Key-Visual

Diese Seite empfehlen

(www.vdl.de/bhgl/Aktuelles/2016/11/Petition.php)


(Spam-Buster! Keep this Field empty!)

21. November 2016

Petition zum Abbau der universitären Kapazitäten in den Gartenbauwissenschaften eingereicht

Prof. Uwe Schmidt hat im Namen von BHGL und der Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft (DGG) zum Abbau der universitären Kapazitäten in den Gartenbauwissenschaften eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht.

Wortlaut der Petition

Die Wissenschaftler der Gartenbauwissenschaften verlangen den Stopp des weite-ren Abbaus der universitären Kapazitäten in den Gartenbauwissenschaften. Die noch vorhandenen Fächer an den Universitäten müssen gehalten und personell gestärkt werden, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu sichern und weiter Innovationen für einen nachhaltigen und starken Wirtschaftszweig zu generieren. Es soll mit 5 Universitäten eine länderübergreifende virtuelle gartenbauwissenschaftliche Fakultät gegründet werden.


Begründung

Der deutsche Gartenbau spielt innerhalb der Agrarwirtschaft eine wichtige Rolle. Der Gartenbau hat in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von rund 20 Milliarden Euro. Auf 1,3 % der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands werden mit einem jährlichen Produktionswert von 5 Mrd. € etwa 13 % der landwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung erbracht. 700.000 Menschen finden in dieser Branche Arbeitsplätze und mit etwa 13.000 Ausbildungsplätzen ist er einer der größten Ausbilder in der Agrarbranche. Dies ist möglich, weil in den vergangenen Jahrzehnten Forschung und Entwicklung dafür gesorgt haben, das Ertrags- und Qualitätspotenzial von hochwertigen und intensiven Pflanzenkulturen durch Züchtung und hochmoderne Produktionstechnologien zu verbessern. Gartenbauwissenschaften befassen sich in einem interdisziplinären Ansatz in Forschung und Lehre mit dem intensiven Pflanzenbau, den Wertschöpfungsketten von pflanzlichen Produkten sowie den Dienstleistungen im grünen Bereich. Die universitären Gartenbauwissenschaften leisten grundlegende und angewandte Forschung in Pflanzenbau, Pflanzenphysiologie, Pflanzengenetik und -züchtung, Phytomedizin, Technik und Ökonomie und entwickeln intelligente, zu-kunftsweisende Anbauverfahren für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und der Sicherung der Lebensqualität der Städte der Zukunft. In Deutschland gibt es derzeit an drei Universitäten gartenbauwissenschaftliche Bachelor- und Masterstudiengänge (Berlin, Hannover, München) und an zwei weiteren Universitäten Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb von Agrarstudiengängen durch Fachgebiete mit gartenbauwissenschaftlichem Hintergrund (Bonn, Hohenheim). In den vergangenen 10 Jahren sind die universitären Strukturen in den Gartenbauwissenschaften schweren Kürzungen ausgesetzt worden. Der Wissenschaftsrat hielt in seinen Empfehlungen im Jahr 2006 eine Ausstattung an einem Standort von 15 bis 20 Professuren für eine universitäre gartenbauwissenschaftliche Struktureinheit für angemessen. An den deutschen Universitäten  sind derzeit insgesamt nur noch 15 Professuren zentral in diesem Fach tätig (Berlin 4, Hannover 7, München 2, Hohenheim 1, Bonn 1). An allen Standorten ist die kritische Masse damit deutlich unterschritten. Weitere Kürzungsmaßnahmen sind durch Entscheidungen der Universitätsleitungen bereits absehbar. Um das Wissenschaftsgebiet universitär zu sichern, müssen die noch vorhandenen Standorte stabilisiert und aufgestockt werden und sich koordiniert interdisziplinär vernetzen. Dies kann nur im Rahmen einer länderübergreifenden Initiative zur nachhaltigen Finanzierung einer virtuellen gartenbauwissenschaftlichen Fakultät geschehen. Dafür müssen vertragliche Absicherungen garantieren, dass die den Universitäten aus einer dringend erforderlichen Landes- und Bundesfinanzierung zur Verfügung gestellten Mittel koordiniert eingesetzt zur Stabilisierung der Wissenschaftsdisziplin führen und Forschung und Lehre für die nächsten Jahrzehnte gesichert bleibt.


Anregung für die Forendiskussion

Es wird ein bundesweiter runder Tisch der Gartenbauwissenschaften unter Beteili-gung der Länder, in denen an Universitäten gartenbauwissenschaftlicher Fächer etabliert sind, unter Schirmherrschaft der KMK  und Bundesministerien BMBF und BMEL vorgeschlagen. Ziel muss die Erarbeitung einer Strategie zur Aufrechterhal-tung der gartenbauwissenschaftlichen Lehre und Forschung an den Universitäten in der Bundesrepublik durch Gründung und Absicherung einer virtuellen gartenbauwissenschaftlichen Fakultät sein. An den Standorten Berlin, Bonn, Hannover, Hohenheim und München, an denen umfangreiche Erfahrungen in Verbundlösungen zu Lehre und Forschung vorliegen, muss der Stand von 2006 mit insgesamt mindestens 30 Professuren wiederhergestellt werden. Nur dadurch können die noch vorhandenen Ressourcen zusammen mit Mitteln des Bundes und der Länder innerhalb einer gemeinsamen Initiative genutzt werden, um Forschung und Ausbildung von Wissenschaftlern für ein wichtiges Zukunftsfeld der Agrarwissenschaften zu sichern.