08.05.2010
Perspektiven für ein deutsches Gemeinschaftsmarketing
Nach dem Aus für Absatzfonds, CMA und ZMP lohnt sich der Blick über den nationalen Tellerrand. In Frankreich wurde die SOPEXA im Jahr 2007 in ein privates Unternehmen umgewandelt. Die Exportportorganisation finanziert sich aus staatlichen und privaten Aufträgen sowie aus parafiskalischen Abgaben.
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Dr. Otto Strecker
Vorstand der AFC Management Consulting AG (Bonn) und
Lehrbeauftragter für Kooperationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Universität Bonn
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In Großbritannien wurden die sektorspezifischen Levy Boards in 2008 aufgelöst und in einer
gesetzlich verankerten Organisation unter dem Namen Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB)
mit insgesamt sechs sektorspezifischen Körperschaften neu aufgestellt.Beide Modelle entgehen
dem CMA-Dilemma um die Zwangsabgabe.
In Großbritannien steht weniger die generische Werbung im Vordergrund. Gefördert werden
Nachhaltigkeitskonzepte, Produkt- und Technologieinnovationen durch gemeinschaftliche
Forschungsprojekte sowie moderne Dienstleistungskonzepte.Der Innovationsaspekt wird in
Deutschland heute vor allem von Cluster-Initiativen der Bundesländer gefördert.
Vorreiter dieser Politik ist Nordrhein-Westfalen. Das Cluster Ernährung.NRW dient
unter anderem der Innovationsförderung an der Schnittstelle Wissenschaft und Wirtschaft.
Auch die dort unterstützte Stärkung des Absatzes von Produkten aus der Region war
seit jeher, von der CMA kofinanzierte, Ländersache. Dieses Thema gewinnt nun in den
Ländern auch ohne CMA-Gelder wieder an Fahrt, weil Industrie und Handel ein Interesse
daran entwickeln, sich über Themen wie Regionalität, Nachhaltigkeit, etc. zu profilieren.
Der Export aber ist auf Länderebene alleine nicht zu organisieren. Die Absender-Information
ist dort sinnvollerweise „Made in Germany“ und nicht Thuringia oder Lower Saxony.
Die Bündelungsfunktion kann nur national wahrgenommen werden. Die kurz nach dem Aus
der CMA von Industrievertretern in Aussicht gestellten eigenen Finanzierungsbeiträge konnten allerdings nicht aufgebracht werden.
Fach- und Dachverbände standen beim Thema Export plötzlich in Konkurrenz zueinander. Große Unternehmen möchten die
kleineren nicht mitfinanzieren. Letztere wollen nur dann etwas einzahlen, wenn der Nutzen größer ist als der Aufwand.
Der Staat, der diese Lücke durch die Förderung einer Exportagentur schließen kann, stellt vom BMELV bisher jedoch
nur eine finanziell begrenzte Projektförderung in Aussicht und erwartet eine leistungsfähige Organisation der Wirtschaft als Gegenüber.
Zunächst hatten sich Fachverbände der Ernährungswirtschaft in einer Organisation „German Food“ zusammengeschlossen.
Parallel entstand ein branchenübergreifender Verein „Food Made in Germany“. Aus German Food und Verbänden der
Landtechnik und Pflanzenzucht entstand die GEFA, German Export Organisation for Food and Agriproducts.
Dort hat auch der Verein „Food Made in Germany“ inzwischen die Aufnahme beantragt. Eine schlagkräftige Organisation
kann daraus erst werden, wenn auch signifikante Budgets zur Verfügung stehen. Wirtschaft und Staat sind aufgerufen,
dafür ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln.
Dr. Otto Strecker