VDL-NDS: Exkursion: Knappe Agrarflächen für PV oder Moor?
Fotos: Dr. Tania Runge, Dominic Runge
Dass die Landwirtschaft auf den Klimawandel reagieren muss, ist unstrittig. Allerdings stehen viele Wege zur Diskussion und konkurrierende Ansprüche an knappe Flächen lösen heftige Kontroversen aus. Jetzt sollen landwirtschaftliche Flächen für die Energieversorgung aus Photovoltaik oder für die Speicherung von CO2 und Wasser in renaturierten Mooren aus der Nutzung genommen werden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Welche Konzepte werden entwickelt, um diese Zielkonflikte zu lösen – oder anders: Wie sehen unsere Agrarlandschaften der Zukunft aus? Zwei unterschiedliche Akteure haben uns ihre Konzepte und Forschungsergebnisse dazu vorgestellt.
SUNfarming – Potenziale von Agri-PV-Anlagen
Einer der wesentlichen Kritikpunkte im Hinblick auf die Nutzung von Freiflächen für Photovoltaik ist der damit einhergehende Verlust landwirtschaftlich genutzter Flächen. Hier setzt die SUNfarming GmbH mit einem neuen Konzept an, das grundsätzlich eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen in verschiedenen Varianten unter den Solarmodulen vorsieht und diese baulich entsprechend gestaltet. In Rathenow unterhält das Unternehmen neben einer Biogasanlage und einem Solarpark auch ein Forschungs- und Innovationszentrum, in welchem PV-Anlagen mit unterschiedlichen landwirtschaftlichen Nutzungen kombiniert und auf technische Anforderungen und wirtschaftliche Parameter hin untersucht werden. Dabei arbeitet das Forschungs- und Innovationszentrum auch mit Instituten und Universitäten zusammen.
Der für die landwirtschaftlichen Projekte verantwortliche Manager Stephan Franke stellte der Gruppe zunächst das Unternehmen vor und erläuterte die hier entwickelten Agri-Solarkonzepte auf Grünland, Acker- und Stilllegungsflächen. Er erläuterte die möglichen Kombinationen einer Agri-Solaranlage mit den Richtlinien der erneuerten Gemeinsamen Agrarpolitik 2023 (GAP). Ein Schwerpunkt dabei lag auf den Standards des guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustands der Flächen (GLÖZ). Es wurden interessante Details zum Erhalt des landwirtschaftlichen Status der Böden durch Agri-Solaranlagen nach der DIN SPEC Norm 91434 „Agri-Photovoltaik“ und der neuesten Gesetzesänderung des Baugesetzbuches vorgestellt und mit den Exkursionsteilnehmern diskutiert.
Eine Agri-PV-Anlage ist nicht dazu konzipiert, wesentliche Renditen über die Stromerzeugung zu erzielen. Der Ansatz hier ist die Stromerzeugung bei gleichzeitiger Weiternutzung der unter den Solarmodulen befindlichen Fläche in Kombination mit positiven Effekten der Solaranlage. Die spezielle Konstruktion der teils lichtdurchlässigen Doppelglasmodule erlaubt verschiedene Einsatzbereiche. Sie bieten Schutz vor Hagel, aber auch vor intensiver Sonneneinstrahlung und schaffen ein verbessertes Mikroklima. Beim Bau auf Lücke entstehen Tropfenreihen, so dass Regenwasser gleichmäßiger verteilt und in seiner Wucht abgemildert wird. Diese positiven Effekte sind durchaus geeignet, die Ertragsverluste durch verringerte Lichteinstrahlung zu kompensieren. Der Stromertrag aus diesen Anlagen ermöglicht unter guten Bedingungen eine Amortisation.
Ein spezielles Beispiel ist Agri-PV im Obstbau als Alternative zu Schutznetzen. Zwar gibt es noch Produktionsprobleme wie schlechtere Ausfärbung der Äpfel im oberen Drittel, der Schutz vor Starkregen, Hagel und Sonnenbrandschutz ist jedoch sehr positiv. Es gilt abzuwägen zwischen Lichtklappen und geringerer Stromproduktion. Ein Hinderungsgrund für die Installation von Agri-PV speziell im Alten Land ist der Status als „Kulturelles Sachgut“, hier spielt die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes eine Rolle.
Aktuell wird an Konzepten gearbeitet, wie Solaranlagen im Kontext der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter, entwässerter Moorböden zum Klimaschutz beitragen können. Allerdings sind hier noch viele Herausforderungen zu bewältigen. In Niedersachsen ist eine 25 ha große Moor-PV in Planung, wo grundsätzlich ein Einverständnis von Seiten der Landeigentümer/ Landwirte besteht. Problematisch ist allerdings, dass der Landkreis aktuell eine Vollvernässung und den vollständigen Verzicht auf landwirtschaftliche Nutzung fordert.
Abschließend stellte Michael Bleiker, Betriebsleiter in Rathenow, bei einem Rundgang die Forschungsanlagen vor und demonstrierte spannende Details. So ist es beispielsweise wichtig, die Kanten des Ständerwerks bei Beweidung der Flächen mit Rindern abzurunden, damit diese nicht durch „Schubbern“ die Standfestigkeit der Anlagen gefährden. Weitere Nutzungen sind hier u.a. die Erzeugung von Obst, Kräutern und Tomaten sowie die Haltung von Rindern, Schafen und Geflügel. Letzterem bieten die Solarpaneele nicht nur Beschattung, sondern auch Schutz vor hungrigen Raubvögeln. Die beim Imbiss gereichten Tomaten wurden auf der Station unter Solarpaneelen produziert und überzeugten die Teilnehmenden durch ihren intensiven Geschmack.
ZALF Paulinenaue – Perspektiven der Wiedervernässung von Mooren
Ca. 30 km westlich von Berlin betreibt das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) auf einem 1949 gegründeten Niedermoorforschungsstandort im Havelländischen Luch die Forschungsstation Paulinenaue mit 60 ha Grünland. Dr. Axel Behrend, Leiter der Station, und Prof. Frank Eulenstein, Leiter der Arbeitsgruppe Nachhaltige Grünlandsysteme, stellten den Teilnehmenden zunächst den Standort Paulinenaue als einen der drei Versuchsstandorte des ZALF neben Dedelow und Müncheberg vor.
In Paulinenaue werden in einer der größten Grundwasserlysimeteranlagen Europas (über 100 Lysimeter, 15 verschiedene Bodenarten) umfangreiche Untersuchungen zur Wasserbilanz und Nährstoffdynamik von Niederungslandschaften durchgeführt. Für Grünlandversuche zur Beweidbarkeit von wiedervernässtem Niedermoor werden u. a. eigene Uckermärker Rinder eingesetzt. Außerdem laufen hier Dauerversuche zur Düngung, Biodiversität, Moormineralisation, Wasserbedarf und Bestandesentwicklung von Grünland.
Von den über 200.000 Hektar Moorflächen in Brandenburg werden rund 95 Prozent land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Auf Grundlage der Moorschutzstrategie der Bundesregierung werden durch das ZALF Projekte zur Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorstandorten initiiert und wissenschaftlich begleitet. Die Wiedervernässung von Mooren soll einen Beitrag zur Reduzierung der Freisetzung von CO2 aus Moorböden mit einem sinkenden Grundwasserstand leisten. Der Forschungsansatz des ZALF dazu stellt auf eine landwirtschaftliche Nutzung der wiedervernässten Moorflächen ab. Begleitet wird die Forschung durch die Nutzung der Ergebnisse der Grundwasserlysimeteranlage.
Bei der Zusammenarbeit mit dem ZALF können die Landwirtschaftsbetriebe selbstständig entscheiden, welche Empfehlungen des Forschungsteams sie für ihre Standorte übernehmen. Dabei soll eine Kompensation des Verlustes der Wertschöpfung, welche mit der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeit der Moorfläche durch die Wiedervernässung einhergeht, erreicht werden. Diese liegt bei einer durchschnittlichen Viehbesatzdichte von 1,5 GV/ha bei Milchviehhaltung bei ca. 3.000 €/ha. Der Ansatz im ZALF Paulinenaue besteht darin, Einkommen durch eine Kombination aus Biomasseanbau in sogenannter Paludikultur, mit Konzepten für die angepasste Tierhaltung und -fütterung sowie durch einen finanziellen Ausgleich durch den Staat zu generieren.
Aber auch unter diesen Rahmenbedingungen bleibt eine nachhaltige Wiedervernässung von Moorstandorten eine große Herausforderung, da dazu dauerhaft enorme Wassermengen benötigt werden, die oftmals unter den heuten Bedingungen nicht mehr vorhanden sind. In diesem Zusammenhang erläuterte Dr. Behrend, dass ein nicht genutzter Grünlandaufwuchs auf einer Moorfläche eine hohe Verdunstungsrate aufweist und ein möglichst früher Schnitt eines solchen Aufwuchses somit eine wassersparende Maßnahme darstellt.
Kritisch sehen die Wissenschaftler in Paulinenaue auch, dass die Ergebnisse der langjährigen Versuche zur CO²-Minderung bei weitem nicht das Einsparpotenzial verifizieren, von dem die Politiker bei ihren Plänen ausgehen. Auch die Methanbildung bei der Wiedervernässung werde noch zu wenig beachtet.
Text: Torsten Hansen, Dr. Tania Runge











ausgesetzt ist. Starker Regen und heftiger Wind – untypischerweise aus dem Osten – bereiteten uns schon Schwierigkeiten, die wenigen Meter aus dem Auto in die Halle des Siel- und Schöpfwerks Knock in Wybelsum zurückzulegen. Vier riesige Pumpen mit einer Leistung von 60.000 Liter Wasser – pro Sekunde! – schaffen hier eine beeindruckende Geräuschkulisse und bringen das Niederschlagswasser von 49.000 Hektar Entwässerungsgebiet in die Nordsee. Wenn Niedrigwasser ist und das Wasser – der Schwerkraft folgend – von alleine abfließen kann, werden die Sieltore geöffnet und die Pumpen haben Pause.
Die Entwässerungsverbände sind für das Wassermanagement verantwortlich – sie schaffen es raus aus dem Land. Der 1. Entwässerungsverband Emden ist Eigner von 1.100 km Gewässern und betreibt neben den Siel- und Schöpfwerken Knock und Greetsiel noch 22 Unterschöpfwerke. Alle technischen Anlagen und Pegel werden zentral vom Schöpfwerk Knock aus gesteuert. Die Deichachten sorgen dafür, dass die Nordsee nicht wieder ins Land kommen kann. Sie sind verantwortlich für den Bau und die Unterhaltung der Deiche und zwischen Emden und Hamburg für ca. 610 km Deichlinie zuständig. Davon betreuen die Deichachten Krummhörn und Norden zusammen etwa 90 km. Gemeinsam managen sie das Wasser auf ehrenamtlicher Basis. Wie komplex die Aufgabe ist, dauerhaft in Abhängigkeit vom Wetter einen bestimmten Wasserstand in der gesamten Region zu halten, wurde uns im Rahmen einer Führung im Detail erklärt.
gesperrt – Herr Oldewurtel hat als Rendant der Deichacht Norden einen Schlüssel. Er zeigte und erklärte uns, wie dem Meer das Land abgerungen wird, wie man einen wehrhaften Deich baut und vieles mehr.

Viele Abgeordnete der im Deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen waren der Einladung in Haus der Land- und Ernährungswirtschaft gefolgt. Zudem konnten wieder zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft sowie der Spitzenverbände des Agribusiness begrüßt werden. Die Gäste nutzten den kurzweiligen und geselligen Abend für Fachgespräche und zur Netzwerkpflege.
In seiner Eröffnungsrede wies Präsident Markus W. Ebel-Waldmann auf das VDL-Fachforum zum Thema „Fachkräftemangel und Ernährungswende – Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt für Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler“ hin, das im Vorfeld des Abends in Berlin stattgefunden hatte. Als akademischer Berufsverband sieht der VDL es als sein zentralen Anliegen an, den Berufsstand zukunftssicher aufzustellen. Hier gilt es die Entwicklungen in der Branche früh zu erkennen, um die Mitglieder des Verbandes und vor allem den Nachwuchs auf die sich verändernden Rahmenbedingungen vorzubereiten, aber auch um die Politik auf notwendige Weichenstellungen hinzuweisen. Daher beschäftigt sich der VDL regelmäßig durch Studien mit den verschiedenen Berufsfeldern der Branche.
Claudia Müller MdB, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft richtete ein Grußwort an die Mitglieder und Gäste des VDL. Sie dankte dem Berufsverband für das Engagement und die Arbeit . Sie hob den Stellenwert des akademischen Nachwuchses für die Branche und für das Land hervor. Die anstehenden Herausforderungen der Branche lassen sich nur mit gut ausgebildeten Experten bewältigen. So ist für das Bundesministerium als auch die Bundesregierung die Förderung des Nachwuchses eines wichtigsten Themen der aktuellen Legislaturperiode.
jederzeit für einen Dialog bereitzustehen, um gemeinsam mit der Politik geeignete Lösungen zu identifizieren. Er bittet daher eindringlich um die Unterstützung der Grünen Berufe und insbesondere des akademischen Nachwuchses. Um die Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland für die kommenden Herausforderungen sicher aufzustellen, wird die Expertise und der Einsatz des Berufsstandes weiterhin gebraucht. Nötig hierfür ist allerdings eine solide Finanzierung der akademischen Ausbildung und eine verlässliche Unterstützung von Seiten der Politik.




und Chancen, mit denen Ernährungswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt heute konfrontiert werden. Weiterhin ordneten die Experten die gewonnenen Erkenntnisse in den Kontext des Fachkräftemangels in der Branche ein. Die gewonnenen Erkenntnisse aus Studie und Diskussion sollen dazu beitragen, geeignete Maßnahmen zur Förderung des Nachwuchses zu entwickeln.


Am Dienstag waren wir zuerst im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu Gast, wo wir mit Dr. Julian Klepatzki ein Fachgespräch über die Entwicklung der Düngeverordnung, das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz und Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen führten. Anschließend erhielten wir einen Rundgang durch den architektonisch beeindruckenden Dienstsitz des BMUV.
Der nächste Programmpunkt führte uns zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dort empfing uns Cornelia Berns, Unterabteilungsleiterin für Internationale Zusammenarbeit und Welternährung, und informierte uns über die Arbeit und strategische Ausrichtung des BMEL.
und zeigte Einstiegsmöglichkeiten in die Verbandsarbeit auf. Beim letzten fachlichen Programmpunkt am Nachmittag durften wir uns mit Lars Abraham von der German Agrifood Society über die Gründung von Start-ups im Agrarbereich austauschen. Nach einer Stadtführung durch den historischen Teil der Berliner Innenstadt ließen wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen gemütlich ausklingen.
Am Mittwochmorgen waren wir zunächst zu Gast im Bundeskanzleramt. Dort informierte uns Dr. Georg Starke, Referatsleiter für Ernährung und Landwirtschaft, über die Funktion des Spiegelreferats des BMEL sowie die Aufgaben seiner Abteilung. Den Abschluss des Berlin-Seminars bildete der Besuch des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Bundestag. Dort diskutierten wir aktuelle Themen wie die Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Naturschutz sowie den Strukturwandel in der Landwirtschaft mit den Abgeordneten Hermann Färber (Vorsitzender), Albert Stegemann, Dr. Gero Hocker, Ingo Bodtke, Dr. Anne Spallek und Steffen Janich.