Agrarkarrieretag an der Uni Bonn

Wir blicken zurück auf den Agrarkarrieretag 2019, der bereits zum achten mal von der agrarzeitung
an der Universität Bonn ausgerichtet wurde.

Studierende der Agrarwissenschaften konnten auch in diesem Jahr direkt vor Ort mit Vertretern aus der Agrarbranche in Kontakt treten und sich über Karrieremöglichkeiten, gelungene Bewerbungsschreiben und die Vorzüge beruflicher Netzwerke informieren. Letzteres wurde vor allem von VDL-Bundesgeschäftsführer Stephan Ludewig aufgegriffen, als er den VDL einem großen Publikum aus Studierenden vorstellte. „Beziehungen schaden nur demjenigen, der sie nicht hat.“, betonte Ludewig, denn ca. 30% aller Arbeitsplätze würden über Beziehungen vergeben.

Unter der Moderation von Anna Farwick und Lena Courth aus der VDL-Studierendengruppe Bonn folgten weitere Vorträge von Unternehmensvertretern undpotentiellen Arbeitgebern der Agrarbranche.  In diesem Jahr stellten sich unter anderem die Futtermittelfirma Bröring, die Schlacht- und Zerlegungsunternehmen Westfleisch und TönniesHolding, die RWZ Rhein-Main sowie die Vion Food Group vor. Auch ein Impulsgespräch mit Stefan Krämer von Agrobrain, zuständig für Recruiting und Beratung angehender Arbeitnehmer im Agrarbereich, fand großen Anklang bei der Hörerschaft.

Neben dem Hörsaalprogramm gab es für die Studierenden den ganzen Tag lang die Möglichkeit an
den jeweiligen Firmenständen im Foyer den direkten Kontakt zu Mitarbeitern der Unternehmen zu
suchen. Bei Kaffee und Snacks wurde geredet, gefragt, gefachsimpelt und diskutiert, wobei der ein
oder andere bereits erste Kontaktdaten und wertvolle Informationen mitnehmen konnte. Außerdem
gab es die Möglichkeit Bewerbungsunterlagen professionell checken zu lassen und Tipps für eine
gelungene Bewerbung abzugreifen.

Abgerundet wurde der Tag durch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Xing und LinkedIn –
Brauchen wir das oder kann das weg?“. Oliver Reich von Westfleisch und Matthias Fortmann von
Bröring stellten sich den Fragen der Moderatorinnen und zeichneten ihre Sicht auf den Nutzen von
Berufsnetzwerken. Es wurde deutlich, dass die Unternehmen heutzutage kaum noch Bewerbungen
in klassischer Papierform erreichen und somit auch Online-Berufsnetzwerke immer mehr an
Bedeutung gewinnen. Es sei also jedem Studierenden zu empfehlen sich ein Profil zuzulegen – am
besten schon vor dem Eintritt in das Berufsleben.

Autorin: Anna Farwick

 

Grundlagenforschung für die Bioökonomie

Der VDL-Ost besuchte am 31. Oktober 2019 das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin. Zunächst gab es eine Einführung zum Neubau, der groß genug ausgelegt ist, um auch nach einem vollständigen Berlinumzug alle Beschäftigten zu beherbergen. Das Gebäude berücksichtigt Nachhaltigkeit und Energieeffizienz und erreicht die höchste Auszeichnungsstufe „Gold“ nach dem Bewertungssystem “Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB)“. Eine Ausstellung im Foyer, die auch außerhalb von Führungen zugänglich ist, zeigt in diesem Jahr beispielhaft und interaktiv Forschungsfragen aus dem Bereich KI. Die Exponate wurden von den Teilnehmern aktiv getestet.

Nach kurzer Einführung über Struktur und Leitung des Ministeriums informierte Frau Noske, Leiterin des Referates 726 “Nachhaltiges Wirtschaften; Bioökonomie” über die Forschungsschwerpunkte in diesem Bereich. Die Bioökonomie nutzt biologische Ressourcen wie Pflanzen und Mikroorganismen – nachhaltig und effizient. Die an natürlichen Stoffkreisläufen orientierte Wirtschaft betrifft eine Vielzahl von Branchen, von der Landwirtschaft über Fischerei, Pflanzenzüchtung, Nahrungsmittelindustrie bis hin zu Pharmaindustrie und Energiewirtschaft. Hierzu gehört daher ein breites Spektrum von Forschungsfragen aus allen Bereichen. Grundlagenforschung mit Blick auf die globale Ernährungssicherung gehört ebenso dazu wie zu nachwachsenden Rohstoffen für die Industrie. Auf die Flächenkonkurrenz zwischen Tank und Teller angesprochen, unterstrich Frau Noske den Vorrang der Ernährung. Das BMBF forscht auch im Bereich Pflanzenzüchtung und ist dabei verfahrensneutral, fördert damit auch Forschung zu neuen Verfahren der Gentechnik. Dr. Thomas Assheuer vom Projektträger Jülich, verantwortlich für die Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie, berichte über die Details des Programms und die Aufgaben des Projektträgers. Er ermunterte die studierenden Mitglieder des VDL-Ost die vom Projektträger Jülich angebotenen Hilfen für die Forschungsfinanzierung (https://www.ptj.de/ueber-uns/beratungseinrichtungen/foerderberatung-des-bundes )zu nutzen.

Agrarkarrieretag des VDL-Ost in Neubrandenburg

Am 5. November 2019 drehte sich beim agrarökonomischen Seminar an der Hochschule Neubrandenburg alles um den Berufseinstieg und damit verbundenen Fragen. Der VDL Landesverband Ost führte im Rahmen der Seminarreihe seinen Karrieretag in der Vier-Tore-Stadt durch. Vier Absolventen aus unterschiedlichen Bereichen berichteten über ihre Erfahrungen und Tätigkeiten und gaben den rund 100 Studierenden Tipps und Ratschläge auf den weg. Dabei wurde deutlich: Es lohnt sich, offen zu bleiben und Herausforderungen anzunehmen.

Elisabeth Aßmann –SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern Vorsitzende im Agrarausschuss des Schweriner Landtages sprach u.a.  über Gestaltungsmöglichkeiten und regionale Verbundenheit. Arvid Salzwedel von der Deutsche Kreditbank (DKB) warb dafür, sich Aufgaben zuzutrauen, die nicht im Vorlesungsplan standen. ‚Für Christiane Höne von der Bayer AG ist es wichtig Chance zu erkennen und Möglichkeiten zu nutzen, die zunächst nicht im geplanten Lebensweg vorkamen. Auf die Bedeutung eines guten Netzwerkes machte Julian Barg von ATR Landhandel aufmerksam, und zwar bereits vor dem Abschluss des Studiums.

VDL-Ost-Geschäftsführerin Patricia Steinborn stellte die VDL-Absolventenbefragung vor, bei der Berufseinsteiger nach ihrem Bewerbungserfolgen, ersten Erfahrungen im Arbeitsleben, den Einstiegsgehältern und der Zufriedenheit mit ihrer Hochschule befragt wurden. Gerade beim ersten Gehalt ist noch Luft nach oben. Die Zufriedenheit hängt jedoch nicht nur vom Lohn an. Die Berufseinsteiger wissen ein gutes Arbeitsumfeld, Entwicklungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten sehr wohl zu schätzen.

Nach den Podiumsgesprächen fand ein Get-Together im Foyer statt. Dort stellten sich weitere Arbeitgeber vor, mit denen die Studierenden ins Gespräch kommen konnten. Außerdem wurden auf einem Stellenboard aktuelle Stellen präsentiert.

Wege in den Beruf – Unternehmen stellen sich vor

Bereits zum dritten Mal hat die VDL-Studierendengruppe Göttingen am 20. November 2019 mehrere Arbeitnehmende aus der Agrarbranche eingeladen. Referiert wurde über den eigenen Werdegang sowie die Einstiegsmöglichkeiten in das jeweilige Unternehmen, welche für die Studierenden besonders interessant waren und intensiv diskutiert wurden.

Mandy Reese, HR Business Partner bei KWS Saat, hat Wirtschaftswissenschaften studiert und ist über ein Trainee-Programm ins Unternehmen eingestiegen. Dies wird individuell gestaltet und bietet ebenfalls für Agrarwissenschaftler eine interessante Option für den Berufseinstieg. Aber auch das Anfertigen von Abschlussarbeiten mit vorhergehendem Praktikum oder Initiativbewerbungen sind willkommen. Die Unternehmenssprache Englisch sollte sicher beherrscht werden – Es handelt sich um ein international agierendes Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern weltweit.

Joachim Zwank und Sarah Brandmann von der VR Plus Bank haben hingegen ein regional verwurzeltes Unternehmen mit 100 Jahren Erfahrung vorgestellt. Im Agrarbereich, welcher Lagerung, Bezug, Produktion und Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse umfasst, sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Für Studenten gibt es diverse Möglichkeiten von Praktika, Werksstudentenjobs oder der Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten bis hin zum Direkteinstieg nach dem Studium, zum Beispiel in den Vertrieb. Initiativbewerbungen sind auch hier gerne gesehen, wie Frau Brandmann betonte.

Frank Deckert stellte die AGRAVIS Raiffeisen AG mit ihren 400 überwiegend nationalen Standorten und den verschiedenen Kerngeschäftsfeldern vor. Agrarwissenschaftler werden in den Bereichen Futtermittel, Pflanzenbau und Technik ebenso wie für den Rohwarenhandel und das Marketing eingestellt. Es besteht die Möglichkeit ein Orientierungspraktikum zu absolvieren, um sämtliche potenzielle Einsatzbereiche kennenzulernen, aber auch spezifische Praktika, eine Kooperation bei Abschlussarbeiten und die Teilnahme an einem Trainee-Programm werden angeboten. Im Rahmen von training-on-the-job, also der Ausbildung direkt am Arbeitsplatz, ist für Berufsanfänger auch ein Direkteinstieg möglich.

Über 50 Studierende nahmen an der Veranstaltung teil und konnten wertvolle Informationen über die Charakteristika der Unternehmen und Tipps für den Berufseinstieg aus erster Hand erhalten. Auch für das nächste Semester ist dieses erfolgreiche Veranstaltungsformat wieder geplant!

15. Netzwerk- und Alumni-Treffen des VDL Hessen

Treffen 2019 in der Zentrale der Vereinigten Hagelversicherung VVaG in Gießen

Nach dem großen Erfolg der VDL-Netzwerk- und Alumni-Treffen in den vergangenen Jahren fand auch in diesem Jahr das bereits fünfzehnte in Folge am Freitag,  den 8. November 2019, in Gießen statt. Auch in diesem Jahr war die Vereinigte Hagelversicherung VVaG Gastgeber in ihrer Zentrale in der Wilhelmstrasse 25 sein. Das Netzwerk- und Alumni-Treffen, zu dem alle Gießener Absolventen (gleich welchen Jahrganges!) eingeladen waren, startete mit einem Sektempfang in der Zentrale der Vereinigten Hagelversicherung VVaG und der Begrüßung durch den Vorstand der Hagelversicherung und des VDL. Es schloss sich ein Grußwort des Dekans des Fachbereichs 09 „Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement“ der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Klaus Eder, an, bei dem er auf die aktuellen Entwicklungen an seinem Fachbereich einging. Als Gastrednerin referierte die Geschäftsführerin der Marketing Gesellschaft Gutes aus Hessen, Julia Kraushaar. Julia Kraushaar sprach zum Thema „Wettbewerbsfähige Strategien: Welchen Beitrag leistet die Marketing Gesellschaft Gutes aus Hessen für die Agrar- und Ernährungswirtschaft?“. Der Vorsitzende des Förderkreises des Fachbereichs 09, Prof. Dr. Harald Müller, sowie Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Kubens nutzen den feierlichen Abend um die diesjährige Gewinnerin des Deutschlandstipendiums, Frau Nathalie Neumann, auszuzeichnen. Der Abend stand dann bei einem gemeinsamen Abendessen ganz im Zeichen des Wiedersehens, Kennenlernen und dem Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

 

Winter-Bauernball der VDL-Studierendengruppe Kiel

Am 7. November 2019 fand der Winter-Bauernball der VDL-Studierendengruppe Kiel erstmals in neuer Location, dem Max Nachttheater, statt. Die Band „Machmalauda“ sorgte für beste Stimmung und eine stets gefüllte Tanzfläche. Somit war der Bauernball wieder ein Highlight des Semesters und die Studierendengruppe freut sich schon jetzt, Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet beim Sommer-Bauernball als Warm-Up für die VDL-Bundesmitgliederversammlung zu begrüßen.

 

5. Parlamentarischer Abend des Landesverbandes Schleswig-Holstein

„Farmers for Future – Future for Farmers: Transformation der Landwirtschaft vor der Herausforderung des Klimawandels“. Gut 80 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Verbänden und Institutionen aus dem grünen Bereich in Schleswig-Holstein folgten gespannt dem Vortrag von Prof. Peter Feindt anlässlich des Parlamentarischen Abends 2019 in Kiel. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, dem Verband der Agrarjournalisten und der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft hatte der VDL Schleswig-Holstein in die Hermann Ehlers Akademie geladen.

In seinem Impulsvortrag erläuterte Prof. Feindt seinen Vorschlag für eine neue Architektur der Agrarpolitik. Es folgte eine lebhafte, aber stets sachliche Diskussion. Mit Sicherheit trug dieser Abend zu einer weiteren Versachlichung in der Betrachtung der Umbruchprozesse der Landwirtschaft bei.

Weg von der Schulbank und hinein in den Hörsaal

Das aktuelle Wintersemester ist an vielen Universitäten gestartet und zahlreiche Studierende beginnen nun ihr Hochschulstudium in den Fachdisziplinen Agrar-, Gartenbau- und Ernährungswissenschaften.

Auch in diesem Jahr konnte der VDL-Landesverband Ost im Rahmen der Einführungsveranstaltungen der Hochschulstandorte Berlin, Halle (Saale), Rostock und Neubrandenburg den Erstsemestern die berufsständische Aufklärungsarbeitdes Verbandes vorstellen. Rund 700 „Erstis“ aus dem Verbandsgebiet Ost erhielten auf diese Weise einen ersten Überblick über die Verbandsarbeit innerhalb der Grünen Branche und konnten somit wichtige Anknüpfungspunkte für ihre spätere berufliche Entwicklung erhalten.

Autor: Max Eckelmann

Zahlreiche Teilnehmer beim Agrartag 2019

Am Mittwoch, dem 30. Oktober 2019 fand wieder der jährliche Agrartag an der TH Bingen statt. Das Thema in diesem Jahr: Positionen in der Landwirtschaft – vom Konflikt zum Handeln.

Die Landwirtschaft befindet sich in einem großen Transformations-prozess. Die Ansprüche wandeln sich und die Landwirtinnen und Landwirte müssen sich vermehrt mit Fragen zu Umwelt- und Klimawirkungen befassen. Gleichzeitig müssen sie die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Die unterschiedlichen Interessengruppen in der Gesellschaft führen auch in der Landwirtschaft dazu, dass sich zwangsläufig verschiedene Positionen entwickeln. Die einen wünschen sich eine rasche Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit. Die anderen sorgen sich, dass die Landwirtschaft die widersprüchlichen Herausforderungen nicht erfüllen kann. Die Veränderungen in der Agrarwirtschaft sind eine Mammutaufgabe – sowohl für die Fachleute als auch für die Gesellschaft. Und eine solche Aufgabe kann nur gemeinsam mit allen Interessengruppen gelöst werden. Der Agrartag am 30. Oktober 2019 widmete sich deshalb wissenschaftlichen und praktischen Lösungsansätzen zu diesen Fragen.

Zunächst dankte Fachbereichsdekan Prof. Dr. Clemens Wollny dem Hauptorganisator Prof. Dr. Tore Toews und den Sponsoren dieses Agrartages. Prof. Dr. Tore Toews führte aus, dass die EU den Mitgliedsstaaten mehr Freiheit geben möchte. VDL Landesvorsitzender Peter Jung verwies darauf, dass in Baden-Württemberg konventionelle Verbände und Ökoverbände gemeinsam gegen Umweltverbände Stellung beziehen.

Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut referierte über Ansätze für eine gesellschaftliche Transformation zu mehr Nachhaltigkeit in der Fleischproduktion und im Fleischkonsum. Eine Systemanalyse sei der erste Schritt im sozialtechnischen System. Die Gestaltung der Transformation soll Vision und Ziele mitentwickeln. Vom Beispiel Frankreich könne man hier lernen. Gesellschaftliche Trends müssen hier beachtet werden. Der Verbrauch von Schweinefleisch geht zurück. Die intensive Tierhaltung wird von den Verbrauchern nicht mehr akzeptiert. Außerdem nehmen sich Frauen weniger Zeit zum Kochen und Essen. Wir müssen gesellschaftliche Trends aufgreifen. Regionale Produkte werden mehr nachgefragt. Die Verbraucher wollen heute Qualität. Fleisch soll aus innovativen Betrieben im Sinne des Tierwohls kommen. Es wird ein Ausstieg aus etablierten nicht mehr akzeptierenden Haltungsformen gefordert. Es wird eine Verschärfung des Tierschutzes und der Umweltauflagen gefordert.

Henk Smith, ein praktischer Landwirt aus den Niederlanden, referierte über erfolgreiche Landwirtschaft in den Niederlanden und Erfahrungen mit dem kooperativen Ansatz in Agrarumweltmaßnahmen. Im Jahre 2003 wurde als Pilotprojekt der „Verein Landwirtschaft Natur Obst Groningen“ gegründet Die Kooperation erhält Subventionen und verteilt diese selbst an die Landwirte. Alle Landwirte, die vorher Einzelanträge für die Subvention gestellt haben, übernimmt jetzt für einen Kostenaufwand von 35 € die Kooperation. Wichtig ist hier eine gute Organisation. Die professionelle
Bewirtschaftung ist bei einer entsprechenden Betriebsgröße möglich. Die Glaubwürdigkeit darf nicht verlorengehen. Die Kooperation wird durch einen Geschäftsführer und Mitarbeiter geführt. Das Personal muss einen hohen Sachverstand haben und führt selbst die Kontrollen auf dem Feld durch. Was als ein Experiment begann, ist heute auf 40 Gruppen gestiegen. Henk Smith verwies auf die Tatsache, dass Holland nach den USA der zweitgrößte Exporteuer für Agrarprodukte sei. Dr. Toews führte hier in der Diskussion aus, dass die deutschen Bauern keine Auflagen der EU mehr hinnehmen wollen, die nicht honoriert werden.

Dr. Jan Fresse (BLE) referierte über die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen nach niederländischem Vorbild und zeigte Perspektiven für die Zusammenschlüsse in Deutschland auf. Deutschland sei zehnmal so groß wie die Niederlande. Ökoland Forderungen gibt es in den Niederlanden nicht. In den Niederlanden klären es die Landwirte untereinander und zeigen Mut zur Veränderung und Gestaltungsmöglichkeiten. Ein neues EDV-System unterstützt hier die Landwirte. Extensives Gründland wird gemeinsam gemanagt. Der Wasserschutz wird gemeinsam organisiert, wobei besonderer Wert auf den Artenschutz gelegt wird. Diese Maßnahme werden in Deutschland seit 2014 durch ELER und mit GAK gefördert. In Holland wurden 6 Mio-€ für Software investiert, wodurch die Verwaltungskosten von 42 % auf 15 % reduziert werden konnten.

Welchen Beitrag kann die zukünftige EU-Agrarpolitik im Transformationsprozess der Landwirtschaft leisten? Über dieses Thema referierte Maren Birkenstock, vom Thünen- Institut für Ländliche Räume. Maren Birkenstock stellte Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Umweltmaßnahmen vor, wobei derzeit die Darstellung der Agrarumwelt und Klimaschutzpolitik gegenwärtig sei. Die Reduzierung des EU-Budgets um 10 bis 15 % macht diese Aufgabe schwieriger. Die Referentin stellte den geplanten Zeitplan vor, wobei eine Klarheit über den Brexit wichtig sei. Im Januar 2020 entscheide das Parlament über die Reformvorlage. Ab Juni 2020 bestehe Klarheit über das zur Verfügung stehende Budget. Entscheidende Einflüsse werden hier der Ausgang der Landtagswahlen 2021 in Baden- Württemberg und Rheinland-Pfalz, sowie die Bundestagswahlen haben. Die Referentin verwies auf das neue Umsetzungsmodell des GAP-Planes im Jahre 2020, welche Auswirkungen auf Fördersätze, Maßnahmen und Kontollen haben werden (GAP Reform = Ergebnisorientierte Implementierung). Maren Birkenstock stellte die zukünftige Agrarumwelt und die neuen Erkenntnisse im Klimaschutz vor. Eine Verwaltungsbefragung zu Agrar-Umweltaufgaben sei eine Herausforderung für die politische Entscheidungsfindung. Nach Auffassung der Referentin bringe die GAP-Reform viele Chancen.

Der Landwirt Gerhard Schmidt aus Fürfeld – Absolvent der FH 1986 versuchte, die an der Fachhochschule erworbenen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Im Jahre 1991 stellte er den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit 33 ha und 30 ha Zupacht in einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb um. Die Schweinehaltung und der Weinbau wurden aufgegeben. Heute bewirtschaftet Gerhardt Schmidt eine Betriebsfläche von 330 ha, wobei 300 ha hiervon Ackerland sind. Der Betrieb besteht aus 150 Parzellen mit einer Feldentfernung von 40 km. Der Antrag zur Beantragung der EU-Beihilfe umfasse 60 Seiten. Die Betriebsschwerpunkte sind Kartoffeln, Geldgemüse und eine Legehennenhaltung mit 4 qm Grundauslauf je Huhn. Für die Direktvermarktung spiele der Hofladen eine große Rolle. Neu aufgenommen wurde jetzt Ölrettich, Gelbsenf und Raps. Die Bio-Bäcker haben eine höheren Anspruch auf Qualität, wobei hier der Dinkel eine Hauptrolle spiele. Der Referent habe einen intensiven Kontakt zu den Kollegen in der Bioland-Regionalgruppe. Er selbst bringe über 20 Jahre seine Erfahrung im erweiterten Landesvorstand ein. Im Jahre 2012 wurde eine neue Halle von 25 x 50 m gebaut. Durch die ökologische Bewirtschaftung ist der Ertrag geringer. Er liegt bei Getreide im Mittel bei 3 t je Hektar. Bei Zuckerrüben wird ein Hektarertrag von 400 bis 500 dt erzielt.

Über Zukunftsstrategien für den Lebensmitteleinzelhandel und die Landwirtschaft referierte Lisa Kötting von der ALDI-Lebensmittelkette. Seit 2015 widme sich ALDI der Nachhaltigkeit seiner Produkte. Das Lieferketten Management sei hierbei eine große Herausforderung. In den Lieferketten liegen soziale und ökologische Risiken. ALDI habe die Bürger auf der Strasse befragt, wobei das Tierwohl den meisten Befragten am Herzen liege. Wer dann aber im Markt einkaufe, lege den größten Wert auf preiswerte Produkte. Es sei hier die Aufgabe, Qualität und Preis in Einklang zu bringen. Im Jahre 2018 habe ALDI das Label „Fair und Gut“ eingeführt. Heute habe ALDI 350 bis 400 Bio-Produkte im Sortiment. ALDI lege besonderen Wert, der menschlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen mit einem Augenmerk auf die Lieferanten in den Herkunftsländern (Social Compliance). Die Partner müssen die Sorgfaltspflicht ernst nehmen. Wenn jeder in der Kette die Sorgfaltspflicht ernst nehme, könne dies gelingen. Der Anteil an Bio-Produkten erhöhe sich ständig. Derzeit werden 8 % des Umsatzes im Bereich Bio umgesetzt. Bei Milch verkaufe sich Weidemilch als Bio-Milch am besten.

Durch erhöhten Wohlstand steigt weltweit der Fleischkonsum, wobei in China die größten Steigerungsraten feststellbar sind. Öko-Landwirt Gerhard Schmidt erläuterte, wie er ohne Viehhaltung die Bodenfruchtbarkeit erhalte. Schmidt erhalte von anderen Betrieben Stallmist und kann somit die Grundsätze der Ökobewirtschaftung sichern. Es wurde festgestellt, dass Regeln zum Tierwohl national schwer durchsetzbar sind. Prof. A. Janinhoff verwies auf die Tatsache, dass RLP bei Schweinefleisch einen Selbstversorgungsgrad von nur 20 % habe. In NRW seien alle Tierbestände unter 200 Sauen verschwunden. Herr Lorenz verwies auf die Entwicklung bei der Geflügelhaltung, bei der der Marktanteil im Steigen sei. Vor allem in der Eifel wird intensiv in die Geflügelhaltung investiert, wobei der Schwerpunkt auf der Freilandhaltung liege. Die Politik lasse die Landwirte für Maßnahmen des Tierwohls im Regen stehen. Der Landwirt Kussel aus Rheinhessen sei auf einen regionalen Schlachthof angewiesen. Die Jahresproduktion von 450 Mastschweinen werden über die eigene Metzgerei vermarktet. Nach dem Agrartag hatte der VDL zu Kaffee und Kuchen, organsiert von Susan Loske, eingeladen.

Autoren:
Vorsitzender Peter Jung
Geschäftsführer Klaus Weinbach

Auch bei Gegenwind den Mund aufmachen! Wie kann Kommunikation auch unter schwierigen Bedingungen gelingen?

In „Omas Küche“ gab es keinen Gegenwind für Martin May, dafür war der Gastraum im Bierhaus Machold in Bonn zu voll. Auf Einladung des VDL-Landesverbands Nordrhein-Westfalen und der VDAJ-Landesgruppe Bonn trafen sich mehr als 40 Menschen zur letzten „Grünen Runde“ 2019. Der Leiter Kommunikation des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) eröffnete den Abend mit ein bisschen Theorie, die die Agrarjournalisten unter den Zuhörern sicherlich schon kannten. Er stellte das 4-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun kurz vor und machte so deutlich, wie wichtig die psychologische Komponente in der Kommunikation ist. Gerade die Themen, die ihn und seinen Verband umtreiben (Glyphosat-Ausstieg, Düngeverordnung und Insektenschutz), seien auf dem aktuellen Level nicht mehr nur mit einem rationalen Zugang zu erklären. „Die Menschen müssen mit ihren Ängsten abgeholt werden“, betonte May. Dazu erklärte er, was unter kognitiver Dissonanz zu verstehen ist. Zusammengefasst dies: Wenn das eigene Bild von der Welt mit neuen, der eigenen Anschauung widersprechenden Informationen gestört wird, erzeugt das eine Spannung, die aufgelöst werden will. Der Spannungsabbau kann durch Verdrängen und Leugnen, Relativieren durch Infragestellen oder auch eine noch stärkere Verfestigung der eigenen Position durch Umdeuten des Erfahrenen erreicht werden.

Von der Theorie ging schnell hinüber in die Praxis, wobei Glyphosat die nächsten Minuten bestimmte. Der IVA führt jährlich eine repräsentative Befragung durch, um die Einstellung der Bevölkerung zu Pflanzenschutzmitteln und Düngern zu erfahren. In der Summe war die Einstellung über die Jahre hinweg positiv, was der Stimmungslage der Deutschen aber nicht immer entsprach. Deshalb wurde 2017 bei der Befragung von gestützten Antworten auf ungestützte Antworten umgestellt, und das Ergebnis der Befragung und die Stimmung, die sich auch in den Nachrichten widerspiegelt, glichen sich stärker an. Trotzdem, betonte May, dass Glyphosat erst im Dezember 2017 in der Befragung stark in Erscheinung trat, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie er es erwartet hatte.

Die Befragung sei ein wichtiges Instrument seiner Arbeit, verdeutlichte Martin May, aber ebenso wichtig seien auch Projekte wie „Schau ins Feld“, das über die IVA-Initiative „Die Pflanzenschützer“ ins Leben gerufen wurde. Dabei wird gezielt ein Stück eines Felds nicht gegen Unkräuter behandelt, damit Menschen unmittelbar sehen können, wozu Pflanzenschutzmittel gut sind. Das ist das erklärte Kommunikationsziel des IVA. Dabei sei es besonders wichtig zu respektieren, dass „wir Menschen es nicht mögen, belehrt zu werden“, hob May hervor.

Nach seinem Vortrag gab es viele Fragen der Zuhörer, die Martin May trotz eines etwas kratzigen Halses wegen einer gerade überstandenen Erkältung, gerne beantwortete. Seine Arbeitsweise und die Abläufe im Verband wurden erfragt, aber auch die Bedeutung der sozialen Medien interessierte die Gäste. Durchaus kritisch wurde von anwesenden Landwirten gefordert, dass sich der IVA und seine Mitgliedsunternehmen mehr in die Diskussion um Glyphosat einbringen. May erläuterte, dass das nicht möglich sei, weil Glyphosat ein Wirkstoff in bestimmten Produkten sei und der IVA nicht produktspezifisch argumentiere. Der Verband stehe für regulatorisches Wissen und die Beziehung zur Verwaltung und Politik bereit.

Gefragt nach einem Wunsch, sagte der Kommunikationschef des Verbandes, er wünsche sich, dass weniger hysterisch diskutiert werden. „Die am besten lernenden Menschen sind die, die tolerant sind“, sagte er zum Abschluss der Diskussion.

Autor: Stefan Stegemann

Fotos: Philip Steinberger