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14. September 2011 | LV Hessen

Prof. Dr. Johannes C. G. Ottow verstorben

Am 20.08.2011 verstarb im Alter von 75 Jahren plötzlich und unerwartet Herr Prof. Dr. Johannes C.G. Ottow, ehemaliger Direktor des Instituts für Angewandte Mikrobiologie des Fachbereichs Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Justus-Liebig-Universität Giessen.

Johannes C. G. Ottow wurde am 04. September 1935 in Madium, im ehemaligen Niederländisch-Ostindien, als Sohn eines Försters geboren. Nach Übersiedlung in die Niederlande studierte er Agrarwissenschaften, zunächst an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Wageningen, dann an der Universität Giessen (DAAD-Stipendiat), wo er das Studium als Diplom-Agraringenieur (1965, „mit Auszeichnung") in der Fachrichtung „Pflanzenproduktion" abschloss. „Mikrobiologie" und „Regionale Bodenkunde" waren die Nebenfächer. Nach einem Aufbaustudium in den USA (Kansas State University, Division of Biology; 1965 - 1966) in Mikrobiologie und Biochemie (Master of Science) kehrte er an die Giessener Universität zurück und wurde im Jahre 1969 mit einer grundlegenden Arbeit über die mikrobielle Eisenreduktion in Böden bei Professor Hans Glathe summa cum laude zum Doktor der Agrarwissenschaften promoviert.

Seit 1970 war Ottow wiss. Assistent am Institut für Mikrobiologie des Fachbereichs Biologie an der TH Darmstadt, bis er 1974 einen Ruf auf die neu errichtete Professur für Chemie und Biochemie des Bodens an die Universität Stuttgart-Hohenheim erhielt. Nach seiner Tätigkeit am Institut für Bodenkunde und Standortlehre der Universität Hohenheim, dessen Geschäftsführender Direktor er von 1975 bis 1980 wurde Ottow im Jahre 1986 auf den Lehrstuhl für Allgemeine und Bodenmikrobiologie des Fachbereichs Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement berufen, dessen Direktor er von 1986 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1999 war.

Forschungsarbeiten von Prof. Ottow über die mikrobielle Eisenreduktion und Denitrifikation sind durch Vorträge im In- und Ausland und zahlreiche Publikationen in internationalen Zeitschriften gut dokumentiert und haben den gebürtigen Niederländer über die Grenzen hinaus be- und anerkannt gemacht, ebenso wie langjährige Aktivitäten im Vorstand wissenschaftlicher Organisationen. Er war 1. Vorsitzender der Kommission für Bodenbiologie (1977 - 1985) der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG), sowie Präsident der gleichen Kommission (1986 - 1990) innerhalb der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS). Professor Ottow war Dekan (1985 - 1986) der Hohenheimer Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsökologie, sowie gewähltes Mitglied (1981 - 1985) des Großen Senats (Konvent). Sowohl in Hohenheim als auch in Giessen war er langjähriges Mitglied des Fakultäts- bzw. Fachbereichsrates. Ottow gründete 1985 die interdisziplinäre Zeitschrift „Biology and Fertility of Soils" dessen Editor-in-Chief er bis zum 31. Dezember 1999 war.

Neben der Lehr- und Forschungstätigkeit als Bodenmikrobiologe beschäftigt sich Ottow seit 1980 ununterbrochen mit bodenkundlichen und Bodenfruchtbarkeitsproblemen des Nassreisanbaus in den Tropen, überwiegend in Zusammenarbeit mit internationalen Reisforschungsinstituten wie das International Rice Research Institute (IRRI) auf den Philippinen und die West Africa Rice Research Association (WARDA) in Bouake, Elfenbeinküste, Afrika. Aufgrund seiner langjährigen Tropenerfahrung wurde er zum Mitglied der ATSAF e.V. (Arbeitsgemeinschaft für Tropische und Subtropische Agrarforschung) in Bonn gewählt. Er war Gastdozent an der Universität Tokio, Japan und an der Universität Menado, Sulawesi, Indonesien. Im Jahre 1999 wurde Prof. Ottow vom Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Forschungs- und Untersuchungsanstalten (VDLUFA) mit der Sprengel-Liebig Medaille in Gold ausgezeichnet. Dem Fachgebiet der Mikrobiologie blieb Prof. Ottow bis zuletzt intensiv verbunden, was durch die Veröffentlichung des erst kürzlich erschienenen Lehrbuchs „Mikrobiologie von Böden" eindrucksvoll dokumentiert ist.

Seit 1987 war Professor Ottow VDL-Mitglied und auch hier allseits geschätzter Kollege und Ratgeber. Der VDL wird Prof. Dr. Johannes C.G. Ottow stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Markus W. Ebel-Waldmann
VDL-Präsident