VDL-NDS: VDL Niedersachsen auf der AgriTechnica 2025
Foto: Dr. Tania Runge, GRIMME Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG, Ruth Franken
Vom 9. bis 15. November fand in Hannover die AgriTechnica 2025 statt, und der VDL Niedersachsen war wieder mit dabei. Diesmal hatten die Landwirtschaftskammern beschlossen, die Karriereberatung in den Hauptstand in Halle 24 zu integrieren. Der VDL war auch in dieser Konstellation als Gast bei den Landwirtschaftskammern während der gesamten Messezeit präsent und konnte viele Gespräche zur beruflichen Orientierung und zur Arbeit des Berufsverbandes führen.
VDL-Messerundgang zum Berufseinstieg
Die von der DLG vorgenommene neue Organisation der AgriTechnica in diesem Jahr wirkte sich auch auf den traditionellen VDL-Messerundgang zur Berufsorientierung aus, der am Freitag, den 14. November 2025 stattfand. Im Fokus standen nicht nur Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern, sondern auch ganz aktuelle Entwicklungen wie Klimawandel oder Künstliche Intelligenz, die das Potenzial haben, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern.
Bei der SAATEN-UNION spielt der Klimawandel inzwischen eine dominante Rolle im Züchtungsprozess. Die Vertriebsorganisation von fünf deutschen mittelständischen Pflanzenzüchtern mit Zentrale in Isernhagen bei Hannover vermarktet ca. 300 Sorten von Getreide, Mais, Leguminosen und Zwischenfrüchten für den europäischen Anbau. Bei den Zwischenfrüchten ist die Fähigkeit, Unkräuter zu unterdrücken, ein wichtiges Zuchtziel. Da die Trockenheit ein Auflaufen der Zwischenfrüchte eher erschwert, gehen die Landwirte verstärkt auf Direktsaat über, darauf muss sich die Züchtung und die Zusammenstellung der Sortenmischungen einstellen. Bei den Leguminosen rückt die Sojabohne in den Fokus, für deren Verbreitung nordwärts jetzt angepasste Sorten benötigt werden. Wer beruflich bei der SAATEN-UNION und ihren Gesellschaftern einsteigen möchte, kann besonders mit Auslandserfahrung punkten. Hier geht es zur Karriere-Seite.
Auch beim Deutschen Wetterdienst (DWD) sind die Auswirkungen des Klimawandels ein zentrales Thema. Die Gruppe bekam zunächst einen Überblick über die Organisation des DWD und insbesondere die Aufgaben des Zentrums für Agrarmeteorologische Forschung (ZAMF) des DWD in Braunschweig vor. Hier arbeiten ca. 30 Fachleute mit Agrarbezug und verarbeiten die Daten für die Landwirtschaft, die für den Pflanzenbau wichtig sind: Temperatur, Niederschläge und Bodenfeuchtigkeit bestimmen Zeitfenster für Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz etc. und geben Auskunft über die Befahrbarkeit der Böden. Bis 2027 sollen bundesweit 20 Stationen zur Messung der Bodenfeuchte in Betrieb sein. Die Ergebnisse fließen in den Bodenfeuchteviewer ein, der tagesaktuell und punktgenau den Zustand der Bodenfeuchte bis 2 m Tiefe angibt und so zum Beispiel für die Beregnungsplanung Daten liefert.
Anschließend ging es zur Rentenbank, die zwar nur selten direkt als Geschäftsbank fungiert, aber für die meisten Landwirte eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Investitionen spielt. Sie vergibt grüne Kredite mit einem in den Sonderkreditprogrammen leicht reduzierten Zinssatz. Diese gehen über die diversen Hausbanken an die Landwirtschaft. Eine direkte Geschäftsbeziehung mit der Rentenbank pflegen vor allem Großunternehmen. Anders ist es bei den Zuschüssen, die auch direkt von der Rentenbank ausgezahlt werden können. Bei der Rentenbank arbeiten etwa 450 Mitarbeiter, ein Teil davon mit einer agrarwissenschaftlichen Ausbildung, deren fachliche Expertise bei den verschiedenen Projekten zum Tragen kommt. Interessant ist auch die Schriftenreihe der Bank zu Agrarthemen. Die Rentenbank kann man schon im Studium über ein Praktikum oder als Werksstudent/in kennenlernen, der Berufseinstieg erfolgt i.d.R. über das Traineeprogramm. Hier gibt es die Stellen-Infos.

Nachtschicht ist manchmal unumgänglich
Den Abschluss des Rundgangs bildete der Besuch bei Grimme. Das Unternehmen ist langjähriger Marktführer bei Kartoffeltechnik vom Legen bis zum Roden. Seit 2003 engagiert sich Grimme im Geschäftsfeld der Rübenernte, seit zehn Jahren auch in der Gemüsetechnik. In der Ernte sind in Deutschland 4.000 Maschinen im Einsatz und die müssen rundum funktionieren. Deshalb ist eine hohe Qualität in der Fertigung und in der Ersatzteilversorgung zwingend. Im Unternehmen arbeiten 1.800 Arbeitskräfte, 120 Auszubildende in 16 Berufen. „Begeisterung ist wichtiger als der Master“, sagt unser Gastgeber bei Grimme. Wer hier einsteigen will, muss neben der Begeisterung für das Produkt auch digitale Affinität und Lust auf die ganze Welt mitbringen, denn das ist das Absatzgebiet der Grimme-Technik. Sprachkenntnisse sind ebenso hilfreich wie Kenntnisse in Bodenkunde und die Bereitschaft, sich auf dem Acker die Hände schmutzig zu machen. Es werden längere Praktika in Verbindung mit einer Masterarbeit angeboten. Dafür hat die Firma schon ein paar Themen in petto und freut sich auf Werkstudenten. Mehr dazu hier.

Die Landwirtschaftskammern ermöglichten uns, die Teilnehmer nach dem Rundgang zu einem „Boxenstopp“ auf dem Stand einzuladen, bei dem die Karrierewege bei den Kammern vorgestellt wurden. Neben dem Referendariat und dem Einstieg in den Gehobenen Dienst ist auch ein Direkteinstieg möglich, der allerdings i.d.R. nicht in die Beamtenlaufbahn führt.Nach Niedersachsen geht es hier lang. Wer lileber in Nordrhein-Westfalen einstiegen will, schaut hier nach.
Zum Abschluss konnten wir uns mit einer selbstständigen Personalberaterin von AGRI-associates über aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt austauschen und erfahren, wie eine professionelle Personalberatung beim Berufseinstieg und weiteren Karriereschritten unterstützen kann. AGRI-associates ist spezialisiert auf die Suche und Rekrutierung von Fach- und Führungskräften in der Agrarwirtschaft. Als ausgebildete Agraringenieure mit Führungserfahrung kennen die Karriereberater die Branchenstruktur, den Arbeitsmarkt und die spezifischen Anforderungen des Agrarsektors. Hier sind die aktuell ausgeschriebenen Positionen.
Der VDL Landesverband Niedersachsen bedankt sich herzlich bei allen Gastgebern der Rundgänge, beim Verband der Landwirtschaftskammern und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Gastfreundschaft und das sehr gute kollegiale Miteinander.
Text: Gustav Wehner, Ruth Franken

Dr. Tania Runge
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