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Von Felchen und dummen Fischen

Am Pfingstsamstag bei herrlichstem Wetter traf sich eine gut gelaunte VDL-Gruppe in Unteruhlingen am Bodensee. Dieses Mal galt das Regionaltreffen, das von Herrn Gommeringer bestens organisiert worden war, nicht den steinzeitlichen Pfahlbauten, sondern der Bodenseefischerei. Diese wurde uns an unserer ersten Station von Fischwirtschaftsmeister Knoblauch in seinem Fischereibetrieb aufs Beste vermittelt.
Von der Besonderheit der Fischereikonzessionen am Bodensee mit seinen drei Anrainern: Deutschland, Österreich und der Schweiz angefangen, bis hin zur Verkostung leckerer Fischarten.

Am Pfingstsamstag bei herrlichstem Wetter traf sich eine gut gelaunte VDL-Gruppe in Unteruhlingen am Bodensee. Dieses Mal galt das Regionaltreffen, das von Herrn Gommeringer bestens organisiert worden war, nicht den steinzeitlichen Pfahlbauten, sondern der Bodenseefischerei. Diese wurde uns an unserer ersten Station von Fischwirtschaftsmeister Knoblauch in seinem Fischereibetrieb aufs Beste vermittelt.

Von der Besonderheit der Fischereikonzessionen am Bodensee mit seinen drei Anrainern: Deutschland, Österreich und der Schweiz angefangen, bis hin zur Verkostung leckerer Fischarten. Das gute Wasser des Bodensees, das nun zu einem langsameren Wachstum der Fische führt (50 kg pro Tag gefangen, sind schon eine hervorragende Ausbeute), bis hin zur Maschengröße der Netze, die akribisch kontrolliert wird, das Auslegen der Netze, die bis zu 15 km in der Nacht abtreiben, durch moderne GPS-Systeme heute aber wieder schnell gefunden werden können, die verschiedenen Fischarten im Bodensee, das Felchen (in Bayern auch Renke genannt), von dem es drei verschiedene Varianten gibt, die Kretzer – in der Schweiz auch Egli genannt – eine Barschart, Saiblinge, Aale, Hechte, Seeforellen, die wieder zunehmen und in die angrenzenden Gewässer wieder zum Laichen aufsteigen. All dies konnte uns Herr Knoblauch anschaulich vermitteln.
Und damit die Geschichten auch richtig Geschmack erhielten, konnten wir zwischendurch frisch zubereitete Hechtklösschen auf der Zunge zergehen lassen. Und so ganz nebenbei zeigte Herr Knoblauch uns mit meisterlichem Geschick, wie man blitzschnell die Fische filetiert.

Doch so idyllisch es sich anhört, so hart ist der Fischeralltag. Herr Knoblauch könnte sich mit der Fischerei allein im wahrsten Sinne des Wortes nicht über Wasser halten, deshalb kauft er auch noch Fische – meist Forellen – zu, die er im übrigen als dumme Fische bezeichnete, da sie einfach in Teichanlagen zu züchten sind. Herr Knoblauch vermarktet seine Fische direkt, nicht an Restaurants und Hotels, sondern im eigenen Laden in Überlingen. Dazu verarbeitet er auch Fische in haltbare Formen, vom Räucherfilet (er hat 3 Räucheröfen) über die Hechtklösschen bis hin zu Fischsoßen. Nur so kann er seine GbR – mit Ehefrau, Sohn und Vater – und damit seine Existenz aufrechterhalten. Ein variationsreiches und genussvolles Fischmittagessen im Betrieb unter freiem Himmel schloss diese erste Etappe ab.

Danach machten wir uns auf nach Langenargen, wo uns bereits der Chef der dortigen Fischbrutanstalt Herr Dossow erwartete. Sie ist eigentlich eine private Einrichtung, die von den Berufsfischern und von Angelsportvereinen über deren Gebühren getragen wird. In einer riesigen Halle mit großen grünen überdimensionalen Bottichen (siehe Foto) konnten wir die winzigen Insassen – die frisch geschlüpften Fische der verschiedenen Bodenseearten – bewundern. Gleichmäßig zogen sie in den runden Gefäßen – verursacht durch eine sinnvoll eingebaute Strömung – ihre Runden. Doch wehe, wenn man sich über den Rand beugte. Sofort trat der Fluchtinstinkt in Aktion und sie spritzten in alle Richtungen auseinander. Bis zu 20.000 Fische haben je nach Wachstumsstadium in jedem Behälter Platz. Sie werden durch ein hoch technisiertes System mit Sensoren, das sowohl Auskunft über die jeweilige Wasserqualität als auch über die Futterverteilung gibt, überwacht. Es rauscht und zischt und gurgelt in der Halle, alles läuft nahezu vollautomatisch ab. Doch wehe, es fällt der Strom aus, dann muss sofort das riesige Notstromaggregat anspringen, da sonst durch Sauerstoffmangel größter Schaden angerichtet werden würde. Jährlich wird von den Fischern der besamte Fischlaich angeliefert, dieser wird vorsichtig zum Schlüpfen gebracht und nach mehreren Wochen und Monaten des Wachstums wieder in den Bodensee entlassen. So wandern jährlich bis zu 14 Millionen kleine Jungfische wieder in den See oder werden auch an Fischereivereine verkauft. Und von diesen überleben im Normalfall im See in den ersten 3 – 5 Jahren, bis sie fangreif sind, nur etwa 2 – 4 %.

Nach diesen aufschlussreichen Informationen konnten wir uns in Langenargen nach einem kleinen Seeuferbummel bei Kaffee und Kuchen unter schützenden Sonnenschirmen erholen und daran anschließend die Heimreise antreten. Doch zog noch die gerade vor Langenargen stattfindende internationale Segelregatta mit verschiedenen Rennläufen viele Mitglieder in ihren Bann und natürlich wollte auch der Blick über den Bodensee auf die aufragenden Schweizer Schneeberge noch etwas länger genossen werden.

Hermann Wiest

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