitglied. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren und denken mit großer Anteilnahme an seine Familie.

Ruth Franken und Gustav Wehner

Wege in den Beruf – Unternehmen stellen sich vor

„Auf den Charakter kommt es an! “ dies war, womöglich die wichtigstes Quintessenz des Nachmittags die unsere Referenten den Studierenden mitgeben konnten. Denn am Ende zählt die Persönlichkeit und die Fähigkeiten des Bewerbers mehr als Notendurchschnitt und Englisch Niveaustufe nach gemeinsamen europäischen Referenzrahmen.

Dies ging auch aus dem Vortrag von Philipp Schilling über seinen Arbeitgeber Cargill und seinem persönlichen Erfahrungen heraus. Das Unternehmen Cargill fördert junge Berufseinsteiger mit einem zweijährigen Trainee Programm bei dem bereits erste eigene Aufgaben übernommen werden und man die Möglichkeit bekommt das Unternehmen mit seinen vielfältigen Aufgabenbereichen weltweit kennenzulernen. Herr Schilling betont die vielen Entwicklungsmöglichkeiten und Innovationen die das Unternehmen in den nächsten Jahren bietet und die Möglichkeiten sich aktiv mit eigenen Ideen einzubringen. Er selber hatte damals die Möglichkeit über ein Praktikum und seiner Masterarbeit das Unternehmen kennen zu lernen. Nach seinem Trainee Programm im Commodity Merchandising arbeitet er jetzt als Leiter des Getreidehandelns in Deutschland und Polen.

Die Nähe zur Landwirtschaft war Frau Marie Berbecker von der landwirtschaftlichen Rentenbank besonders wichtig. Die Rentenbank, gegründet 1949 von der Bundesanstalt des öffentlichen Rechts, ist die deutsche Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum. Frau Berbecker durchläuft gerade ein zweijähriges Trainee Programm im Fördergeschäft und hat selber die Möglichkeit an umfangreichen Förderprogrammen mitzuarbeiten. Die mitzubringenden Qualifikationen sind vielfältig und hängen immer von der jeweiligen Stelle ab, so Berbecker. „Im Fördergeschäft kommen alle zusammen- Agrarwissenschaftlicher, Bänker und Wirtschaftswissenschaftler und am Ende sind Soft Skills und Persönlichkeit entscheidend für gute Zusammenarbeit“.

Warum Big Dutchman trotz unsexy Standort ein attraktiver Arbeitgeber sein kann, stellte uns Justina Reinhardt vor. Das familiengeführte Großunternehmen welches einst berühmt geworden ist durch die erste Fütterungsanlage im Geflügelbereich, ist nun in über 100 Ländern weltweit vertreten und Marktführer bei Fütterungsanlagen und Stalleinrichtungen. Einstieg ins Unternehmen bietet ein 3- 6 monatiges Praktikum mit der Bearbeitung eines eigenen Projektes, das Anfertigen von Abschlussarbeiten im Unternehmen als auch durch Direkteinstieg nach dem Studium. Dabei bietet das Unternehmen am Standort Vechta ein sehr gutes Arbeits- und Lernklima mit gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamen Aktivitäten auch außerhalb des Arbeitsumfeldes.

Text und Bilder: Annette Pfordt

Wege in den Beruf – Studierendengruppe Göttingen

 

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende

Am Ende eines an Herausforderungen reichen Jahres zieht der Landesverband Niedersachsen eine positive Bilanz und rüstet sich mit großen Erwartungen für das Jahr 2019. In diesem Jahr hatten wir die Ehre, gemeinsam mit dem Landesverband Hamburg die Bundesmitgliederversammlung in Niedersachsen auszurichten. Viele Gäste sind gekommen, von den Studierenden bis hin zu den Alterspräsidenten, und wir haben 99 Jahre VDL gefeiert, unsere Netzwerke gefestigt, alte Freundschaften gepflegt und neue begründet. Das war aber nicht alles, denn die reiselustigen Niedersachsen haben sich auch noch in England mit dem Brexit beschäftigt, Landwirte, Professoren und Vertreter der Agrarverwaltung getroffen und – bei großartigem Wetter – auch noch die Landschaft genossen. Auf unserer zweitägigen Rheinland-Exkursion haben wir erkundet, welche Auswirkungen Braunkohlentagebau, Klimawandel und die wirtschaftliche Dynamik eines hochverdichteten Ballungsraumes auf die “Rheinische Fruchtfolge” haben. Unsere Gastgeber haben überzeugend dargelegt, dass diese Fruchtfolge – Rüben, Weizen, Gerste – sich verändern wird, wenn die Landwirtschaft an diesem Standort eine Zukunft haben soll.

 

 

Unsere Studierendengruppe hat sich in diesem Jahr konsolidiert und ein attraktives Programm angeboten. Exkursionen, Podiumsdiskussionen zu berufsstrategischen Themen, Messerundgänge auf der EuroTier oder Workshops zur Vorbereitung des Berufseinstiegs – für jeden war etwas geboten und wir haben wieder rund 40 Mitglieder in der Studierendengruppe. Zu den monatlich stattfindenden Stammtischen sind auch VDL-Mitglieder willkommen, deren Studium schon einige Zeit zurückliegt. Fazit: Der VDL ist in Göttingen wieder präsent.