VDL-Fahrt: Brüsseler Lobbyarbeit kennengelernt

Ende März nahmen 34 Teilnehmer am diesjährigen Brüssel-Seminar teil, um sich über die neuesten Entwicklungen in der EU-Agrar- und Ernährungspolitik zu informieren. Die Zusammensetzung der Seminarteilnehmer war in diesem Jahr besonders heterogen: Studenten, Berufseinsteiger, Berufstätige, Rentner gleichmäßig verteilt aus dem gesamten Bundesgebiet und aus den verschiedenen Berufsfeldern. Dadurch wurden die Diskussionen mit den Referenten und auch untereinander ungemein bereichert.

Das Seminar startete mit einem Stadtrundgang durch die Brüsseler Innenstadt vorbei am Grand Place, Manneken Pis, dem Königlichen Palst und den zahlreichen europäischen Einrichtungen wie Parlament und Kommission.

Nach einem ersten Eindruck von Brüssel folgte der Einstieg in das Fachprogramm. Im Deutschen Haus der Land-und Ernährungswirtschaft wurden wir von Willi Kampmann vom Deutschen Bauernverband und Dr. Thomas Memmert vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) begrüßt. Beide gaben einen Einblick in Organisation und Aufgaben ihrer jeweiligen Verbände. So machte Kampmann deutlich, warum seine Arbeit in Brüssel wichtig ist für die deutschen Landwirte und wie sich seine Arbeit in Brüssel gestaltet. Dr. Memmert stellte dar, welche Organisationen im DRV zusammengefasst sind und welche Themen aktuell auf der Agenda stehen. Im Laufe der beiden Vorträge gesellten sich Vertreter verschiedener Institutionen und ständigen Vertretungen zu der Seminargruppe. Nach einer allgemeinen Vorstellungsrunde aller Teilnehmer und Gäste, bestand die Gelegenheit mit allen anwesenden Vertretern in lockerer Runde ins Gespräch zu kommen, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde.

 

Beim Empfang des Raiffeisenverbandes und Bauernverbandes für das Brüssel-Seminar (Foto: VDL)

 

Am folgenden Morgen war es zunächst schwierig zu unserem ersten Programmpunkt zu gelangen, da viele Straßen um die EU-Kommission wegen Demonstrationen und EU-Gipfel abgesperrt waren. So absolvierten wir das letzte Stück zu Fuß, bevor wir, nach dem „Einchecken“ ins Kommissionsgebäude, dem Vortrag von Antonia Lütteken zum Thema Ländliche Entwicklung hören konnten. Sie machte einmal mehr die Problematik deutlich, die die große Diversität innerhalb und zwischen den Mitgliedsstaaten mit sich bringt, wenn man versucht eine gemeinsame Politik zu gestalten und gab dann einen Ausblick auf die zukünftigen Regelungen nach 2013 zum Thema ländliche Entwicklung. Anschließend präsentierte uns Gebhard Seiwald, ebenfalls von der Kommission, verschiedene Aspekte zur Lebensmittelsicherheit und -kennzeichnung, bevor uns Felix Bloch mit einem spritzigen Vortrag zu Im- und Exportinteressen der EU am Beispiel der bilateralen Beziehungen zwischen EU und USA, begeisterte und die Bedeutung der EU Handelspolitik herausstrich. Dabei wurde deutlich, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten keinen Einfluss auf den EU Handel haben und bei Verhandlungen über Handelsabkommen und -beziehungen häufig viel Politik im Spiel ist, wodurch viel diplomatisches Geschick beim Aushandeln der Konditionen nötig sein kann.

Im Anschluss blieb uns über eine Stunde der Weg aus dem Kommissionsgebäude versperrt, da draußen Demonstranten vorbeizogen, wodurch sich unser Programm etwas verzögerte. Nach einem abenteuerlichen Weg durch das Kommissionsgebäude trafen wir schließlich zu den Vorträgen von Dr. Tania Runge von COPA/COGECA und Stephan Jürgenliemk vom Zentralverband Gartenbau ein. Beide berichteten kurz über ihren Werdegang und wie es sie letztlich nach Brüssel verschlagen hat, bevor es mit dem fachlichen Teil begann. Hier berichtete Dr. Runge über Aufbau und Funktion von Copa/Cogeca und welchen Arbeitsaufwand eine solch große, internationale Interessenvertretung mit sich bringt, zum Beispiel in Form von Übersetzungen aller Papiere in 6 verschiedene Sprachen, aber auch immer wieder die Kompromissfindung hin zu einem gemeinsamen Standpunkt aller Mitgliedsverbände. Der Lohn dafür ist dann andererseits aber auch, dass die Stimme von Copa/Cogeca bei den Brüsseler Institutionen Gewicht hat. Herr Jürgenliemk strich die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den heimischen Verbänden und Praktikern für seine Arbeit in Brüssel heraus, um eine fachlich fundierte Einschätzung zu bestimmten Sachverhalten geben zu können.

Anschließend folgte die Besichtigung des Europäischen Parlaments inklusive Sitzungssaal mit sehr anschaulicher Einführung in die Arbeit des Parlaments durch Herrn Böcker, Mitarbeiter der EU-Abgeordneten Elisabeth Jeggle. Anschließend erzählte Frau Jeggle von ihrer Arbeit, wie etwa dem Berichte schreiben und Kommentieren oder der Bedeutung der Lobbisten für ihre Arbeit. Auch nahm sie sich, wie im letzten Jahr, wieder viel Zeit für unsere Fragen. So beantwortete sie etwa die Frage: „Was muss ein junger Mensch mitbringen, wenn er in Brüssel arbeiten will?“ Nach dem abschließenden Gruppenfoto vor den Flaggen der Mitgliedsstaaten ging es über in den geselligen Netzwerkabend.

 

Julian Böcker vom Büro Jeggle erläutert den Plenarsaal des EU-Parlaments (Foto: VDL)

 

Das Brüssel-Seminar endete am Freitag mit einem Vortrag von Dr. Franz Eversheim von Bayer CropScience zum Thema Biotechnologie, was wie erwartet einige Diskussionen mit und unter den Teilnehmern auslöste. Weiterhin gab er seine Einschätzung was bei Lobbyarbeit in Brüssel besonders wichtig ist. Abschließend präsentierte uns Götz Brandau vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels den Aufbau und die Aufgaben seines Verbandes, bevor er das Dauerbrennerthema „Lebensmittelkennzeichnung“ behandelte, von dem er hofft, dass es nach gut drei Jahren Diskussionen in Brüssel bald eine einheitliche Regelung geben wird.

Danach ging es auch schon wieder mit dem Bus zurück nach Köln. Alles in allem war es also wieder eine gute Mischung aus Information, Netzwerken und, in diesem Jahr, auch ein kleinem bisschen Abenteuer.

Maria Brockmann

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