VDL: Agrarstudium gewinnt weiter an Attraktivität

Berlin, 15.10.2018

Agrarabsolventen sind sehr zufrieden mit ihrem Studium. Doch
bemängeln sie eine zu geringe Praxisnähe, eine mangelnde Vermittlung von
Softskills und zu niedrige Einstiegsgehälter. So das Ergebnis der dritten
Agrarabsolventenbefragung des VDL-Bundesverband, Berufsverband Agrar,
Ernährung, Umwelt e. V., die am 15. Oktober 2018 in Berlin vorgestellt wurde.


„Die Befragung liefert detaillierte Auskünfte zum Studienverlauf, zur
Berufsvorbereitung sowie zum Berufsfeld von Agrarabsolventen. Dadurch lassen sich
Maßnahmen zur Optimierung der agrarischen Hochschulausbildung identifizieren“,
erläutert der VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann das Ziel der Studie.
Die Befragung erfolgte anhand eines Online-Fragebogens, der von einem Team rund
um Prof. Dr. Rainer Kühl vom Institut für Betriebslehre der Agrar- und
Ernährungswirtschaft der Justus-Liebig-Universitätt Gießen erstellt und ausgewertet
wurde. Insgesamt nahmen 553 Personen von 17 Agrarfakultäten an der Befragung
teil.


Hohe Zufriedenheit mit dem Studium
Ihr Studium beurteilen drei Viertel der Befragten als sehr gut oder gut. Neun von
zehn Befragten würden ihr Studienfach weiterempfehlen.
Mit dem vermittelten Fachwissen zeigen sich die befragten Absolventen mehrheitlich
zufrieden. Jedoch wünschen sich drei Viertel der Universitätsabsolventen mehr
Praxisnähe und zwei Drittel mehr Gastvorträge und Lehrbeauftragte aus der
Wirtschaft. Die Hälfte der befragten Universitätsabsolventen hält zudem eine stärkere
Vermittlung von Softskills für notwendig. Die (Fach-)Hochschulabsolventen sehen
den größten Änderungsbedarf in der Schaffung von mehr Flexibilität bei der
Fächerwahl und einer häufigeren Aktualisierung der Lehrinhalte.
Direkt nach dem Studium nahmen 38 % der Befragten eine reguläre abhängige
Beschäftigung auf, 10 % entschieden sich für ein Aufbaustudium (z. B. Master) und 9
% für eine Promotion. 10 % der Befragungsteilnehmer gaben an, nach dem Studium
nicht erwerbstätig und auf Beschäftigungssuche gewesen zu sein.
Ein Drittel der befragten Absolventen, die ihren Berufseinstieg bereits vollzogen
haben, tat dies im Bereich der agrarbezogenen Dienstleistung oder Wissenschaft.
Jeder Fünfte trat seine erste Stelle in der Landwirtschaft an, etwa ein Viertel in einem
der Landwirtschaft vor- oder nachgelagerten Bereich. Etwa jeder zehnte
Agrarabsolvent vollzog seinen Berufseinstieg außerhalb des Agribusiness. Bei der
jeweiligen Branche handelt es sich bei 71 % der Befragten um die Wunschbranche.

Niedrige Einstiegsgehälter sorgen für Unzufriedenheit
Bis zur Aufnahme ihrer ersten Tätigkeit haben die Befragten nach eigener Angabe
zwischen 0 und 500 Bewerbungen versendet. Bei neun von zehn Befragten lag die
Anzahl bei 30 oder niedriger. Jeder sechste Befragte, der bereits den Berufseinstieg
vollzogen hat erhielt eine Stelle, ohne eine Bewerbung zu schreiben.
Rückblickend empfinden sieben von zehn Befragten die an der Hochschule
erworbenen Kenntnisse bezogen auf die Aufgaben im Berufsleben als nützlich, die
Einschätzung der übrigen 30 % offenbart jedoch Verbesserungspotenzial.
Insgesamt zeigen sich die Befragten sehr zufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen
Situation. Ein Kriterium, das vergleichsweise häufig für Unzufriedenheit sorgt, ist
jedoch das Einkommen. Wie schon in den Vorgängerstudien sind die angegebenen
Gehälter der Befragten relativ niedrig. Drei Viertel der Befragten erhielten zu Beginn
weniger als 40.000 € brutto jährlich.
Knapp ein Drittel der Befragten (31 %) fühlte sich bei Antritt der ersten Stelle
überfordert. Jeder dritte (35 %) musste Qualifikationsdefizite feststellen. Ebenso viele
litten unter Stress, Termindruck und Arbeitsüberlastung. 31 % der Befragten gaben
an, Probleme dabei gehabt zu haben, Beruf und Privatleben miteinander in Einklang
zu bringen.

Gemeinsam nach Lösungen suchen
VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann zeigte sich bei der Vorstellung der Studie
in Berlin von den Ergebnissen beeindruckt: „Die Absolventen der
agrarwissenschaftlichen Studienfächer haben sehr gute und vielfältige Möglichkeiten
auf dem Arbeitsmarkt. Zudem bewerten sie ihr Studium als sehr positiv.“
Doch die Ergebnisse der diesjährigen Absolventenbefragung zeigten auch deutliche
Defizite auf. „So werden von den Studierenden eine höhere Praxisnähe sowie eine
bessere Vermittlung von Softskills gefordert. Zudem ist bei der Höhe der
Einstiegsgehälter noch Luft nach oben“, kommentiert Ebel-Waldmann die Studie.
„Für den VDL sind diese Ergebnisse ein Ansporn dafür, zusammen mit allen
Beteiligten nach Lösungen zu suchen, um das Agrar-Studium noch zukunftsfähiger
aufzustellen und den Absolventen das beste Rüstzeug für den Start ins Berufsleben
mit auf den Weg zu geben.“

Neu gegründete VDL-Akademie vermittelt Softskills
„Als Berufsverband sehen wir vor allem bei der Vermittlung von Softskills noch
Verbesserungspotenzial“, führt Ebel-Waldmann weiter aus. „Aus diesem Grund
starten wir ab dem 1. Januar 2019 die VDL-Akademie, in der Agrarabsolventen und
Berufstätige in exklusiven Seminaren die Möglichkeit erhalten, wichtige
Schlüsselqualifikationen zu erlangen. So bieten wir beispielsweise Fortbildungen im
Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und der strategischen Kommunikation an.
Hiermit möchten wir gerade auch die jungen Berufseinsteiger bei ihrem Start ins
Berufsleben unterstützen.“

Ebel-Waldmann zeigte sich erfreut darüber, dass die Andreas-Hermes-Akademie
(AHA) als Kooperationspartner für die VDL-Akademie gewonnen werden konnte: „Mit
der AHA haben wir einen etablierten und renommierten zentralen
Kooperationspartner gefunden, mit dem wir ab 2019 zusammen ein bundesweites
Angebot an Seminaren, Trainings und Coachings anbieten werden.“

Konkrete Hilfestellung für Arbeitgeber und Hochschulen
Die detailliert abgefragten Einschätzungen zum Änderungsbedarf im Studium sowie
zu den Schwierigkeiten beim Berufseinstieg geben konkrete Hinweise zur
Verbesserung der Hochschulausbildung von Agrarfachkräften.
Für Arbeitgeber der Agrarbranche liefert die Studie zudem Hinweise auf Merkmale,
die besonders wichtig für eine hohe Arbeitgeberattraktivität sind. Hieraus lassen sich
Maßnahmen ableiten, die in dem sich verschärfenden Wettbewerb um qualifizierte
Fachkräfte entscheidende Vorteile bieten können.

Die einhundert Seiten starke Broschüre „Bachelor und Master – Was kommt nach
dem Studienabschluss? Absolventenbefragung im Agrarbereich 2018“ kann ab sofort
zum Preis von 145 € beim VDL-Bundesverband e. V. bezogen werden. VDLMitglieder,
fördernde Mitglieder und Unterstützer des VDL-Bundesverbandes e. V.
sowie an der Absolventenbefragung beteiligte Universitäten und Hochschulen
erhalten die Broschüre kostenlos.

Pressemeldung VDL-Absolventenbefragung_Agrar_2018 als PDF

VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann und Prof. Dr. Rainer Kühl vom Institut für
Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Justus-Liebig-Universität
Gießen stellten die Ergebnisse der Absolventenbefragung am 15. Oktober 2018 in
Berlin vor.

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