24.04.2009
Zusammenwirken von Natur und Technik
Über das Berufsbild „Agrartechniker“ und die Perspektiven für Agraringenieure informiert
Dr. Andreas Herrmann (Düsseldorf) im folgenden Beitrag.
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Dr. Andreas Herrmann
Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik im VDI, Düsseldorf
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Heute ist es schon fast eine Selbstverständlichkeit, dass im Supermarkt ausreichend qualitativ hochwertige Lebensmittel zur Verfügung stehen und diese auch für jedermann bezahlbar sind. Es gibt aber Gebiete auf der Welt, wo das „tägliche Brot“ ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Zukünftig wird von der Landwirtschaft auch erwartet, dass sie mehr und mehr Biomasse für eine umweltfreundliche Energiegewinnung und Rohstoffe für die Grundstoffindustrie bereit stellt. Diesen Anforderungen kann Landwirtschaft - insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Weltbevölkerung und wachsenden Umweltanforderungen – nur durch wachsenden Technikeinsatz gerecht werden.
Agrartechnik - Technik in der Landwirtschaft
Die Technik soll aber nicht nur eine hohe Leistung bei den verschiedenen Arbeiten in der Landwirtschaft erbringen, sie soll auch umweltverträglich und kostengünstig sein und ein nachhaltiges Wirtschaften des Landwirtes ermöglichen. Dieser Quadratur des Kreises hat sich letztlich die Landmaschinenindustrie zu stellen. Diese ist in Deutschland gut aufgestellt: Fast ein Viertel der europäischen Produktion von Landmaschinen und Traktoren ist hier angesiedelt. Eine traumhafte Umsatzsteigerung um 24 Prozent im Jahr 2008 ließ die Branche regelrecht „explodieren“. In diesem Jahr haben die Unternehmen die berechtigte Hoffnung, dass die Einbrüche nicht so groß sein werden, wie in anderen Branchen. Deutsche Landtechnik bleibt international begehrt.
Wer sind nun die Menschen, die der Landtechnikbranche zu so großen Erfolgen verholfen haben? Wer ist eigentlich der Ingenieur, der sich diese Maschinen ausdenkt? Eigentlich gibt es ihn gar nicht, den Agrartechniker. Landtechnik ist heute Hightech und so komplex, dass sie sich nur interdisziplinär darstellen lässt. Dennoch kann man zwei Grundrichtungen für landtechnikinteressierte Studierende aufzeigen: Ein Studium des Maschinenbaus oder der Agrarwissenschaften stellt den Schlüssel für einen Beruf in der Branche dar. Der erste berufsbefähigende Abschluss an einer Fachhochschule oder an einer Universität ist heute in der Regel der Bachelor. Einen Masterstudiengang können Interessenten noch aufsatteln, um bestimmte Kenntnisse zu vertiefen.
Egal, ob Agrarwissenschaftler oder Ingenieur: Wer es mit Landtechnik zu tun hat, hat es auch immer mit Natur zu tun, mit Pflanzen, mit Tieren oder mit dem Boden. Dieses Zusammenwirken von Technik und Natur macht Agrartechnik zu eine besonders herausfordernden und spannenden Arbeitsgebiet.
Der Agraringenieur – vielseitig einsetzbar
Ein Vorteil des Agraringenieurs ist seine besonders breite Ausbildung. Zur Ausbildung gehören neben anwendungsorientierten landwirtschaftlichen Fachgebieten auch naturwissenschaftliche Grundlagen und Mathematik, aber auch Betriebswirtschaft und eben auch Agrartechnik.
In Zusammenhang mit Technik müssen Agraringenieure Investitionen planen und Investitionsentscheidungen treffen. Für die konkreten betrieblichen Bedingungen sind angepasste Landtechnik und effiziente Maschinenketten in den Bereichen Pflanzenbau und Tierhaltung auszuwählen. Hochkomplexe Maschinensysteme, die unter komplizierten Einsatzbedingungen eingesetzt werden und sich in kurzen Zeiträumen amortisieren müssen, sind zu beherrschen und zu managen. Ökologische sowie ökonomische Aspekte finden dabei Berücksichtigung.
Der Agraringenieur sollte neben fundierten landwirtschaftlichen Kenntnissen Interesse an Technik und am Einsatz technischer Systeme haben. Er sollte Einscheidungsfreude besitzen und schnell und zielsicher auf sich veränderte Situationen reagieren können. Ökonomisches und ökologisches Denken sind genauso wichtig wie Fähigkeiten zu übergreifendem Denken und Handeln, Belastbarkeit und Teamfähigkeit.
Genauso breit wie die Ausbildung der Agraringenieure, so vielfältig sind auch die Einsatzgebiete. Der technisch versierte Agraringenieur ist in den Bereichen Produktmanagement, Marketing, Service und Vertrieb der Landmaschinenindustrie ebenso gefragt, wie als Betriebsleiter oder Technischer Leiter von Landwirtschaftsbetrieben. Auch in Dienstleistungsbereichen der Landwirtschaft wie Lohnunternehmen, Maschinenringen und Landmaschinenhandel bieten sich gute Einstiegsmöglichkeiten. Nicht zuletzt ist das breite Wissen des Agraringenieurs mit speziellen agrartechnischen Kenntnissen auch in der Beratung, in der Verwaltung und in der Entwicklungshilfe gefragt.
Der Ingenieur – komplexe Aufgaben lösen
Der Ingenieur in der Agrartechnik kann aus verschiedenen Ingenieurbereichen kommen und seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Agrartechnik weiter entwickeln und anwenden. Landtechnik wird unter schwierigsten Bedingungen eingesetzt und muss hohen Belastungen standhalten. Der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanke spielt in der Agrartechnik eine entscheidende Rolle.
Der Ingenieur in der Agrartechnik sollte grundsätzlich Interesse an der Lösung komplexer Aufgabenstellungen haben. Dabei ist es wichtig, stets die Gesamtfunktionalität der zu lösenden Aufgaben im Blick zu behalten. Die Technik ist immer an die Erfordernisse des Bodens oder der Tiere und Pflanzen in der Landwirtschaft anzupassen. Technisches Interesse ist daher eine genauso wichtige Voraussetzung wie Interesse für Naturwissenschaften und Landwirtschaft.
Fähigkeiten zu übergreifendem Denken und Handeln, englische Sprachkenntnisse, Teamfähigkeit, kaufmännische Kenntnisse, Kostenbewusstsein und Termintreue werden ebenfalls vorausgesetzt.