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VDL Exkursion – Vielfalt im Rheinland

2. Juni 2023/in Allgemein, VDL-Bundesverband

Fotos: VDL

12. Mai 2023 – Exkursion 2 der VDL-Lehrfahrt vom 11.-13.05.2023

Die Exkursion führt die Teilnehmenden zunächst in die Nähe von Dormagen zum Rosenhof Odendahl. Auf dem Weg dorthin wird schon links und rechts des Weges klar: die rheinischen Betriebe unternehmen außer klassischem Ackerbau und Milchviehhaltung noch viel mehr. Bei Bornheim reiht sich ein Sonderkulturbetrieb mit Gemüse und Obst an den nächsten, in Stadtnähe zu Köln häufen sich Äcker, die als Stadtgärten verpachtet werden, sowie Angebote zum Selber ernten verschiedener Feldfrüchte.

In Allerheiligen, wo der Betrieb der Familie Odendahl liegt, werden wir von Claudia und Franz-Josef Odendahl begrüßt, die das Gartenbauunternehmen in zweiter Generation leiten. Angefangen haben die Odendahls mit Schnittrosen und schließlich der Idee, diese als Stecklinge in Containern heranzuziehen. Daraus entstanden ist einer der modernsten Zierpflanzenproduzenten Deutschlands, der jährlich mithilfe von 20 fest Mitarbeitenden bis zu 600.000 Pflanzen ausliefert. Auf etwa 6 ha Betriebsfläche, davon die Hälfte unter Gewächshaus, gedeihen nicht nur 300 verschiedene Rosensorten, sondern auch Kletterpflanzen, Blütensträucher und Gräser. Seit dem letzten Jahr endlich auch unter dem neu fertiggestellten Cabrio-Gewächshaus, das sich vollständig öffnen lässt, per App und automatisiert je nach Wettervorhersage. Durch die maximale Wuchszeit unter Freilandbedingungen werden die Rosen robuster. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt auf dem Rosenhof eine große Rolle. So gibt es einen komplett geschlossenen Kreislauf der Unterfußbewässerung und Jahr für Jahr sinkt der Torfanteil in den verwendeten Substraten. Kritisch bewertet Franz-Josef Odendahl jedoch die vermeintlich nachhaltigeren Ersatzsubstrate wie Kokosfaser. Der Betrieb vermarktet seine Produkte nach wie vor größtenteils im Tagesgeschäft. Was während der Corona-Pandemie herausfordernd war, stellt allerdings auch fast ein Alleinstellungsmerkmal dar. Großer Abnehmer ist unter anderen die REWE-Gruppe und damit toom-Baumärkte. Pflanzen von Familie Odendahl erkennen wir dort und woanders an den dunkelgrünen Containertöpfen und ihrer Rosenmarke „Premium Collection“. Neben den vielen verschiedenfarbigen, von prall gefüllten bis luftig-leichten Blüten werden uns außerdem der Unternehmergeist, Ideenreichtum, Mut und die Kreativität der Odendahls in Erinnerung bleiben.

Auch auf dem Heinenhof erwartet uns eine Familie, die sich immer wieder neuen Herausforderungen annimmt und ihre Ideen umsetzt und ausprobiert. Mit Mitte 20 leitet Josef Schröder in dritter Generation gemeinsam mit seinen Eltern einen Ackerbaubetrieb mit Hofladen im Kölner Norden. Aber nicht nur das, denn auf dem Heinenhof treffen viele verschiedene Menschen und Gewerke aufeinander. Ähnlich einem Franchise System sind beispielsweise ein Braumeister, ein Bootsbauer, eine Töpferin und Floristin in den Gebäuden des Heinenhofs eingemietet. Dort haben sie den nötigen Raum um beispielsweise auch Kurse anzubieten. Betriebsam wird es außerdem an den Wochenenden, wenn die zur Eventscheune umgebaute Kornscheune oder der Q-Stall die Tore für Geburtstage, Hochzeiten oder Live-Bands öffnen. Dann ist es im Kosmos Orr mit seinen zwei Höfen und dem Rittergut wieder belebt und die Leute kommen mit der Landwirtschaft und ihrem Umfeld in Berührung. „Das ist auch das Ziel hier auf dem Heinenhof. Die Leute sollen sehen, dass wir hier Landwirtschaft betreiben und was wir damit zusätzlich ermöglichen. Ich möchte, dass diese Menschen Gutes vom Heinenhof erzählen“, summiert Josef Schröder. Dass dazu viel Arbeit und manchmal leider auch Niederlagen gehören, ist dem Junglandwirt bewusst. Seine Ölmanufaktur, die Idee, aus eigenen Ölsaaten Öl zu pressen, konnte er noch nicht zufriedenstellend umsetzten. Dennoch, bei so vielen Projekten laufen immer auch welche gut. Und Vater Josef Schröder relativiert: „Gute Ideen hat jeder, aber diese auch umzusetzen, das ist die Kunst!“. Den Heinenhof verlassen wir beeindruckt von der Vielzahl der Projekte, die dort umgesetzt sind und stetig in Angriff genommen werden. Ein Betrieb, der die Chancen in seinen Gebäuden, seiner Infrastruktur, seiner Menschen und die Nähe zu Großstadt erkannt und angenommen hat.

Weiter geht es für die VDL-er im Nachbarort Stommeln, wo der Große Kreuzhof der Familie Decker liegt. Thomas Decker, ebenfalls VDL-er, hat den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen. Schon früh startete er mit der Produktion von Rollrasen, der besonders gut auf den tiefgründigen Lösslehmen der Köln-Aachener Bucht kultiviert werden kann. Dennoch ist Rollrasen eine arbeitsintensive Kultur, da er ca. zweimal die Woche gemäht wird. Dadurch verzweigt sich nicht nur der Rasen und wird dichter, sondern auch sein Wurzelwerk. Das dichte Wurzelwerk macht einen Rollrasen in sich so stabil, auch wenn er vom Boden abgeschält wird. Rasen wird bei den Deckers meistens Richtung Wochenende geschält, da dann die meisten Bestellungen reinkommen. Der geschälte Rasen hält sich 24 Stunden, notfalls aber auch länger und kostet je nach Sorte zwischen drei und sechs Euro pro Quadratmeter. Den 1. FC Köln beliefern die Deckers aktuell nicht. „Das machen wir dann, wenn der Effzeh Deutscher Meister wird!“ scherzt Thomas Decker.

Neben den klassischen Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und verschiedenen Getreiden bauen die Deckers seit 2019 auch Quinoa an. Verkauft wird es wegen der Nähe zur Stadt Köln als „Kinoa“ an regionale REWE Märkte, Unverpackt-Läden und Gastronomiebetriebe. Gerade die Vermarktung über die LEHs gestaltet sich als schwierig. Die Regionalität seines Produktes ist den Märkten einen Aufpreis von 5-10 % gegenüber aus dem Südamerika kommenden Quinoa meist nicht wert. Dennoch ist Thomas Decker vom Anbau fasziniert: „Quinoa ist eine herausfordernde Kultur. Es gibt keine Pflanzenschutzmittelzulassungen, daher säen wir in Reihen und fahren mit der Hacke durch. Gedüngt wird mineralisch“. Da Quinoa noch nicht seit so Langem gezüchtet wird wie beispielsweise Getreide, reift es sehr ungleichmäßig ab. Der richtige Erntezeitpunkt liegt also sehr im Ermessen des Anbauers. Nichtsdestotrotz möchte Thomas Decker weiterhin Kinoa anbauen. Bei 1-2 Tonnen Erntegut pro Hektar lohnt sich für ihn der Anbau. Auch den Großen Kreuzhof verlassen wir mit dem Eindruck, dass sich hier ein weiterer rheinischer Ackerbaubetrieb stetig weiterentwickeln wird. Mit den Zeichen der Zeit und vor allem dem Einsatz und der Unternehmerfreude seiner Bewirtschaftenden.

Text: Christina Nacke

 

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