Von über 50 Klosterbrauereien nach 1945 sind in Bayern noch sechs übrig geblieben – die wohl bekannteste Braustätte ist im Kloster Andechs zuhause. Außerdem wird noch in den Frauenklöstern Mallersdorf und Ursberg, im Franziskanerkloster Kreuzberg (Rhön) sowie bei den Benediktinern in Ettal und Weltenburg Bier gebraut.
Sieben Andechser Bierspezialitäten
In Andechs ist die seit 1455 währende Tradition der mönchischen Braukunst auch heute noch lebendig. Jedes Jahr werden 117.000 Hektoliter (hl) Bier am Fuße des Heiligen Bergs gebraut. Nur der geringste Teil – fünf Prozent - des Andechser Bieres kommt vor Ort im Bräustüberl und Klostergasthof auf dem Klosterberg zum Ausschank. Die sieben Andechser Bierspezialitäten wie das „Doppelbock Dunkel“ mit einer Stammwürze von 16,6 Prozent werden nicht nur deutschlandweit, sondern auch in vielen europäischen Ländern vermarktet - mehr als jeder vierte Liter als Fassbier. Das kellertrübe „Winterbier“ wird von Martini (11. November) bis Josefi (19. März) ausgeschenkt.
Zum Brauen verwenden die Andechser Mönche ausschließlich hochwertige, bayerische Rohstoffe – u.a. bis zu fünf unterschiedliche Malze pro Biersorte sowie Hopfen aus der Hallertau - und lassen den Bierspezialitäten viel Zeit zur Entwicklung ihrer Geschmacksaromen. Hier verfolgt man keine „Mengenphilosophie“, sondern setzt auf Qualitätsbrauwirtschaft. Frisches Andechser Klosterbier hat während des Brauens rund fünfzig innerbetriebliche Qualitätskontrollen zu durchlaufen.
Schwester Braumeisterin verantwortlich
Die Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf-Pfaffenberg (Regensburg) produziert auch Bier und verschiedene alkoholfreie Getränke, die schwerpunktmäßig in Bayern und der Pfalz abgesetzt werden. Verantwortlich für die Produktion des „Mallersdorfer Klosterbäus“ ist Braumeisterin Schwester M. Doris. Zu den Jubiläumshöhepunkten „900 Jahre Kloster Mallersdorf“ zählte auch das Brauereifest im Juni 2009.
Ursberg lebt von der Tradition
Die Tradition des Klosters Ursberg von 1623 im Landkreis Günzburg wird am ehesten in der hauseigenen Klosterbrauerei sichtbar, deren Bauwerk aus dem Jahre 1792 stammt. Bis heute wird nach alten Rezepturen mit Wasser aus dem Klosterbrunnen und Malz aus der eigenen Mälzerei gebraut.
„Heut' wird wieder gezwickelt!” heißt es jeden Donnerstag in der Klosterwirtschaft. Dann wird direkt aus dem Lagerkeller unfiltriertes, frisches Bier gezapft — das „Zwickelbier”, eine beliebte Spezialität. Außerdem braut das Klosterbräuhaus Ursberg den kräftigen Aloisius-Bock, Märzen, Dunkel, Helles und Pils — und stellt auch 17 Sorten beliebter alkoholfreier Getränke her.
Kreuzbergbier der Franziskaner
Nahe Bischofsheim am Kreuzberg, dem höchstgelegenen Ausflugsziel der bayerischen Rhön (928 m), ist die letzte heute noch von Franziskanermönchen bewirtschaftete Brauerei Deutschlands in Betrieb. Zur traditionellen Klosteranlage gehören u.a. die eigene Braustätte, Klosterschänke sowie verschiedene Räumlichkeiten für Wanderer und Pilger. Am bekanntesten ist das „Kreuzbergbier“ (Dunkel und Pils), das seit 1731 gebraut wird. Der jährliche Ausstoß von rund 8500 hl wird fast ausschließlich in 5- bis 50-Liter Fässer abgefüllt. Bei schönem Wetter können sich die Gäste ihre Maß Klosterbier mit rustikalem Käsebrot auch im Freien schmecken lassen.
Ettaler Klosterbiere
Die Benedektiberabtei Ettal (nahe Garmisch Partenkirchen), verfügt seit fast 400 Jahren (1618) über das Braurecht. Hier werden in der technologisch erneuerten Braustätte fünf verschiedene Biersorten gebraut, die mittlerweile auch europaweit Absatz finden, u.a. in Finnland, Italien und Frankreich.
Attraktion am Abteistammsitz der Benedektinermönche ist das Brauereimuseum im ehemaligen Malz- und Hopfenspeicher. Interessenten erfahren alles über Historie und Herstellung von Klosterbieren und Klosterlikören.
Weltenburg - älteste Klosterbrauerei
In der ältesten, 1050 gegründeten Klosterbrauerei der Welt – in Weltenburg an der Donau (Landkreis Kelheim) verstehen die Benedektinermönche viel von der Braukunst. Auch sie fühlen sich der alten Tradition verpflichtet und brauen das „Weltenburger Kloster-Bier“, das über Bayerns Grenzen hinaus große Akzeptanz findet.
Merkwürdigkeiten „Rund ums Bier“
Das älteste deutsche Wirtshaus steht im unterfränkischen Miltenberg. Im Gasthaus zum Riesen residierte bereits 1314 Ludwig der Bayer. So lang wie die Chronik des Hauses ist die Bierkarte mit rund einem Dutzend regionaler Spezialitäten der Brauerei Faust: vom Riesen Spezial mit feinen Honig- und Tabaknoten über das naturtrübe Kräusenbier bis zum Schwarzviertler mit rauchigen Karamell- und Bitterschokotönen.
Urgemütliche Wirtshausstimmung bieten rund ums Jahr die Zoiglstuben in der nördlichen Oberpfalz. Dort brauen die Bürger abwechselnd im Kommunbrauhaus ein untergäriges, unfiltriertes, helles oder dunkles Bier: den Zoigl. Ist das Bier reif, hängen sie den sechseckigen Zoiglstern über ihre Haustür. Und schon strömen die Gäste herbei und lassen sich zum Bier deftige Oberpfälzer Brotzeiten schmecken – in kleinen Zoiglschänken oder gleich in der Küche der Kommunbrauer. Einen ähnlichen Brauch, das Flindern, pflegt man während der Sommermonate im fränkischen Pegnitz.
In München steht ... Das Hofbräuhaus, berühmtestes Wirtshaus der Welt, zieht nicht nur Touristen an. Auch viele Urmünchner sind regelmäßig zu Gast – es gibt fast 100 Stammtischrunden. Die „Alten Münchner“ treffen sich täglich, „De Zammagwiafedn“ jeden Monat. Die Mitglieder des Prinzregent-Luitpold-Stammtischs kommen in Tracht zusammen und trinken aus Krügen, die zum Teil aus dem 19. Jahrhundert stammen. Höchstes Privileg im Hofbräuhaus ist der eigene Bierkrug, hinter geschmiedeten Gittern mit Schlössern verwahrt. Sie möchten dort auch Ihren Krug deponieren? Vergessen Sie’s. Die Schlüssel werden nicht vergeben, sondern vererbt.

Das Gasthaus zum Riesen in Miltenberg –
älteste deutsche Bierkneipe