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Erstmals saßen gemeinsam an einem Tisch die Berufsverbände (VDL-Bundesverband und Verband der Oecotrophologen), Vertreter von Wirtschaftsunternehmen (u. a. Nestle Deutschland, Yakult, RWZ Rhein-Main, Landgard, Monsanto) sowie die Studierenden der Fachschaft und Lehrenden der Landwirtschaftlichen Fakultät als Gastgeber.
Schon bei Halbzeit der Diskussion wurde übereinstimmend festgestellt, dass die Akzeptanz des Bachelor vor allem ein „Kommunikationsproblem“ zwischen Hochschulen, Gesellschaft und Wirtschaft bedeutet. So ist denn auch die Frage von Professor Dr. Heiner Stehle “Was macht ein Bachelor eigentlich nach dem Studium?“ für die derzeitige Situation symptomatisch.
Man weiß voneinander zu wenig. VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann plädierte daher für Lösungsansätze, die das Verständnis und die Kontakte zwischen Hochschulen und Unternehmen verbessern. Er forderte „intelligente Systeme der Zusammenarbeit“, beispielsweise beim Verfassen von Bachelorarbeiten. Die Studierenden hätten häufig keine genauen Vorstellungen, was denn die Unternehmen von den Absolventen beim Berufseinstieg an Kenntnissen und Qualifikationen voraussetzten.
Auf der anderen Seite herrscht bei den Wirtschaftsunternehmen nach Aussage von Prodekan Professor Dr. Heiner Kuhlmann viel Unkenntnis. Kein Wunder: „Der Bachelor ist ein Kulturbruch“, wie Kuhlmann analysierte.
Studierende überfordert
Beim Betrachten der Strukturen der sechssemestrigen Studiengänge von Agrarwissenschaften, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften mit vielen (zu vielen?) Pflichtmodulen und insgesamt 5.400 „Workloads“ (Arbeitsstunden) wird klar, dass die Studierenden überfordert und gar nicht in der Lage sind, ein oder gar mehrere Praktika (Mindestdauer je 3 Monate!) mit in den Studiengang zu integrieren.
Hier zeigt sich denn auch das Dilemma: Die Unternehmen ihrerseits fordern von den Bewerbern Berufserfahrung und Praktika, wie auch Stellenanzeigen-Auswertungen bestätigen.
Was sich die Bologna-Theoretiker vor zehn Jahren zum Ziel gesetzt hatten, lässt sich während des Bachelorstudiums vielfach gar nicht umsetzen. Denn tatsächlich schaffen nur 25 bis 30 Prozent den Bachelor-Abschluss in der Regelstudienzeit von sechs Semestern.
Eines der größten Probleme ist nach Aussage von Professor Kuhlmann der Übergang vom Bachelor zum Master: „Wenn ein Modul fehlt, muss der Student notfalls ein Jahr opfern“.
Sozialkompetenz besonders wichtig
Die Fachkompetenz der Bachelor-Absolventen wird von den Personalentscheidern der Unternehmen vorausgesetzt, sie bewerten vor allem die ganzheitliche Persönlichkeitsstruktur eines Bewerbers. Für Heike Scheuven (Landgard) sind Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Einsatzbereitschaft und Anpassung an Arbeitsprozesse wichtige Indikatoren für den Sozialkompetenz-Nachweis von Berufseinsteigern. Aus Sicht der Arbeitgeber muss diesen Schlüsselqualifikationen im Laufe des Studiums mehr Gewicht verliehen werden.
Bachelor-Anforderungen und Profilbeschreibungen
Dieser Workshop hat nicht nur mehr Verständnis geweckt („Wir ziehen alle an einem Strang“), sondern auch konkrete Lösungsschritte eingeleitet:
Von der Rektorenkonferenz, die am 15. Oktober dieses Jahres tagt, erwarten die Hochschulen praxisnahe Korrekturen für die Umsetzung des Bachelorstudiums.
Dr. Dieter Barth