Gestärkt aus der Krise gehen? – Mitteilung des Präsidenten des VDL-Bundesverband e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die vergangenen Monate haben uns alle vor größte Herausforderungen gestellt. Ungewissheit – gepaart mit Zukunftsängsten – und der Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit prägten bei den Allermeisten den Alltag und unser Denken und Handeln. Das Coronavirus erschüttert die Grundlagen unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Miteinanders auf unbestimmte Zeit. Mit milliardenschweren Konjunktur- und Krisenbewältigungspaketen versucht die Bundesregierung noch schlimmere Folgen zu verhindern, zur Genesung der Wirtschaft beizutragen, Kaufanreize zu setzen und letztendlich Existenzen zu sichern. Es bleibt zu hoffen, dass dies gelingen mag! Wir alle waren und sind auf unterschiedliche Arten von der Krise betroffen: Seien es unsere Studierende, die sich die Frage stellen mussten, ob und wie ihr Studium weitergeht und wie sie ihren Lebensunterhalt sichern. Kolleginnen und Kollegen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder in Kurzarbeit gehen mussten. Kolleginnen und Kollegen, die in den Unternehmen, in Forschung und Lehre, im Öffentlichen Dienst beim Bund, den Ländern und Kommunen keine geringere Aufgaben hatten und haben als die Funktionssicherheit unseres Systems sicherzustellen – all dies ohne eine Blaupause für einen solchen Fall zu haben. Uns alle trieb und treibt die Sorge um, dass Familienangehörige, Freunde oder man selbst mit dem heimtückischen Virus infiziert sein könnten. Wir erlebten ein nahezu unkontrollierbares Kollabieren unseres Alltags und der Welt, wie wir sie kannten. Nun geht es für uns alle zunächst darum, mit dem neuen Ausnahmemodus zurechtzukommen – auf dem Weg zur Bewältigung der Krise. Aber was passiert danach? Das Frankfurter Zukunftsinstitut geht nach einer Studie davon aus, dass die Welt aus dieser Krise lernt und gestärkt aus ihr hervorgeht. Wir werden insgesamt resilienter und passen uns besser den Gegebenheiten an und sind flexibler im Umgang mit Veränderung. Die Weltwirtschaft wächst zwar weiter, aber deutlich langsamer, mancherorts zeigt sich bereits Stagnation. Unternehmen in solchen Umfeldern brauchen neue Geschäftsmodelle und müssen unabhängiger vom Wachstum werden. Damit stellt sich die Sinnfrage nach dem Zweck des Wirtschaftens: Immer mehr Profit? Oder vielleicht doch bessere, sozial und ökologisch vorteilhaftere Problemlösungen? Eines ist klar: Das gemeinsame Überstehen der Krise verhilft zu einem neuen, achtsameren Umgang miteinander. Auch im VDL haben wir es geschafft, neue Wege zu gehen und unsere Arbeitsweise an die neuen Bedingungen anzupassen. Vor allem aber haben wir alle zusammen im VDL in den vergangenen Monaten eine Welle der Solidarität und des Miteinanders erlebt, die ihresgleichen sucht. Die Kerntugenden unseres Verbandes wurden gestärkt. Keine schlechten Voraussetzungen, um insgesamt gestärkt aus der Krise zu gehen.

Mit allerbesten Grüßen

Ihr
Markus W. Ebel-Waldmann
Präsident des VDL-Bundesverbandes e.V.

1 Antwort
  1. Prof.Dr.Manfred Drews sagte:

    In seiner sympathischen Prognose für die Zeit nach der Conora-Krise nimmt unser Verbandspräsident an, dass wir `insgesamt resilenter werden und uns besser den Gegebenheiten anpassen`. Aber wie soll das methodisch gelingen? Nach geltenden und bisher nicht infrage gestellten Gesetzen des freien Marktes gemäß neoliberaler Doktrin ist dies unmöglich. Eher das Gegenteil: An zunehmend gesättigten Verbrauchermärkten bei unbegrenzt zunehmender Produktivität der Anbieter wird der Preisdruck und damit auch Lohndruck, Arbeitslosigkeit und partielle Armut eher noch zunehmen.
    Unter Beachtung markttechnischer Möglichkeiten kann der Ausweg aus dieser gesellschaftlichen Armutsfalle nur durch eine Verkürzung der tariflichen Arbeitszeit in Richtung einer 3-Tagewoche erfolgen oder -wo individuelle Arbeitszeiten nicht erfassbar- durch individuelle Mengenkontingente wie z.B. in Form der bis zum Jahr 2015 gültigen europäischen Milchmarktordnung..
    Die konsequente Ableitung dieser These ist meiner Studie zu entnehmen: Das Chaos freier Märkte und der Ausweg aus der Armutsfalle- bod-Verlag 2017. Mit den allein finanz- und geldpolitischen Instrumenten des aktuellen Konjunkturprogramms der Bundesregierung wird ein `Resilieren` der Märkte nicht erreichbar sein: so wünschenswert es auch wäre.

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