Die Grüne Gentechnik war am 22. Mai 2008 in Berlin Thema beim ersten „VDL-Treff“ des neu gegründeten VDL-Landesverbandes Ost, der die fünf östlichen Bundesländer einschließlich Berlin umfasst. Einem Einführungsvortrag von Diplom-Biologe Joachim Rinder vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie aus Golm bei Potsdam über die Chancen und Risiken der neuen Technologie schloss sich eine Diskussion an, die die Stimmungslage in der Bevölkerung widerspiegelte. Der anschließende Imbiss im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft (HdLE) bot den VDL-Mitgliedern genügend Raum fürs persönliche Gespräch sowie das Knüpfen neuer Kontakte.
Herr Rinder erläuterte die Zuchtziele und Grundlagen der Pflanzenzüchtung. Hierbei stellte er fest, dass sich das Zuchtziel, „möglichst hohe und sichere Erträge zu erhalten“, in den vergangenen 5.000 Jahren kaum verändert hat. Dann wurden vom Referenten die Grundzüge der Mutationszüchtung, der Hybridzüchtung sowie gentechnische Züchtungsmethoden vorgestellt. Derzeit befinden sich folgende gentechnisch veränderte Pflanzen in der kommerziellen Anwendung: Soja, maiszünslerresistenter Bt-Mais, Raps und Baumwolle. In einzelnen Regionen der USA werden auch gentechnisch veränderte Papaya, Luzerne, Zuckerrüben und Reis angebaut. Eine sehr interessante Feststellung des Referenten war, dass der Mensch täglich zig Trillionen von Genen mit der Nahrung aufnimmt, wobei schon ein durchschnittlicher Apfel 50 Billionen Gene enthält.
Als Chancen der grünen Gentechnik wurden von Herrn Rinder folgende Punkte deutlich hervorgehoben:
• Gentechnik stellt eine kontrollierte und geringe Änderung der genetischen Information der Pflanzen dar (max. 10 Gene) im Gegensatz z.B. zur Behandlung mit chemischen Stoffen.
• Es können den Pflanzen Eigenschaften verliehen werden, die in der Verwandtschaft nicht vorkommen.
• Pflanzen werden vor und nach der Zulassung ausführlich untersucht.
• Zugelassene gentechnisch veränderte (GV) -Pflanzen sind die am besten untersuchten Pflanzen überhaupt.
• Die aktuellen GV-Pflanzen stellen eine Arbeitserleichterung (aufgrund von Schädlingsresistenz, Herbizidresistenz oder Stresstoleranz) für den Landwirt dar.
• Perspektivisch werden Pflanzen mit erweitertem Nutzungsspektrum hinzukommen.
• Zuwachs an Wissen über ökologische Auswirkungen der Landwirtschaft.
Auch die Frage nach möglichen Risiken wurde ausführlich behandelt:
• Generelle Risiken, die GV-spezifisch sind, gibt es nicht.
• Das Umweltrisiko ist ebenfalls eigenschaftsabhängig.
• Auskreuzung (wird fälschlicherweise auch bei Selbstbestäubern diskutiert).
• Risiko von Feldzerstörungen für die Landwirte als großes wirtschaftliches und soziales Wagnis.
• Ungeklärte Haftungsfragen machen den Anbau theoretisch unsicher – faktisch ist bisher kein Fall aufgetreten.
Sehr wünschenswert ist nach Auffassung von Herrn Rinder, dass eine Sicherheitsbewertung der gentechnisch veränderten Pflanzen anhand der veränderten Eigenschaften vorgenommen wird.
Auf die Frage, wie transgene Pflanzen, wenn sie einmal im Freiland angebaut werden, unsere Umwelt verändern, hielt der Referent entgegen, dass sich bisher keine Kulturpflanze in der Natur erhalten bzw. selbstständig vermehrt hat. Als Beispiele nannte er hierfür Weizen, Erdbeeren und Tomaten.
Dr. Maria Gertrud Burghard, Hanna Garcke, VDL-LV Ost