Suche starten
Übersicht Impressum Kontakt
08.12.2009
Möglichst viele Praktika vor Studienbeginn

Gerne und viel Bier zu trinken, war für Alexander Holm (Weihenstephan) jedenfalls kein Grund, das Studium „Brauwesen“ in Weihenstephan aufzunehmen. Über Motivation, Studienverlauf und Zukunftsgestaltung haben wir den 21-Jährigen befragt.

Im Interview
 Alexander Holm (Jahrgang 1988)
Heimatwohnort: Coburg
Studiengang: B.Sc. Brauwesen und Getränketechnologie
Semesterzahl: 3
Was hat Sie motiviert, das Studium „Brauwesen und Getränketechnologie“ aufzunehmen? Sind Sie erblich „vorbelastet?
Ich stamme nicht, wie der eine oder andere meiner Kommilitonen vielleicht, aus einer Familie mit Brauereibesitz ab, auch sonst arbeitet keiner meiner Verwandten in der Brau- oder der nahestehenden Lebensmittelindustrie. Von einer in irgendeiner Weise gearteten, erblichen Vorbelastung kann also keine Rede sein.
Mein Entschluss für genau diesen Studiengang lag vielmehr darin, dass ich nichts studieren wollte, was sich in der Lehre auf nur eine konkrete Richtung bezog, also etwas wie reine Mathematik oder eine spezielle Wirtschaftswissenschaft. Ich habe Brauwesen schon im Vorfeld deshalb gewählt, weil ich meine Fähigkeiten in mehreren Bereichen und Fachrichtungen unter Beweis stellen wollte und dies noch zusätzlich auf einem international anerkannten Niveau. Ein weiterer Grund für dieses Studium war außerdem noch, dass sich die Brautechnologie schon auf eine mehrere Jahrhunderte lange Tradition berufen kann und diese einem steten Wandel unterzogen ist.
Die Tatsache, dass ein Großteil der Studierenden die Uni schon nach einem oder zwei Jahren, aufgrund von z.B. falschen Vorstellungen und Erwartungen an das Studium, verlassen muss, hat mich deshalb nie sonderlich abgeschreckt, sondern umso mehr motiviert.

Was gefällt Ihnen am Studienort Weihenstephan besonders? Wo liegen die Vorteile?
Ich selbst komme aus keiner Großstadt, die ähnliche Größe von Weihenstephan bzw. Freising, kombiniert mit der leicht erreichbaren Landeshauptstadt München haben schon einmal für sich gesprochen. Was ich jedoch schon bei einem Besuch des Schülertages am Campus Weihenstephan, den ich jedem Interessierten nur ans Herz legen kann, gemerkt hatte, war die unwahrscheinliche und sehr angenehme Herzlichkeit, die alles an diesem Studienort ausstrahlt. Man fühlt sich bereits nach kurzer Zeit heimisch und findet sehr schnell Anschluss an andere Studenten.
Sicherlich stehen manchen Studenten, im Gegensatz zu Berlin, die Studiengebühren einem Leben mit weniger finanziellen Sorgen im Weg. Man kann jedoch sicher sein, dass diese für unsere Lehre und somit zu unseren Gunsten eingesetzt werden, was vor allem durch unsere Studentenvertretung sichergestellt wird.
Ich würde mich in jedem Fall ein zweites Mal für Weihenstephan entscheiden.

Wie ist der Studiengang strukturiert – vom ersten bis zum letzten Semester?
Die Umstellung des Studiengangs auf das Bachelor-/Master-System hat zahlreiche Änderungen für Studenten mit sich gebracht, die auch jetzt noch nicht ganz durchgesetzt bzw. abgeschlossen sind. Es ist deshalb gelegentlich schwierig, verbindliche Aussagen zu machen.
So ist es meines Wissens nach ab kommenden Jahr – wie noch in der alten Diplomstudienordnung – wieder Pflicht, vor Studienbeginn ein mindestens sechswöchiges Betriebspraktikum in einer Brauerei oder einem verwandten Betrieb zu absolvieren.
Wenn das eigentliche Studium in Weihenstephan dann richtig begonnen hat, befindet man sich während des ersten Studienjahres in der sog. Grundlagen- und Orientierungsprüfung (GOP). In dieser Zeit stehen vor allem grundlegende Fächer, wie anorganische und organische Chemie, Experimentalphysik und Mathematik auf dem Stundenplan. Hierbei ist vor allem zu beachten, dass jede Prüfung in einem dieser Fächer, zu denen man automatisch und verpflichtend angemeldet wird, nur zweimal abgelegt werden darf. Ich empfehle also jedem, der sich für ein Braustudium entscheidet, für jede Prüfung gut vorbereitet zu sein, da das Studium sonst schnell vorbei sein kann, Ausnahmeregelungen greifen nicht bzw. nur in äußersten Sonderfällen.
Hat man, so wie ich jetzt, das erste Studienjahr hinter sich gebracht, sind diese Umstände ein wenig entschärft, den Abschluss zum Bachelor muss man aber trotzdem innerhalb von maximal acht Semestern erreicht haben, sonst ist das Studium ebenfalls vorbei.
Zu den üblichen Vorlesungen finden in jedem Semester jeweils unterschiedliche Praktika statt, welche die Grundlagen in einem Fach, wie beim physikalischen Praktikum im ersten Semester, durch Versuche im Labor und selbst angefertigte Protokolle festigen sollen.
Der Studiengang Brauwesen und Getränketechnologie ist konsekutiv angelegt, ein Weiterstudieren bis zum Abschluss als Master of Science ist also für jeden Studenten vorgesehen und ohne einen gewissen Notendurchschnitt in den vorherigen Semestern möglich.
Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Strukturierung des Masterstudienganges noch nicht genau befasst habe, ich kann jedoch sagen, dass die Gestaltung des Stundenplans im Gegensatz zum relativ strikt geregelten Bachelor freier von statten geht und man aus mehreren Fächern, seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechend, entscheiden kann. Die Palette reicht dabei von ingenieurwissenschaftlichen bis hin zu wirtschaftswissenschaftlichen Fächern. Die Regelstudienzeit beträgt für beide Studiengänge insgesamt zehn Semester.
 
Haben Sie bereits ein Praktikum absolviert, wenn ja, in welchem Unternehmen?
Als ich mein Studium im Wintersemester 2008/09 begann, war ein Betriebspraktikum davor keine Pflicht, sondern wurde lediglich empfohlen. Da ich jedoch zwischen meinem Wehrdienst und Semesterbeginn noch genug Zeit hatte und meine Entscheidung endgültig bestätigen wollte, absolvierte ich ein siebenwöchiges Praktikum bei der Kulmbacher Brauerei AG und war danach noch drei Wochen bei der mittelständischen Privatbrauerei Gampertbräu in der Nähe von Kronach tätig.
Um zur Bachelorarbeit zugelassen zu werden, benötige ich den Nachweis von insgesamt 18 Wochen Betriebspraktikum, die ich wohl etappenweise während der Semesterferien abarbeiten werde. Man sollte für ein Praktikum meiner Meinung nach über möglichst lange Zeit in unterschiedlichen Betrieben arbeiten, um zu sehen, ob sich vorherige Interessen dadurch bestätigen lassen und durch die längere Beschäftigung auch längerfristige Aufgaben übertragen zu bekommen.

Sind Theorie und Praxis gut auf den Studiengang abgestimmt? Fühlen Sie sich auf einen Berufseinstieg gut vorbereitet?
Oft wird den Universitäten Praxisferne und unzureichende Vorbereitung auf das Berufsleben vorgeworfen. Ich persönlich kann diesen Vorwurf in Bezug auf das Studium für Brauwesen nicht bestätigen. Allein die nicht unbeachtliche Dauer der vorgeschriebenen Betriebspraktika von insgesamt 26 Wochen motiviert einige Studieninteressierte nach Abschluss der Schule dazu, zunächst den Beruf des Brauer und Mälzer zu erlernen und danach erst das Studium anzuhängen.
Außerdem bemühen sich die Leitung unserer Studienfakultät und unsere Studentenvertretung schon von Beginn des Studiums an darum, frühzeitig Kontakt mit der Industrie herzustellen. Dies geschieht beispielsweise durch das Organisieren von Vortragsrunden und Workshops, bei denen Studenten diverse Firmen kennenlernen können, außerdem durch gemeinsame Besuche von Fachmessen.

Werden Sie Ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen können?
Ich würde mir natürlich wünschen, mein Studium in der vorgesehenen Anzahl von Semestern beenden zu können und bin dabei bisher auch relativ zuversichtlich. Da ich jedoch erst seit einem Jahr studiere, kann ich darüber keine genauen Aussagen machen.

Kommt für Sie ein Auslandssemester infrage?
Ich habe schon einmal über diese Möglichkeit nachgedacht, mich darüber aber noch nicht ausreichend informiert. Ich denke im Allgemeinen, dass dieser Studiengang doch recht eigen für Deutschland ist und ich somit nicht in ein anderes Land gehen muss, um mehr über das Studium der Brauwissenschaft selbst zu erfahren. Für ähnliche Studiengänge, z.B. im Bereich Brennereitechnologie würde sich auch Schottland anbieten, mit den genauen Bedingungen und Voraussetzungen habe ich mich allerdings noch nicht genau auseinandergesetzt.
Was ich mir eher vorstellen könnte, wäre die Arbeit im Ausland mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium, um mir über die genaue Ausrichtung des anschließenden Studiums zum Master Klarheit zu verschaffen.

Entwickeln Sie neben dem Studium noch andere Aktivitäten im Hochschul- oder ehrenamtlichen Bereich?
Mit Beginn des Studiums in Weihenstephan wird man nahezu angespornt, sich für hochschulpolitische Ämter in der Fachschaft oder für andere ehrenamtliche Tätigkeiten zu engagieren.
Im vergangenen Semester war ich beispielsweise als Gebietsleiter für die Region Franken für das jährlich stattfindende Sommerfest der Braustudenten tätig. Ich habe dabei, zusammen mit zwei anderen Studenten, viel Freizeit mit der Kontaktaufnahme mit den unterschiedlichsten Brauereien, sowie der Organisation von ebenfalls freiwillig arbeitenden Bierfahrern verbracht und kann sagen, dass es sich durchaus gelohnt hat.
Dies wird auch mit Sicherheit nicht meine letzte ehrenamtliche Aktivität am Campus Weihenstephan gewesen sein.

Haben Sie konkrete Vorstellungen über ihre beruflichen Ziele? Gibt es bereits Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern?
Wie auch schon in der Frage über den Abschluss meines Studiums in der Regelstudienzeit kann ich auch hier keine definitiven Aussagen machen, da man sich in den ersten beiden Semestern fast ausschließlich mit den Grundlagen für die späteren Jahre beschäftigen muss und man noch nicht weiß, ob beispielsweise eine spätere Beschäftigung im Bereich Anlagenbau und -planung in Frage kommt oder man eher im Sektor der Betriebsüberwachung arbeiten möchte.
Ich habe mir jedoch schon vor Beginn meines Studiums durch Gespräche mit der Studienberatung klarmachen müssen, dass ein Beruf in einer Brauerei nur den wenigsten Absolventen vorbehalten bleibt, wie ich es durch die Bezeichnung des Studienganges anfänglich verstand. Der Großteil kommt in der, alles andere als unspektakulären, Zulieferindustrie oder ganz anderen Zweigen unter. Ich persönlich möchte mir jedenfalls nur als Ziel setzen, der Brau- und Getränkeindustrie so eng wie möglich verbunden zu bleiben.
Die Kontakte mit potentiellen Arbeitgebern beschränken sich somit bisher auch nur auf Praktikumsplätze.

Was empfehlen Sie jugendlichen Kommilitonen, die eine Universitätsausbildung „Brauwesen und Getränketechnologie“ beginnen wollen?
Die Motivation für dieses Studium darf in keinem Fall einzig darin liegen, gerne und viel Bier und andere alkoholische Getränke zu konsumieren. Sicherlich feiern auch die Braustudenten, wenn beispielsweise die Prüfungszeit endlich vorbei ist oder das neue Semester begonnen hat, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Ausbildung jedem Studenten viel Zeit am Schreibtisch und in den Hörsälen kostet. Meine Empfehlung lautet daher, sich die Wahl des Studienganges im Allgemeinen gut zu überlegen und diese durch so viele Praktika vor Studienbeginn wie nur möglich zu festigen, da man sonst sehr schnell unglücklich werden könnte. Gerade in der heutigen Zeit ist es mit Studiengebühren und anderen Stolpersteinen nicht mehr so einfach, ein neues Studium zu beginnen.



Inhalte
Studium Brauwesen und Getränketechnologie
Interessenten für den Studiengang Brauwesen und Getränketechnologie (Bachelor/Master-Studiengang) oder Brauwesen mit Abschluss Diplombraumeister haben zwei deutsche Universitäten zur Wahl:
1.    Technische Universität München, Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt, Alte Akademie 8, 85354 Freising, Internet: www.wzw.tum.de  
2.    Technische Universität Berlin,Fakultät III Prozesswissenschaften, Institut für Biotechnologie, Lehrstuhl für Brauwesen, GG4 Seestraße 13, 13353 Berlin, Internet: www.brauwesen.tu-berlin.de .

Seit dem WS 2008/09 werden nur noch Bachelor- und Master-Abschlüsse, als akademische Grade  B. Sc. bzw. M. Sc. abgekürzt, zugelassen. Den bisherigen Abschluss Dipl.-Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie gibt es in Zukunft nicht mehr. Alle Bewerbungsfristen und -voraussetzungen sowie Studien- und Fachprüfungsordnungen für den Bachelorstudiengang sind auf der jeweiligen Homepage veröffentlicht.

Zur Ausbildung „Diplom-Braumeister/in“ ist ein Studium an der TU Berlin bzw. TU München-Weihenstephan von vier Semestern mit dem anschließenden Anfertigen einer Diplomarbeit notwendig. Eine abgeschlossene Ausbildung zum Brauer und Mälzer ersetzt ein ansonsten notwendiges, mehrmonatiges Industriepraktikum.
Allgemeine Informationen zum Studium unter www.brauwesen-studieren.de :

„Falls Ihre Motivation darin begründet liegt, dass Sie gerne (und viel) Bier trinken, dann sollten sie sich von Brauerstudiengängen fern halten.“
Empfehlung der Studienberatung Weihenstephan