SAVE THE DATE: VDL-Jahrestagung 2022 vom 19.-21.05.2022 in Landshut

Foto: pixabay

Die VDL-Jahrestagung 2022 mit Bundesmitgliederversammlung und Exkursionsprogramm soll wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden!

Wir freuen uns auf persönliche Begegnungen und interessante Themen. Bitte merken Sie sich diesen Termin schon jetzt vor!

Weitere Informationen werden wir Ihnen zukommen lassen.

VDL-Niedersachsen: Hilft gegen Corona-Blues: der Agrarier-Stammtisch

Foto: VDL-Niedersachsen  –  Leisten sich ein schickes Leuchtschild: die Oldenburger VDLer

Genau genommen ist es ja schon der dritte Winter, den wir unter der Corona-Knute verbringen, und manch einer droht angesichts der Endlosschleifen von Variantenwellen im Corona-Blues zu versinken. In Niedersachsen wehren wir uns mit unserer Geheimwaffe „Agrarier-Stammtisch“, den wir inzwischen nicht nur in Hannover, sondern auch in Oldenburg etabliert haben. Auch unsere Studierenden halten an ihrem Stammtisch fest, um die noch frischen Kontakte zu pflegen und den gegenseitigen Zusammenhalt zu festigen – gemeinsam klappt das Studium einfach besser. Und um nicht nur die Ortsansässigen der jeweiligen Kneipe glücklich zu machen, haben wir uns jetzt auch im virtuellen Raum festgesetzt.

Das Jahr ist noch frisch, aber die ersten Treffen haben schon stattgefunden:

  • Den Auftakt machten wir am 11. Januar 2022 mit dem „grenzenlosen“, weil virtuellen Agrarier-Stammtisch, zu dem wir alle VDL-Mitglieder und Gäste in ganz Deutschland eingeladen haben. Von Schleswig-Holstein bis Hessen kamen die Gäste, beim nächsten Mal hoffen wir auch auf Besuch aus Berlin, München und Wiesbaden. Und natürlich kamen auch viele Niedersachsen, für die unser Stammlokal ALEXANDER nicht um die Ecke liegt. Wir hatten viel Spaß und tauschten uns über viele Themen aus.
  • Am 13. Januar 2022 trafen sich in Oldenburg acht VDL Mitglieder im SCHIRRMANNS zum ersten Präsenz-Stammtisch in diesem Jahr. Es gab eine Reihe von Themen, die in dem angenehmen Lokal auch durchaus kontrovers diskutiert wurden, so dass die letzten Teilnehmer nach Mitternacht den Heimweg antraten.
  • Die Studierenden setzten die Reihe am 17. Januar 2022 in Göttingen im ZAK fort. Für die Teilnehmenden war es eine sehr gute Abwechslung zum seit der Vorweihnachtszeit rein online gestaltetem Studium. Von Bachelorerstsemestern bis zu Studierenden, die kurz vor dem Ende ihres Masterstudiums stehen, waren alle Phasen des Studiums vertreten. Somit konnte ein reger Austausch stattfinden und die Zeit verging wie im Flug.

Was ist besser – Stammtisch in Präsenz oder virtuell? Die Frage stellt sich so eigentlich nicht, denn beide Formen haben ihre Vor- und Nachteile. Das Bier vom Fass ist nicht zu trennen von der Gefahr, auf dem Weg oder vor Ort durch eine Coronawolke zu laufen. Wer nicht in erreichbarer Nähe zum Lokal lebt bzw. arbeitet, kann sich nur virtuell mit Kolleg*innen austauschen und dann kommt auch das Bier aus der Flasche nur in Selbstbedienung. Was aber immer funktioniert, ist das zwanglose Gespräch, der Austausch über Wichtiges und Nichtiges, das Kontakthalten auch über große Distanzen hinweg. Die Fachkollegen, die über viele Bereiche in der Region verstreut sind, können hier im Austausch mit anderen Fachkollegen den Blick über den Tellerrand ausweiten.

Es ist unser Ziel als Berufsverband, das Netzwerk über alle Ebenen und Fachbereiche zu stärken. Die Mischung aus Agrarier-Stammtischen in Präsenz an zentralen Orten und grenzenlos im virtuellen Raum bietet uns die Möglichkeit, nicht nur unter Pandemiebedingungen zusammenzufinden und zusammenzuhalten. Und so wollen wir uns organisieren:

  • Der virtuelle Agrarier-Stammtisch findet an jedem zweiten Dienstag in den ungeraden Monaten ab 19 Uhr über die Plattform „Wonder“ statt. Gastgeber ist der VDL Landesverband Niedersachsen, eingeladen sind alle VDL-Mitglieder und Freunde des VDL in ganz Deutschland. Bei Interesse bitte melden über Kontakt@VDL-Niedersachsen.de.
  • Der Stammtisch in Oldenburg findet an jedem zweiten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Schirrmanns (Straßburger Str. 6, 26123 Oldenburg) Gäste sind herzlich willkommen. Info bei Gustav Wehner (Wehner.VS@VDL-Niedersachsen.de)
  • In Hannover bleibt das Alexander (Prinzenstr. 10, 30159 Hannover) unser Stammlokal, das wir an jedem zweiten Dienstag in den geraden Monaten ab 18 Uhr frequentieren. Auch hier sind Gäste jederzeit willkommen. Info bei Ruth Franken (Franken.GF@VDL-Niedersachsen.de)
  • Der dritte Montag in den Monaten mit Semesterbetrieb ist den Göttinger Studierenden und ihren Gästen reserviert. Man trifft sich ab 19 Uhr im ZAK (Am Wochenmarkt 22, 37073 Göttingen). Info über Goettingen@VDL.de

Die nächsten Termine sind:

08.02.2022 ab 19 Uhr: Agrarier-Stammtisch in Hannover, aufgrund der aktuellen Corona-Lage noch einmal virtuell

09.02.2022 ab 19 Uhr: Agrarier-Stammtisch in Oldenburg

VDL-Niedersachsen: 800 Meter tief – Exkursion zum Erlebnisbergwerk Merkers

Fotos: Eike Tannen, Dr. Annette Pfordt

Am 2. Dezember 2021 konnte die VDL-Studierendengruppe Göttingen eine Exkursion zum Erlebnisbergwerk Merkers der K+S GmbH durchführen. Unter 2G + Regelung ging es für insgesamt 25 Teilnehmer morgens mit dem Bus nach Merkers-Kieselbach. Dort angekommen wurden sie von Lukas Bangert in Empfang genommen, der selbst bis 2018 in Göttingen studiert hat. Er stellte die K+S mbH vor und erzählte auch einiges über seinen Werdegang in diesem Unternehmen, zuerst als Werksstudent und nun seit Januar 2021 als Regionalberater West.

Danach startete die Bergwerkstour. Mit einem Aufzug ging es innerhalb von 90 Sekunden auf eine Teufe von 500 Metern (Bergmännische Bezeichnung für Tiefe). Mit einem umgebauten gelben Transporter (siehe Bild) ging es dann durch ein Labyrinth aus niedrigen Gängen bis auf eine maximale Teufe von 800 Metern. Auf dem Weg zum Höhepunkt der Führung, der Kristallgrotte, wurden noch verschiedene Stationen besichtigt, so zum Beispiel das Museum, das anschaulich die Geschichte des Kalibergbaus an der Werra darstellt. Hier gab es einige alte Bergbaugroßgeräte zu sehen, die besonders die technikbegeisterten Teilnehmer genauer unter die Lupe genommen haben.

Die nächste Station war der ehemalige Großbunker, in dem bis 1993 bis zu 50 000 Tonnen Rohsalz zwischengelagert wurden. Heute dient er als großer Konzertsaal mit einer besonders guten Akustik. Ein weiteres Highlight der Erlebnistour war dann der historische Goldraum. In ihm wurden zum Ende des zweiten Weltkriegs die Gold- und Devisenbestände der deutschen Reichsbank eingelagert, die 1945 dann von den amerikanischen Truppen entdeckt und wieder an die Oberfläche geholt wurden. Unglaublich, was für Werte dort unten gelagert waren!

Die Kristallgrotte am Ende war der Höhepunkt der Führung. In 800 Metern Teufe gab es zuerst ein Kaltgetränk in der „Kristallbar“, der tiefsten Bar der Welt, und dann konnte die faszinierende Kristallgrotte besichtigt werden. Sie wurde erst 1980 entdeckt und besteht aus teilweise wasserklaren Steinsalzkristallen, die durch eine Musik-Licht-Installation eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Von dort ging es dann wieder zurück zum Schacht und wieder an die Erdoberfläche.

Diese Exkursion wird allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben und war eine gelungene Abwechslung zum momentan wieder rein online-gestalteten Studienalltag.

Eike Tannen

VDL-Niedersachsen: Ostfriesischer Volkssport nach Göttingen exportiert

Foto: Peet Gaumann

Am 4. November 2021 entdeckten wir als VDL-Studierendengruppe Göttingen eine neue Sportart für uns. Wir versuchten uns nämlich zum ersten Mal im ostfriesischen Volkssport Boßeln.

Es ist eine Sportart mit langer Tradition an der Nordseeküste Schleswig-Holstein. Ziel des Wettkampfs ist es, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen.

Dafür trafen wir uns am frühen Nachmittag auf einem Feldweg nördlich von Göttingen und traten in zwei Teams gegeneinander an. Zwischen den Würfen und später beim Aufwärmen konnten sich die knapp 30 Teilnehmenden näher kennen lernen – das Studium selbst bietet ja bisher nur eingeschränkte Möglichkeiten. Seitens der Teilnehmenden erhielten wir auf die Veranstaltung durchweg positive Resonanz und wir sind uns einig, das Boßeln mit anschließenden Glühweintrinken in das Repertoire der Studierendengruppe aufzunehmen und nächstes Jahr zu wiederholen.

Peet Gaumann

VDL-Niedersachsen: Agrarier-Stammtisch ohne Grenzen

Foto: AST Wonder, Screenshot Ruth Franken

Am 9. November 2021 fand der Testlauf für den virtuellen „Agrarier-Stammtisch ohne Grenzen“ statt, zu dem der VDL-Landesverband Niedersachsen ab 2022 die VDL-Mitglieder aller VDL-Landesverbände und –gruppen sowie interessierte Gäste einladen wird.

Die „dank Corona“ inzwischen gut etablierten Videokonferenzen ermöglichen es, auch ohne Reisen und mit kleinem Zeitbudget im Netzwerk in Verbindung zu bleiben und sich auszutauschen. Der Stammtisch soll immer am zweiten Dienstag in den ungeraden Monaten ab 19 Uhr stattfinden – die geraden Monate bleiben dem Präsenz-Stammtisch im Alexander in Hannover vorbehalten.

Der erste grenzenlose Termin ist der 11. Januar 2022 ab 19 Uhr. Anmeldung ist aktuell noch erforderlich, bei Interesse bitten wir um eine kurze Mail an Kontakt@VDL-Niedersachsen.de.

Ruth Franken

VDL-Niedersachsen: Klostergüter in Niedersachsen – Fachexkursion nach Wöltingerode

Foto: Dr. Pfordt

RÜCKBLICK

Die Dezernentin der Klosterkammer Hannover, Friederike Bock, und der Direktor der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Tobias Henkel, stellten zunächst ihre jeweiligen Institutionen vor und berichteten über deren wechselvolle Geschichte. Die Teilnehmer erhielten einen Einblick in die Verwaltung von Stiftungsvermögen, aus deren Erträgen zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude und eine große Zahl von Kunstobjekten, vorwiegend aus kirchlichen Kontexten, unterhalten werden.

Nach dem Mittagsimbiss im Klosterkrug gab Günter Heuer, Administrator des von der Klosterkammer selbst bewirtschafteten Klostergutes Wöltingerode, auf einer Feldrundfahrt einen Überblick über die Landwirtschaft. Neben den besonderen Wirtschaftsbedingungen in den Lagen des Harzes erfuhren wir interessante Aspekte zur Fruchtfolge, zum Arbeitskräfte- und Maschinenbesatz und zur Betriebsführung insgesamt, die sowohl die Außenwirtschaft als auch die zum Betrieb gehörende Kornbrennerei und andere Aktivitäten im Klostergut betrafen.

Foto: Dr. Pfordt

Zum Betrieb gehören 352 ha Ackerland und 13 ha Grünland, weiterhin 24 ha Naturschutzgebiet, 18 ha Wald und Landschaftselemente sowie eine Fläche von ca. 220 ha Kiesabbaugebiet mit verschiedenen Teichen, von denen ein wesentlicher Teil verpachtet ist. Die Ackerflächen des Gutes werden mit Weizen und Gerste (auch Braugerste zur Verwendung in der eigenen Kornbrennerei), mit Winterraps und Zuckerrüben sowie mit Ackerbohnen bestellt. Für die Stilllegungsflächen bestehen Verpflichtungen aus unterschiedlichen Natur- und Umweltprogrammen. Mit zwei weiteren Betrieben gibt es eine intensive Zusammenarbeit, wodurch der Maschinenbesatz des Gutes sehr gering gehalten werden kann. Hier liegt der maschinelle Schwerpunkt in der Düngetechnik, die u. a. einen N-Sensor umfasst. Mit dessen Einsatz kann die Düngung der innerhalb eines Schlages unterschiedlichen Bestandesdichten individuell angepasst werden, ohne dass eine Überschreitung der für den Schlag insgesamt kalkulierten Nährstoffmenge entsteht. Arbeitswirtschaftlich günstig werden ferner die im Winter nicht in der Feldarbeit benötigten Mitarbeiter in der Kornbrennerei beschäftigt.

Herr Heuer konnte während seines langjährigen Wirkens auf dem Klostergut immer wieder neue Ideen umsetzen. Neben seiner Begeisterung für die verschiedenen Tätigkeiten als Kornbrenner und Gastwirt schwärmte er aber vor allem von seinem Hauptberuf als Landwirt. Einziger Wermutstropfen dieses schönen Berufes sei allerdings die wachsende Bürokratie.

Nach der Kaffeepause besichtigten wir zunächst die Klosterkirche, wo wir weitere Aspekte der wechselvollen Geschichte des Klosters Wöltingerode seit 1682 kennenlernten. Es schloss sich eine Führung durch das Lachsinformationscenter im ehemaligen Mühlengebäude an. Dort bekamen wir einen Einblick in das Leben des Atlantischen Lachses und in die Bemühungen um die Wiederansiedlung der Wanderfische in deutsche Gewässer. Für dieses auf den ersten Blick überraschende Projekt gibt es zwei konkrete Aufhänger: Auslöser waren erste Aktivitäten, den Lachs in die Oker zurückzubringen, die aus dem Harz nordwärts fließt und über Jahrhunderte durch den Bergbau sehr verschmutzt war. Die Einrichtung des Lachsinformationscenters bot der Klosterkammer eine willkommene Gelegenheit, ihre Verpflichtung zur Erhaltung dieser Gebäude mit einer sinnvollen Nutzung zu verbinden.

Foto: Dr. Pfordt

Der Rundgang endete in der Klosterbrennerei, wo wir anknüpfend an die geschichtliche Entwicklung des Klosters weitere Informationen zu den ursprünglichen Werten des Brennens, dem respektvollen Umgang mit der heimischen Natur und der ehrlichen handwerklichen Tradition bekamen. Besonders eindrucksvoll war der Blick in das Fasslager, in dem die Edelkornsorten in Eichenfässern heranreifen, und natürlich die anschließende Verkostung der stattlichen Anzahl mehrfach prämierter Edelbranntspezialitäten.

Den Ausklang der Veranstaltung bildete der Begegnungsabend mit einem Harzer Spezialitätenbuffet. Nach einleitenden Worten des Kreislandvolkvorsitzenden der Region, Christian Scherb, gab es einen intensiven Gedankenaustausch unter den Teilnehmern mit – bedingt durch Corona-Pausen – lange ersehnten persönlichen Gesprächen.

Friedhelm Kruse

Drei ertragreiche Arbeitstage liegen hinter uns (vlnr: Lioba Kumpf, Dozentin, Dr. Annette Pfordt, Gustav Wehner, Peet Gaumann, Ruth Franken, Dr Juhl Jörgensen, Christian Riede, Eberhard Köhler, René Borresch). Foto: Pfordt

Change Management – digital, analog oder hybrid?

Drei ertragreiche Arbeitstage liegen hinter uns (vlnr: Lioba Kumpf, Dozentin, Dr. Annette Pfordt, Gustav Wehner, Peet Gaumann, Ruth Franken, Dr Juhl Jörgensen, Christian Riede, Eberhard Köhler, René Borresch). Foto: Pfordt

RÜCKBLICK

Change bedeutet Veränderung und diese ist infolge der Corona-Pandemie dringend erforderlich – auch für das Verbandsgeschehen im VDL. So trafen sich acht Vorstandsmitglieder aus zwei Landesverbänden in der dbb-akademie, um im diesjährigen VDL-Seminar vom 05.-07.09.2021 die Grundlagen des Change Managements kennenzulernen.

Wir begannen damit, in einem ersten Schritt den Veränderungsbedarf zu konkretisieren, wobei wir das Thema Digitalisierung zunächst hintanstellen wollten. Und standen dann im Seminarraum vor einem riesigen Bildschirm. Dieser „Weframe“ ist im XXL-Format Touchscreen, Bildschirm und Computer in einem und kann alles, was eine Pinwand kann und noch viel mehr. Aber dazu muss man auch wissen, wie man damit umgeht. Wie gut, dass wir Digital Natives unter uns hatten!

Digitalisierung in XXL-Format – der Weframe ist ein tolles Instrument! (Foto: Jörgensen)

Inhaltlich hatten wir schnell fixiert, dass der wichtigste Auslöser für Veränderungsbedarf die stagnierenden Mitgliederzahlen sind, die nicht erst seit dem Beginn der Corona-Pandemie Sorgen bereiten. Zu den vielschichtigen Ursachen gehören fundamentale Veränderungen in den Rahmenbedingungen der Arbeitswelt, aber auch große Unterschiede zwischen den Generationen, die im VDL vereint sind. Eine Kernfrage ist damit, welche Ansprüche diese unterschiedlichen Zielgruppen an den Berufsverband stellen und welche Veränderungen in der Verbandsarbeit wir dafür auf den Weg bringen müssen.

Dazu bekamen wir erst einmal von unserer Dozentin Lioba Kumpf eine Einführung in die Grundlagen des Change Managements. Der erste Blick galt den Rahmenbedingungen, die unter dem Schlagwort „VUKA-Welt“ daherkommen:

  • Volatilität: Was gestern noch richtig war, kann schon morgen vollkommen überholt sein.
  • Ungewissheit: Die Zukunft ist ungewiss und wenig planbar.
  • Komplexität: Die schiere Menge an Informationen und mehr noch die systemischen Zusammenhänge überfordern den Einzelnen zunehmend. Einfache Lösungen gibt es nicht.
  • Ambiguität: alles ist mehrdeutig, es gibt keine absoluten Wahrheiten

Ein Festhalten an überkommenen Einstellungen und Organisationsmustern bietet in der VUKA-Welt wenig Aussicht auf langfristiges Überleben als Institution Berufsverband. „Schema F“ hat sich überholt und auch ein Plan B reicht nicht mehr, es braucht auch noch C und D. Damit ist Change schon per se unausweichlich und wir landen bei der Frage, wie Change zu managen ist. Ein Standardmodell des Change Managements ist das House of Change des schwedischen Psychologen Claes F. Janssen, mit dem Veränderungsprozesse strukturiert beschrieben werden. Es besteht aus vier Haupträumen mit ein paar architektonischen Besonderheiten.

  1. Im Raum der Zufriedenheit herrscht der Status quo, die Mehrheit wähnt sich in der Komfortzone und chillt auf dem Sonnenbalkon. Nur wenige Bewohner erkennen, dass sich Veränderungsdruck aufbaut, sie schlagen Alarm.
  2. Im Raum der Ablehnung ist die Verärgerung über die Vertreibung aus dem Paradies groß. Die Notwendigkeit wird nicht gesehen, einige gehen aus diesem Raum nicht vorwärts, sondern direkt in das Verweigerungsverlies. Aber langsam wächst die Einsicht in das Unvermeidliche.
  3. Im Raum der Verwirrung ist zunächst nicht klar, wo es lang geht und wie die anstehende Veränderung umzusetzen ist. Kollegen mit Schockstarre-Symptomen sammeln sich im Paralyseloch. Andere versuchen es mit dem Fluchttunnel, der führt aber nirgendwo hin.
  4. Schließlich haben sich die Einsichtigen und die Willigen sortiert und fangen an, die Veränderung zu organisieren. Hat die Umsetzung funktioniert, finden sich die Belegschaft im Raum der Erneuerung wieder, der sich im Laufe der Zeit wieder in einen Raum der Zufriedenheit weiterentwickelt. Bis die nächste Veränderung ansteht . . .

Wenn die Veränderung gelingen soll, müssen die Betroffenen zu Beteiligten gemacht und auf dem Weg mitgenommen werden. Wie das funktioniert, probierten wir in zwei Arbeitsgruppen an praktischen Beispielen aus dem VDL-Alltag aus. Mit der Auswertung der Ergebnisse erstellten wir gleichzeitig einen exemplarischen Fahrplan für die Organisation von Veränderungsprozessen, der sich wie folgt darstellt:

  1. Raum der Zufriedenheit: Herausforderung benennen, Veränderungsvorschlag ausarbeiten, Mitstreiter und Multiplikatoren suchen, Kommunikationswege festlegen und Vorteile aufzeigen
  2. Raum der Ablehnung: Emotionen, Ängste, Vorbehalte ernst nehmen, Historie berücksichtigen, das Alte nicht über Bord werfen, sondern würdigen und wertschätzen,
  3. Raum der Verwirrung: Rahmenbedingungen schaffen, Hilfestellung anbieten, Raum zum Ausprobieren geben, Feedback einholen, Sicherheit vermitteln
  4. Raum der Erneuerung: Veränderungen und Erfolge sichern, Erreichtes feiern, sich belohnen, Freiräume schaffen

Übersetzt auf unseren Berufsverband bedeutet das, dass die ganze Organisation sich selbst auf den Prüfstand stellen muss. Die Erwartungen der Mitglieder und die Möglichkeiten des Ehrenamts müssen den Mittelpunkt der Organisationsentwicklung bilden. Dabei ist transparente Kommunikation und ein wertschätzender Umgang miteinander von zentraler Bedeutung. Der erste Schritt ist mit diesem Seminar getan, die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst.

Ruth Franken

Dr. Annette Pfordt erhält Förderpreis des Deutschen Maiskomitees

Dr. Annette Pfordt wurde für ihre Dissertation „Occurrence and significance of Fusarium and Trichoderma ear rot in maize“ der DMK-Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler 2020 verliehen. Mit dem Preis, welcher jährlich vom deutschen Maiskomitee vergeben wird, werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten mit besonderer Praxisrelevanz für den Maisanbau ausgezeichnet. Die von Dr. Annette Pfordt unter der Betreuung von Prof. Dr. Andreas von Tiedemann verfasste Arbeit wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung in Kooperation mit der Gemeinschaft für Pflanzeninnovation (GFPi) gefördert.

Ziel des Promotionsprojektes war es, die in Deutschland vorkommenden Fusarium- und Trichoderma-Arten an Maiskolben und Stängel zu erfassen, ihre phytopathologische Bedeutung und Befallsbedingungen zu ermitteln, um die möglichen Auswirkungen auf die Mykotoxinbelastung des Ernteguts abschätzen zu können. Das Projekt soll damit einen wesentlichen Beitrag leisten, das Befalls- und Mykotoxinrisiko im intensiven Maisanbau durch züchterischen Fortschritt zu senken.

Im Rahmen eines deutschlandweiten Monitorings ist es Annette Pfordt gelungen, zwischen 13 pathogenen Fusarium-Arten an Maiskolben und Stängel zu unterscheiden, wobei die Häufigkeit des Auftretens der einzelnen Arten hauptsächlich aufgrund der jahresbedingten Witterung variiert. Eine wichtige Erkenntnis war dabei, dass besonders die neue Art Fusarium temperatum vermehrt in Deutschland auftrat, wodurch in Zukunft mit einem höheren toxikologischen Risiko für die menschliche Ernährung sowie die Tierfütterung zu rechnen ist.

Ein weiteres wesentliches Ergebnis war die erstmalige Beschreibung einer neuartigen Kolbenkrankheit an Mais in Europa, die von der Art Trichoderma afroharzianum verursacht wird. Sie führt zu einer massiven Produktion von graugrünen Konidien auf den Körnern, wobei das Trockenmassegewicht des Kolbens erheblich reduziert wird. Im Rahmen eines mehrjährigen Postdoc-Projekts in der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen kann Frau Dr. Pfordt jetzt diese mit fortschreitendem Klimawandel nach Norden vorrückenden Erreger genauer erforschen.

Beim VDL Niedersachsen ist Frau Dr. Pfordt als eine der drei Vorsitzenden ehrenamtlich engagiert und verfolgt hier gleich zwei Zielsetzungen: Sie unterstützt im VDL-Netzwerk Studierende bei der beruflichen Orientierung und kann gleichzeitig wissenschaftlichen Nachwuchs für ihr spannendes Forschungsgebiet gewinnen. Wir gratulieren Frau Dr. Pfordt zu ihrem wissenschaftlichen Erfolg, wünschen ihr viel Erfolg in der Forschung und freuen uns gleichzeitig auch die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren.

VDL-Landesverband Niedersachsen e.V.

Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft – Hintergrundgespräch mit niedersächsischer Agrarministerin

Veränderungsdruck auf die Landwirtschaft ist schon seit Jahren gegeben und nimmt mit fortschreitendem Klimawandel, aber auch aufgrund gesellschaftlicher Forderungen immer mehr zu. Gerade in Niedersachsen – auch als „Agrarland Nr. 1“ bekannt – sehen die zum Teil sehr intensiv wirtschaftenden Landwirte mit Sorge in die Zukunft. Dünge-Verordnung, „Borchert-Plan“, Insektenschutz und gravierende Einschränkungen beim chemischen Pflanzenschutz sind nur einige der brennenden Themen.

Die niedersächsische CDU-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat in parteiübergreifender Zusammenarbeit mit dem Umweltminister Olaf Lies (SPD) sowie der Landwirtschaftskammer, dem Landvolk Niedersachsen, dem NABU Niedersachsen und dem BUND Niedersachsen den „Niedersächsischen Weg“ ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative und weiteren politischen Instrumenten sollen die Probleme in einer gemeinsamen Anstrengung angegangen werden. Dazu organisierten die Agrarjournalisten vom VDAJ Niedersachsen/Sachsen-Anhalt am 24. Juni 2021 ein Hintergrundgespräch mit Barbara Otte-Kinast, zu dem wir als VDL-Mitglieder eingeladen waren.

Zunächst gab die Ministerin einen Überblick über aktuelle Vorhaben aus ihrem Ministerium und lobte die gemeinsam mit den Verbänden erzielte Einigung auf den „Niedersächsischen Weg“, wobei sie auch das anspruchsvolle Abstimmungsprocedere der Beteiligten würdigte. Am Beispiel des Insektenschutzes gab sie einen kleinen Einblick in die internen Abstimmungswege zwischen den beteiligten Landesministerien einerseits und der Aushandlung unterschiedlicher Interessenlagen zwischen den Bundesländern andererseits. Daneben wurde auch erkennbar, wie aus Niedersachsen sowohl der Umweltminister als auch die Landwirtschaftsministerin sich im Bundesrat für die hiesige Landwirtschaft einsetzen. In anderen Bundesländern haben es die Landwirtschaftsminister in einigen Fällen wesentlich schwerer, da der Umweltminister oft ganz andere Ziele verfolgt.

Im Bereich der Tierhaltung wurde über die Notwendigkeit gesprochen, die räumliche Verdichtung der Tierhaltung im Blick zu behalten, schon um die Auswirkungen von schwer zu vermeidenden Seuchenzügen zu begrenzen. Soweit vor dem Hintergrund der Umsetzung des Konzepts der Borchert-Kommission Reduktionen der Tierzahlen landwirtschaftlicher Betriebe die Folge sind, ist es das Ziel, die Wertschöpfung im Bereich der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung insgesamt zu erhöhen, um den Strukturwandel in der Nutztierhaltung nicht weiter zu beschleunigen und einem Strukturbruch entgegenzuwirken.

Im Ministerium ist man sich bewusst, dass die Anwendung der Dünge-Verordnung und die steigenden Anforderungen an das Tierwohl den Strukturwandel in der Tierhaltung vorantreiben werden. Die Ministerin sieht in der Regionalisierung der Tierproduktion eine Möglichkeit, das Tierwohl und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu befördern. Dazu sollte auch die Zahl der Schlachtbetriebe, vor allem der kleineren, erhalten und als neue Möglichkeit die Weideschlachtung behördlicherseits ermöglicht werden. Auch der Handel soll mehr in die Pflicht genommen werden, den Verkauf von regionalen Produkten nicht nur auf den Plakaten zu haben, sondern auch spürbar umzusetzen.

Auch im Ackerbau tut sich etwas, das Ministerium hat auf Burg Warberg das am 17. Juni 2021 von Ministerin Otte-Kinast eingeweihte Ackerbauzentrum Niedersachsen eingerichtet. Das Ackerbauzentrum soll als zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle aktuelle Themen gebündelt und mit Netzwerkpartnern für ganz Niedersachsen aufarbeiten und ökologisch nachhaltigere und zugleich ökonomisch tragfähige Produktionsverfahren entwickeln. Beispiel Eiweißpflanzenanbau: Hier ist festzustellen, dass große in Niedersachsen ansässige Fleischverarbeiter durch die verstärkte Entwicklung veganer Produkte die Nachfrage nach Eiweißpflanzen erhöhen. Diese Entwicklung ist auch aus Gründen der Biodiversität durchaus zu begrüßen.

Es wurden dann weitere Reizthemen, wie die Fortentwicklung der Kenntnisse über Lebensmittel beim Verbraucher, die TA Luft, die Wiedervernässung von Mooren und das hochbrisante Thema Wolf angesprochen. Einige Regelungen auf bundes- und europapolitischer Ebene haben noch handwerkliche Fehler und müssen über den Bundesrat erheblich nachgebessert werden.

Bei diesem sehr offenen und von gegenseitigem Vertrauen getragenen Gespräch gab die Ministerin detailliert Auskunft und zeigte, dass sie in allen Sachthemen souverän unterwegs ist. Ob Wolf oder Ackerbau, Weideschlachtung oder Tierseuchen, es blieb kaum ein Thema unbesetzt. Besonders beeindruckte das Systemverständnis der Ministerin, die all diese komplexen Fragestellungen in einen größeren Zusammenhang stellt und dabei vor parteipolitischen „Weidezäunen“ nicht haltmacht.

Das Gespräch mit Barbara Otte-Kinast war sehr informativ für jeden Berufskollegen und es wurde der Wunsch geäußert, bei passender Gelegenheit wieder zu einem Hintergrundgespräch zusammenzukommen. Dieses wurde von der Ministerin auch in Aussicht gestellt, da sie die Arbeit der Agrarjournalisten als sehr wertvoll einschätzt.

Geschätzt und gern wahrgenommen werden die Veranstaltungen des VDAJ auch von den VDL-Mitgliedern in Niedersachsen – wir freuen uns über die Aussicht auf eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit und die Organisation gemeinsamer Veranstaltungen in nächster Zukunft.

Gustav Wehner

Erster VDL-ScienceTalk gibt Einblick in digitalen Pflanzenschutz

Am 4. März 2021 stellte Sebastian Streit vom Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) in Göttingen im Rahmen des 1. virtuellen „Green Livestream – VDL-ScienceTalk“ das „Digitale Experimentierfeld FarmerSpace“ vor. Was Drohnen, Roboter oder Sensortechnik unter Feldbedingungen leisten können und wie der Transfer in die landwirtschaftliche Praxis gelingen und beschleunigt werden kann, will das interdisziplinär besetzte Forschungsteam mit Feldversuchen in Zuckerrüben und Winterweizen aufzeigen. Die Veranstaltung war gut besucht von Teilnehmer*innen aus der ganzen Bundesrepublik – sogar von der BOKU in Wien hatte sich ein Kollege zugeschaltet.

Projektziele sind die wissenschaftliche Evaluierung und praktische Erprobung ausgewählter Technologien im Pflanzenschutz hinsichtlich Funktionalität, Effizienz und pflanzenbaulicher Vorteile im Vergleich zu bisherigen Methoden. So sollen u.a. im Zuckerrübenanbau vier digital gesteuerte Hacksysteme mit einer manuellen Kontrollvariante verglichen werden. Erfasst werden als Parameter die Art und Anzahl sowie der Bedeckungsgrad der Unkräuter und schließlich der Rübenertrag. In einem weiteren Versuch wird die sensorgestützte Ausbringung von Herbiziden getestet, mit der nach Herstellerangaben eine Reduktion des Herbizideinsatzes um bis zu 90 % möglich sein soll.

Sensoren sollen auch das Monitoring von Blattkrankheiten mit digital gestützten Prognosemodellen ermöglichen. Sie messen in Winterweizen-Parzellen das Mikroklima im Bestand, erfassen teilflächenspezifische Unterschiede und erlauben in Kombination mit allgemeinen Wetterdaten den Prognosesystemen die Einschätzung der Befallswahrscheinlichkeit. Ziel ist es, Fungizidmaßnahmen bedarfsgerechter und effizienter zu terminieren.

Flankierend zu der praktischen Versuchstätigkeit werden im Projekt auch Fragen der Kommunikation untersucht. Gibt es Vorurteile und Hemmschwellen, die neuen Technologien einzusetzen? Welche Voraussetzungen müssen Landwirte mitbringen, um digitale Technologien optimal zu nutzen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Beratung der Betriebe? Diese und andere Fragen zur Kommunikation stehen im Mittelpunkt weiterer Untersuchungen, die im Rahmen von Befragungen und Versuchsdemonstrationen, Feldtagen und Messebeteiligungen durchgeführt werden.

Eine erfolgreiche Digitalisierung erfordert u.a. die Verarbeitung großer Datenmengen. FarmerSpace wird daher auch zeigen, ob die im Feld verfügbare Bandbreite der Mobilfunknetze für eine schnelle Online-Verarbeitung ausreicht. Brisanz liegt auch in der Frage, wem die Daten gehören und wer letztendlich davon profitiert.

Dr. Harry Jansing (Syngenta), der den ScienceTalk moderierte, stellte zum Ende der Veranstaltung fest, dass in den nächsten Jahren viele spannende Ergebnisse aus dem FarmerSpace-Projekt erwartet werden können. Besondere Aufmerksamkeit ist vor allem der Frage zu widmen, wann und mit welchen Konsequenzen digitale Systeme breit in der Praxis ankommen – und welche Auswirkungen sie auf die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft haben werden. Sebastian Streit lud die Teilnehmer dazu ein, den Forschritt von FarmerSpace auf der Homepage des Projekts und auf Instagram zu begleiten und auch die anderen Experimentierfelder im Internet zu besuchen.

 

Links:

FarmerSpace
https://www.farmerspace.uni-goettingen.de/
https://www.youtube.com/watch?v=_dbz4Wd6tkw
https://www.instagram.com/farmerspace_ef/

Experimentierfelder
https://www.bmel.de/DE/themen/digitalisierung/digitale-experimentierfelder.html
https://www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderungen-Auftraege/Digitalisierung/Experimentierfelder/Experimentierfelder_node.html

PDF zum Download

Ruth Franken (VDL Landesverband Niedersachsen)
Foto: IfZ