VDL-NDS: Dokumentarfilm „Höfe“ – Einblicke in den landwirtschaftlichen Arbeitsalltag

Fotos: Pixabay, Akinema Filmproduktion

Am 20. November konnten wir in der Jugendherberge Oldenburg den Dokumentarfilm „Höfe – Familie, Wirtschaft, Wandel“ zeigen. Die nachhaltige Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – vielschichtig, komplex und voller Widersprüche. Im Rahmen des vom Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) durchgeführten Projekts „Agrar-Transformationen“ ist aus diesem Spannungsfeld ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm entstanden.

Der Film von Janek Totaro und Johannes Kohout (Akinema Filmproduktion) begleitet über viele Monate hinweg vier landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen, zwei Milchvieh- und zwei Schweinebetriebe, ökologisch wie konventionell und groß wie klein. Die Filmemacher folgen der alltäglichen Arbeit der Landwirtsfamilien mit Routinen im Stall, Entscheidungen im Büro und Gesprächen im und über den Betrieb. Dabei werden alltägliche Arbeitssituationen gezeigt und auch Schwierigkeiten, wie sie bewältigt werden. So zeigt der Film landwirtschaftliche Arbeit als Spiegel einer Branche, die täglich produziert, was wir jeden Tag konsumieren. Flankierend werden Gespräche mit Menschen aus der Beratung, Politik und der Wissenschaft aufgezeichnet – quasi als Echo dessen, was von außen an die Familien herantritt. In ihrer Funktion als Beobachter und stille Begleiter stellen Totaro und Kohout nicht die „großen Fragen“ zur Zukunft der Landwirtschaft, und doch lassen sie mögliche Antworten aufscheinen. Denn zwischen familiärer Verantwortung, wirtschaftlichem Druck und gesellschaftlichen Forderungen zeigen sich in leisen Zwischentönen die Umrisse eines stetigen Veränderungsprozesses.

Es ist kein fertiges Bild, welches da entsteht, kein fertiger Entwurf einer Landwirtschaft, wie sie als Ergebnis der Transformation entstehen könnte. Es bleiben Fragen offen, mit denen sich auch die Zuschauer auseinandersetzen, von denen viele einen praktischen Bezug zur Landwirtschaft haben oder einmal hatten. Einer kommentiert eine Situation auf dem großen Milchviehbetrieb, wo mehrere Angestellte in einem langen Melkgang den Kühen Melkgeschirre ansetzten. Er fragt sich, warum hier keine Melkroboter im Einsatz sind – ob die osteuropäischen Arbeitskräfte möglicherweise preiswerter sind als eine so große Investition.

Was bleibt, ist der Eindruck von großer Professionalität auf den Betrieben. Schon seit Jahrzehnten findet hier eine Transformation statt: Heute ist eine solide Ausbildung der Landwirtinnen und -wirte eine Grundvoraussetzung für jeden landwirtschaftlichen Betrieb. Ohne umfassende Computerkenntnisse, Verwaltungswissen und technisches Verständnis geht heute nichts mehr – ein landwirtschaftlicher Arbeitsplatz einschließlich Technik wird heute mit durchschnittlich mehr als einer halben Mio. Euro bewertet. Die „alten Zeiten“, in denen der Hoferbe keine Notwendigkeit sah, mehr als das Nötigste an Schulbildung mitzunehmen, sind lange vorbei. Heutige Hofnachfolger sehen auch den Meisterbrief inzwischen nicht mehr als ausreichend, viele übernehmen ihre Betriebe mit einem Hochschulabschluss.

Der Film hält naturgemäß kein „Happy End“ bereit, regt aber sehr wohl zu weiterer Beschäftigung an – schließlich ist jede Transformation ein Prozess, der nicht einfach endet. Beeindruckt hat uns die positive Grundhaltung der dargestellten Personen, die trotz aller Herausforderungen der modernen Landwirtschaft Freude an ihrem Beruf haben und Perspektiven für ihre Kinder sehen.

Text: Ruth Franken