VDL-NDS: Farbenrausch auf dem Acker – nur was für Profis

Fotos: Dr. Tania Runge, Dominic Runge

Aus der Ferne betrachtet sieht ein Feld mit Wildsaaten schön bunt aus und verleitet zu einer ersten Einschätzung: Schöne Nische, aber nicht relevant für den Agrarsektor. Stimmt überhaupt nicht, haben wir am 13. Juni beim Wildsaatenvermehrer Sascha Hartig in Bienenbüttel erfahren, wo wir die gesamte Produktionskette für Regiosaatgut kennenlernen konnten. Um den Farbenrausch auf dem Acker in Betriebseinkommen zu verwandeln, braucht es Profis, die die ganze Palette der ackerbaulichen Skills in Stellung bringen können. Dazu noch Kompetenzen in Logistik und Management, einen geeigneten Maschinen- und Anlagenbestand – und profunde Kenntnisse in Wildpflanzenbiologie.

Als Sascha Hartig als junger Meister der Landwirtschaft 2008 in dieses Geschäftsmodell einstieg, hatte er unsichere Aussichten auf eine Zukunft als Vollerwerbslandwirt und seine Frau erwartete das erste Kind. Er ließ sich auf das Angebot eines ihm unbekannten Saatzuchtunternehmens ein, in die Vermehrung von Wildpflanzen einzusteigen: Saaten-Zeller GmbH mit Sitz in Bayern, dessen Geschichte eng mit der Entwicklung von regionalem Saatgut verbunden ist. Saaten-Zeller sammelt und vermehrt seit 1985 Saatgut von alten Grünlandbeständen und betreibt heute die Saatgutaufbereitung an drei Standorten in Deutschland: Eichenbühl in Bayern (Hauptsitz), Bienenbüttel in der Lüneburger Heide und Phöben in Brandenburg. Aktuell vermehren 75 Landwirte für das Unternehmen Wildpflanzensaatgut von 142 Arten auf ca. 1.600 ha Fläche, die im Landschaftsbau und zur Aufwertung von landwirtschaftlichen Flächen zum Einsatz kommen.

Betriebsleiter Sascha Hartig (li) und Biologe Dr. Walter Bleeker (re)

Sascha Hartig sagt heute, dass er „keine Ahnung“ hatte, was auf ihn zukommen würde. Doch dank der engen Zusammenarbeit mit dem Biologen Dr. Walter Bleeker klappte der Einstieg. Inzwischen ist auch er Profi bei der Bestimmung von Arten mit den dazugehörenden lateinischen Namen, dem Sammeln von Ausgangsmaterial in der freien Natur und den vielfältigen, teils gärtnerischen Techniken des Anbaus und der Vermehrung. Heute leitet Hartig den Produktionsstandort Bienenbüttel von Saaten Zeller mit umfangreicher Trocknungs- und Reinigungstechnik. Er bestellt selbst 120 ha Fläche mit bis zu 50 verschiedenen Arten von Wildkräutern und Gräsern. Daneben kümmert er sich um das Management der gesamten Vermehrungsregion des UG 1 und teilweise darüber hinaus. Dazu betreut er als Anbauberater 15 Landwirte in der Region, die auf weiteren 150 ha Fläche Wildpflanzen für Saaten Zeller vermehren. Für Hartig ist das mehr als eine Nische, es sichert nachhaltig die Existenz und ein gutes Betriebseinkommen. Wie das genau funktioniert, haben wir vor Ort im Detail erfahren dürfen.

Zur  Einführung gab uns Dr. Bleeker einen Überblick über die komplexe Materie und ein paar Definitionen:

  • Hintergrund: Seit 2020 dürfen gemäß Bundesnaturschutzgesetz in der „freien Natur“ nur noch „heimische Pflanzen“ aus „gebietseigener Herkunft“ ausgesät oder gepflanzt werden. Der Schutz der biologischen Vielfalt umfasst die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten, aber auch die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten.
  • Ursprungsgebiete (UG): Deutschland ist in 22 Ursprungsgebiete unterteilt. In Niedersachsen finden sich große Teile der Ursprungsgebiete 1 (Nordwestdeutsches Tiefland) und 2 (Westdeutsches Tiefland mit Unterem Weserbergland). Das südliche Niedersachsen liegt zu einem kleinen Teil im UG 5 mit dem Nördlichen Harzvorland und im UG 6 (Oberes Weser- und Leinebergland mit Harz).
  • Heimische Pflanzen: „Heimisch“ sind Pflanzen, die von Natur aus in einem bestimmten Gebiet vorkommen. Auch zugewanderte Arten gelten als heimisch, sofern sie seit mindestens 500 Jahren in dem Gebiet nachzuweisen sind.
  • Gebietseigen: Der Begriff bezieht sich auf die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Art. Viele Arten haben ein großes Verbreitungsgebiet, in dem sich die jeweiligen Standortbedingungen deutlich unterscheiden können. Regionales Saatgut hat seine genetische Herkunft in einem der 22 Ursprungsgebiete und darf nur im selben Gebiet aufgesammelt, vermehrt, produziert und ausgebracht werden. In Bienenbüttel werden nur Pflanzen aus den UG 1 und 2 vermehrt und Saatgut für die Verwendung nur in diesen beiden UG produziert.
  • Wilde Möhre mit Landkärtchen

    Ein Beispiel: Eine Wilde Möhre sieht zwar in der Lüneburger Heide genauso aus wie im Allgäu, aber: Das Allgäu liegt höher über dem Meersspiegel als die Lüneburger Heide, das Klima ist durch die Alpen geprägt, die Tageslängen sind anders und damit unterscheiden sich auch die Zeitpunkte der Blüte und Samenreifung. Das hat über längere Zeiträume zu genetischen Anpassungen geführt, die es zu erhalten gilt.

  • Zertifizierung: RegioZert® ist das Qualitätssicherungssystem für die Produktion und den Vertrieb von Regiosaatgut und gewährleistet eine lückenlose Rückverfolgbarkeit über die gesamte Produktions- und Vertriebskette des Regiosaatguts. Die Produkte mit Wildpflanzen von Saaten Zeller sind nach RegioZert® zertifiziert.

Der erste Schritt ist die Aufsammlung von Wildsamen aus der freien Natur. Geeignete Flächen sind zum Beispiel alte Grünlandstandorte, die extensiv bewirtschaftet werden, sowie andere Standorte, die keiner Bewirtschaftung unterliegen. Für jede Aufsammlung ist die Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde und die Genehmigung durch den betroffenen Landwirt erforderlich. Manche potenziell geeigneten Flächen kommen nicht infrage, zum Beispiel Vogelschutzgebiete während der Brutzeit.

Für jede Art werden Samen an mindestens fünf Standorten entnommen, um das Ursprungsgebiet in seiner ganzen Vielfalt genetisch gut abzubilden. Geeignete Spenderflächen werden durch wissenschaftliche Mitarbeiter von Saaten Zeller identifiziert. Regelmäßiger Kontakt und gutes Einvernehmen mit den Eigentümern der Flächen ist hilfreich, denn diese müssen einige Einschränkungen bei der Nutzung akzeptieren. So kann die Spenderfläche oft erst nach dem optimalen Schnittzeitpunkt gemäht werden, um eine ausreichende Samenausbeute bei der Aufsammlung sicherzustellen. Dann läuft der Biologe mit einer Batterie von Tütchen durch den Bestand und erntet jede Pflanze einzeln – eine mühsame Angelegenheit.

Die erste Pflanzengeneration bei der Saatguterzeugung wird als Einzelpflanzen hochgezogen und von Hand ausgepflanzt – das sind bis zu 100 000 Pflanzen pro Jahr. Die folgenden Generationen werden auf landwirtschaftlichen Flächen ausgesät. Das Ziel ist es, die genetische Vielfalt ungerichtet zu erhalten und keine Selektion in Gang zu setzen. Deshalb können insgesamt nur fünf Generationen aus einer Aufsammlung verwertet werden, danach hat sich die genetische Zusammensetzung durch den Vermehrungsprozess so verändert, dass eine neue Aufsammlung erforderlich wird.

Bei der Vermehrung kommt der Landwirt ins Spiel. Sascha Hartig gab uns einen kompakten Überblick über die Feinheiten der Anbautechnik und die Besonderheiten, die bei der Saatgutvermehrung zur Herausforderung werden.

Standort und Anbautechnik: Seine Flächen haben, wie für die Lüneburger Heide typisch, zwischen 18 und 60 Bodenpunkten und können bewässert werden. Während einzelne Pflanzenarten wie Mohn, Kornblume oder Lichtnelke großflächig vermehrt werden, sind es bei anderen wie Bocksbart und Braunelle kleinere Schläge, zwischen 0,2 und 5 ha groß. Die Saatstärken variieren zwischen 0,7 und 5 kg je ha. Weil die Samen teils so winzig sind, muss das Saatgut mit Zuschlagstoffen auf ein saatfähiges Volumen gebracht werden. Dafür verwendet Hartig in der Regel Sojaschrot. Dann kann es mit dem Striegel gedrillt und ganz flach eingearbeitet werden – oft handelt es sich um Lichtkeimer, die nicht vergraben werden dürfen. Mit dem Andrücken durch Walzen wird der Wasseranschluss gesichert. Gesät wird überwiegend im Frühjahr, erst im folgenden Jahr wird geerntet.

Winzige Samen

Pflegemaßnahmen: Obwohl viele der vermehrten Arten in freier Natur eher unter kargen und nährstoffarmen Bedingungen wachsen, erfolgt die Vermehrung aus betriebswirtschaftlichen Gründen mit einer gewissen Intensität. Nur so lässt sich ein ausreichender Ertrag erzielen. Dazu gehören neben einer eventuellen Bewässerung auch eine Stickstoffdüngung, eine Reihe mechanischer Bearbeitungsgänge und bei Bedarf Pflanzenschutz. Im Jugendstadium wachsen die Unkräuter schneller als die gewünschten Wildpflanzen und neben den Nützlingen finden auch Schadinsekten Gefallen an dem Angebot.

Die Ernte – eine Meisterdisziplin: Hier beweist sich der Profi, denn es gilt, möglichst viel Erntegut von staubfeinen Samen bis zu dicken Bohnen zu bergen, das ungleichmäßig abreift, unterschiedlich leicht ausfällt und dann noch je nach Reifegrad mehr oder weniger feucht und empfindlich ist. Da die reifen Samen durch Wind, Katapultmechanismen oder Aufplatzen der Hüllen schnell verstreut sind, müssen sie vor der Reife geerntet werden. Mit Fingerspitzengefühl gilt es den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, wenn erst wenige Samen ausgefallen sind und die Blütephase ihren Höhepunkt hinter sich hat.

Für Kornblumen: robuste Technik statt Hightech

Dann muss der beste Erntezeitpunkt bestimmt und mit der gegebenen Witterung in Übereinstimmung gebracht werden. Schließlich die Erntetechnik von der Sichel bis zum Mähdrescher: Nicht das größte und modernste Modell, sondern ältere, robuste Technik mit zuverlässiger Mechanik ist gefragt, denn es gilt, große Mengen feuchter Biomasse ohne Verstopfungen durchzuschleusen. Im Ergebnis macht der Anteil an verwertbaren Samen vielleicht ein Viertel der Tankfüllung aus. Viele Arten laufen zweimal durch den Drescher, bleiben nach dem ersten Durchgang auf Schwad liegen und werden erst beim zweiten Durchgang ernsthaft gedroschen. Für jede Art gibt es spezielle Einstellungen, und im Ergebnis erreichen einige Kilo (Glockenblume) bis zu einer Tonne pro Hektar (Wilde Möhre, Schwingelgräser) den Hof.

Trocknung : Hat es das Erntegut auf den Hof geschafft, muss es mit viel Fingerspitzengefühl getrocknet werden. Bei kleinen Mengen geht dies auch heute noch durch Ausbreiten auf Folien und regelmäßiges Wenden des geernteten Materials, so wie wir es heute noch von Kaffee und Kakao kennen. Bei größeren Mengen wird das Erntegut mit warmer Luft bei maximal 38°C in Holzboxen oder speziellem Hänger getrocknet. Wird es den Samen zu warm, verlieren sie ihre Keimfähigkeit, die je nach Art mit 30 bis 80 % ohnehin nicht sehr ergiebig ist, bleiben sie zu lange feucht, ebenfalls. Häufig wird am späten Nachmittag oder frühen Abend geerntet, also keine Arbeit für Personen, die pünktlich Feierabend machen wollen!

Reinigung: Die letzte Stufe auf dem Hof birgt noch einmal einige Herausforderungen. Das getrocknete, aber alles andere als homogene Material muss gründlich gereinigt und von allen Fremdbestandteilen befreit werden. Dabei läuft das Erntegut über mehrere Reinigungsstufen (Windsichter, Siebe, Trieure, Reiber). Neben Pflanzenteilen werden vor allem Samen entfernt, die hier nicht hingehören, es aber doch bis hier geschafft haben. Die Bilder von dem Kornblumenfeld zeigen, dass man auch Mohnsaaten und Samen der Lichtnelke zu erwarten hat. Nach jeder Art, die die Reinigung durchläuft, muss die gesamte Anlage selbst penibel gesäubert werden, um Verunreinigungen des Saatguts auszuschließen. Bei ca. 50 Arten kann man sich vorstellen, dass dies viel Know-how erfordert. Auf dem Hof werden nicht nur die eigenen Erntemengen, sondern auch die Ernten der anderen 15 Landwirte aus der Region angenommen, getrocknet und gereinigt. Der gesamte Erntezeitraum dauert von Mai bis September, die Reinigung häufig noch deutlich länger.

Das fertige Regiosaatgut: Nach der Reinigung folgt noch die Abfüllung in Papiersäcke, die eine genaue Auszeichnung und Farbcodierung aufweisen. Diese werden dann per LKW in die Zentrale von Zeller Saatgut gebracht, wo die Samenmischungen erstellt und verkauft werden. Dabei wird genau darauf geachtet, dass nur Samen einer Region zusammenkommen. Regiosaatgut wird gerne im Landschaftsbau eingesetzt, als Straßenbegleitgrün und auf Renaturierungsflächen. Auch Landwirte verwenden es, insbesondere im Vertragsnaturschutz. Auch einige Agrarumweltpramme schreiben die Verwendung vor, doch hier ist die Planbarkeit für den Saatgutproduzenten eine wahre Herausforderung, weil die erlaubten Bestandteile der gewünschten Mischung oft nur kurzfristig bekannt gegeben werden. So heißt es immer flexibel sein und ein breites Spektrum an Ausgangsmaterial für die Vermehrung bereithalten. Zum Glück behalten viele Wildpflanzen ihre Keimfähigkeit sehr lange – bei einigen sind es sogar mehrere Jahrzehnte!

Unser Fazit: Hier sind Profis am Werk, die auch die Praktiker unter uns sehr beeindruckt haben! Die Vermehrung von Wildsaaten mag quantitativ eine Nische sein, aber 50 Arten zu managen, von denen jede einzelne eine Diva ist, das ist mit „klassischem Ackerbau“ nur bedingt zu vergleichen. Wenn Sascha Hartig gefragt wird, ob er sich noch einmal mit Rüben, Weizen, sogar Kartoffeln beschäftigen möchte, dann winkt er ab – nicht aus Geringschätzung, sondern weil er die Herausforderung der Artenvielfalt liebt.

Text: Verena Bosse, Jens Ditter, Ruth Franken, Dr. Tania Runge

 

 

 

 

 

 

Neues VDL-Mitglied: die Gartenbau-Versicherung VVaG, Wiesbaden

Foto: Gartenbau-Versicherung VVaG

Dr. Dietmar Kohlruss (li.), Vorstand und Christian Senft (re.), Vorstandsvorsitzender der Gartenbau-Versicherung VVaG.

Die Gartenbau-Versicherung ist der grüne Spezialversicherer des europäischen Gartenbaus. Über 14.000 Mitgliedsbetriebe aus neun Ländern Europas vertrauen ihr die Absicherung ihrer Sachwerte und Erträge an. Das Selbstverständnis als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit prägt die Unternehmenskultur seit der Gründung 1847 bis heute. Fairness und ein respektvoller Umgang mit den Mitgliedsbetrieben, den Mitarbeitenden und den Partnern aus der grünen Branche werden hier großgeschrieben.

Branchenspezifischer Versicherungsschutz

Bei allen Aktivitäten hat die zuverlässige Absicherung der Mitgliedsbetriebe gegen die branchenspezifischen Gefahren aus Natur, Technik und durch Feuer oberste Priorität. Das zeigt sich zum einen in den modular aufgebauten Versicherungslösungen, die sich optimal an die verschiedenen Bedürfnisse von Gartenbauunternehmen unterschiedlicher Größe und Struktur anpassen lassen – und von der Produktentwicklung bedarfsgerecht und unter Berücksichtigung technischer Neuerungen auch stets weiterentwickelt werden. Zum anderen unterstützen die Experten der Gartenbau-Versicherung ihre Mitglieder bereits bei der Risikoprävention: mit individueller Beratung durch die Risikomanager und der Bereitstellung detaillierter Informationsmaterialien zu verschiedenen Risikothemen.

Im konkreten Schadenfall hilft die Gartenbau-Versicherung schnell und unbürokratisch. Der betreuende Risikoberater macht sich vor Ort ein Bild vom Schaden, berät den Mitgliedsbetrieb mit fundierter Sachkenntnis bei der Schadenbehebung und leitet die schnelle Regulierung in die Wege. Bei Kulturschäden werden oft auch ehrenamtliche Schätzer mit hoher Gartenbau-Expertise hinzugezogen, um eine fachgerechte Beurteilung zu gewährleisten.

Spannende Karrierechancen

Generell lässt sich sagen: Aus der Kombination von Versicherung und Gartenbau erwachsen interessante Aufgabenfelder, gerade auch für Nachwuchskräfte der grünen Branche. Genauso sind aber auch IT-Experten und andere Fachkräfte gefragt, die Lust auf eine sinnstiftende Tätigkeit in einem international geprägten, grünen Umfeld haben.

Weiterführende Informationen zur Gartenbau-Versicherung, die angebotenen Versicherungslösungen und aktuelle Karrierechancen sind auf der Website zu finden:

www.gartenbau-versicherung.de

Text: Gartenbau-Versicherung VVaG

VDL-Bayern: Fachexkursion „Vermarktungsmethoden entlang der Wertschöpfungskette“

Bild: Wolfgang Filter

Die am 9. Juli 2025 von der VDL-Landesgruppe Bayern durchgeführte Fachexkursion fand bei den Agrar-Studierenden des Hochschulstandorts Freising/Weihenstephan großen Anklang. Unter dem Titel „Vermarktungsmethoden entlang der Wertschöpfungskette“ bekamen die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Fleisch-, Gemüse- und Milch-/Käsevermarktung und konnten mit der Besichtigung einer Indoor-Weizen-Versuchskammer einen Blick in die Zukunft werfen.

Erste Station war die Metzgerei Stuhlberger in Wartenberg, die sich auf die Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen und Ochsen spezialisiert hat. Geschäftsinhaber Dr. Ludwig Stuhlberger, der außer der Ausbildung zum Metzger auch ein Tierarzt-Studium absolviert hatte, leitete die Betriebsbesichtigung mit einem ebenso offenen wie spannendem Abriss der Familien- und Betriebsgeschichte ein. Dabei erwies er sich als einer der Pioniere der Strohhaltung bei Schweinen. Sein Bericht von der anfänglichen und bei einigen Erzeugerbetrieben immer noch vorhandenen Reserviertheit gegenüber dieser Haltungsform zeigte eindrucksvoll die Probleme und Widerstände auf, die fortschrittliche Betriebe bei der Realisierung ihrer innovativen Ideen oftmals zu überwinden haben. Der anschließende Rundgang durch alle Abteilungen des Schlachtbetriebes endete mit einer Verkostung frisch zubereiteter Weißwurst, die von den Teilnehmenden dankend angenommen wurde.

 

Als zweites wurde die Versuchskammer für Indoor-Weizen in TUMmesa besichtigt. Der Model Ecosystem Analyser der Technischen Universität München (TUMmesa) ist ein technische aufwendige Forschungsinfrastruktur, die es ermöglicht alle Klimaparameter für das Pflanzenwachstum präzise zu steuern. Die Gruppe besichtigte mit Sebastian Eichelsbacher die Forschungsarbeiten zum Indoor-Weizen im Vertical Farming. Nach einer kurzen Einführung zum Vertical Farming System, ging es im Folgenden um die kontrollierten Klimabedingungen. Diskutiert wurden die Anforderungen an die LED-Beleuchtung, Temperatur und Luftfeuchtigkeitssteuerung, Belüftung und Co2-Anreicherung. Des Weiteren konnten die Teilnehmer sehen, wie der Weizen ohne jegliches organische Material und mit den Wurzeln direkt in der Nährlösung in einem hydroponischen Tiefenwassersystem wächst. Begeistert hat die Gruppe die kurze Wachstumsdauer von unter 70 Tagen und die hohe Bestandesdichte. Es gab viele Fragen zu den Vor- und Nachteilen des Systems. So beispielsweise zu dem hohen Energieverbrauch, der eine der größten Herausforderungen für das Vertical Farming im Allgemeinen darstellt, wohingegen der Wasserverbrauch minimal ist und Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden.

 

Treffpunkt zur dritten Station waren die Gemüsefelder des Biohofs Großmann, der in Vierkirchen-Pasenbach und Umgebung auf 600 ha im zweijährigen Wechsel Getreide und Hackfrüchte anbaut und vermarktet. Zur Erholung des Bodens und zur Stickstoffsammlung wird alle 5 Jahre Kleegras angebaut. Mathias Großmann-Neuhäusler, der im Laufe der Jahre gemeinsam mit seinem Bruder und Vater den elterlichen Betrieb in etwa um das Zehnfache vergrößert hat, erklärte auf dem Acker und anschließend auf der Hoffläche, welche Chancen – aber auch welche Probleme der Anbau und die Vermarktung insb. der Gemüsekulturen mit sich bringen. Hauptunsicherheitsfaktoren und damit Risikoträger waren und sind das Erschließen und der Aufbau von Vermarktungswegen inkl. der damit einhergehenden Preisschwankungen. Dies kommt insb. bei den arbeitsintensiven Gemüsesorten wie Kohl, Zwiebeln, Gurken, Karotten etc. zum Tragen. Für die Teilnehmenden wurde sichtbar, dass solch ein Betrieb viel Engagement, Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude und unternehmerisches/kaufmännisches Können erfordert.

 

Den Schlusspunkt der Tagesexkursion setzte Hubert Stadler, der sich in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn mit einer eigenen Käserei eingemietet hat und dort jährlich ca. 600.000 Liter Milch zu verschiedenen Käsesorten verarbeitet und über mehrere Wege vermarktet. Käsermeister Stadler stellt mit viel Erfahrung, Gefühl und Zeit in aus frischer unbehandelter Milch ortsansässiger konventionell wirtschaftender Bauern ungefähr 20 Käsesorten her, unter denen der Heumilchkäse eine besondere Spezialität ist. Es war für alle interessant zu erfahren, wie aus der Rohmilch über die Vorreifezeit, das Einrühren des natürlichen Kälberlabs, den Stillstand um das Eindicken der Milch dann der Käsebruch mit der Harfe je nach Käsesorte unterschiedlich groß geschnitten und entsprechend lange gerührt und – vor allem bei Hartkäsesorten – nochmals erwärmt wird, um anschließend in den jeweiligen Käseformen die Entmolkung und Festigung stattfinden zu lassen, bevor die  Käselaibe in die Salzbäder gehen und schlussendlich mit reinem Steinsalz abgerieben werden. Der bei der abschließenden Besichtigung der Käsekeller entstandene Appetit wurde – sehr zum Gefallen der Teilnehmenden – mit einer Verkostung eines Brie und eines „alten Herrmannsdorfer“ gestillt.

Text: Wolfgang Filter & Sebastian Eichelsbacher

Bilder: Wolfgang Filter

Machen Sie mit: Frauen in Führungspositionen in den Bereichen Agrar, Ernährung und Gartenbau – Studienprojekt des VDL-Bundesverbandes

Foto: Pixabay

Der VDL hat eine aktuelle Studie beauftragt, die von Prof. Dr. J.-P. Loy von der Macke-Loy GbR zusammen mit dem Lehrstuhl für Marktlehre am Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wissenschaftlich bearbeitet wird. Der Stand von Frauen in Führungspositionen in den Bereichen Agrar, Ernährung und Gartenbau aber auch in der gesamten Grünen Branche ist Gegenstand der aktuellen Untersuchung.

Bereits 2020 hat sich der VDL mit diesem Thema beschäftigt. Seither gab es zwar Veränderungen in der Branche, aber wie ist der aktuelle Stand und wie hat sich die Situation seither entwickelt? Das soll das Studienprojekt nun mit der Erstellung eines aktuellen Lagebildes erarbeiten. Anschließend sollen die Ergebnisse mit Politik, Verbänden, der Wirtschaft und auch den Hochschulen im Rahmen unseres VDL-Fachforums im Oktober in Berlin diskutiert werden.

Gefördert wird das Projekt von der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Die Ergebnisse werden im 4. Quartal 2025 erwartet.

Die Befragung dauert weniger als 15 Minuten. Sie finden hier den Fragebogen für den öffentlichen Dienst und Verbände und hier die Version für Unternehmen.

Teilen Sie den Link gerne. Der VDL freut sich über eine umfangreiche Teilnahme.

 

Text: Tobias Dammeier

 

VDL Hessen: Am Frankfurter Flughafen werden Hessens Landwirtschaft und Pflanzen geschützt

Foto: Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat

Fast 24.000 kontrollierte Importsendungen im Jahr: Staatssekretär Daniel Köfer besucht mit dem Hessischen Pflanzenschutzdienst die wichtigste phytosanitäre Grenzkontrollstelle des Landes.

Obst, Gemüse, Zierpflanzen – alles, was dieser Art am Frankfurter Flughafen als Importsendung ankommt, wird hier kontrolliert: Der Hessische Pflanzenschutzdienst ist dafür verantwortlich, am „hessischen Tor zur Welt“ sicherzustellen, dass weder Pflanzenschädlinge noch Krankheiten über diesen Weg nach Deutschland und in die EU verbracht werden. Heute besuchte Staatssekretär Daniel Köfer den Hessischen Pflanzenschutzdienst am Frankfurter Flughafen. Er würdigte die verantwortungsvolle Arbeit der Fachbehörde des Regierungspräsidiums Gießen, die selten im Rampenlicht steht, aber eine Schlüsselposition für den Schutz der Landwirtschaft, der Biodiversität und des europäischen Binnenmarktes hat: „Der Hessische Pflanzenschutzdienst übernimmt eine zentrale Rolle für die Sicherheit unserer heimischen Landwirtschaft und den Schutz der Biodiversität in ganz Europa“, betonte Köfer bei seinem Besuch.

„Die Grenzkontrollstelle (GKS) am Flughafen Frankfurt ist bundesweit – gemessen an den zu kontrollierenden Sendungsstückzahlen – die bedeutendste ihrer Art, mit weitem Abstand vor anderen Standorten wie dem Hamburger Hafen oder dem Flughafen Leipzig“, so der Leiter des Hessischen Pflanzenschutzdienstes, Dr. Christian Hillnhütter. „Sie ist ‚Port of First Entry‘ für Warensendungen aus aller Welt und trägt somit eine besondere Verantwortung für die phytosanitäre Sicherheit ganz Europas.“

Kontrolliert werden Importsendungen, aber auch Passagiere und Reisegepäck

Allein im vergangenen Jahr wurden hier fast 24.000 Import­sendungen von Obst, Gemüse und Pflanzen kontrolliert – immer mit dem Ziel, das Einschleppen gefährlicher Quarantäneschädlinge zu verhindern. 51 Sendungen mussten zurückgewiesen werden. Hauptgrund war dabei der Befall mit besonders aggressiven oder exotischen Schädlingen, darunter der Herbst-Heerwurm, der Asiatische Laubholzbockkäfer oder der Japankäfer, die auch in der heimischen Pflanzenwelt schwere Schäden verursachen können.

Dabei geht es nicht nur um die Überprüfung kommerzieller Sendungen. Auch Passagiere werden stichprobenartig auf unerlaubte pflanzliche Mitbringsel kontrolliert. Denn mit dem Reisegepäck gelangen mitunter selbst lebende Insekten unbemerkt ins Land und stellen ein erhebliches Risiko für heimische Kulturen und Ökosysteme dar. 2024 wurden bei insgesamt 721 solcher Kontrollen mehr als zehn Tonnen Obst, Gemüse, Schnittblumen und Pflanzen beschlagnahmt und unter Beachtung phytosanitärer Vorgaben fachgerecht entsorgt.

Zudem ist die Zahl der Postsendungen mit Saatgut ohne Pflanzengesundheitszeugnis, die über das Internationale Postzentrum (IPZ) Frankfurt in die EU eingeführt werden sollen, stark gestiegen. Waren es 2024 noch über 7.100 zurückgewiesene Postsendungen, so mussten 2025 bereits jetzt mehr als 28.100 Sendungen zurückgewiesen werden, um die Gefahr des Imports unerwünschter Schadorganismen zu vermeiden. Neben den täglichen Kontrollen am Flughafen steht der Pflanzenschutzdienst Hessen auch im innereuropäischen Handel vor enormen Aufgaben. Durch zahlreiche neue EU-Regelungen hat sich die Zahl der verpflichtend zu kontrollierenden Sendungen, Waren und Schadorganismen innerhalb weniger Jahre vervielfacht.

Arbeit im Schichtsystem an 365 Tagen im Jahr

Um alle Einfuhren kontrollieren zu können, arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Pflanzenschutzdienstes im Schichtsystem – an 365 Tagen im Jahr, mit großer Fachkompetenz und nach strengen internationalen Qualitätsstandards und Normen. Unterstützt werden sie dabei durch ein hochspezialisiertes Diagnoselabor am Standort Wetzlar. „Die Mitarbeiter leisten eine hochkomplexe Arbeit im anspruchsvollen Schichtdienst – oft fern der öffentlichen Wahrnehmung, aber mit immenser Wirkung. Ich danke ihnen für ihren täglichen Einsatz.“, betonte Staatssekretär Köfer. Die Behörde agiere täglich zwischen dem globalen Warenverkehr und dem regionalen Schutzauftrag und trage damit entscheidend zur Pflanzengesundheit und Wettbewerbsfähigkeit Hessens bei.

VDL Hessen: Hochschule Geisenheim startet praxisorientierten Podcast „Wein im Wandel“

Auftaktfolge des Podcasts „Wein im Wandel“. V.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Prof. Dr. Simone Loose, Christian Schwörer Quelle: Hochschule Geisenheim / Woody T. Herner

Wein ist ein faszinierendes Kulturgut. Und doch steht die Branche derzeit vor großen Herausforderungen. Welche das genau sind, und welche Lösungen es gibt, das sind die Themen des neuen Podcast der Hochschule Geisenheim: Wein im Wandel.

In der zukünftig regelmäßig erscheinenden Podcastreihe spricht Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Weinexperte, Professor und Präsident der Hochschule Geisenheim, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Branchenexperten und Praktikern über aktuelle Probleme, Trends und Zukunftschancen im Weinbau, der Weinwirtschaft und der Vermarktung von Wein.

„In unserem Podcast soll es uns neben der Beschreibung der Veränderungen immer auch um Lösungen und Konzepte gehen. Konzepte, die es am Markt bereits gibt. Konzepte, die es noch nicht gibt, aber geben sollte. Lösungen, die aus der Wissenschaft kommen. Und solche, die sich in der Praxis gerade entwickeln. Zusätzlich haben wir den Anspruch, dass der Podcast auch für allgemein Interessierte eingängig und verständlich ist.“, erklärt Prof. Dr. Hans Reiner Schultz.

Unterstützt wird der Podcast von der VEG – Geisenheim Alumni Vereinigung e.V. Die technische Begleitung, Postproduction und bildliche Begleitung übernimmt Woody T. Herner / Woodworks Studio

Auftaktfolge gibt ersten Überblick

In der ersten Folge sind Prof. Dr. Simone Loose, die Leiterin des Instituts für Wein- und Getränkewirtschaft, sowie Christian Schwörer, Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbands e.V., zu Gast. Gemeinsam diskutieren sie in einem ersten Überblick intensiv die wirtschaftlichen Probleme aber auch die Chancen und Bedarfe der Winzerinnen und Winzer, und beleuchten auch aktuelle Überlegungen für neue EU-Programme, um die Rahmenbedingungen für den Weinbranche zu verbessern.

Hier geht’s zum Podcast: https://wein-im-wandel.podigee.io/.

VDL Hessen: Parlamentarischen Abend des VDL Hessen mit Minister Jung

Staatsminister Ingmar Jung (links) mit VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann. Foto: VDL Hessen/Tobias Grabner

Volles Haus und gelungener Netzwerkabend

Der Parlamentarische Abend 2025 des VDL Landesverbandes Hessen e.V. fand am   Dienstag, 13. Mai 2025, im Ratskeller am Hessischen Landtag in Wiesbaden statt. Bei der gut besuchten Veranstaltung konnte der Präsident des VDL-Bundesverbandes und Landesvorsitzende des VDL-Landesverbandes Hessen, Markus W. Ebel-Waldmann, den Hessischen Staatsminister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, Ingmar Jung, begrüßen. Minister Jung sprach nicht nur ein Grußwort, sondern stand den Teilnehmenden auch Rede und Antwort. Alle im Hessischen Landtag vertretenen Fraktionen waren an diesem Abend zu Gast beim VDL Hessen, darunter zahlreiche Fraktionsvorsitzende sowie – bis auf eine erkrankte Abgeordnete – der gesamte Landtagsausschuss für Landwirtschaft und Umwelt. Neben den hochkarätigen Politikern waren zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, der Hochschulen und Verbänden der Einladung des VDL Hessen gefolgt.

Text Markus Ebel-Waldmann

VDL-NDS: Vorstellung von trafo:agrar und Mitgliederversammlung in Vechta

Foto: René Borresch, trafo:agrar, Vera Schockemöhle

Am 23. Mai fand in den Räumlichkeiten der Universität Vechta die Mitgliederversammlung 2025 statt. Das Rahmenprogramm wurde gestaltet von Projektmanagerin Vera Schockemöhle, die uns den Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) vorstellte. Fünf Hochschulen arbeiten hier in einem Kooperationsverbund mit Akteuren aus der Wirtschaft zusammen, um eine zukunftsfähige Entwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Nordwesten Niedersachsens zu fördern. Vera Schockemöhle gab uns zunächst einen kompakten Überblick über Ziele, Struktur und Projekte dieses Forschungsverbundes.

Der Agrar- und Ernährungssektor ist der zweitwichtigste Wirtschaftssektor in Niedersachsen und steht in einem komplexen Transformationsprozess. Eine sektorübergreifende, transdisziplinäre Zusammenarbeit ist erforderlich, um aus diesem Prozess gestärkt hervorzugehen. Trafo:agrar hat sich auf die Fahnen geschrieben, als wissenschaftliche Koordinierungsstelle mit transdisziplinärer, kooperativer Forschung Beiträge für eine zukunftsfähige, verantwortungsbewusste und vielfältige Agrar- und Ernährungswirtschaft zu leisten. In dem Verbund arbeiten die Universitäten Vechta und Göttingen sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover zusammen mit dem Agrar- und Ernährungsforum Nordwest, der IHK Oldenburg, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Wirtschaftlichen Vereinigung Oldenburg – Der Kleine Kreis. Beratende Funktion haben die Niedersächsischen Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie für Wissenschaft und Kultur und der WWF.

Unter der Leitung von Frau Dr. Barbara Grabkowsky arbeiten aktuell 14 Projektmitarbeitende an 17 Projekten, die von Risikoampeln für verschiedene Tierseuchen über den Umgang mit der Ressource Wasser bis hin zum digitalen Management von Datenflüssen ein sehr breites Themenspektrum abdecken. Über 100 Symposien mit mehr als 12.000 Teilnehmenden hat trafo:agrar schon durchgeführt, in den Projekten wurden und werden über 64 Mio. Euro finanzielle Mittel eingesetzt. Mittelgeber sind Unternehmen, Kommunen, Landes- und Bundesbehörden sowie EU-Programme wie die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP) und INTERREG, um nur die wichtigsten zu nennen. Trafo:agrar ist angesiedelt an der Universität Vechta. Wer mehr wissen will, findet hier detaillierte Informationen.

Trafo:agrar: Das ganze Netzwerk – der mittlere Kreis umfasst die Verbundmitglieder

Vera Schockemöhle ging dann näher auf ihr Projekt „DivGrass“ ein, das praxisnahe Strategien entwickelt, um biologische Vielfalt auf landwirtschaftlichen Weideflächen zu erhalten und zu fördern.  Im Rahmen des Förderprogramms INTERREG North Sea entwickeln Projektpartner aus fünf Nordsee-Anrainerstaaten innovative Ansätze für ein an den Klimawandel angepasstes Grünlandmanagement. In Deutschland sind zehn Milchviehbetriebe aus Norddeutschland beteiligt, von denen drei in Schleswig-Holstein und zwei in Ostfriesland als Versuchsbetriebe eingebunden sind. Fördermittel in Höhe von knapp vier Mio. Euro fließen in dieses Projekt mit einer Laufzeit von 2023 bis 2027.

Drohnen auf der Weide – da staunen die Kühe

Die Arbeitshypothese lautet, dass artenreiches Grünland klimaresilienter ist als artenarmes Grünland. Allerdings steht damit auch die Frage im Raum, ob mehr Artenvielfalt sich auch in der Milchleistung und letztlich in der Wirtschaftlichkeit niederschlägt. Im Rahmen des Projektes werden folgende Ziele anvisiert:

  • Kompetenzen fördern: Biodiversität bestimmen, Maßnahmen-Set entwickeln, betriebsspezifische Maßnahmen ableiten
  • Betriebe handlungsfähig machen: Aus der Praxis für die Praxis: Natur- und Artenschutz mit Produktionsleistungen in Einklang bringen. Transregionale Netzwerkbildung
  • Blaupausen entwickeln: Entwicklung einer App, um Ergebnisse und Empfehlungen für Landwirte leicht zugänglich zu machen
  • Rechtsrahmen gestalten: Transdisziplinär co-entwickelte, praxis- und wissenschaftlich fundierte Politikempfehlungen auf nationaler und EU-Ebene

Dazu kamen aus dem Teilnehmerkreis viele Fragen und einzelne Aspekte wurden lebhaft diskutiert. Vera Schockemöhle, die selbst zwar von einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt, aber im Studium eher kreative und digitale Kompetenzen erworben hat, steckt auch in den landwirtschaftlichen Aspekten so tief drin, dass sie keine Antwort schuldig blieb. Wir hatten eine sehr gute Diskussion und sind schon gespannt auf die Ergebnisse. Vor allem haben wir jetzt große Erwartungen an eine Intensivierung der Kontakte zum Team von trafo:agrar und werden Ideen zur Zusammenarbeit entwickeln.

Nach dem fachlichen Programm folgte die Mitgliederversammlung, bei der nach der Abwicklung der satzungsgemäßen Formalien die Frage diskutiert wurde, welche Maßnahmen gegen den anhaltenden Mitgliederschwund erfolgversprechend sind. Passend dazu wurden die Teilnehmer gebeten, am Pretest für eine Mitgliederbefragung teilzunehmen, die demnächst online gestellt wird. Den Abschluss dieses sehr informativen Tages begingen wir mit einem Abendessen im nahe gelegenen Gut Welpe, wo wir noch den fachlichen und persönlichen Austausch genießen konnten.

Text: Ruth Franken

VDL-Seminar „Erfolgreich verhandeln – Gute Verhandlungsführung ist mehr als nur Geschick.“ – Neuer Termin!

Foto: Pixabay

Der VDL bietet in Zusammenarbeit mit der dbb akademie ein Seminar zum Thema „Erfolgreich verhandeln in Politik und Ehrenamt“ an. Vom 13. – 15. September 2025 werden in Hannover u.a. Verhandlungsführung und souveränes Argumentieren behandelt.

Wir verhandeln jeden Tag um Aufträge, Termine oder Konditionen. Auch wenn Verhandlungen häufig nicht als solche erkennbar sind – wir sind quasi ständig am Verhandeln. Sobald man sich nicht einig wird, kann sich aus Kleinigkeiten schnell ein echter Konflikt entwickeln. Verhandlungen erfolgreich zu führen, gilt in vielen Positionen als Schlüsselkompetenz. Die zentrale Frage des Seminars lautet: Wie gelingt es uns, die eigenen Stärken gezielt zu nutzen und eine Verhandlung erfolgreich zum gewünschten Ziel zu führen?

Weitere Informationen sowie die Teilnahmebedingungen entnehmen Sie bitte dem Programm und dem Anmeldeformular.

Programm Erfolgreich Verhandeln 13.-15. September 2025

Anmeldeformular dbb-Seminar 13.-15.09.2025

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Anmeldeschluss ist am 13.08.2025.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
VDL-Mitglieder werden bevorzugt berücksichtigt.

Text: Tobias Dammeier

Exkursion im Zeichen von Wasser, Hochwasserschutz und nachhaltiger Landwirtschaft – Teilnehmer besuchen den Polder Ingelheim

Bilder : VDL

Unter dem Titel „Wasser und Natur“ begaben sich zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine spannende Exkursion in den Polder Ingelheim. Die Veranstaltung bot eindrucksvolle Einblicke in moderne Hochwasserschutzmaßnahmen sowie in die Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung in wassergeprägten Gebieten.

Hochwasserschutz trifft Naturraum

Im Mittelpunkt der Exkursion stand der Polder Ingelheim, ein zentrales Element des Hochwasserschutzkonzepts für den Mittelrhein. Michael Lunkenheimer von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd erläuterte die Funktionsweise des Polders, der mit einer Fläche von 162 Hektar bis zu 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Herzstück ist das sogenannte Fischbauchklappenwehr, über das das Wasser ein- und ausgeleitet wird.

Besonders die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Norddeutschland zeigten großes Interesse an den technischen Bauwerken, etwa an der Bauweise der Deiche oder dem Betrieb des Schöpfwerks.

Biodiversität durch gezielte Flutungen

Der Polder erfüllt nicht nur eine sicherheitsrelevante Funktion, sondern wird auch gezielt ökologisch geflutet, um wertvolle Lebensräume zu schaffen. Landwirt Tobias Diehl, der Flächen innerhalb der Deiche bewirtschaftet, fördert auf seinen Ackerflächen gezielt die Biodiversität. Sein Betrieb ist Teil des bundesweiten F.R.A.N.Z.-Projekts, das ökologische Maßnahmen in der Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit untersucht.
Die Betreuung erfolgt durch die Stiftung Kulturlandschaft Rheinland-Pfalz, die während der Exkursion durch Aisha Habeck vorgestellt wurde.

Direktvermarktung mit Innovationsgeist

Ein weiteres Exkursionsziel war der landwirtschaftliche Betrieb „Philaroma“ von Markus Kirn. Der gebürtige Baden-Württemberger hat den Hof gemeinsam mit seiner Frau in Ingelheim aufgebaut. Ausgangspunkt war ein kleiner Familienbetrieb, aus dem durch innovative Ideen ein moderner Direktvermarktungsbetrieb entstand – inklusive eines Erdbeerfeldes mit eigener Ausfahrt aus einem Kreisverkehr, dies ist in Deutschland wohl Einzigartig.

Neben Erdbeeren werden inzwischen zahlreiche Kulturen angebaut, sodass fast ganzjährig frische regionale Produkte angeboten werden können. Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle: Die Bewässerung erfolgt über eine elektronisch gesteuerte Ringleitung, gespeist aus übernommenen Brunnen des örtlichen Wasserversorgers.

Fazit

Die Exkursion machte deutlich, wie stark das Thema Wasser sowohl für den Schutz der Bevölkerung als auch für die landwirtschaftliche Produktion in der Region von Bedeutung ist. Sie bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern informative und praxisnahe Einblicke in technische, ökologische und ökonomische Zusammenhänge – und zeigte beispielhaft, wie Hochwasserschutz, Naturschutz und moderne Landwirtschaft Hand in Hand gehen können.

Text: Christian Riede

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