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21. Oktober 2014

VDL-Forum Zukunftsfähigkeit der Agrarbranche im öffentlichen Dienst

Berlin, 21.10.2014. Das Damoklesschwert des „demografischen Wandels“ schwebt über Deutschlands Agrarverwaltungen: Der öffentliche Dienst ist überaltert und zu wenig auf agrarische Nachwuchskräfte eingestellt.
 
Auf dem Berliner Forum des VDL-Bundesverbandes, Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V., „Ist der Öffentliche Dienst in der Agrarbranche zukunftsfähig aufgestellt?“ machten die Referenten Mitte Oktober deutlich, dass es großer Anstrengungen bedarf, Angebot und Nachfrage bei der Besetzung von Stellen passend zusammenzuführen.

VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann wies darauf hin, dass sich der öffentliche Dienst attraktiver präsentieren und dem Nachwuchs bessere Einstiegsmöglichkeiten bieten müsse. Unterstützung findet der VDL beim dbb beamtenbund und tarifunion, dessen Vorsitzender  Klaus Dauderstädt sich für eine funktionsfähige Verwaltung im Interesse des Wirtschaftsstandortes Deutschland aussprach. „Den öffentlichen Dienst mit vielen attraktiven Arbeitsplätzen zu sichern, das ist unsere ureigene Aufgabe“, betonte der Bundesvorsitzende, der – die Tarifrunde 2015 in 15 Bundesländern vor Augen – auch bekannte, dass die Föderalismusreform wohl ein  Fehler war. 
 
Zeit „linearer Stellenkürzungen“ vorbei Am Beispiel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Berlin erläuterte Olaf Schäfer, Personalchef von 905 Mitarbeitern, die „besondere Situation“ des Hauses. Von den 366 Beschäftigten im höheren Dienst seien 116 Agrarier, die neben den Juristen die „tragenden Säulen“ der ministeriellen Agrarverwaltung bilden würden. Zwar sei die Zeit der „linearen Stellenkürzungen“ vorbei, aber vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssten eigentlich mehr junge Leute eingestellt werden. In wenigen Jahren sei die erste Welle an Pensionären im Agrarressort zu erwarten und bis 2029 nahezu jeder dritte Mitarbeiter in Rente. Personalchef Schäfer hob die steigende Zahl „motivierter Bewerber“ hervor, die vor allem eine gestalterische Aufgabe übernehmen und verantworten würden.
 
Wird genügend Agrarnachwuchs ausgebildet?
Die Ausbildung des Agrarnachwuchses im öffentlichen Dienst ist nur wenig transparent und von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Diesen Eindruck vermittelten die Bildungsverantwortlichen in der Agrarverwaltung aus vier Bundesländern. Während bei der Nachwuchsgewinnung in der Agrarverwaltung Baden-Württemberg nach den Worten von Wolfgang Arnoldt (Stuttgart) an der zweijährigen Referendarausbildung im höheren Dienst auch in Zukunft festgehalten wird, hat sich das Land Hessen davon schon vor 12 Jahren verabschiedet und auf externe Ausschreibungen gesetzt. Im Übrigen sind nach Aussage von Martin Grenzebach (Fulda) nennenswerte Neueinstellungen nur beim hessischen Landesbetrieb Landwirtschaft zu erwarten, dagegen würden sich Ministerium, Regierungspräsidien und Kreisverwaltungen eher zurückhalten und auch gerne mal höhere Dienste durch gehobene Dienste oder Verwaltungskräfte ersetzen.
 
Ungünstige Altersstrukturen bei den Kammern
Bei den Landwirtschaftskammern von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zeigen sich ähnliche Personalentwicklungsstrukturen. Der Stellenkegel „höherer Dienst“ der NRW-Kammer weist eine ungünstige Altersstruktur auf: Die große Mehrheit – 190 Beamte und Angestellte – gehören zur Gruppe der 56- bis 65-Jährigen, aber nur 20 höher Bedienstete sind zwischen 36 und 45 Jahre alt. Es zeichnet sich ab, dass die Landwirtschaftskammer überdurchschnittlich viele Personalabgänge zu verkraften hat, so Experte Dr. Armin Hentschel (Bonn), der in der Forderung nach einem Jahr Praxis eine „besondere Hürde“ für die Bewerber sieht.  
Laut Franz Jansen-Minßen (Oldenburg) verfährt die niedersächsische Landwirtschaftskammer nach dem richtungsweisenden Grundsatz „Personalentwicklung statt Personalverwaltung“. Der Strukturwandel bringe auch neue Trends in der Beratung mit sich, u.a. in Form einer abnehmenden institutionellen Förderung der Beratung und einer stärkeren Differenzierung von privaten und öffentlichen Interessen. Ein weiterer Gesichtspunkt: „Wir haben viele Alleskönner, aber zu wenige Top-Spezialisten“, so die Einschätzung des Kammer-Beamten, der die oft mangelnde Flexibilität und Mobilität der Bewerber kritisierte. 

Bessere Ausbildungs- und Berufseinstiegsmöglichkeiten
Forum-Moderator Alfred Lorenz, Vorsitzender der VDL-Bundessparte „Öffentlicher Dienst“, appellierte an die Politiker, sich für verbesserte Rahmenbedingungen einzusetzen: Den Agrarverwaltungen - mit zur Zeit bundesweit rund 50.000 Mitarbeitern und durchaus attraktiven Arbeitsplätzen – müsste ermöglicht werden, im Zukunftswettbewerb mit der Privatwirtschaft zu bestehen und gezielt qualifizierte Agrar-Nachwuchskräfte einzusetzen. Der VDL werde sich im Interesse von Studierenden und Absolventen dafür stark machen, dass die Ausbildungs- und Berufseinstiegschancen der Agrarbranche im öffentlichen Dienst übersichtlicher, aber auch praxisnah dargestellt werden. 
 
 
Pressekontakt:  VDL Bundesverband
    Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e. V.
    Dr. Astrid Kubatsch
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    10117 Berlin
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