American Society for Enology and Viticulture (ASEV) zeichnet Prof. Dr. Hans Reiner Schultz als „Honorary Research Lecturer“ aus

Diese Auszeichnung vergibt die ASEV an auf ihrem Forschungsgebiet prägende Personen. Prof. Dr. Hans Reiner Schultz hielt seine „Honorary Research Lecture“ im Rahmen der 72. National Conference der ASEV am Donnerstag, 24. Juni 2021. Sie drehte sich um die Herausforderungen für die weinbauliche Forschung, die in den vergangenen Jahrzehnten durch sich ändernde Umweltbedingungen entstanden sind.

Die American Society for Enology and Viticulture (ASEV) hat Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Präsident der Hochschule Geisenheim, zum „Honorary Research Lecturer“ ernannt. Die Anerkennung wird seit 1973 Personen zuteil, die auf ihrem Gebiet national sowie international einen sehr guten Ruf genießen und sich aktiv in der wissenschaftlichen Forschung engagieren. Von den bisher ausgezeichneten 39 Personen aus unterschiedlichen Arbeitsgebieten des Weinbaus und der Oenologie ist Prof. Dr. Hans Reiner Schultz nach dem Braunschweiger Chemiker Prof. Peter Winterhalter erst der zweite Deutsche, dem diese Auszeichnung zuteilwird. Er erhielt sie im Rahmen der 72. National Conference der ASEV am Donnerstag, 24. Juni 2021, wo er auch seine „Honorary Research Lecture“ unter dem Titel „From Canopy Systems to Water Relations to Climate Change – An Unsteady Path in an Ever Changing Environment“ hielt.

„Diese Anerkennung der ASEV hat internationale Strahlkraft. Ich bin überrascht und sehr stolz, dass das Komitee mich in diesem Jahr als ‚Honorary Research Lecturer‘ ausgewählt hat und danke der Gesellschaft herzlich“, so Prof. Dr. Hans Reiner Schultz. „Die Auszeichnung unterstreicht für mich, dass die internationale Zusammenarbeit und der enge Austausch in der Forschung – gerade rund um Weinbau und Oenologie sowie die landwirtschaftlichen Disziplinen allgemein – von größter Bedeutung sind. Angesichts des Klimawandels, mit Blick auf den Schutz der Umwelt und nachhaltige Praktiken wird diese Bedeutung weiter steigen. Das spiegelt sich schon seit vielen Jahren in der Lehre und Forschung bei uns an der Hochschule Geisenheim wider.“ 

Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, der nicht nur in Geisenheim, sondern auch in den USA, Frankreich und Australien geforscht hat, hat 245 wissenschaftliche Abhandlungen publiziert und forscht seit über zwei Jahrzehnten schwerpunktmäßig zu den Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Weinbau. In ihrer Laudatio hob die ASEV als Leistung des Geisenheimer Präsidenten die Initiierung und den Aufbau der Forschungsinfrastruktur FACE hervor, in der die Hochschule Geisenheim die für das Jahr 2050 vorhergesagte Kohlendioxidkonzentration simuliert, um die Auswirkungen des CO2-Anstiegs auf Reben untersuchen zu können.

Dank seiner Forschung rund um und seinem Einsatz für den Weinbau ist Prof. Dr. Hans Reiner Schultz ein weltweit gefragter Fachmann. So leitet er die Expertengruppe „Nachhaltigkeit und Klimawandel“ der Internationalen Organisation für Rebe und Wein OIV, deren Ehrenpreis er 2019 erhielt. Mehr als zwölf Jahre war er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Institut de Science de la Vigne et du Vin der Université de Bordeaux und der französischen Exzellenzinitiative LabEX Cote (continental to coastal ecosystems). Er ist unter anderem aktives Mitglied des Beirats des Leibniz-Instituts für Gemüse und Zierpflanzenforschung, Großbeeren, der Vine and Wine Innovation Platform der Universidade de Trás-os-Montes e alto Douro, Vila Real, Portugal, der Nationalen Wein-Technologie-Plattform in Madrid, Spanien, sowie des Forschungsinstituts Laimburg in Nord-Italien.

Über die American Society for Enology and Viticulture (ASEV)

Die American Society for Enology and Viticulture (ASEV) wurde 1950 von Forschern und Winzern gegründet und vertritt die Interessen von Oenologinnen und Oenologen, Winzerinnen und Winzern sowie weiteren im Bereich Wein- und Traubenforschung und -produktion aktiven Personen. Die National Conference der ASEV bietet eine Plattform zum Austausch neuerster wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet der Weinherstellung und des Weinbaus.

Für ein klimaneutrales Europa: Internationales Konsortium will Solartechnik grundlegend erneuern

EU fördert die Entwicklung innovativer Ansätze für die Gewinnung, Umwandlung und Speicherung von Solarenergie mit gesamt 3,18 Millionen Euro – Materialforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt

Mit dem Projekt LIGHT-CAP fördert die Europäische Union in den kommenden vier Jahren die Entwicklung von Technologien, um Solarenergie besser umwandeln und speichern zu können. Die Forschenden, zu denen auch ein Team des Zentrums für Materialforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) gehört, werden modernste Nanotechnologie anwenden, um Systeme zu bauen, die Sonnenlicht absorbieren, umwandeln und gleichzeitig die damit verbundene Energie auf nachhaltige Weise und zu niedrigen Produktionskosten speichern sollen. LIGHT-CAP wird von der Europäischen Union im Rahmen des „Horizon 2020“-Programm mit 3,18 Mio. Euro gefördert und soll Europa dem Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, näherbringen. Das Konsortium, das vom IIT-Istituto Italiano di Tecnologia (Italienisches Institut für Technologie) koordiniert wird, umfasst EU- und Nicht-EU-Partner aus Wissenschaft und Industrie.

Um das ehrgeizige Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, sind Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen und effizienter Energieverbrauch von grundlegender Bedeutung. Solarenergie gehört zu den vielversprechendsten sauberen Energiequellen – allerdings muss die Speicherung optimiert werden, um auf die Schwankungen sowohl beim Sonnenlicht als auch beim Energiebedarf angemessen reagieren zu können. Der aktuelle Stand der Technik basiert größtenteils auf teuren Silizium-Solarzellen und unhandlichen Batterien, die in zwei verschiedenen Geräten getrennt gehalten werden. Vor diesem Hintergrund möchten die Beteiligten des LIGHT-CAP-Projekts die Umwandlung und Speicherung von Solarenergie grundlegend erneuern und mit Hilfe von Nanotechnologie beide Funktionalitäten in einem einzigen vielseitigen Gerät kombinieren.

Entscheidend für diesen innovativen Vorschlag ist der Rückgriff auf umweltfreundliche und erdverbundene Materialien, für die keine künftigen Versorgungsrisiken zu befürchten sind. Konkret setzt der LIGHT-CAP-Ansatz auf extrem kleine (0D- und 2D-)Materialien wie Metalloxid-Nanopartikel (z. B. Rost) und Graphen-Quantenpunkte. Sie bieten dank der multiplen und reversiblen Ladungstransferprozesse, die sie aufrechterhalten können, sogar eine zusätzliche potenzielle Verbesserung der Speicherkapazität nach der Lichtumwandlung. Das Ziel des Projekts, Solarenergie effizienter umzuwandeln, zu speichern und kontrolliert freizusetzen, könnte einen beträchtlichen Einfluss auf den Bereich der tragbaren und mobilen Elektronik haben.

Die am Projekt LIGHT-CAP beteiligte Forschungsgruppe der JLU wird von Dr. Teresa Gatti und Prof. Bernd Smarsly (Zentrum für Materialforschung und Physikalisch-Chemisches Institut) geleitet und beschäftigt sich mit funktionellen Nanomaterialien, die von Nanopartikeln und 2D-Materialien bis hin zu porösen Architekturen und dünnen Filmen reichen. Die Gießener Forschenden entwickeln im Rahmen des Projekts neue hochporöse Photoelektroden auf Basis von 2D- und 0D-Materialien, die mit den europäischen Partnern in Photokondensatorgeräten getestet werden. Diese neuen Architekturen werden nach den Plänen des Konsortiums die Grundlage für zukünftige leichte, tragbare und kostengünstige Technologien zur Umwandlung und Speicherung von Lichtenergie darstellen.

 

Wege zu nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährung

Land Hessen fördert LOEWE-Schwerpunkt GreenDairy – Untersuchungen auf dem Gladbacherhof der Justus-Liebig-Universität Gießen

Mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft: Das Land Hessen fördert im Rahmen seiner Exzellenzinitiative LOEWE ab dem kommenden Jahr den Schwerpunkt GreenDairy unter der Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Gattinger (Professur für Ökologischen Landbau) sollen in dem Projekt vier Jahre lang Agrarsysteme erprobt werden, die gleichermaßen ökologisch und ökonomisch nachhaltig sind und ein hohes Maß an Tierwohl ermöglichen. Der LOEWE-Schwerpunkt, an dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Kassel beteiligt sind und für den insgesamt 4,79 Millionen Euro beantragt wurden, soll wichtige Impulse für die Agrarsystemforschung sowie Handlungsempfehlungen für Beratung und Praxis liefern.

Prof. Gattinger freut sich sehr über die Förderentscheidung des Landes und betont: „Mit GreenDairy etablieren wir in Hessen eine Plattform für eine vernetzte Agrar- und Ernährungssystemforschung. Wir erwarten Erkenntnisse, die die Diskussion um tierische Lebensmittel und Nutztierhaltung auf eine rationale, datenbasierte Ebene bringen kann.“ Die Untersuchungen werden auf der ökologisch bewirtschafteten Lehr- und Forschungseinheit (LFE) Gladbacherhof der JLU durchgeführt. JLU-Präsident Prof. Mukherjee gratulierte den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und betonte: „Wir verfügen an der JLU über eine lange Tradition in der Agrarforschung. Mit GreenDairy widmen sich unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der hochaktuellen Frage, wie die Landwirtschaft sich den Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und den Forderungen nach mehr Tierwohl stellen kann. Ich freue mich, dass der neue LOEWE-Schwerpunkt damit auch unseren Nachhaltigkeitszielen entspricht.“

Industrialisierung und Spezialisierung haben in der Landwirtschaft zu Strukturen geführt, die insbesondere in Tierzucht und Tierhaltung von entkoppelten Stoffkreisläufen mit hohen Stickstoffüberschüssen, Treibhausgasemissionen, Flächenkonkurrenz, Bodendegradation und Problemen beim Tierwohl gekennzeichnet sind. Das neue Forschungsprojekt will Alternativen entwickeln. Als eine Lösungsmöglichkeit, um die Stoffkreisläufe wieder zu schließen, gilt die Rinderhaltung in Gemischtbetrieben für Milch, Fleisch und pflanzliche Lebensmittel. Bislang fehlt es an Wissen, welche Wirkungen auf Ökologie, Ökonomie und Tierwohl von verschiedenen Intensitätsstufen solcher Produktionssysteme ausgehen.

Diese Wissenslücke soll in dem interdisziplinären Forschungsansatz unter Beteiligung von Tier-, Pflanzen-, Boden- und Umweltwissenschaften sowie der Agrar- und Ernährungsökonomie geschlossen werden. Das Projekt stützt sich dabei auf die neue  Forschungsinfrastruktur eines digitalisierten Milchviehhaltungssystems am Gladbacherhof. Dieses System ermöglicht den wissenschaftlichen Vergleich von so genannten High-Input- und Low-Input-Milchproduktionssystemen mit digitaler Tiererfassung, Beweidungssteuerung sowie Fütterungs- und Melkrobotik. Low-Input-Systeme mit Weidegang und vorwiegendem Raufutter aus dem Grünland gelten bislang als der Standard in ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben. Alternativ werden im High-Input-System mit Weidegang die Tiere zusätzlich mit einem hohen Anteil an hofeigener Maissilage und Getreide gefüttert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass die höhere Produktivität des High-Input-Systems die schädlichen Umweltwirkungen bei mindestens gleichbleibendem Tierwohl reduziert.

Green Livestream mit Dr. Frank Wetterich von der Gläsernen Molkerei

Eine weitere Veranstaltung der Reihe „Green Livestream“ fand digital am 02.06.21 statt – dieses Mal mit Herrn Dr. Frank Wetterich und dem Veranstaltungstitel „Agrarier in der Ernährungswirtschaft“. Herr Dr. Frank Wetterich ist Leiter Rohstoffeinkauf und Industrieverkauf sowie Prokurist der Gläsernen Molkerei GmbH. In seinem Vortrag erfuhren die interessierten ZuhörerInnen spannende Details aus dem Lebenslauf von Herrn Dr. Wetterich. Er berichtete von seinem Werdegang beginnend mit einem Studium der Agrarwissenschaften mit der Studienrichtung „Naturschutz und Landschaftsökologie“ über eine Position als Betriebsleiter auf einem Ökologischen Betrieb und als Referent beim Deutschen Bauerverband bis hin zur Gläsernen Molkerei. Anschließend hatten die ZuhörerInnen die Möglichkeit, dem Referenten Fragen zu stellen. Dabei ging es unter anderem um seine Akademische Laufbahn, zum Beispiel berichtete Herr Dr. Wetterich, dass er sich stets weiterbildete und während seines Berufslebens einen weiteren Abschluss absolvierte, um zusätzliche Kenntnisse in BWL zu erlangen. Auch über den Arbeitsalltag des Referenten konnten die ZuhörerInnen mehr erfahren. Außerdem erzählte Herr Dr. Wetterich, inwieweit die Erfahrungen aus der Verbandsarbeit im späteren Arbeitsleben helfen können und welche Vor- oder Nachteile man durch eine Promotion erfährt. Wir danken Herrn Dr. Wetterich für das spannende und angenehme Gespräch!

Interview mit den beiden Vorsitzenden der Bonner Studierendengruppe des VDL NRW

Liebe Katharina, lieber Gordon, wir gratulieren Euch beiden zur Vorstandswahl und freuen uns auf die gemeinsame Arbeit im Vorstand des VDL-Landesverbandes NRW.

  1. Für diejenigen, die Euch noch nicht kennen, stellt Euch bitte einmal kurz vor:

Katharina: Mein Name ist Katharina Steinhoff. Vielen herzlichen Dank für die Glückwünsche. Ich bin 22 Jahre alt und stamme gebürtig aus Ahlen am Rande des Münsterlandes. Ich komme von einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh und Mastschweinen. Im VDL bin ich seit Mai 2019. Aktuell bin ich im sechsten Bachelorsemester Agrarwissenschaften mit Pflanzenschwerpunkt an der Universität Bonn.

Gordon: Auch ich möchte mich ganz herzlich bedanken. Mein Name ist Gordon Stegink. Ich bin 24 Jahre alt und studiere aktuell im zweiten Mastersemester Nutzpflanzenwissenschaften an der Universität Bonn. Gebürtig komme ich aus der Grafschaft Bentheim im Südwesten Niedersachsens. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Landwirt gemacht. In der Zeit wurde mein Interesse am Studium der Agrarwissenschaften geweckt. Auch ich bin seit Mai 2019 Mitglied im VDL.

  1. Wie seid ihr mit dem VDL in Kontakt gekommen und was hat euch zur Mitgliedschaft motiviert?

Katharina: Das erste Mal bin ich über die Vorstellung im Hörsaal und die damit verbundene Werbung für die verschiedenen Veranstaltungen mit dem VDL in Kontakt gekommen. Freunde haben dann positiv von den Stammtischen und Veranstaltungen berichtet. Ich bin auch mal mit zum Stammtisch der Studierendengruppe gegangen und es hat mir so gut gefallen, dass ich mich direkt im VDL angemeldet habe.  Das Programm finde ich sehr attraktiv und man kann gut Kontakte im Studium und darüber hinaus knüpfen.

Gordon: Mein erster Kontakt zum VDL war über eine Exkursion und den Winterball der Studierendengruppe. Nach meinem ersten Stammtischbesuch bin ich dann eingetreten, weil mir der Austausch mit Studierenden aus den anderen Semestern sehr gut gefallen hat.

  1. Worin seht Ihr die Vorteile für Studierende in einer VDL-Mitgliedschaft?

Katharina: Gerade die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen ist ein großer Vorteil. Zu Menschen im Semester und darüber hinaus. Auf bundesweiten Veranstaltungen trifft man VDL-Mitglieder aus ganz Deutschland und lernt viel über andere Universitäten. Das Angebot der VDL-Studierendengruppe Bonn (z.B. Versicherungsseminare, Steuerseminare) bereitet einen gut auf die Arbeitswelt vor.

Außerdem gibt es spannende Exkursionen und Besichtigungen bei Institutionen zu denen man sonst oft nicht so einfach Zutritt bekommt.

  1. Was hat Euch motiviert, für den Vorstand der Bonner Studierendengruppe zu kandidieren?

Katharina: Die Entscheidung dazu kam recht spontan. Ich habe mich schon immer gerne ehrenamtlich engagiert. Ich freue mich über die Möglichkeit, weitere Kontakte zu unterschiedlichen Personen zu knüpfen und den VDL als Ganzes – über die Studierendengruppe hinaus – besser kennen zu lernen. Durch die verantwortungsbewusste Position hoffe ich, mich zusätzlich in meiner Persönlichkeit weiter zu entwickeln.

Gordon: Meine Motivation ist seit meinem ersten Jahr im VDL stetig gestiegen. Auf den Stammtischen der Studierendengruppe habe ich viel von der Arbeit des Vorstandes gelernt. Als die Neuwahl anstand wurde ich gefragt und habe mich dann zur Kandidatur entschieden, da ich mir gut vorstellen konnte diese Position auszuführen.

  1. Wie sehen eure Pläne für die kommenden Wochen und Monate aus?

Gordon: Zum einen finden derzeit unsere Praxisvorlesungen statt, das Programm steht und wird in den kommen Wochen weiter ausgerollt. Der nächste Stammtisch ist am 05.07.2021. Wir werden versuchen, ihn unter Berücksichtigung aller Auflagen in Präsenz stattfinden zu lassen. Des Weiteren haben wir bereits mit den Planungen für das Wintersemester 21/22 losgelegt. Dieses startet am 11. Oktober 2021 und auf der Agenda stehen unter anderem der BAP Kurs, die Praxisvorlesungen und z.B. ein Steuerseminar. Weitere Aktionen werden je nach Lage spontan geplant und durchgeführt.

  1. Was sind momentan die größten Herausforderungen?

Katharina: Planungen für Veranstaltungen, die mit einem gewissen Aufwand und Vorlaufzeit verbunden sind, stellen bei der weiterhin unsicheren Pandemielage nach wie vor eine große Herausforderung dar. Dies gilt insbesondere für Präsenzveranstaltungen, welche normalerweise den Kern unserer studentischen Arbeit darstellen. Hinzu kommt, dass das Interesse an Online-Veranstaltungen mit anhaltender Dauer der Krisen-Situation abnimmt, die nun hinzukommenden sonnigen Tage verstärken den Effekt. Die Veranstaltungen der Studierendengruppe leben nun mal von dem sozialen Austausch.

Gordon: Insbesondere unsere Stammtische waren immer positiv von der Interaktion aller Teilnehmenden geprägt, dies kommt in der Online-Variante leider oft zu kurz.

  1. Welche Erwartungen habt ihr an den Landesverband NRW?

Gordon: Wir legen besonderen Wert auf eine gute und enge Zusammenarbeit mit dem Landesverband NRW und setzen zum einen auf die finanzielle Unterstützung für unsere Veranstaltungen und Seminare, aber auch die Kontaktförderung zu Berufstätigen durch Veranstaltungen des Landesverbandes liegen im Interesse der Studierenden.

Katharina: Das Herstellen von Kontakten zu Berufstätigen des Verbandes wird uns insbesondere bei Veranstaltungen wie der Praxisvorlesung helfen, denn hiermit bieten wir einer Vielzahl an Studierenden einen enormen Mehrwert.

Liebe Katharina, lieber Gordon, wir bedanken uns für Eure Zeit und wünschen Euch eine erfolgreiche Zeit im Amt.

Dr. Annette Pfordt erhält Förderpreis des Deutschen Maiskomitees

Dr. Annette Pfordt wurde für ihre Dissertation “Occurrence and significance of Fusarium and Trichoderma ear rot in maize” der DMK-Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler 2020 verliehen. Mit dem Preis, welcher jährlich vom deutschen Maiskomitee vergeben wird, werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten mit besonderer Praxisrelevanz für den Maisanbau ausgezeichnet. Die von Dr. Annette Pfordt unter der Betreuung von Prof. Dr. Andreas von Tiedemann verfasste Arbeit wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung in Kooperation mit der Gemeinschaft für Pflanzeninnovation (GFPi) gefördert.

Ziel des Promotionsprojektes war es, die in Deutschland vorkommenden Fusarium- und Trichoderma-Arten an Maiskolben und Stängel zu erfassen, ihre phytopathologische Bedeutung und Befallsbedingungen zu ermitteln, um die möglichen Auswirkungen auf die Mykotoxinbelastung des Ernteguts abschätzen zu können. Das Projekt soll damit einen wesentlichen Beitrag leisten, das Befalls- und Mykotoxinrisiko im intensiven Maisanbau durch züchterischen Fortschritt zu senken.

Im Rahmen eines deutschlandweiten Monitorings ist es Annette Pfordt gelungen, zwischen 13 pathogenen Fusarium-Arten an Maiskolben und Stängel zu unterscheiden, wobei die Häufigkeit des Auftretens der einzelnen Arten hauptsächlich aufgrund der jahresbedingten Witterung variiert. Eine wichtige Erkenntnis war dabei, dass besonders die neue Art Fusarium temperatum vermehrt in Deutschland auftrat, wodurch in Zukunft mit einem höheren toxikologischen Risiko für die menschliche Ernährung sowie die Tierfütterung zu rechnen ist.

Ein weiteres wesentliches Ergebnis war die erstmalige Beschreibung einer neuartigen Kolbenkrankheit an Mais in Europa, die von der Art Trichoderma afroharzianum verursacht wird. Sie führt zu einer massiven Produktion von graugrünen Konidien auf den Körnern, wobei das Trockenmassegewicht des Kolbens erheblich reduziert wird. Im Rahmen eines mehrjährigen Postdoc-Projekts in der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen kann Frau Dr. Pfordt jetzt diese mit fortschreitendem Klimawandel nach Norden vorrückenden Erreger genauer erforschen.

Beim VDL Niedersachsen ist Frau Dr. Pfordt als eine der drei Vorsitzenden ehrenamtlich engagiert und verfolgt hier gleich zwei Zielsetzungen: Sie unterstützt im VDL-Netzwerk Studierende bei der beruflichen Orientierung und kann gleichzeitig wissenschaftlichen Nachwuchs für ihr spannendes Forschungsgebiet gewinnen. Wir gratulieren Frau Dr. Pfordt zu ihrem wissenschaftlichen Erfolg, wünschen ihr viel Erfolg in der Forschung und freuen uns gleichzeitig auch die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren.

VDL-Landesverband Niedersachsen e.V.

Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft – Hintergrundgespräch mit niedersächsischer Agrarministerin

Veränderungsdruck auf die Landwirtschaft ist schon seit Jahren gegeben und nimmt mit fortschreitendem Klimawandel, aber auch aufgrund gesellschaftlicher Forderungen immer mehr zu. Gerade in Niedersachsen – auch als “Agrarland Nr. 1” bekannt – sehen die zum Teil sehr intensiv wirtschaftenden Landwirte mit Sorge in die Zukunft. Dünge-Verordnung, “Borchert-Plan”, Insektenschutz und gravierende Einschränkungen beim chemischen Pflanzenschutz sind nur einige der brennenden Themen.

Die niedersächsische CDU-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat in parteiübergreifender Zusammenarbeit mit dem Umweltminister Olaf Lies (SPD) sowie der Landwirtschaftskammer, dem Landvolk Niedersachsen, dem NABU Niedersachsen und dem BUND Niedersachsen den “Niedersächsischen Weg” ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative und weiteren politischen Instrumenten sollen die Probleme in einer gemeinsamen Anstrengung angegangen werden. Dazu organisierten die Agrarjournalisten vom VDAJ Niedersachsen/Sachsen-Anhalt am 24. Juni 2021 ein Hintergrundgespräch mit Barbara Otte-Kinast, zu dem wir als VDL-Mitglieder eingeladen waren.

Zunächst gab die Ministerin einen Überblick über aktuelle Vorhaben aus ihrem Ministerium und lobte die gemeinsam mit den Verbänden erzielte Einigung auf den “Niedersächsischen Weg”, wobei sie auch das anspruchsvolle Abstimmungsprocedere der Beteiligten würdigte. Am Beispiel des Insektenschutzes gab sie einen kleinen Einblick in die internen Abstimmungswege zwischen den beteiligten Landesministerien einerseits und der Aushandlung unterschiedlicher Interessenlagen zwischen den Bundesländern andererseits. Daneben wurde auch erkennbar, wie aus Niedersachsen sowohl der Umweltminister als auch die Landwirtschaftsministerin sich im Bundesrat für die hiesige Landwirtschaft einsetzen. In anderen Bundesländern haben es die Landwirtschaftsminister in einigen Fällen wesentlich schwerer, da der Umweltminister oft ganz andere Ziele verfolgt.

Im Bereich der Tierhaltung wurde über die Notwendigkeit gesprochen, die räumliche Verdichtung der Tierhaltung im Blick zu behalten, schon um die Auswirkungen von schwer zu vermeidenden Seuchenzügen zu begrenzen. Soweit vor dem Hintergrund der Umsetzung des Konzepts der Borchert-Kommission Reduktionen der Tierzahlen landwirtschaftlicher Betriebe die Folge sind, ist es das Ziel, die Wertschöpfung im Bereich der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung insgesamt zu erhöhen, um den Strukturwandel in der Nutztierhaltung nicht weiter zu beschleunigen und einem Strukturbruch entgegenzuwirken.

Im Ministerium ist man sich bewusst, dass die Anwendung der Dünge-Verordnung und die steigenden Anforderungen an das Tierwohl den Strukturwandel in der Tierhaltung vorantreiben werden. Die Ministerin sieht in der Regionalisierung der Tierproduktion eine Möglichkeit, das Tierwohl und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu befördern. Dazu sollte auch die Zahl der Schlachtbetriebe, vor allem der kleineren, erhalten und als neue Möglichkeit die Weideschlachtung behördlicherseits ermöglicht werden. Auch der Handel soll mehr in die Pflicht genommen werden, den Verkauf von regionalen Produkten nicht nur auf den Plakaten zu haben, sondern auch spürbar umzusetzen.

Auch im Ackerbau tut sich etwas, das Ministerium hat auf Burg Warberg das am 17. Juni 2021 von Ministerin Otte-Kinast eingeweihte Ackerbauzentrum Niedersachsen eingerichtet. Das Ackerbauzentrum soll als zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle aktuelle Themen gebündelt und mit Netzwerkpartnern für ganz Niedersachsen aufarbeiten und ökologisch nachhaltigere und zugleich ökonomisch tragfähige Produktionsverfahren entwickeln. Beispiel Eiweißpflanzenanbau: Hier ist festzustellen, dass große in Niedersachsen ansässige Fleischverarbeiter durch die verstärkte Entwicklung veganer Produkte die Nachfrage nach Eiweißpflanzen erhöhen. Diese Entwicklung ist auch aus Gründen der Biodiversität durchaus zu begrüßen.

Es wurden dann weitere Reizthemen, wie die Fortentwicklung der Kenntnisse über Lebensmittel beim Verbraucher, die TA Luft, die Wiedervernässung von Mooren und das hochbrisante Thema Wolf angesprochen. Einige Regelungen auf bundes- und europapolitischer Ebene haben noch handwerkliche Fehler und müssen über den Bundesrat erheblich nachgebessert werden.

Bei diesem sehr offenen und von gegenseitigem Vertrauen getragenen Gespräch gab die Ministerin detailliert Auskunft und zeigte, dass sie in allen Sachthemen souverän unterwegs ist. Ob Wolf oder Ackerbau, Weideschlachtung oder Tierseuchen, es blieb kaum ein Thema unbesetzt. Besonders beeindruckte das Systemverständnis der Ministerin, die all diese komplexen Fragestellungen in einen größeren Zusammenhang stellt und dabei vor parteipolitischen “Weidezäunen” nicht haltmacht.

Das Gespräch mit Barbara Otte-Kinast war sehr informativ für jeden Berufskollegen und es wurde der Wunsch geäußert, bei passender Gelegenheit wieder zu einem Hintergrundgespräch zusammenzukommen. Dieses wurde von der Ministerin auch in Aussicht gestellt, da sie die Arbeit der Agrarjournalisten als sehr wertvoll einschätzt.

Geschätzt und gern wahrgenommen werden die Veranstaltungen des VDAJ auch von den VDL-Mitgliedern in Niedersachsen – wir freuen uns über die Aussicht auf eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit und die Organisation gemeinsamer Veranstaltungen in nächster Zukunft.

Gustav Wehner

Immer Menschen getroffen, die mir den Weg gewiesen haben

„Man muss die Kraft haben, auch in schwierigen Zeiten seinen Weg zu gehen“. Dieses Zitat von Prof. Dr. Anton Mangstl beschreibt wohl am besten das Erfolgsrezept seines beruflichen Lebensweges, den er den Teilnehmern der Online-Vortragsveranstaltung der VDL-Landesgruppe Bayern am 14. Juni 2021 in sehr unterhaltsamer Weise schilderte. Als Landwirtssohn, der nach eigener humorvoller Aussage „keine Hände für die praktische Arbeit“ hatte, erkannte er schon früh den Wert der Fort- und Weiterbildung. Er hat Landwirtschaft gelernt und zunächst an der Ingenieurschule für Landbau in Landshut-Schönbrunn, später dann an der Technischen Universität München in Weihenstephan Agrarwissenschaften mit der Fachrichtung Pflanzenproduktion studiert. Nach Diplom und Promotion arbeitete er über ein Jahrzehnt als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschung und Lehre an einer großen Zahl innovativer Projekte. Die erste Station außerhalb der Universität führte ihn 1989 nach Bonn als Direktor der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI). 1996 erreichte ihn ein Ruf aus Rom als Abteilungsdirektor bei der Welternährungsorganisation (FAO), wo er für die Bereiche Informations- und Wissensmanagement, e-learning und Capacity building zuständig war. 2011 nahm Mangstl den Ruf als Vizepräsident und Professor an der German-Jordanian University in Amman an, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb.

Über das rein Fachliche seines Berufslebens hinaus vermittelte Mangstl den Zuhörern eine Vielzahl von Lebensweisheiten und gab insbesondere den jüngeren Teilnehmern viele wertvolle Tipps für ihren weiteren Berufsweg. Dabei klang einiges zunächst ungewohnt, wie z.B. die Aussage, dass er von Glück sagen konnte, dass seine Bewerbungen nicht immer erfolgreich waren. Das daraufhin entstehende Fragezeichen in den Köpfen der Zuhörer löste er sogleich auf mit der Erklärung, dass er sonst nicht in die Welt gekommen wäre. Andere Menschen zu treffen verband er mit der Erfahrung, Ideen und Impulse zu bekommen, auf die er selbst nicht gekommen wäre. Überhaupt habe er viele Menschen getroffen, die ihn den Weg gewiesen haben. Es spricht für den Referenten, dass er, dessen erfolgreiches Berufsleben beispielgebend ist, sich immer auch des positiven Einflusses günstiger Umstände und anderer Menschen bewusst war und ist. Vermutlich ist es dieses Bewusstsein und die Erfahrung aus vielen Stellenausschreibungen und Einstellungsgesprächen im Rahmen seiner leitenden Tätigkeiten, aus denen er die Empfehlung an die jungen Kolleginnen und Kollegen ableitete, immer wieder andere Leute anzusprechen, um mehr Informationen zu bekommen und sich selbst anzubieten. Es ist aber auch die selten anzutreffende Gabe, immer über den berühmten Tellerrand hinaus zu denken und auch in dem, was das Gros der Menschen als „nicht machbar“ oder „zu belastend“ bezeichnet, Chancen und Möglichkeiten zu erkennen und dann zielstrebig seinen Weg zu gehen. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrung, dass viele Menschen eher träge sind und an Gewohntem festhalten, bezeichnete er es als Glück, es immer geschafft zu haben, einen Kern von Menschen um sich zu sammeln, die begeisterungsfähig waren und an der Realisierung seiner Ideen mitarbeiteten. So verwundert es nicht, dass er als Pionier der Agrarinformatik seiner Zeit immer ein Stückchen voraus war. Dabei blieb er immer Realist, der zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden konnte. So erklärt sich auch seine Empfehlung an den agrarischen Fachkräftenachwuchs, nicht zu scheuen, sich zu bewerben, auch wenn nicht alle ausgeschriebenen Anforderungen erfüllt werden. Vorausgesetzt, man kann überzeugend darlegen, dass man den Anforderungen der Stelle gewachsen ist.

Mit einem Foto vom Sternenhimmel im UNESCO Weltkulturerbe-Tal „Wadi Rum“, das zusammen mit der Felsenstadt Petra zu den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten in Jordanien zählt, setzte Prof. Mangstl einen sehr passenden emotionalen Schlusspunkt unter seinen sehr persönlich gehaltenen Vortrag.

Forschungsgruppe „ErdHase“ geht für sichere Lebensmittel an den Start

Für mehr Lebensqualität und Sicherheit von Allergiepatientinnen und -patienten: Kooperationsprojekt der Hochschule Geisenheim mit namhaften Partnern unter der Leitung von R-Biopharm verbindet klinisches, analytisches und produktionstechnisches Know-how

 

Bei Nahrungsmittelallergien gibt es für Patientinnen und Patienten derzeit nur eine sichere Methode: Lebensmittel mit diesen Zutaten vermeiden. Das lässt jedoch den individuellen Schwellenwert jeder Patientin bzw. jedes Patienten außer Acht und auch die Tatsache, dass Verarbeitungsprozesse die Allergenität der Zutaten verändern können. Um Werkzeuge zu entwickeln, mit denen das Potenzial von Allergieauslösung bereits im Lebensmittel erfasst wird, verbindet eine interdisziplinäre Forschungsgruppe jetzt klinisches, analytisches und produktionstechnisches Know-how. Der Projektname „ErdHase“ verweist auf die Klassiker unter den Allergieauslösern: Erdnüsse und Haselnüsse.

Erdnüsse und Haselnüsse sind die häufigsten und auch gefährlichsten Auslöser von Nahrungsmittelallergien. Die Reaktionen reichen von leichtem Hautjucken bis zu lebensbedrohlichen Herzkreislaufbeschwerden. Weltweit leiden darunter vier Prozent der Bevölkerung. Bei der Verarbeitung von Erdnüssen und Haselnüssen in der Lebensmittelproduktion kann jedoch je nach Verfahren die Allergenität gesteigert oder verringert werden. Auch gängige Methoden zur Lebensmittelallergenanalyse ziehen diese Umstände zurzeit nicht in Betracht.

Deswegen hat jetzt eine Forschungsgruppe mit sieben Projektpartnern die beiden allergenen Lebensmittel gewählt, um beispielhaft zu untersuchen, wie mithilfe der Kombination verschiedener immunologischer Testsysteme die Sicherheit von Allergiepatientinnen und -patienten verbessert werden kann – und zwar schon während der Lebensmittelherstellung. Projekt-Titel: „Identifizierung des allergenen Potentials von Erdnuss und Haselnuss in Lebensmittelverarbeitungsketten in Bezug auf Allergenität von Patienten“. Die etwas eingängigere Abkürzung: ErdHase.

„Erdnüsse und Haselnüsse gehören zu den prominentesten Auslösern von Nahrungsmittelallergien – die lebensbedrohend sein können. Unsere Vision ist, ein System von enormer Bedeutung für Patienten und Hersteller von Lebensmitteln zu erarbeiten, das die Lebensmittelindustrie in die Lage versetzt, allergiegeplagten Verbrauchern mehr Lebensqualität zurückzubringen“, sagte Dr. Susanne Siebeneicher, Projektleiterin bei der federführenden R-Biopharm AG, nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.

Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund zwei Millionen Euro gefördert. Sein Ziel: Analytische Instrumente für das Management von Lebensmittelallergenen entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion zu entwickeln. Dafür sollen klinische und serologische Profile von Allergikerinnen und Allergikern erstellt werden, um bessere Vorhersagen zur Verträglichkeit von verarbeiteten Lebensmitteln treffen zu können. Mithilfe rekombinanter Antikörper, geklont aus den B-Zellen von Allergikerinnen und Allergikern, soll ein Werkzeugkasten für die Lebensmittelanalyse entstehen, der direkt mit der Allergenerkennung bei Patientinnen und Patienten verknüpft ist.

Für das Forschungsprojekt haben sich Partner aus Klinik, Analyse, Hochschule und Industrie zusammengeschlossen:

  • R-Biopharm – Projekt-Koordinator und Experte für die Entwicklung von Testkits zum Nachweis von Allergenen in Lebensmitteln und Charakterisierung von Allergiepatientinnen und -patienten. Mit seinem qLINE® Testsystem können bei der Patientin bzw. beim Patienten die Allergie auslösenden Allergene identifiziert werden – zur Klassifizierung von Allergikern und Charakterisierung von Patientinnen und Patienten aus der klinischen Studie. Dr. Markus Böhl, Leiter F&E, Neue Technologien, bei R-Biopharm: „Ein wirksamer Schutz von Nahrungsmittelallergikern erfordert diagnostische Lösungen aus zwei Welten: der Lebensmittelanalytik und der klinischen Diagnostik. Mit dem Start des Projektes ErdHase werden wir die wissenschaftlichen Grundlagen und Konzepte schaffen, um diese beiden Geschäftsfelder zum Nutzen der betroffenen Patienten zu einer Gesamtlösung zu verschalten.“
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin – Die Charité beteiligt sich an dem BMBF-geförderten Projekt mit zwei Kliniken, die Experten in der Forschung und Durchführung klinischer Studien zur Nahrungsmittelallergie mit jeweils gut charakterisierten Patientenkohorten im Kindes- und Erwachsenenalter sind. Projektleiterin Dr. Sabine Dölle-Bierke von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie betont: „Strikte Vermeidung bedeutet nicht nur Karenz, sondern auch eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten. Eine auf die Patientengruppe abgestimmte Lebensmittelanalytik eröffnet die Produktauswahl und steigert damit auch die Lebensqualität.“ Projektleiterin Prof. Dr. Kirsten Beyer von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin ergänzt: „Die Charité ist für die Identifizierung und umfangreiche Charakterisierung der Patientenkollektive zuständig. Ziel der interdisziplinären Kooperation ist eine nachvollziehbare Deklaration auf den entsprechenden Lebensmitteln für unsere Allergikerinnen und Allergiker.“
  • Deutscher Allergie- und Asthmabund – Die größte Organisation für Patientinnen und Patienten mit Nahrungsmittelallergien in Deutschland ist an mehreren nationalen und internationalen Forschungsprojekten beteiligt und wird neben der Patientenperspektive auch die Sichtweise allergologisch spezialisierter Ernährungsfachkräfte zur Thematik mit in das Projekt einbringen. Sabine Schnadt, Diplom-Ökotrophologin: „Als Patienten- und Verbrauchervertreter freut der DAAB sich, Partner in einem Projekt zu sein, welches medizinische und herstellungsbezogene Aspekte der Erdnuss- und Haselnuss-Allergie vereint. Als Schnittstelle sowohl zu den Patienten selbst, als auch zu Fachpersonal und Lebensmittelherstellern werden wir durch zielgruppenspezifische Erhebungen die Erfahrungen zum Umgang mit der Allergie bzw. den Allergenen und die Wünsche der Beteiligten aktiv mit in das Projekt einbringen.“
  • Hochschule Fresenius – Experte in der Produktion und Reinigung von Proteinen und deren Analyse. Prof. Dr. Klaus Schneider, Head of Institute for Biomolecular Research: „Nach einem Test ein Nahrungsmittel mit Nüssen verzehren…das ist das Ziel unseres Projekts für Menschen, die bisher wegen einer Allergie Nüsse komplett vermeiden müssen.“
  • Hochschule Geisenheim, Institut für Lebensmittelsicherheit – Expertise in der Produktion und Analytik von definierten verarbeiteten Lebensmitteln mit engem Kontakt zu Lebensmittelherstellern. „Dieses Projekt repräsentiert ein Novum in der Entwicklung einer Allergennachweismethode, da sowohl die Herstellung der Lebensmittel als auch die Reaktion betroffener Patienten berücksichtigt wird“, sagen Prof. Dr. Simone Loos-Theisen und Prof. Dr.-Ing. Bernd Lindemann.
  • YUMAB GmbH – Expertise in der Entwicklung von rekombinanten Antikörpern, die die Immunantwort der Patientin bzw. des Patienten anzeigen. Dr. André Frenzel, Wissenschaftlicher Leiter bei der YUMAB GmbH: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern aus Allergie- und diagnostischer Forschung und sind überzeugt, einen positiven Beitrag zum Werkzeugkasten für die Lebensmittelanalytik leisten zu können.“

Erfolg für Netzwerk für internationale digitale Lehre

Mittelhessische Hochschulen erfolgreich im Förderprogramm „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ – Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert das Projekt NIDIT unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen mit rund 3,9 Millionen Euro

Hochwertige digitale Angebote auch für die internationale Lehre zu entwickeln, ist das Ziel eines neuen hochschuldidaktischen Netzwerks der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen: Unter Federführung der JLU entsteht das „Network for Impactful Digital International Teaching-skills“ (NIDIT). Die Stiftung für Innovation in der Hochschullehre fördert das Projekt mit rund 3,9 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“. Mit der gebündelten Expertise der drei mittelhessischen Hochschulen werden bis zum Jahr 2025 die Erfahrungen aus der digitalen Lehre während der Corona-Pandemie systematisch aufgearbeitet und daraus Qualifizierungsmaßnahmen für die Lehrenden der drei Hochschulen entwickelt.

„Ich freue mich sehr über diesen Erfolg, der auf dem Hochschuldidaktischen Netzwerk Mittelhessen aufbaut, in dem die drei mittelhessischen Hochschulen bereits seit dem Jahr 2007 gemeinsame Fortbildungen für Lehrende organisieren“, so die JLU-Vizepräsidentin für Studium und Lehre Prof. Dr. Verena Dolle. „NIDIT intensiviert diese Zusammenarbeit durch ein einzigartiges, erweitertes Kompetenznetzwerk, in dem Expertisen für digitale, internationale Lehrkompetenzen in Hessen gebündelt werden.“

Ein zentraler Bestandteil sind breit angelegte Wirkungsanalysen, mit der Qualitätskriterien für digitale Lehre erarbeitet werden sollen, um aus der spontanen digitalen Lehre in Corona-Zeiten qualitativ hochwertige und anspruchsvolle teildigitale Lehrangebote zu entwickeln. Auf dieser Basis werden die beteiligten Hochschuldidaktiken um umfassende Maßnahmen für Digitalkompetenzen (Digital Teaching Literacy) und internationale Lehr- und Austauschformate ergänzt. Lehrinnovationen wie Virtual Reality oder Gamification werden einbezogen und Lehr- und Lehrforschungsschwerpunkte zu Projektschwerpunkten ausgebaut. Dabei sichert NIDIT die Lehrqualität und etabliert die digitale Lehre zudem langfristig in internationaler Perspektive.

Die im Jahr 2020 gegründete Stiftung Innovation in der Hochschullehre hat das Ziel, Innovationen im Bereich des Lehrens und Lernens an Hochschulen zu ermöglichen und die Erneuerungsfähigkeit der Hochschullehre zu stärken. Sie ist eine Treuhandstiftung in Trägerschaft der gemeinnützigen Toepfer Stiftung gGmbH. Sämtliche Mittel für Förderung, Programm, Organisation und Verwaltung werden von Bund und Ländern zur Verfügung gestellt. Für die Ausschreibung „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ wurden 264 Anträge eingereicht, darunter 216 Einzel- und 48 Verbundanträge. Der Ausschuss zur Projektauswahl hat davon 139 Projektvorhaben als förderwürdig eingestuft, darunter 115 Einzel- und 24 Verbundanträge.