VDL-Bayern: Fachexkursion „Vermarktungsmethoden entlang der Wertschöpfungskette“
Bild: Wolfgang Filter
Die am 9. Juli 2025 von der VDL-Landesgruppe Bayern durchgeführte Fachexkursion fand bei den Agrar-Studierenden des Hochschulstandorts Freising/Weihenstephan großen Anklang. Unter dem Titel „Vermarktungsmethoden entlang der Wertschöpfungskette“ bekamen die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Fleisch-, Gemüse- und Milch-/Käsevermarktung und konnten mit der Besichtigung einer Indoor-Weizen-Versuchskammer einen Blick in die Zukunft werfen.
Erste Station war die Metzgerei Stuhlberger in Wartenberg, die sich auf die Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen und Ochsen spezialisiert hat. Geschäftsinhaber Dr. Ludwig Stuhlberger, der außer der Ausbildung zum Metzger auch ein Tierarzt-Studium absolviert hatte, leitete die Betriebsbesichtigung mit einem ebenso offenen wie spannendem Abriss der Familien- und Betriebsgeschichte ein. Dabei erwies er sich als einer der Pioniere der Strohhaltung bei Schweinen. Sein Bericht von der anfänglichen und bei einigen Erzeugerbetrieben immer noch vorhandenen Reserviertheit gegenüber dieser Haltungsform zeigte eindrucksvoll die Probleme und Widerstände auf, die fortschrittliche Betriebe bei der Realisierung ihrer innovativen Ideen oftmals zu überwinden haben. Der anschließende Rundgang durch alle Abteilungen des Schlachtbetriebes endete mit einer Verkostung frisch zubereiteter Weißwurst, die von den Teilnehmenden dankend angenommen wurde.
Als zweites wurde die Versuchskammer für Indoor-Weizen in TUMmesa besichtigt. Der Model Ecosystem Analyser der Technischen Universität München (TUMmesa) ist ein technische aufwendige Forschungsinfrastruktur, die es ermöglicht alle Klimaparameter für das Pflanzenwachstum präzise zu steuern. Die Gruppe besichtigte mit Sebastian Eichelsbacher die Forschungsarbeiten zum Indoor-Weizen im Vertical Farming. Nach einer kurzen Einführung zum Vertical Farming System, ging es im Folgenden um die kontrollierten Klimabedingungen. Diskutiert wurden die Anforderungen an die LED-Beleuchtung, Temperatur und Luftfeuchtigkeitssteuerung, Belüftung und Co2-Anreicherung. Des Weiteren konnten die Teilnehmer sehen, wie der Weizen ohne jegliches organische Material und mit den Wurzeln direkt in der Nährlösung in einem hydroponischen Tiefenwassersystem wächst. Begeistert hat die Gruppe die kurze Wachstumsdauer von unter 70 Tagen und die hohe Bestandesdichte. Es gab viele Fragen zu den Vor- und Nachteilen des Systems. So beispielsweise zu dem hohen Energieverbrauch, der eine der größten Herausforderungen für das Vertical Farming im Allgemeinen darstellt, wohingegen der Wasserverbrauch minimal ist und Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden.
Treffpunkt zur dritten Station waren die Gemüsefelder des Biohofs Großmann, der in Vierkirchen-Pasenbach und Umgebung auf 600 ha im zweijährigen Wechsel Getreide und Hackfrüchte anbaut und vermarktet. Zur Erholung des Bodens und zur Stickstoffsammlung wird alle 5 Jahre Kleegras angebaut. Mathias Großmann-Neuhäusler, der im Laufe der Jahre gemeinsam mit seinem Bruder und Vater den elterlichen Betrieb in etwa um das Zehnfache vergrößert hat, erklärte auf dem Acker und anschließend auf der Hoffläche, welche Chancen – aber auch welche Probleme der Anbau und die Vermarktung insb. der Gemüsekulturen mit sich bringen. Hauptunsicherheitsfaktoren und damit Risikoträger waren und sind das Erschließen und der Aufbau von Vermarktungswegen inkl. der damit einhergehenden Preisschwankungen. Dies kommt insb. bei den arbeitsintensiven Gemüsesorten wie Kohl, Zwiebeln, Gurken, Karotten etc. zum Tragen. Für die Teilnehmenden wurde sichtbar, dass solch ein Betrieb viel Engagement, Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude und unternehmerisches/kaufmännisches Können erfordert.
Den Schlusspunkt der Tagesexkursion setzte Hubert Stadler, der sich in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn mit einer eigenen Käserei eingemietet hat und dort jährlich ca. 600.000 Liter Milch zu verschiedenen Käsesorten verarbeitet und über mehrere Wege vermarktet. Käsermeister Stadler stellt mit viel Erfahrung, Gefühl und Zeit in aus frischer unbehandelter Milch ortsansässiger konventionell wirtschaftender Bauern ungefähr 20 Käsesorten her, unter denen der Heumilchkäse eine besondere Spezialität ist. Es war für alle interessant zu erfahren, wie aus der Rohmilch über die Vorreifezeit, das Einrühren des natürlichen Kälberlabs, den Stillstand um das Eindicken der Milch dann der Käsebruch mit der Harfe je nach Käsesorte unterschiedlich groß geschnitten und entsprechend lange gerührt und – vor allem bei Hartkäsesorten – nochmals erwärmt wird, um anschließend in den jeweiligen Käseformen die Entmolkung und Festigung stattfinden zu lassen, bevor die Käselaibe in die Salzbäder gehen und schlussendlich mit reinem Steinsalz abgerieben werden. Der bei der abschließenden Besichtigung der Käsekeller entstandene Appetit wurde – sehr zum Gefallen der Teilnehmenden – mit einer Verkostung eines Brie und eines „alten Herrmannsdorfer“ gestillt.
Text: Wolfgang Filter & Sebastian Eichelsbacher
Bilder: Wolfgang Filter

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