Das Thema „Agrarberatung“ zog sich wie ein roter Faden durch die diesjährige Herbstexkursion des VDL-Landesverbandes Ost, die rund 20 VDLer sowie befreundete Agrarjournalisten Anfang Oktober 2009 in den Raum Bernburg führte.
Unternehmensberater Stephan Helzel von der GUBB Unternehmensberatung GmbH Halle informierte die Exkursionsteilnehmer über die Organisation der Landwirtschaftsberatung in Sachsen-Anhalt sowie deren Rolle bei der bei der Zukunftssicherung landwirtschaftlicher Unternehmen. Gastgeber der ersten Station war die Gerbstedter Agrar GmbH, deren Geschäftsführer Wolfgang Beer einleitend auch den knapp 1.800 ha umfassenden Marktfruchtbetrieb vorstellte.

In letzter Zeit, so Helzel, würden von seinen landwirtschaftlichen Kunden verstärkt horizontale Betriebsvergleiche nachgefragt, zudem regelmäßige „unterjährige“ Erfolgs-und Kostenkontrollen sowie Risikobetrachtungen und Prognosen. Aber auch die sozioökonomische Beratung sowie die Identifikation von Einkommensalternativen würden angesichts eines unvermindert anhaltenden Strukturwandels ihren Stellenwert in der Beratung behalten. Beratung nachgefragt werde aber auch bei der Auslagerung von Managementaufgaben – dem „schleichenden“ Übergang zur Dienstleistung. Aus Sicht des Beraters müsse es in Zukunft zu einer noch stärkeren Verzahnung von Wissenschaft und Praxis kommen. Zudem sei eine zunehmende Spezialisierung erforderlich, was für viele „Einzelkämpfer“ ein Problem darstelle. Zu einem neuen Schwerpunkt der Beratung habe sich angesichts volatiler Bezugs- und Absatzmärkte die Verbesserung der Vermarktung – Stichwort aktive Vermarktung – entwickelt.
Dr. Michael Schenk, Dozent für Beratung im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landespflege der Hochschule Bernburg ließ bei der nächsten Station der Exkursion die Geschichte der Landwirtschaftsberatung in Sachsen Anhalt seit der Wende Revue passieren. Das Land habe sich nach den Aufbaujahren dafür entschieden, den Weg der Privatberatung zu gehen, erläuterte der Wissenschaftler. Zunächst seien bestimmte Beratungstatbeständemit bis zu 80 % Fördermittel bezuschusst worden, beispielsweise für Betriebsentwicklungspläne von Neueinrichtern bzw. bei der Wiedereinrichtung. Im Laufe der Zeit sei aufgrund knapper Haushaltsmittel die Förderung reduziert bzw. auf Null zurückgefahren worden. Der Rückzug des Staates aus der Beratungsfinanzierung habe leider zum Rückgang der Nachfrage nach Beratung gerade bei den weniger erfolgreichen Betrieben geführt. Auch hat sich die Zahl der Beratungsunternehmen auf rund 100 meist kleinere Unternehmen mit wenigen Großen reduziert. Als problematisch wertete Dr. Schenk die Tatsache, dass die privaten Beratungsunternehmen häufig nicht mit öffentlichen Forschungseinrichtungen vernetzt seien, so dass es schwierig sei, den notwendigen Wissensvorsprung aufrechtzuerhalten. Der Datentransfer erfolge nicht automatisch wie bei der staatlichen Beratung, sondern hänge neuerdings von persönlichen Netzwerken ab. Große private Beratungsunternehmen seien deshalb dazu übergegangen, ein eigenes Versuchswesen aufzubauen. Ein drängendes Problem sei die oft schwierige Rekrutierung von Nachwuchskräften. Vor allem für die kleineren Spieler am Beratungsmarkt sei es schwierig, ausreichend in die Aus- und Weiterbildung von Beratern zu investieren. Vielfach erweise es sich für Berater zudem schwierig, kostendeckende Preise für Beratungsdienstleistungen auszuhandeln. Kultureller Höhepunkt und Abschluss der wieder einmal hoch interessanten Herbstexkursion bildete eine Besichtigung des Schlossensembles von Bernburg.
Autoren: Hanna Garcke, Dr. Uwe Steffin