Auch bei Gegenwind den Mund aufmachen! Wie kann Kommunikation auch unter schwierigen Bedingungen gelingen?

In „Omas Küche“ gab es keinen Gegenwind für Martin May, dafür war der Gastraum im Bierhaus Machold in Bonn zu voll. Auf Einladung des VDL-Landesverbands Nordrhein-Westfalen und der VDAJ-Landesgruppe Bonn trafen sich mehr als 40 Menschen zur letzten „Grünen Runde“ 2019. Der Leiter Kommunikation des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) eröffnete den Abend mit ein bisschen Theorie, die die Agrarjournalisten unter den Zuhörern sicherlich schon kannten. Er stellte das 4-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun kurz vor und machte so deutlich, wie wichtig die psychologische Komponente in der Kommunikation ist. Gerade die Themen, die ihn und seinen Verband umtreiben (Glyphosat-Ausstieg, Düngeverordnung und Insektenschutz), seien auf dem aktuellen Level nicht mehr nur mit einem rationalen Zugang zu erklären. „Die Menschen müssen mit ihren Ängsten abgeholt werden“, betonte May. Dazu erklärte er, was unter kognitiver Dissonanz zu verstehen ist. Zusammengefasst dies: Wenn das eigene Bild von der Welt mit neuen, der eigenen Anschauung widersprechenden Informationen gestört wird, erzeugt das eine Spannung, die aufgelöst werden will. Der Spannungsabbau kann durch Verdrängen und Leugnen, Relativieren durch Infragestellen oder auch eine noch stärkere Verfestigung der eigenen Position durch Umdeuten des Erfahrenen erreicht werden.

Von der Theorie ging schnell hinüber in die Praxis, wobei Glyphosat die nächsten Minuten bestimmte. Der IVA führt jährlich eine repräsentative Befragung durch, um die Einstellung der Bevölkerung zu Pflanzenschutzmitteln und Düngern zu erfahren. In der Summe war die Einstellung über die Jahre hinweg positiv, was der Stimmungslage der Deutschen aber nicht immer entsprach. Deshalb wurde 2017 bei der Befragung von gestützten Antworten auf ungestützte Antworten umgestellt, und das Ergebnis der Befragung und die Stimmung, die sich auch in den Nachrichten widerspiegelt, glichen sich stärker an. Trotzdem, betonte May, dass Glyphosat erst im Dezember 2017 in der Befragung stark in Erscheinung trat, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie er es erwartet hatte.

Die Befragung sei ein wichtiges Instrument seiner Arbeit, verdeutlichte Martin May, aber ebenso wichtig seien auch Projekte wie „Schau ins Feld“, das über die IVA-Initiative „Die Pflanzenschützer“ ins Leben gerufen wurde. Dabei wird gezielt ein Stück eines Felds nicht gegen Unkräuter behandelt, damit Menschen unmittelbar sehen können, wozu Pflanzenschutzmittel gut sind. Das ist das erklärte Kommunikationsziel des IVA. Dabei sei es besonders wichtig zu respektieren, dass „wir Menschen es nicht mögen, belehrt zu werden“, hob May hervor.

Nach seinem Vortrag gab es viele Fragen der Zuhörer, die Martin May trotz eines etwas kratzigen Halses wegen einer gerade überstandenen Erkältung, gerne beantwortete. Seine Arbeitsweise und die Abläufe im Verband wurden erfragt, aber auch die Bedeutung der sozialen Medien interessierte die Gäste. Durchaus kritisch wurde von anwesenden Landwirten gefordert, dass sich der IVA und seine Mitgliedsunternehmen mehr in die Diskussion um Glyphosat einbringen. May erläuterte, dass das nicht möglich sei, weil Glyphosat ein Wirkstoff in bestimmten Produkten sei und der IVA nicht produktspezifisch argumentiere. Der Verband stehe für regulatorisches Wissen und die Beziehung zur Verwaltung und Politik bereit.

Gefragt nach einem Wunsch, sagte der Kommunikationschef des Verbandes, er wünsche sich, dass weniger hysterisch diskutiert werden. „Die am besten lernenden Menschen sind die, die tolerant sind“, sagte er zum Abschluss der Diskussion.

Autor: Stefan Stegemann

Fotos: Philip Steinberger

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