30 Jahre Walderneuerung im Harz – Klimawandel und Borkenkäfer bringen umfangreiche Waldaufforstungen

90 % Mischwälder durch das LÖWE-Programm (langfristige ökologische Waldentwicklung) bis zum Jahr 2050, so lautet ein Ziel der Niedersächsischen Landesforsten für Ihre Wälder im Harz. Doch der Borkenkäfer hat ihnen in den letzten Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Gruppe von niedersächsischen Agrarjournalisten und VDL-Mitgliedern machte sich jüngst ein Bild vor Ort in der Nähe von Torfhaus bei Altenau. Ein Bericht von Angelika Sontheimer (VDAJ)

 

Was 1987 mit einem 7-Jahresprogramm begann, hält bis heute an: Mitte der 1980er Jahre begannen die Niedersächsischen Landesforsten, die aufgrund von Immissionsbelastung, landläufig unter den Schlagworten „Waldsterben durch sauren Regen“ bekannt, stark geschädigten Fichtenwälder mit Laubbäumen zu erneuern. 12 Mio. Buchen und 2 Mio. Bergahorne, Eschen, Roterlen wurden damals gepflanzt. Dieses Walderneuerungsprogramm ging 1991 in das LÖWE-Programm auf. Doch dann machten Klima, Wetter und der Borkenkäfer in den Jahren 2018 und 2019 den Harzwäldern zu schaffen: „Wir haben in den vier Harzforstämtern im Jahr 2017 unsere normale Einschlagsmenge von 344.000 Kubikmeter geerntet. 2018 waren es 749.000 und 2019 sogar 940.000 Kubikmeter“, berichtet Regional-Pressesprecher Michael Rudolph vom Forstamt Clausthal. Nachdem auch der Sommer 2019 sehr trocken war, habe sich die Lage noch einmal verschärft. „Die Borkenkäfer haben sich in den südniedersächsischen Wäldern weiter massenhaft vermehrt und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in der Holzernte eine Sisyphus-Arbeit, die ihnen mehr und mehr zusetzt“, erklärt Rudolph. Das Schadholz überschwemme einen sowieso schon übersättigten Holzmarkt, die Fichtenpreise seien mittlerweile um die Hälfte reduziert.

 

300 Mio. Euro Schaden in Gesamt-Niedersachsen

Im Waldzustandsbericht 2019 wird der Schaden durch die Wetterextreme der letzten Jahre für die Landesforsten auf ca. 300 Mio. Euro beziffert. Die Wetterextreme schlugen hart durch: „Das Vegetationsjahr 2018/2019 war das zweite Jahr in Folge, das deutlich zu trocken und zu warm war. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 -1990 waren von 12 Monaten 8 zu trocken und 11 zu warm. Die höchsten Abweichungen mit bis zu +2,5 °C und nur 70 % des Niederschlagssolls während der Vegetationsphase wurde u.a. im Harz beobachtet“, berichtet Sebastian Alexander Höft, Forst-Referendar am Forstamt Clausthal.

 

Holzkonservierung und Export nach China

Um den Holzmarkt zu entlasten, haben die Niedersächsischen Landesforsten einen Teil des Schadholzes durch spezielle Methoden langfristig eingelagert, um dieses bei Entspannung auf dem Holzmarkt zu besseren Holzpreisen verkaufen zu können. Die Holzkonservierung erfolgt in Nasslagern, wo das Fichtenholz dauerhaft während der warmen Jahreszeit in einem Kreislaufsystem beregnet wird. Als zweite Konservierungsmethode werden Folienlager, sogenannte Woodpacker, genutzt, bei denen durch das Verschweißen der einzelnen Folienlagen ein Sauerstoffabschluss erzielt wird. Aufgrund der Übersättigung des Holzmarktes, seien die heimischen Sägewerke bereits völlig ausgelastet. Als einziger momentan noch guter Abflusskanal des Fichtenschadholzes diene der Exporthandel, vor allem mit Fichtenstammholz nach China, erklärten die Forst-Praktiker.

 

Fichte bleibt, Laubbäume und Lärche kommen dazu

Umfangreiche Wiederaufforstungen stehen jetzt an. In den Hochlagen des Harzes bleibt auch künftig als Anbauschwerpunkt die Fichte. Diese soll aber zukünftig vermehrt in Mischbeständen stehen, um die Wälder stabiler gegenüber klimatischen und biotischen Schadereignissen zu machen. „Wir wollen zukünftig auf die Anpassungspotentiale der heimischen Baumarten der Laub- und Nadelbäume setzen und bewährte nicht-heimische Baumarten wie die Douglasie zur Risikoverteilung miteinbeziehen“, erläutert der Clausthaler Forstamtsleiter Ralf Krüger. Die Douglasie soll beispielsweise die Fichte in Zukunft auf den trockenen sonnenexponierten Hanglagen sowie auf exponierten Lagen ersetzen, da sie ein geringeres Trockenstressrisiko hat. „Hier wollen wir den Anteil bis 2055 von derzeit 1 % auf 5 % erhöhen“, erklärt Krüger. Weitere Mischbaumarten sind Bergahorn, Eberesche, Birke, Roterle und Europäische Lärche. Das Gelingen der Aufgabe hänge jetzt von der Finanzierung ab. Die klimabedingten Schäden gingen auf gesamtgesellschaftliche Ursachen zurück und die Wiederaufforstung liege im Interesse aller, erklärte Landesforsten-Präsident Dr. Klaus Merker Ende November bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts.

Autorin: Angelika Sontheimer

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