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15. Oktober 2014

VDL-Forum: Bilden wir genügend Agrarnachwuchs aus?

Die Ausbildung des Agrarnachwuchses im öffentlichen Dienst ist nur wenig transparent und von Bundesland zu Bundesland ziemlich abweichend. Diesen Eindruck vermittelten die Referenten auf dem VDL-Forum am 13. Oktober in Berlin.


Die Referenten des VDL-Fachforums (v.l.n.r.): Markus W. Ebel-Waldmann, Klaus Dauderstädt, Franz Jansen-Minßen, Alfred Lorenz , Martin Grenzebach, Olaf Schäfer, Dr. Armin Hentschel, Wolfgang Arnoldt

Die generelle Frage „Ob der öffentliche Dienst in der Agrarbranche zukunftsfähig aufgestellt“ ist, konnten die Bildungsexperten zwar bejahen, nicht ohne jedoch auf die demografische Entwicklung und haushaltspolitischen Engpässe hinzuweisen. Es wurde sogar das Bild eines „Tsunami“ in der Diskussion heraufbeschworen, der die Agrarverwaltung erschüttern könne.


Blick ins Forum

Attraktive Arbeitsplätze sichern


Dem VDL-Bundesverband obliegt nach den Worten von Präsident Markus Ebel-Waldmann die Aufgabe, als „Mediator und Brückenbauer“ zu reklamieren, dass Angebot und Nachfrage bei der Nachwuchsförderung in Zukunft besser aufeinander abgestimmt werden.

Unterstützung findet der VDL beim dbb – beamtenbund und tarifunion, dessen Vorsitzender Klaus Dauderstädt die künftigen Herausforderungen des öffentlichenDienstes und die Bedeutung einer funktionsfähigen Verwaltung für den Wirtschaftsstandort Deutschland herausstellte. Mit der Kampagne „Die Unverzichtbaren“ kümmere sich der dbb gezielt um den Nachwuchs. „Den öffentlichen Dienst mit seinen attraktiven Arbeitsplätzen zu sichern, das ist unsere ureigene Aufgabe“, betonte der Bundesvorsitzende. Besonders gefordert sei der dbb im kommenden Jahr bei der Tarifrunde in 15 Bundesländern.

Agrarier und Juristen die tragenden Säulen

Nach Aussage von Olaf Schäfer, Personalchef von 905 Mitarbeitern im Berliner Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), machen sich die politischen Veränderungen auch in der Stellenbesetzung bemerkbar. Von den 366 Beschäftigten im höheren Dienst seien 116 Agrarier, die neben den Juristen die tragenden Säulen der ministeriellen Agrarverwaltung bilden würden.

Die Zeit der „lineare Stellenkürzung“ sei vorbei. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels müssten eigentlich mehr junge Leute eingestellt werden, aber tatsächlich hat das Bundesministerium gerade vier offene Stellen ausgeschrieben. Personalchef Schäfer hob die steigende Zahl „motivierter Bewerber“ hervor, die vor allem eine gestalterische Aufgabe übernehmen und verantworten wollen.

Ungünstige Altersstruktur

Nach Darstellung von Dr. Armin Hentschel, Bereichsleiter Stanortentwicklung/Ländlicher Raum bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sind in der NRW-Agrarverwaltung gut 1.200 Mitarbeiter im gehobenen und höheren Dienst beschäftigt. Beim Stellenkegel „höherer Dienst“ der Kammer zeige sich eine ungünstige Alterstruktur: Die große Mehrheit - 190 Beamte und Angestellte – würden zur Gruppe der 56- bis 65-Jährigen gehören, aber nur 20 höher Bedienstete seien zwischen 36 und 45 Jahre alt. In naher Zukunft habe die Landwirtschaftskammer überdurchschnittlich viele Personalabgänge zu verkraften. Seit 2010 besetzte die Kammer zwar wieder Stellen durch externe Bewerber – allerdings ohne eine Verbeamtung und nur auf zwei Jahre befristet. Eine besondere Hürde für Bewerber sieht Dr. Hentschel in der Forderung nach einem Jahr Praxis.

Insgesamt verfüge die Kammer mit ihrem breiten und vielfältigen, praxisnahen Aufgabenbereich über eine komfortable Ausgangssituation für die nächsten Jahre. Sorgen bereite jedoch die Lehrerausbildung, hier gebe es Überlegungen für ein spezifisch angelegtes Referendariat.

Personalentwicklung statt Personalverwaltung

Auf ähnliche Personalentwicklungsstrukturen bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit rund 2.000 Mitarbeitern konnte Unternehmensbereichsleiter Franz Jansen-Minßen (Oldenburg) verweisen. Der Strukturwandel löse auch neue Trends in der Beratung aus, u.a. in Form einer abnehmenden institutionellen Förderung der Beratung sowie einer stärkeren Differenzierung von privaten und öffentlichen Interessen. Für das niedersächsische Kammermodell 2020 gelte der richtungsweisende Grundsatz „Personalentwicklung statt Personalverwaltung“.

„Wir haben viele Alleskönner, aber zu wenig Top-Spezialisten“, so Jansen-Minßen, der die oft mangelnde Flexibilität und Mobilität der Bewerber kritisierte.

Hier Referendariat fest verankert...

Für die Nachwuchsgewinnung in der Agrarverwaltung von Baden-Württemberg ist die zweijährige Referendarausbildung eine feste Größe. „Wir sind gut aufgestellt“, zeigt sich Wolfgang Arnoldt, Referatsleiter Bildung und Beratung im Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, überzeugt. Jedes Jahr würden im gehobenen Dienst bis zu 16 und im höheren Dienst bis zu 18 Agrarier ausgebildet und in der Regel nach Abschluss auch übernommen. Quereinsteiger ohne Referendariat hätten absolut keine Einstellungschancen.

Arnoldts Credo: „Eine breit angelegte fachliche Ausbildung bietet ein gutes Fundament, um für die Zukunft gerüstet zu sein.“

...dort abgeschafft

Von jeglicher Referendar-Ausbildung hat sich das Land Hessen schon vor 12 Jahren verabschiedet. Laut Martin Grenzebach, Schulleiter der Fachschule für Agrarwirtschaft/Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, erfolgt die Nachwuchsgewinnung für den höheren Dienst durch externe Ausschreibungen. Nennenswerte Neueinstellungen seien in Hessen nur beim Landesbetrieb Landwirtschaft zu erwarten, dagegen würden sich Ministerium, Regierungspräsidien und Kreisverwaltungen eher zurückhalten.

Nachdem der „Personalüberhang“ in der Vergangenheit abgebaut worden sei, werde sich „in den nächsten zehn Jahren einiges bewegen“, prognostizierte Experte Grenzebach, der darauf hinwies, dass oft nur im öffentlichen Dienst attraktive Arbeitsplätze angeboten würden.

Im Interesse der Studierenden

Als Moderator des VDL-Forum zog Alfred Lorenz, Vorsitzender der VDL-Bundessparte öffentlicher Dienst, das Fazit: Die Agrarverwaltung im öffentlichen Dienst mit 50.000 vage geschätzten Mitarbeitern bundesweit müsse ihre Attraktivität noch wirkungsvoller präsentieren und brauche auch entsprechende politische Rahmenbedingungen. Der VDL werde sich im Interesse von Studierenden und Absolventen verstärkt dafür einsetzen, dass die Ausbildungs- und Berufseinstiegsmöglichkeiten des öffentlichen Dienstes in der Agrarbranche übersichtlicher und praxisnah dargestellt werden.