Suche starten
Übersicht Impressum Kontakt
15.06.2009
Reifeprüfung für Parkanlagen

Projekte von gestern heute bewerten. Hat sich der Park so entwickelt, wie es die Planer beabsichtigten? Wird die Planung den heutigen Ansprüchen und Pflegeanforderungen gerecht? Antworten gibt die Aktion „Reifeprüfung“ in Nordrhein-Westfalen, die Karl-Heinz Danielzik (Duisburg) erläutert.

Karl-Heinz Danielzik
Landschaftsarchitekt
1. Vorsitzender bdla Nordrhein-Westfalen
Ein Park hat aufgrund des lebenden Baustoffes Pflanze seinen angestrebten Ausbauzustand erst nach etwa 20 bis 30 Jahren erreicht. Die Bewertung, ob das ursprüngliche Planungskonzept erfolgreich war und über diese vergleichsweise lange Zeitspanne durchgehalten werden konnte, ist daher erst nach langer Zeit sinnvoll möglich.

Tradition von Gartenschauen
Der Berufsverband der Landschaftsarchitekten in Nordhein-Westfalen hat daher vor drei Jahren die Aktion „Reifeprüfung“ ins Leben gerufen. Bislang wurden einige Gartenschauen, die teils vor mehr als 20 Jahren erstellt wurden, im Kreise der Berufskollegen besichtigt und anhand ihres aktuellen Zustandes bewertet. Die Präsentation erfolgt durch die ehemaligen Planer, meist mit weiteren Beteiligten des Projektes auf der Umsetzungs- und Auftraggeberseite. Die nachhaltige Qualität vieler Projekte entsteht erst durch gemeinsames und zielorientiertes Handeln. Auch die aktuellen Parkbetreiber sollten das Gesamtkonzept der Planer nachvollziehen können und im Tagesgeschäft der Parkpflege, Nutzung und Vermarktung entsprechend agieren.

Das Land Nordrhein-Westfalen besitzt bei der Umsetzung von Landes- und Bundesgartenschauen eine lange, gute Tradition und hat viele gebaute Parkanlagen vorzuweisen. Seit den frühen Gartenschauen in Köln und Dortmund in den 50er Jahren und den ab 1985 in dichter Folge entwickelten Landesgartenschauen sind fast 60 Jahre vergangen.

Intensiv prüfen und bewerten
Im Rahmen der veranstalteten „Reifeprüfungen“ wurden innerhalb der letzten Jahre zahlreiche, vor längerer Zeit fertiggestellte Parkanlagen mit den unterschiedlichsten Planungsansätzen einer intensiven Prüfung unterzogen. Mit Blick auf die aktuelle Nutzung, die erkennbare Akzeptanz bei den Nutzern, den Pflegezustand und die Erkennbarkeit des ursprünglichen Planungsgedankens wurden sehr unterschiedliche Parks betrachtet. Die jeweiligen Konzept- und Planverfasser führten durch ihre Projekte und standen bereitwillig Rede und Antwort. Die ehemaligen Auftraggeber, Kollegen und Mitarbeiter der Entstehungszeit und die ehemals beteiligten der ausführenden Firmen waren meist ebenfalls anwesend.
Die Projekte und Konzeptansätze waren ortsbezogen sehr verschieden. Auch der jeweilige Pflegezustand, die Nutzungsarten- und Intensitäten waren nicht vergleichbar. Bisher konnten wir viele positive Beispiele erleben und gerieten in guten, intensiven Austausch mit den Beteiligten, wie zum Beispiel vom Gärtnermeister der Pflegeabteilung über den aktuellen Parkmanager bis zum Planungsamtsleiter der jeweiligen Stadt.

BU Laubengang auf der Bundesgartenschau in Schwerin

Der Park des 22. Jahrhunderts
Planungsansätze haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, stimmige Konzepte sind nicht von ihrer Entstehungszeit abhängig. Die Formensprache, Materialien und Ausstattungselemente dokumentieren die jeweilige Entstehungszeit. Erfolgreiche Planung sollte Bezug zum jeweiligen Ort nehmen, die Wahl der Materialien und verwendeten Elemente sollte Besonderheiten aber auch die Banalitäten, die selbstverständlichen Materialien und Elemente, des Ortes aufgreifen. Ausnahmen von dieser Regel sind möglich, können zu guten Ergebnissen führen, sollten aber gut durchdacht und nachvollziehbar sein.
Der Park des 21. oder auch des 22. Jahrhunderts wird sich zunehmend auf die veränderten klimatischen und sonstigen Lebensverhältnisse einstellen müssen aber auch können. Professionelle Planung, Koordination und Umsetzung wird auch langfristig zu positiven Ergebnissen führen und bleibt das entscheidende Kriterium guter Planung.
Wie eine Kommilitonin aus Studienzeiten auf dem Bundesgartenschaugelände in Schwerin sagte: „Um zu sehen, wie der Garten des 21. Jahrhunderts aussieht, muss ich mich nur in meinen Garten setzen.“ Der Sitzplatz mit abwechslungsreicher Aussicht in die Landschaft und spannungsreichen Teilräumen, ansprechender Pflanzung unter dem schön gewachsenen Obstbaum hat auch langfristig Bestand. Ich bin sicher, dass gute Landschaftsarchitektur und Planung mit differenzierten Räumen auch im 22. Jahrhundert Bestand haben wird.

Der Mensch im Mittelpunkt
Auch mit Blick auf den in naher Zukunft weiter voranschreitenden demografischen Wandel bei den künftigen Nutzern der Parks, die damit verbundene wirtschaftlich schwierige Situation und der zunehmenden Verschärfung der klimatischen Extreme gilt es auch weiterhin gute Freiraumkonzepte zu entwickeln. Der Natur- und Stadtklimaschutz bekommt auch in den aktuellen Tagesmeldungen immer mehr Gewicht. Im städtischen Umfeld steht der Mensch auch bei der Entwicklung neuer Freiräume immer mehr im Mittelpunkt aller Betrachtungen. Gut gestaltete, für alle nutzbare Freiräume innerhalb der Stadt sorgen für lebendige Orte mit hoher sozialer Kontrolle und guter Akzeptanz bei den verschiedenen Nutzern. Der Drang, weit entfernte Orte aufsuchen zu wollen nimmt durch die positive Entwicklung des eigenen Umfeldes immer mehr ab. Gut miteinander vernetzte, attraktive Freiräume spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle.

Inhalt
Auf einen Blick

Der Berufsverband der Landschaftsarchitekten in Nordhein-Westfalen hat vor drei Jahren die Aktion „Reifeprüfung“ ins Leben gerufen. Bislang wurden einige der vor 20 und mehr Jahren erstellten Gartenschauen im Kreise von Planern und Landschaftsarchitekten besichtigt und anhand ihres aktuellen Zustandes bewertet.