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13.11.2008

Herbstexkursion nach Neubrandenburg ein voller Erfolg

Am 8. November reisten 30 VDLer und Freunde vom Verband der Agrarjournalisten nach Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Unser erstes Ziel war ein Besuch im Fachbereich Agrarwirtschaft und Lebensmitteltechnologie der Hochschule Neubrandenburg.



Wir wurden außerordentlich freundlich empfangen von den Professoren Mathias Grünwald (stellvertretender Rektor), Peter Meurer (Dekan), Clemens Fuchs (Prodekan) und Anke Schuldt (Tierernährung). Bei kleinen Erfrischungen entwickelte sich ein reges Gespräch über die Situation an der Hochschule. Etwa 90 % der Studierenden kommen aus Mecklenburg-Vorpommern. Einige der Studierenden kommen aus dem Ausland, und zwar unter anderem aus Kasachstan und Russland.

Der Bachelorstudiengang Agrarwirtschaft ist auf 60 Studierende pro Semester ausgelegt, ist aber aufgrund der großen Nachfrage deutlich überbelegt. Projekte mit Praxisbezug stehen ebenso auf dem Studienprogramm wie wissenschaftliches Arbeiten. Nach dem Bachelor wechseln einige Absolventen in die landwirtschaftlichen Masterstudiengänge der Universitäten. Andersherum ist es leider selten. (Weitere Einzelheiten über die Hochschule findet man auf deren hervorragender Internetseite http://www.fh-nb.de/studiengaenge.html)

Bei der politischen Diskussion beschränkten die Professoren ihre Äußerungen auf ihre persönliche Meinung und Fakten. So seien die landwirtschaftlichen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern gut aufgestellt und könnten unter Marktbedingungen produzieren. Auch viele Betriebe z.B. in Südwestdeutschland ließen sich so organisieren, dass sie wettbewerbsfähig seien. Anschließend wurden wir durch das neue Laborgebäude geführt und warfen einen Blick auf das Campusgelände, von dem es nicht weit zum Tollensesee ist. Unser Fazit: In Neubrandenburg findet man hervorragende Studienmöglichkeiten – von der Personalausstattung bis zu den sehr gepflegten Räumlichkeiten – und ein abwechslungsreiches Freizeitangebot.

Mittags stärkten wir uns mit Mecklenburger Spezialitäten im Restaurant „Mudder-Schulten –Stube“ in der historischen Altstadt von Neubrandenburg. Anschließend ging es ins 12 km entfernte Dewitz. Auf der Gutsanlage zeigte uns der engagierte Leiter der Milchviehanlage, Herr Mohring, seinen Arbeitsplatz. Das zu DDR-Zeiten volkseigene Gut wurde Anfang der neunziger Jahre an die Familie Layher aus Baden-Württemberg verkauft. Bis auf das Verwalterhaus wurden alle Baulichkeiten durch neue ersetzt. Für Herrn Mohring, der selbst aus Baden-Württemberg stammt, ist es die dritte Arbeitsstelle in Mecklenburg-Vorpommern, und er fühlt sich dort ausgesprochen wohl. Im Lohnbetrieb managt er eine Milchvieherde mit 480 laktierenden Kühen plus Nachzucht. Ihm stehen sieben Viehpfleger und Melker zur Seite, die er nicht durch Melkrobotor ersetzt wissen will. Die Kühe kommen bei dreimaligem Melken auf eine Jahres-Milchleistung von 12.000 kg pro Tier. Da der Betriebszweig Milchviehhaltung auf Wunsch der Eigentümer nicht wachsen soll, konzentriert Herr Mohring seine Zuchtaktivitäten auf die Verbesserung der Lebensleistung und auf die Selektion hornloser Kühe.

Herr Mohring kritisierte die Impfpflicht für die Blauzungenkrankeit im vergangenen Jahr. Um noch 2007 wirksam zu sein, sei sie zu spät gekommen. Zudem seien die Nebenwirkungen der Impfung gravierend gewesen, was zu zahlreichen Abgängen geführt habe.

Dritter Exkursionspunkt war eine Führung durch den Weinberg vom Parkhotel Schloss Rattey mit anschließender Weinprobe. Henry Ebert, autodidaktischer Winzer, berichtete uns kurzweilig die Geschichte des Schlosses und seiner eigenen Person. Das Schloss war bis 1945 im Besitz der Familie von Oertzen. Nach der Enteignung erlebte es die unterschiedlichsten Nutzungen – wie so viele Schlösser in der ehemaligen DDR. Zunächst war es eine Flüchtlingsunterkunft, dann Kindergarten, Konsum, LPG-Küche, Post, Polizeistützpunkt, Ärztehaus und Wohnung. Durch zwischenzeitlichen Leerstand nach der Wende waren auch Vandalismusschäden zu beklagen. Der heutige Besitzer, Rechtsanwalt Förster aus Bremen, restaurierte das Schloss liebevoll und richtete ein Schlosshotel ein. Hier beginnt die Geschichte des Winzers. Mitte der neunziger Jahre arbeitslos, begann er als Nachtwächter, wurde dann Hausmeister und schließlich Winzer und Fremdenführer auf Schloss Rattey.

Die Idee, neben dem Hotel ein Weingut zu betreiben, kam dem Besitzer 1999 durch ein altes Foto, auf dem an dem Schloss Wein rankte. Da man in Deutschland ohne EU-Weinrechte keinen Wein vermarkten darf, gründete Förster einen Winzerverein. Pro Mitglied durften bis zu 90 Rebstöcke angebaut werden, und so kam er im Laufe der Zeit auf stattliche 4 ha Weinanbau. Im Jahre 2004 erfolgte die weinrechtliche Anerkennung durch die EU, seitdem ist der Wein auch handelbar. Das Weinanbaugebiet heißt nun offiziell Stargarder Land.
 
Ebert betonte, dass die Bewohner des Dorfs und der Umgebung nach anfänglicher Skepsis inzwischen sehr dankbar für die Schaffung der neuen Arbeitsplätze seien. Dank des Unternehmersinns des Eigentümers und der Lage an der Autobahn A 20 nähert sich das Geschäftsergebnis der schwarzen Null.

Hanna Garcke, VDL-LV Ost