24.04.2009
Innovative Systemlösungen für die Außenwirtschaft
Massive Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Senkung der Betriebsmittelkosten - dies sind nach wie vor die Haupttreiber von landtechnischen Innovationen. Das erläutert Dr. Oliver Neumann am Beispiel von Traktoren und Erntemaschinen.
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Dr. Oliver Neumann
Leiter Öffentlichkeitsarbeit Deere & Company, European Office, Mannheim
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Explodierende Kosten für Rohöl und folglich Preissteigerungen bei Kraft- und Schmierstoffen sowie Dünge- und Pflanzenschutzmitteln waren eine besondere Triebfeder in der Agrartechnik.. Weitere Herausforderungen sind immer stringenter werdende Immissionsgesetze, Umweltregelungen und Dokumentationsanforderungen, außerdem ein rasch expandierender Markt für erneuerbare Energien.
Weniger Kraftstoff verbrauchen
Bei landwirtschaftlichen Traktoren geht es in erster Linie um eine Verringerung des Kraftstoffverbrauchs, die ständige Verbesserung des Wirkungsgrades und Erleichterungen bei der Bedienung. Parallel dazu sind die Hersteller darum bemüht, den Einsatz nativer Kraftstoffe zu ermöglichen, wobei allerdings die sich verschärfende Immissionsgesetzgebung und die fehlende Einheitlichkeit der Qualität von nativen Kraftstoffen eher gegeneinander arbeiten. Hier brauchen großtechnisch nachhaltige Lösungen noch Zeit. Bei John Deere setzt man verstärkt auf eine „Elektrifizierung“ des Traktors, bei der ein Kurbelwellengenerator die Energie zum Antrieb von Motornebenaggregaten liefert, anstatt sie - wie bisher – zwangsweise über den Keilriemen mechanisch mit anzutreiben. Als “Nebenprodukt“ liefert der Traktor 7030 E Premium deshalb auch gleich 230V bzw. 400V aus der Steckdose für den externen Betrieb z.B. eines Düngerstreuers. Je nach Anwendungs- und Einsatzgebiet setzt John Deere auf unterschiedliche Getriebevarianten. Stufenlose Getriebe setzen sich zwar schrittweise immer mehr durch, weil sie deutlich weniger „Handarbeit“ erfordern, stellen aber keine Universallösung dar. Verbesserung des Arbeitskomforts und Einsparung von Betriebsmitteln werden vor allem durch Präzisionslandwirtschaft ermöglicht. Von der „GreenStar Lightbar“-Lenkhilfe für Einsteiger bis zum vollautomatischen RTK- Lenksystem mit bis zu 2 cm Arbeitsgenauigkeit bietet John Deere voll integrierte „intelligente“ Systemlösungen an, die sich auch auf andere Maschinen wie den Mähdrescher und den Feldhäcksler übertragen lassen. Die Automatisierung eines Systems wie des „iTechPro“ geht dabei so weit, dass der Traktor am Feldende das Gerät selbsttätig aushebt, die Zapfwelle abschaltet, automatisch wendet und das Arbeitsgerät dann wieder zuschaltet und absenkt, ohne weiteres Zutun durch den Fahrer.
Vollautomatische Lenksysteme und Getriebe
Bei den selbstfahrenden Erntemaschinen werden vollautomatische Lenksysteme noch von „bordeigenen“ intelligenten Systemen unterstützt. So verfügen die i-Serie Mähdrescher aus dem Werk Zweibrücken über ein System mit den Namen „Harvest Smart“, das die Arbeitsgeschwindigkeit des Mähdreschers seiner aktuellen Auslastung ständig anpasst. Im Zusammenwirken mit ihrem vollautomatischen Getriebe kann die Maschine stets an der obersten Leistungsgrenze arbeiten und damit alle Reserven mobilisieren. Das zusammen genommen ermöglicht Leistungssteigerungen von bis zu 23 %. Beim Feldhäcksler ermittelt ein mitfahrendes Labor namens „HarvestLab“ im Auswurfturm des Häckslers die Feuchtigkeit des Erntegutes und regelt danach die Schnittlänge. Die wiederum sorgt für die bestmögliche Verdichtung des Erntegutes im Silo und beim Vieh für optimalen „Kaugenuss“ bzw. für eine gute Vergärung in der Biogasanlage. Gleichzeitig können Siliermittel dem Gutstrom durch die Maschine direkt mitgegeben werden. Auch Beim Häcksler sorgt ein vollautomatisches Getriebe dafür, dass seine Kapazität stets voll genutzt werden kann. Die intelligenten Lösungen ermöglichen dabei eine umfassende Dokumentation aller Vorgänge und erleichtern dem Betreiber die Auswertung von Daten bis hin zur Rechnungsstellung im Lohnunternehmen.
Dank CAN-Bus- und ISOBUS-Technologie können Traktoren und Anbaugeräte verschiedener Hersteller heute auf „Augenhöhe“ miteinander kommunizieren. Die hauseigenen intelligenten Feldspritzen z.B. arbeiten mit einer über den Traktormonitor programmierbaren vollautomatischen Gestängeführung und einer automatischen Teilbreitenabschaltung, um zu verhindern, dass Flächen doppelt gespritzt oder etwa Wegeflächen bzw. Ackerrandstreifen behandelt werden.
Hohe Pressdichten und variable Durchmesser
Innovationen bei den Pressen: Egal, ob sie Heu, Silage oder Stroh bergen. Alle drei Erntegutarten erfordern vor allem im Hinblick auf den Wert als Rohstoff und auf Transport bzw. Lagerung hohe Pressdichten und variable Durchmesser. Als Hilfseinrichtungen vor allem bei der Bergung von Silage leisten variable einstellbare Feinschnitt-Schneidwerke gute Dienste, sowie die Möglichkeit, Ballen bedarfsgerecht zu formen, sei es mit Hilfe einer „Weichkern“- Ausrüstung, einer Netzbindung, die auch die Ballenränder umschließt (CoverEdge) oder einer Folienwicklung für eine luftdichte Verpackung. Auch Pressen werden heute per ISOBUS-Monitor von der Traktorkabine aus gesteuert.