100 Jahre VDL Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V.

Der VDL Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. feiert 2019 sein 100-jähriges Bestehen. 1919 als Reichsbund akademisch gebildeter Landwirte e.V. gegründet, erreicht der VDL heute als größter deutscher Berufsverband für die akademischen Berufe in den Bereichen Agrar, Ernährung und Umwelt über 10.000 Fach- und Führungskräfte in der Grünen Branche.

Anlässlich des Festakts zum 100-jährigen Jubiläum des VDL am 23. Mai 2019 in Berlin konnten neben zahlreichen VDL-Mitgliedern auch viele hochrangige Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft im Berliner Humboldt Carré begrüßt werden.

Wechselvolle Geschichte

Der Präsident des VDL, Markus W. Ebel-Waldmann ging in seiner Festrede auf die 100-jährige Geschichte des Verbands ein: „Der VDL-Berufsverband hat Höhen und Tiefen durchlebt. Staats- und Wirtschaftskrisen, Diktaturen, Kriegstraumata und das Zerbrechen von Infrastrukturen wechselten mit Zeiten von Wiederaufbau, Hochkonjunktur und nahezu Vollbeschäftigung.“

Die Vorgängerinstitutionen Reichsbund akademisch gebildeter Landwirte e.V. (R.a.g.L., 1919–1932) und Reichsbund Deutscher Diplomlandwirte e.V. (RDL 1933–1945) hätten um die Anerkennung ihres Berufsstandes in Politik und Gesellschaft zu kämpfen – unter besonders schwierigen Vorzeichen während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.

„Es ist starken Persönlichkeiten an der Spitze des Berufsverbandes zu verdanken, dass sie gegen alle Widerstände eine berufsständische Organisation am Leben erhalten und mit Leben füllen konnten“, sagte Ebel-Waldmann.

Die berufsständischen Aufgaben des VDL hätten stets im Mittelpunkt gestanden, ob es um die berufliche Wiedereingliederung, die Entwicklung des Berufsfeldes vom Diplomlandwirt zum Agraringenieur oder die Reform des Landwirtschaftsstudiums ging. Hier habe der VDL-Berufsverband vieles erreicht.

„Die Gründungsväter des VDL haben 1919 mit Weitsicht den Grundstein für eine starke Gemeinschaft gelegt, die es vermocht hat, einen gewaltigen Beitrag zum Erfolg der Land- und Ernährungswirtschaft zu leisten“, so der Verbandspräsident.

„Der VDL dient somit nicht nur unserer Branche, sondern ist von großer gesamtgesellschaftlicher Relevanz.“

Für die Zukunft gut aufgestellt

Für die Zukunft sei der VDL als moderner Fach-, Dienstleistungs- und Lobbyverband gut aufgestellt, um im Interesse der Mitglieder die vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen.

„Wir haben in den vergangenen 100 Jahren vieles richtig gemacht und hoffen, in den nächsten 100 Jahren alles richtig zu machen!“, führte Ebel-Waldmann aus. „Es erfüllt mich mit großem Stolz, Dankbarkeit und Respekt, dass ich diesem wunderbaren Verband, dieser starken Gemeinschaft mit wunderbaren und klugen Menschen als Präsident dienen darf!“

Der VDL-Präsident dankte den vielen Menschen, die zum Erfolg des Berufsverbands beigetragen haben: „Dank unserer vielen ehrenamtlich tätigen und hochengagierten Kolleginnen und Kollegen im Bund und in den Ländern sowie einem hochmotivierten und erfolgreichem Hauptamt in der Bundesgeschäftsstelle ist unser Verband für Aufgaben der Zukunft gerüstet und gut aufgestellt. Allen, die hierzu beigetragen haben, noch immer beitragen und künftig beitragen werden, gelte sein ausdrücklicher Dank sowie Respekt für ihre Leistung.“

Zudem dankte der VDL-Präsident den zahlreichen Unterstützern und Partnern aus der Wirtschaft, die für den Festakt als Sponsoren gewonnen werden konnten: „Durch ihre Unterstützung war es möglich, die 100-Jahr-Feier in einem würdevollen Rahmen durchzuführen.“

StS Michael Stübgen: Wertschätzung der Verbraucher erhöhen

In seinem Grußwort gratulierte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) auch im Namen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dem VDL zu seinem 100-jährigen Bestehen.
Die Landwirtschaft stehe vor der globalen Herausforderung, die wachsende Weltbevölkerung vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen und des Klimawandels mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Er bedauerte, die mangelnde Wertschätzung, die viele Verbraucher der Grünen Branche entgegenbrächten. „Die Landwirtschaft braucht wieder mehr Akzeptanz in der Bevölkerung. Verbände wie der VDL spielen hierbei eine wichtige Rolle“, so Stübgen.

 

Bildunterschrift:
VDL-Präsident Markus W. Ebel Waldmann und der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) beim Festakt 100 Jahre VDL-Bundesverband
Foto: Julia Reinhardt

VDL Gießen diskutiert mit Alumni über Grundwasserbeschaffenheit und Wasserrahmenrichtlinie

Nach unserer Exkursion zur Krombacher Brauerei am 08.05 (Foto) konnten wir am Montag den 20.05.2019 in unserer Vortragsreihe zum Thema Wasser zwei Alumni der JLU bei uns in Gießen begrüßen. Dr. Georg Berthold vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und Dr. Matthias Peter vom Ingenieurbüro Schnittstelle-Boden referierten über den Themenbereich Grundwasserbeschaffenheit und Wasserrahmenrichtlinie. Vor dem Hintergrund drohender Strafzahlungen Deutschlands an die EU für die Überschreitung von Nitrat Grenzwerten wurde dabei angesprochen, welche Beobachtungen und Tendenzen bei Messungen in den Grundwasserkörpern und in der kooperativen Beratung von Landwirten zum Grundwasserschutz zu machen sind. Im Anschluss konnten Studierende und Absolventen aus allen drei Zweigen unseres Fachbereichs, unter welchen sich auch drei gelernte Landwirte befanden, mit den Referenten erörtern, welche Implikationen sich für die künftige gesetzliche Gestaltung ergeben.

Einig war man sich, dass es insbesondere in den letzten Jahren als Vorboten des Klimawandels zu Spitzen bei Nitrateinträgen gekommen ist, für welche Landwirte nur bedingt verantwortlich zu machen sind. Es wurde festgehalten, dass Mineralisierung von Düngemitteln aber auch Humus durch Mikroorganismen auch bereits bei geringer Bodenfeuchte stattfinden kann. Stickstoff kann also auch in Rekordsommern in auswaschbare Form überführt werden. Reduzierte oder dann als Starkregenereignis auftretende Niederschläge und ausbleibendes Pflanzenwachstum schaden der Landwirtschaft somit auf mehrfache Weise, der alljährliche sorgenvolle Blick der Landwirte gen Himmel führt künftig zu noch mehr Beunruhigung. Als wichtige Punkte wurden von den Referenten ausgemacht, wie lange organische Dünger vorgehalten werden können und dass von gesetzlicher Seite Schlagbezogenheit bei der Bilanzierung vorgeschrieben sein müsse. Durch die Notwendigkeit größerer Lager rechnen Dr. Berthold und Dr. Peter mit finanzieller Mehrbelastung für die Landwirte. Da in den aktuellen Endverbraucherpreisen Ausgaben der Landwirte für höhere Schutzstandards keine Anerkennung finden, ist an dieser Stelle die Politik gefragt, um besonders bei kleinen Betrieben nicht deren Aufgabe zu beschleunigen.

Seitens Dr. Peter wurde aufgezeigt, dass eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Landwirten und Agraringenieuren hinsichtlich Bodeneigenschaften entscheidend sei und dass er sich dafür stark mache, dass bei der Düngebedarfsermittlung möglichst viele Informationen an die Hand gegeben werden können. Dr. Peter setzt mit seiner Beratung das Ziel qualitativ hochwertige Produkte wie Weizen mit hoher Fallzahl und hinreichend hohen Proteingehalten für guten Backeigenschaften zu produzieren, er berät dabei Landwirte von den dafür festgelegten Dogmen von Stickstoffgaben in fixer Höhe abzuweichen und Prozesse wie die Stickstoffnachlieferung und Abweichungen im Schlag einzubeziehen. Ein mit Mehrarbeit, höheren Kosten und stärkeren Arbeitsspitzen verbundener Gedanke für niedrigere Einträge, bei gleichen Erträgen, ist die wiederholte, frühere Applikation unter Berücksichtigung der gesetzlichen Sperrfrist. Im Monitoring kann Dr. Berthold feststellen, dass die Grundwassereinträge von Pflanzenschutzmitteln (insb. Herbizide bzw. deren Metabolite), welche teils vor 20 Jahren ihre Zulassung verloren haben, nun sinken und sich aktuell bspw. kein Glyphosateintrag in hessischen Grundwasserkörpern mehr nachweisen lässt.

Herr Dr. Berthold stellt klar die letzten Jahre gehören zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und auch in Punkto Niederschläge gibt es Veränderungen, ein Trend mit höheren nicht als Schnee oder Frost langsam abtauenden Winterniederschlägen, erschwert das Auffüllen der Speicher, vergrößert gleichzeitig jedoch den Oberflächenabfluss und damit das Auswaschungsrisiko. Althergebrachte, bewährte Verfahrensweisen geraten somit unter Druck und wachsende Flexibilität wird von Landwirten erwartet. Herr Dr. Peter empfiehlt die Fruchtfolgen an verlängerte Vegetationsperioden anzupassen und für ständige Stickstoff zehrende Begrünung zu sorgen.

Dr. Peter und Dr. Berthold konnten feststellen, dass Kooperationen aus Wasserverbänden und Landwirtschaft die Nitrateinträge nennenswert senken konnten, dieser Effekt sich allerdings abflacht und klimatische Extreme zu Ausreißern führen. Deshalb betrachten beide mit Sorge, wie eine Erwärmung des Klimas und unsicherere Niederschlagssituationen den Druck auf die Landwirte zusätzlich erhöhen wird.

Wir freuen uns in Gießen auf eine Fortsetzung dieses spannenden Themenblocks mit einer Veranstaltung, welche „Wasser in der Ernährung“ thematisiert. Für Mittwoch den 03.Juli (19:00 S4 Zeughaus) konnten wir mit Herrn Ullrich Schweitzer den ehemaligen Marketingchef bei Hassia in Bad Vilbel, jetzt Leiter der Initiative „Dialog Natürliches Mineralwasser“ der Gesellschaft der Freunde und Förderer der deutschen Mineralbrunnenindustrie e. V. gewinnen. Inhaltlich wird es um Qualitätsstandards und Mehrwert von Wässern für die Ernährung gehen.

 

Autoren: Christopher Mosch , Jurek Elsermann (Korrektur)

 

Zu Gast im größten Gewächshaus in Nordrhein-Westfalen

Am Samstag, den 18.05.2019 fand die Landesmitgliederversammlung des VDL-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen statt. Über 30 Teilnehmer folgten der Einladung in die Räumlichkeiten des Damianshof‘s in Rommerskirchen. Dieser Betrieb ist ein Versuchs- und Vorzeigebetrieb von Bayer Crop Science.

Nach der Mitgliederversammlung und dem Mittagsimbiss folgte das Fachprogramm. Bernd Olligs, Betriebsleiter des Damianshofs, erklärte und zeigte den interessierten VDL-Mitgliedern die Bewirtschaftung und das Prinzip des ForwardFarming der Bayer Crop Science. So ist der Damianshof Teil eines weltweiten Netzwerks unabhängiger landwirtschaftlicher Betriebe. Dieses Netzwerk ist eine Wissensplattform, die nachhaltige Landwirtschaft in der Praxis demonstriert. In Partnerschaft mit Landwirten schafft diese Initiative Möglichkeiten für Demonstration, Dialog und Zusammenarbeit auf Betrieben in der ganzen Welt. Maßgeschneiderte Lösungen, proaktive Maßnahmen zur Unternehmensverantwortung und Partnerschaften sollen zeigen, wie moderne Landwirtschaft mit ökologischer und sozialer Verantwortung einhergehen kann.

Im Anschluss führte das Fachprogramm die Teilnehmer zu den nahegelegenen Neurather Gärtnern in Grevenbroich. Der Betriebsleiter Ludwig Zeitheim empfing die VDL-Mitglieder in der größten Gewächshausanlage in Nordrhein-Westfalen. Auf rund 16 ha unter Glas werden dort mit hochmodernen Technologien und der Abwärme vom RWE-Kraftwerk Neurath rund 7.500 Tonnen Tomaten im Jahr produziert. Nach einer sehr interessanten Führung durch die verschiedenen Bereiche mit ausführlichen Erläuterungen, ging für die Teilnehmer eine informative Mitgliederversammlung zu Ende.

Autor: Philip Steinberger

Fotos: Sarah Neyses

Zu Besuch bei den Gauchos am Rio de la Plata

Alle zwei Jahre bietet der VDL-Bundesverband eine exklusive Studienreise ins Ausland mit Fokus auf die Land- und Ernährungswirtschaft des Gastlandes an. Reiseziel in diesem Jahr: Argentinien und Uruguay.

Die Studienreise begann in Buenos Aires mit einer Stadtrundfahrt. Im Centro Historico von Buenos Aires gibt es viele geschichtsträchtige Kolonialbauten; in den historischen Speicherhäusern am alten Hafen befinden sich heute Büros, Restaurants und Wohnungen.

Die Elendsviertel von Buenos Aires gehören ebenso zum Stadtbild wie die prunkvollen Kolonialbauten. Erster Programmpunkt war der Schlachtviehmarkt Mercado de Liniers, wo die Tiere in Pferchen stehen, zwischen denen sich auf Stegen die Marktteilnehmer bewegen. An diesem Tag wurden 7.500 Schlachttiere in 1,5 Stunden gehandelt. 80 % der Fleischproduktion sind Eigenverbrauch, nur 20 % des argentinischen Rindfleisches werden exportiert. Hauptabnehmer ist China mit 56 %, nach Deutschland gehen 6,8 %.

Viehauktion auf dem Mercado de Liniers, dem größten Viehmarkt der Welt (Foto U. Hiller)

Typisch für die südamerikanische Landwirtschaft ist die Weidehaltung von Rindern, wobei vor allem Angus, Limousin, Bradford und Brangus – eine robuste Kreuzung von Angus und Brahman – gehalten werden. Die Gruppe besuchte einen Zuchtbetrieb mit 190 Zuchtrindern der Rassen Herford sowie Angus, die zunehmend an Bedeutung gewinnen und vorrangig auf hohe Tageszunahmen selektiert werden. Der wichtigere Betriebszweig mit 500 Pferden dürfte jedoch die Zucht argentinischer Polopferde sein; der Polosport erfreut sich in Südamerika großer Beliebtheit.

Argentinien und Gauchos – das gehört untrennbar zusammen. In San Antonio de Areco, Hochburg der Gauchotradition, stand ein Besuch im Gauchomuseum und die Einkehr in eine typische Gauchokneipe auf dem Programm. Auf der Estancia General Belgrano zeigten die Gauchos bei einer Vorführung das perfekte Zusammenspiel von Reiter und Pferd beim Einfangen und „Treiben“ von Kälbern und Jungvieh. Am Abend genossen die Besucher beim Asado gegrillte Köstlichkeiten und die traditionellen Lieder der Gauchos. Die argentinische Landwirtschaft wird zwar von der Rinderhaltung dominiert, aber in der Region um Buenos Aires gibt es auch viele Ackerbaubetriebe. Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten sind zwei Ernten im Jahr möglich: Soja oder Mais und Wintergetreide. Soja ist heute das wichtigste Exportgut, Hauptabnehmer ist China. Im Vergleich zu Argentinien steht in Uruguay der Getreideanbau (einschließlich Mais) an erster Stelle; der Sojaanbau ist rückgängig. Noch relativ neu ist der Olivenanbau.

Auf dem größten Olivenbetrieb in der Region von Colonia werden an zwei Standorten auf jeweils 40 ha Oliven angebaut.

Hier konnte die Reisegruppe maschinelle Schütteltechnik im Einsatz sowie die Verarbeitung der Oliven und das Abfüllen des Öls beobachten. Beim Besuch eines familiengeführten Betriebes mit Ackerbau und Milcherzeugung wurde deutlich, dass auch hier nach alternativen Vermarktungsformen gesucht wird. Der Betrieb mit 650 Milchkühen und Weidehaltung liefert die Milch an eine Molkerei. Die Tochter verarbeitet einen Teil der Milch in der eigenen Hofkäserei. Sowohl in der Gegend nördlich von Cordoba in Argentinien als auch in der Region von Montevideo in Uruguay gibt es Weinbaubetriebe. Von handverlesener Traubenernte bis hin zum Vollernter konnte auf drei Betrieben das ganze Spektrum der Weinbautechnik besichtigt werden. Mit vielen Eindrücken und einem letzten Blick auf den Rio de la Plata ging es zurück nach Deutschland.

Text/Foto: U.Hiller