VDL-Fachexkursion „Digitale Zukunft der Landwirtschaft“

Fotos: VDL-Landesgruppe Bayern

Bei der VDL-Fachexkursion „Digitale Zukunft der Landwirtschaft“ am 20. Mai 2022 wurden drei wesentliche Technologien aus dem Smart Farming präsentiert: Autonome Robotik, Sensorik und Software-Lösungen. Die Teilnehmenden erhielten dabei praxisnahe Einblicke, beispielsweise an einem Roboter zur Unkrautregulierung im Feld oder an Pflanzensensoren, die an einem Traktor montiert waren. Dadurch war es für die Teilnehmenden möglich, die Techniken umfangreich zu verstehen und in der Diskussion wichtige Anwendungsmöglichkeiten und Herausforderungen zu besprechen. Die Beispiele aus dem Bereich der Software wurden anhand von drei interessanten Präsentationen dargestellt und die Teilnehmenden wurden auf die Potenziale im E-Commerce, der Fernerkundung und der digitalen Datenverarbeitung aufmerksam gemacht.

Als erstes Ziel wurde ein Feld in der Nähe von Freising angesteuert. Direkt im praktischen Einsatz wurde der FarmDroid, ein autonomer Sä- und Hackroboter eines dänischen Startups, besichtigt. Am Feld traf die Gruppe auf den Betriebsleiter, der das System in seine Arbeitsabläufen integriert, und einen Vertreter der Organic Agrar Miller GmbH, die für den Vertrieb des FarmDroid im süddeutschen Raum zuständig ist. Den Teilnehmenden standen damit zwei ausgewiesene Experten zur Verfügung, die realitätsnahe Erfahrungen und Einblicke in die Verwendung autonomer Robotik liefern konnten. Ein interessanter Punkt war beispielsweise, dass die Maschine den Arbeitsaufwand der manuellen Unkrautregulierung durch Saisonarbeitskräfte in der ökologischen Zuckerrübe von ca. 150 auf 50 Stunden reduzieren kann. Für viele Teilnehmer war es der erste Kontakt zu einer autonomen Maschine abseits von Feldtagen und Firmen-Vorführungen. Gerade diese Praxisnähe schätzten die Teilnehmenden sehr.

Für den nächsten Programmpunkt der Lehrfahrt ging es in den Süden von München. Nach einem kurzen Mittagsimbiss mit regionalen Brotzeit-Spezialitäten wie Weißwurst, Leberkäse und Käseplatte wurde das Unternehmen Fritzmeier Umwelttechnik besucht. Am Standort wird, neben anderen Geschäftsfeldern, auch die Marke ISARIA entwickelt und vertrieben. Diese bündelt die digitalen Lösungen aus den Pflanzensensoren und dem innovativen Nährstoffmanagement. Die Teilnehmer erhielten direkt an den Sensoren, die an einem Traktor montiert waren, die Erklärungen der Technik und es wurde über die Einsatzmöglichkeiten diskutiert. Außerdem lernten die Anwesenden das Onlineportal kennen, über das vor allem das Auftragsmanagement und die Datenverwaltung umgesetzt werden. Es wurde deutlich, dass gerade im Smart Farming die Entwicklungen in großen Schritten vorangehen. Jedoch wurde auch diskutiert, dass vergleichsweise wenige Landwirte sich intensiv mit dem Thema der Sensorik im Pflanzenbau auseinandersetzen.

Der letzte Stopp der Lehrfahrt war direkt in der Stadt München an der Zentrale der BayWa AG. Nach einer kurzen Einführung zu den Geschäftsfeldern der BayWa wurden mit den Teilnehmenden bei Kaffee und Kuchen drei Themengebiete analysiert. Zu Beginn gab es jeweils eine kurze Einführung, gefolgt von Fragen und einer Diskussion mit den Teilnehmenden. Dabei ging es im ersten Vortrag um E-Commerce in der Landwirtschaft. Es wird erwartet, dass der Online-Handel auch in der Landwirtschaft in Zukunft zunimmt. Der zweite Themenkomplex behandelte die digitalen Lösungen des Tochterunternehmens und Fernerkundungsspezialisten Vista. Hier wurde insbesondere auf Pflanzenwachstumsmodelle und die hilfreichen Informationen durch Satelliten eingegangen, die Landwirte im täglichen Management unterstützen können. Beim dritten Thema ging es um die Verknüpfung der Fernerkundungsdaten mit den dokumentierten Feldbewirtschaftungsdaten, die beispielsweise bei teilflächenspezifischer Düngung die Vorteile ausspielen kann. Dabei wurde der Blick insbesondere auf die ökonomischen Vorteile gelenkt, die sich gerade in der aktuellen Zeit mit hohen Rohstoffpreisen weiter verstärken. Jedoch zeigte auch hier die Diskussion deutlich, dass noch viel Engagement notwendig ist, um nach den sogenannten Early Adopters die breite Masse der landwirtschaftlichen Betriebe auf dem Weg in die digitale Zukunft mitzunehmen.

Insgesamt berichteten die Teilnehmenden von sehr spannenden Möglichkeiten und Einblicken in die Digitalisierung der Landwirtschaft, sowie wichtigen Anregungen für zukünftige Diskussionen und Einschätzungen zum Thema. Für die Bereitschaft der Unternehmen, diese wertvollen Beträge zu der VDL-Lehrfahrt zu liefern, bedanken wir uns vielmals.

Am Abend wurden die beiden Touren im Bräustüberl Weihenstephan für den Begegnungsabend zusammengeführt. Bei sommerlichen Temperaturen hatten die Teilnehmenden vor dem offiziellen Beginn noch eine kurze Möglichkeit die Innenstadt von Freising zu erkunden oder einige Schritte durch den Hofgarten am Weihenstephaner Berg zu gehen. Im Anschluss gab es ein umfassendes Abendessen mit bayerischen Spezialitäten und die Teilnehmer der beiden Lehrfahrten tauschten sich intensiv über Ihre Erfahrungen aus. Zudem waren die Dekanin der TUM School of Life Sciences, Frau Prof. Kögel-Knabner, Prof. Spreidler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Frau Weindl, Leiterin des Präsidialbüros der Bayerischen Landesanstalten für Landwirtschaft anwesend und beteiligten sich intensiv an den fachbezogenen- und fachfremden Gesprächen. Als VDL-Landesgruppe Bayern bedanken wir uns herzlich für die Teilnahme der Gäste dieser drei Einrichtungen, die als wesentliche Elemente der bayerischen Hochschul- und Forschungslandschaft in der gemeinsamen grünen Branche zu nennen sind.

Text: Sebastian Eichelsbacher

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