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VDL-AfterWORK AgrarTREF: Multiresistente Keime in Oldenburg

21. November 2015/in Landesverbände, LV Niedersachsen

Das Thema dieser unangenehmen und für manchen tödlichen Keime wird in der Presse in der letzten Zeit breitgetreten und mit wenig fachlicher Information angefüttert, sondern ist mehr unisono gegen die Landwirtschaft gerichtet. Deshalb war ich ganz froh mit Herrn Dr. Delbeck von der Kammer einen ausgewiesenen Experten zu diesem Thema gewinnen zu können. Nur wenn wir uns dem Thema unaufgeregt nähern, kann es zu einem konstruktiven Dialog kommen.

Der Mensch ist wie alle Lebewesen von Milliarden von Bakterien besiedelt, die wichtige Aufgaben auf der Haut oder im Darm erledigen. Gegen diese Bakterien sind wir von Natur aus resistent. Alles bleibt im Gleichgewicht.

Gemeint ist im Zusammenhang mit dem Thema eine andere Resistenz. Bakterien haben eine Resistenz gegen Arzneiwirkstoffe entwickelt. Diese entwickelt sich vorrangig bei einer Unterdosierung der Wirkstoffe in der Zelle ( nicht körpergewichtsbezogene Dosierung der Wirkstoffe, sondern Pi mal Daumen) während einer Behandlung oder einer zu kurzen Behandlung, da die stärkeren Bakterien dem Wirkstoff „entkommen“ und ihre Stärke weitervererben können.

Was ist zu dem Zusammenhang zwischen resistenten Keimen in der Tierhaltung und solchen Keimen im Krankenhaus zu sagen? Untersuchungen haben gezeigt, dass die bei den Tieren vorgefundenen resistenten Keime KAUM identisch sind mit den resistenten Keimen auf dem Fleisch im Handel. Auf diesem finden sich humanpathogene Keime, die vorwiegend von Menschen übertragen werden. Interessant ist dabei, dass die Mitarbeiter von Schlachthöfen nicht mehr qualitativ auf ihre Gesundheit überprüft werden, sondern nur noch durch Befragung. Stelle ich mir erquicklich vor, wie man einen Leiharbeiter, der unserer Sprache nicht mächtig ist, zu einem solch schwierigen Thema befragt.

Manche Menschen haben beruflich Resistenzen gegen diese Keime erworben und sind permanente Ausscheider. Ebenso werden diese Keime von Katzen, Hunden und Pferden übertragen, die selber nicht daran erkranken. Diese Keime sind identisch mit den in den Krankenhäusern festzustellenden Keimen.

Drei Stammtypen der Keime werden unterschieden. 1. die MRSA aus dem Krankenhaus, 2. MRSA außerhalb von Krankenhäusern und von Mensch zu Mensch übertragen, 3. MRSA von Tieren verbreitet (davon gut 98 % nicht pathogen, nur ca. 1,5 % humanpathogen).

Die letzte Gruppe wird in politischen Diskussionen und in der Presse oft als maßgeblich für die Erkrankungen angeführt, da man grundsätzlich die Tierhaltung kritisch sieht und nun unsauber recherchiert die falschen Schlüsse publiziert.

Die höchsten Infektionen mit humanpathogenen Keimen finden sich in Gebieten mit geringen Nutztierzahlen, z. B. Stadt Hannover. Hier spielen Re-Infektionen durch Haustiere eine große Rolle. http://www.animal-health-online.de/klein/1999/11/21/resistente-keime-auch-bei-hunden-und-katzen/46/

Als Beispiel wurde das Beispiel einer Frau genannt, die mehrfach wieder ins Krankenhaus zurückkam, weil die Infektionen immer wieder ausbrachen. Erst als man die Katze, die diese Keime in sich trug, behandelt hatte, konnte auch die Frau genesen. Dieser Zusammenhang war uns bisher nicht bekannt, da die Presse dies verschweigt. Gleiches gilt auch für den Umgang mit Hunden.

Diese Infektionen sind dadurch möglich, dass die Menschen mit Körperflüssigkeiten der Tiere in Berührung kommen, wie z. B. Lecken oder mit Hund oder Katze im Bett. Dieses ist auch ein Grund dafür, warum die durch Mutationen von Tiererregern entstandenen Pandemien in Ländern entstehen, wo das Geflügel in häuslicher Gemeinschaft mit der Bevölkerung lebten, z.B. Hongkong-Grippe oder die Mexiko-Grippe. Nicht die Zahl der Tiere ist entscheidend, sondern die Enge des Zusammenlebens.

Bei der Untersuchung von MRSA-Keimen auf Stalltieren und den MRSA-Keimen beim Menschen zeigten sich wenig Übereinstimmungen in der DNA. Aber es ist noch eine breite Forschung erforderlich, um alle die Zusammenhänge zu entdecken und darauf dann wirkungsvolle Strategien zu entwickeln. Hierzu gab es Reihe von Folien, die hier nicht wiedergegeben werden.

Um die human pathogenen Keime einzudämmen sind diverse Maßnahmen sowohl in der Arzneimittelforschung als auch vor allem in der Krankenhaushygiene und in den Schlachthöfen erforderlich. Dies kann man wohl kaum mit ungebildeten Hilfskräften erreichen. Die Abläufe in den Krankenhäusern müssen andere werden. Hier können wir uns in den Niederlanden einiges abgucken. Für uns war es unverständlich, dass in Deutschland die Kassen Untersuchungen auf multiresistente Keime erst nach zwei erfolglosen Therapien mit Antibiotika bezahlen. Hier hat die Pharma-Lobby gut für sich gearbeitet.

Zur Bekämpfung ist beispielsweise bei Verdacht auf MRSA die verpflichtende Untersuchung durch eine Kultur der Erreger in einem Labor zur Diagnose der Stämme notwendig. Zudem ist die Anwendung der Arzneimittel zu überwachen. Es wird verschrieben und dann nicht mehr kontrolliert, ob der Patient vorzeitig abbricht oder falsch dosiert. Abwässer sind zu dekontaminieren, technisch möglich, aber nicht verpflichtend geregelt.

Es gab viele Fragen und das Thema ist wahrlich ausbaufähig. Der Referent hat den Zuhörern mit seinem umfangreichen Kenntnissen einen interessanten Abend bereitet, weil wir viele Dinge erfuhren, die der Allgemeinheit verborgen bleiben (sollen).

Gustav Wehner

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