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24.04.2009
HighTech in der Innenwirtschaft

Die Innovationsfreudigkeit der Unternehmen im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist groß. Die wichtigsten Neu- und Weiterentwicklungen erläutert Professor Dr. Eberhard Hartung (Kiel).

Prof. Dr. Eberhard Hartung
Institut für landwirtschaftliche Verfahrenstechnik, Christian-Albrechts-Universität in Kiel und Vorsitzender der DLG-EuroTier-Neuheitenkommission
Die auf der EuroTier 2008 prämierten Produkte haben insgesamt eine hohe Bedeutung für die Praxis, denn sie führen zu wesentlichen Verbesserungen, beispielsweise im Arbeitsmanagement, in der Arbeitsleistung und Arbeitsqualität. Zu den insgesamt 15 Sachgebieten, aus denen heraus die zu prämierenden Produkte vorgeschlagen wurden, zählten auch junge Sachgebiete wie die Aquakultur, aber eben auch die „Klassiker“, ausgehend von den Bereichen Haltungs-, Fütterungs-, Klima-, Entmistungs-, Energie- und Umwelttechnik sowie Melk- und Kühltechnik bis hin zu den Bereichen Betriebsmittel, Management und Zubehör sowie regenerative Energien. Die meisten Medaillen wurden 2008 in den Bereichen „Melk- und Kühltechnik“ sowie Technik der Rinder- und Schweinehaltung verliehen.
Da sich die Nutztierhaltung auch zukünftig inmitten des teilweise vorhandenen Zielkonflikts zwischen tier- und umweltgerechten Haltungs- und Managementsystemen wieder findet, sind zum einen Innovationen notwendig, welche „unter Berücksichtigung einer nachhaltigen Sicherung des ökonomischen Betriebserfolgs“ die Qualitätssicherung von Produkterzeugung und Produkten verbessern und diese nachvollziehbar machen, die Arbeitsqualität und -leistung in der landwirtschaftlichen Tierhaltung steigern und die Betriebskosten senken. Zum anderen sind Innovationen gesucht, die Betrieben möglichst langfristige Einkommensbereiche neu erschließen oder diese Bereiche besser für die Landwirtschaft nutzbar machen.

Trends Technik ...für Schweine
Der innovative Schwerpunkt in der Schweinehaltung konzentriert sich auf die Themen Tiermonitoring und Tiergesundheit sowie Hygiene und modular vernetzte Hard- und Software für die Stalleinrichtung bzw. Stalltechnik. Zur Förderung des Tiermonitorings und der Tiergesundheit wurden zum einen Systeme entwickelt bzw. weiterentwickelt, welche die tägliche Kontrolle des, insbesondere in Großgruppen gehaltenen, Einzeltieres vereinfachen oder verbessern. Die hierzu eingereichten Anmeldungen versuchen den „Kontrollblick zu automatisieren“ und das individuelle Tierverhalten kontinuierlicher zu erfassen, als dies durch den Landwirt auf herkömmliche Weise möglich ist. Die dabei gewonnenen Daten werden zukünftig eine immer wichtiger werdende Informationsbasis für eine tierindividuelle und bedarfsgerechte Haltung darstellen. Mit Hilfe der neuen Techniken können zum einen Verhaltensänderungen und somit z.B. Erkrankungen von Tieren möglichst früh erkannt werden. Zum anderen können die erhobenen Daten dazu dienen, über den ISOagriNET Standard vernetzte Einrichtungen, wie zum Beispiel die Haltungs-, Fütterungs- und/oder Lüftungstechnik, miteinander verbunden zu steuern/regeln bzw. einen optimalen und aufeinander abgestimmten Funktionsablauf derselben zu gewährleisten.
Ein weiterer Schwerpunkt zu Förderungen der Tiergesundheit beschäftigt sich mit Maßnahmen für die Minimierung von Hygieneproblemen. Hierzu zählen die gründliche Reinigung des Stallbodens sowie Systeme, welche eine wesentliche Arbeitserleichterung im Kampf gegen Schädlinge darstellen und dabei ebenso eine erhöhte Betriebs- und Arbeitssicherheit - auch an schwer zugänglichen Stellen - und ein hohes Maß an Anwendungssicherheit und Umweltschutz gewährleisten können. Alle Techniken, die einen hohen Hygienestandard ermöglichen, vermindern die Entwicklung von möglichen Krankheitserregern deutlich und sind somit eine wesentliche Voraussetzung für das Halten gesunder und leistungsfähiger Tiere. Wichtig ist hierbei jedoch, die Hygiene bzw. die - möglichst automatische - Reinigung des gesamten Stallsystems im Blick zu haben. Im Bereich der Fütterung zielen innovative System-Verbesserungen darauf hin, die Futtereffizienz durch optimal gesteuerte Konservierungsprozesse zu steigern.

.... für Rinder
Im Bereich der Technik für Rinder zeigen die Neuheiten, dass Innovationen im Bereich des maschinellen Milchentzugs noch lange nicht ausgereizt sind. Darüber hinaus wird auch im Bereich Technik für Rinder der „automatisierten Beobachtung des Tierverhaltens" sowohl in Ställen als auch unter Freilandbedingungen immer mehr Bedeutung zugemessen. Aber es gibt natürlich auch bei den „Klassikern“ von Fütterung und Entmistung oder der Klauengesundheit Innovationen zu vermelden.
Die Neuheiten im Bereich der Melk- und Kühltechnik versuchen insgesamt die Vorteile bzw. technischen Lösungen automatischer Melkverfahren auch für konventionelle Melkstände nutzbar zu machen. Hierbei stellt die Weiterentwicklung hin zum viertelindividuellen Melken eine entscheidende Herausforderung dar. Technische Lösungen, wie z.B. die milchflussgesteuerte Pulsation oder das Vermeiden von Lufteinbrüchen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ebenso wird mit neuesten Entwicklungen versucht, die Übertragung euterpathogener Keime zwischen den Eutervierteln auszuschließen. Im Bereich der automatischen Melkverfahren zielen die Entwicklungen weiterhin darauf, den Ansetzvorgang des Melkzeugs effizienter zu gestalten und dadurch eine deutlich erhöhte Ansetzsicherheit zu gewährleisten.
Die praktikable und möglichst automatisierte Ermittlung der Milchinhaltsstoffe gewinnt immer mehr an Bedeutung, da sie sowohl Rückschlüsse auf den Gesundheits-, Leistungs und/oder Brunststatus der Tiere zulässt, oder auf die Frage, wie bedarfsangepasst eine Fütterungsration ist. In deisen Bereichen liegen noch große Potenziale, insbesondere bei der Anwendung solcher Techniken zur Verbesserung des Herdenmanagements.
Mit Hilfe von Verhaltens- und Bewegungsanalysen wird das Tier selber immer mehr als „Sensor“ genutzt, um einzeltierspezifisch möglichst früh Abweichungen vom Normalverhalten und/oder von den angestrebten Leistungs- und Qualitätsparametern zu erkennen. Hierbei dienen das Bewegungs-, Aktivitäts- und Ruheverhalten in Verbindung mit tierphysiologischen Daten und der Einzeltieridentifikation zur Überwachung u.a. des Gesundheitsstatus der Tiere. bei Milchkühen lassen sich diese Techniken, z.B. für die Erkennung von Problemen im Bereich des Bewegungsapparates - Klauenerkrankungen haben in der Milchviehhaltung leider immer noch eine sehr große Bedeutung - sowie von Stoffwechselerkrankungen nach dem Abkalben nutzen. Insgesamt überzeugen die vorgestellten Systeme immer häufiger durch ihre vollständige Integration ins jeweilige Herdenmanagementprogramm und ihre praxisgerechte Umsetzung. Sie stellen somit vor allem für Betriebe mit größeren Tierbeständen eine wesentliche Erleichterung bei der Herdenkontrolle dar.
Die Senkung des Arbeitszeitbedarfes bei gleichzeitiger Sicherung der Arbeitsqualität ist auch im Bereich der (automatischen) Fütterung von Rauffutter eine stetige Zielgröße. Hierbei wird die möglichst voll- und eigenständige automatische Entnahme und Mischung des Rauhfutters sowie dessen Transport und Vorlage als eine einheitliche Systemlösung angestrebt.
Im Bereich der Entmistung wird daran gearbeitet, die möglichst gründliche Reinigung der verschiedenen Bodenbeläge im Stall- und Auslaufbereich weiterhin zu optimieren, um damit eine Arbeitserleichterung im Vergleich zur manuellen Reinigung zu erzielen, die Rutschgefahr zu vermindern und die Klauenverschmutzung zu minimieren.
Im Bereich der Kälberaufzucht geht es bei den Neuheiten vor allem darum, die Fitness der Kuh direkt nach dem Abkalben optimal zu unterstützen und arbeitsintensive Verfahren zu ersetzen.

.....für Geflügel
Beim Geflügel konzentrieren sich die neuen Entwicklungen insbesondere auf den Umgang mit dem "frisch erzeugten Produkt". Denn für ein optimales Produktionsmanagement werden möglichst zeitnahe Informationen über Produktionsleistung und Produktqualität immer wichtiger. Diese ermöglichen eine möglichst frühe und automatische Zuordnung von Qualitätsklassen, welche in der Produktvermarktung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Des Weiteren sind natürlich auch der Produktschonende Umgang und die dadurch reduzierten Produktverluste ein wichtiges Thema, wenn es um die Effizienz der eingebauten Verfahrenstechnik geht. Bei der in der Produktion eingesetzten Technik/Hardware wird zunehmend bereits bei der Produktentwicklung darauf geachtet, dass die eingesetzten Technikkomponenten möglichst effizient, gründlich zu reinigen und zu desinfizieren sind.