Fragen zu Anbau und Markt beantworten die Hopfenexperten Stephan Barth und Dr. Johann Pichlmaier.
Dr. Johann Pichlmaier,
Präsident des Verbandes der Hopfenpflanzer, Wolznach
Wie ist die Hopfenernte 2009 ausgefallen?
In Deutschland wurde 2009 eine insgesamt gute Hopfenernte eingefahren, trotz des Hagelschlages in der Hallertau und in Tettnang. Die hagelgeschädigten Hopfenflächen sind zu einem hohen Prozentsatz versichert. Dennoch bleibt für die betroffenen Hopfenpflanzer infolge der Mehrkosten für Pflege- und Erntearbeiten ein finanzieller Restschaden. In einigen Fällen sind darüber hinaus Folgeschäden für das kommende Jahr zu befürchten. Diese wiederum sind nicht versichert.
Was bedeutet die Vorvertragsquote?
Wir sind in unseren Anbaugebieten mit einer relativ hohen Vorvertragsquote in die Ernte 2009 gegangen. Das ist grundsätzlich positiv, weil damit ein großer Teil der Hopfenproduktion zu auskömmlichen Preisen verkauft wurde. In anderen europäischen Ländern wie Polen und Slowenien ist dies nicht der Fall. Dort liegen die Vertragsquoten bei maximal 30-50%. Weil auch in den USA - im Gegensatz zu den beiden Vorjahren - nennenswerte Freihopfenmengen zu erwarten sind, wird das zu einer zusätzlichen Konkurrenz auf dem Spotmarkt führen. Erschwerend kommt hinzu, dass der derzeit sehr schwache US-Dollar den USA-Hopfenanbauern eindeutige Vorteile auf dem Weltmarkt verschafft.
Befürchten Sie einen Abschwung?
Der Blick in die Zukunft fällt zwiespältig aus. Auf der einen Seite haben wir auch für die Ernten 2010 bis 2012 noch vergleichsweise hohe Vorvertragsquoten und sind insofern zunächst in einer relativ sicheren Position. Andererseits wurde auf Initiative der Brauwirtschaft mit entsprechenden Vorvertragsangeboten offenbar die weltweite Fläche stärker ausgedehnt als es tatsächlich notwendig war. Hinzu kommen die angesprochenen Regionen, die auch in den nächsten Jahren einen hohen Freihopfenanteil produzieren werden.
Das derzeitige Vorvertragssystem hat sich zwar bewährt und zur Stabilisierung von Betriebseinkommen und Markt beigetragen, aber es kann nicht verhindern, dass es in kürzester Zeit von einer Unterversorgung des Marktes zu einer strukturellen Überproduktion kommt. Hier sind die Grenzen des Systems ersichtlich.
Stephan Barth,
1. Vorsitzender Deutscher Hopfenwirtschaftsverband e. V., Pfaffenhofen
Wie entwickelt sich der Hopfenmarkt?
Die Brauwirtschaft hat ein großes Problem mit der Überdeckung mit Hopfen. Die Rekordernten der Jahre 2008 in den großen Hopfenanbauregionen und die gute Ernte 2009 werden dazu führen, dass die Läger der Brauereien schneller wieder aufgefüllt werden können als es sich Optimisten vor einem Jahr erträumt hatten.
Wir befinden uns seit Ernte 2008 unerwartet schnell und - so nicht vorhersehbar - wieder in einer Phase der strukturellen Überproduktion. Die Ursachen liegen hauptsächlich in den vorschnellen Anbauflächenausweitungen, die die Brauindustrie nach den Mangeljahren 2006 und 2007 unbedingt forderte und vor allem durch Verträge in Deutschland und USA langfristig absicherte. Zum andern sind es die negativen Auswirkungen der weltweiten Rezession, die sich in einer Vielzahl von Ländern in einem teilweise drastischen Bierausstoßrückgang und geringerem Hopfenbedarf bemerkbar gemacht hat.
Immer klarer wird heute auch, dass der gesamten Welthopfenwirtschaft das Gebaren einiger östlichen Anbauländer in den Ernten 2006/7/8 nicht geholfen, sondern im Ergebnis sogar geschadet hat. Durch die dort betriebene Zurückhaltung des verfügbaren Angebots an Hopfen wurde der Hopfenmarkt künstlich verengt mit der direkten Konsequenz, dass die Preise weltweit mehr als notwendig in die Höhe getrieben wurden.
Was gedenkt die Hopfenwirtschaft zu tun?
Die Spotmärkte, die mengenmäßig bestenfalls 15 % der gesamt vermarkteten Menge ausmachen, haben im schlimmsten Fall das Potential, durch übertrieben billige Preise die Kontrakttreue der Brauerkunden zu testen. Wenn die Vorverträge von Teilen der Brauwirtschaft nicht eingehalten werden sollten, wäre die Stabilität der Hopfenwirtschaft nicht mehr sichergestellt.
Das heißt, die Verantwortlichen innerhalb der Hopfenwirtschaft müssen gemeinsam mit der gesamten Brauindustrie Lösungen erarbeiten, die diese Stabilität der Hopfenwirtschaft erhalten. Aber auch die Pflanzer müssen ihren Beitrag leisten. Auch wenn es für den einzelnen Erzeuger von Hopfen schmerzhaft klingt, die Anbauflächen müssen weltweit schnellstens nach der Ernte 2009 den neuen Gegebenheiten angepasst werden.
Deutscher Hopfenwirtschaftsverband
Der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband e.V. (DHWV) ist der Zusammenschluss von Firmen aus dem Bereich des Hopfenhandels und der Hopfenverarbeitung in Deutschland. Die Berufsorganisation firmierte nach der Gründung der Bundesrepublik bis Mitte der 90er Jahre zunächst unter der Bezeichnung „Verband der Hopfenkaufleute und -Hopfenveredler e.V. bevor der heutige Name angenommen wurde. Die Mitgliedsbetriebe vermarkten und verarbeiten rund 95% des in Deutschland angebauten Hopfens. Ebenso wird ein erheblicher Teil der in den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft erzeugten Hopfen über diese Firmen vermarktet. Zur Zeit zählt der DHWV insgesamt 15 Mitglieder.
Verband deutscher Hopfenpflanzer e.V.
Der Verband deutscher Hopfenpflanzer e.V. ist seit über 125 Jahren die zentrale Dachorganisation der Hopfenerzeuger in Deutschland und ihrer Regionalverbände.
National und international laufen alle Fäden der deutschen Erzeugerseite am Verbandssitz im "Haus des Hopfens" in Wolnzach zusammen.
Hopfen aus Deutschland hat mit einem Produktionsanteil von ca. 70 % an der europäischen und rd. einem Drittel an der Weltproduktion heute nach wie vor eine national und international herausragende Bedeutung. So werden ca. 70 % der deutschen Hopfenernte jährlich in über 100 Länder der Erde exportiert. Vom kraftvollen Hochalphahopfen bis zu feinsten Aromahopfen bietet der Hopfenbaustandort Deutschland der nationalen und internationalen Brauindustrie dabei ein breites Sortenspektrum für jeden Geschmack und für jeden Biertyp. Nicht ohne Grund wird der Hopfen als die "Seele des Bieres" bezeichnet, da er, je nach Rezept, dem Bier insbesondere die angenehme Bittere, ein feines Aroma und die nötige Schaumstabilität verleiht.
In Deutschland wurden 2009 auf rund 18.500 Hektar Hopfen und 31.500 Tonnen Hopfen geerntet. Auf dem Hopfen-Weltmarkt wird ein Umsatz von über 700 Millionen Euro erwirtschaftet.