24.04.2009
Traktoren noch Statussymbol für Bauern?
Über die Frage, welche Investitionen in moderne Agrartechnik noch sinnvoll sind, berichtet Manfred Neunaber (Münster-Hiltrup) im folgenden Beitrag.
Wenn die Frage in der Überschrift „Sind Traktoren noch Statussymbol?“ provoziert, tut die Antwort das auch: „Ja, Traktoren sind noch ein Statussymbol, und sie werden es hoffentlich auch bleiben.“ Denn schließlich ist das ein Zeichen für eine gesunde Landwirtschaft mit erfolgreich wirtschaftenden Betrieben, und solche Betriebe gibt es noch und wird es hoffentlich noch lange geben.
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Manfred Neuenaber
Chefredakteur „Profi – Magazin für professionelle Agrartechnik“, Münster-Hiltrup |
Nur der Erfolgreiche investiert
Investitionen kann sich nur derjenige leisten, der sein Geschäft mit Erfolg betreibt. Und wirtschaftlicher Erfolg stellt sich langfristig nur dort ein, wo der Betriebsleiter und alle Beteiligten hoch motiviert und engagiert arbeiten. Dazu gehört auch die Emotion – und eben auch das Statussymbol.
Wobei man von der reinen Philosophie an dieser Stelle auch zur Sache kommen muss. Was für das Statussymbol bedeutet, dass es eben sehr individuell interpretiert wird. Längst nicht jeder identifiziert sich mit einem S-Klasse-Mercedes als Statussymbol, viele erkennen sich viel besser im VW Passat, im Skoda Octavia oder in einem Ford Ka. Bei den Traktoren ist es ganz ähnlich.
Doch während es bei Pkw nur einige wenige Kriterien gibt, die beim Kauf entscheidend sind, ist die Liste der Entscheidungskriterien bei Traktoren und Landmaschinen lang. Sie beginnt bei den Erfahrungen des Betriebsleiters mit seinen bisherigen Maschinen und der Verfügbarkeit von Marken beim örtlichen Handel und reicht über den beabsichtigten Einsatz bis hin zu vielen technischen Details und dem Service-Angebot der Werkstatt.
Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten, dass es reine Prestige-Käufe in der Landwirtschaft nie in größerem Umfang gegeben hat. Von spektakulären Einzelfällen abgesehen haben die Landwirte und Lohnunternehmer früher wie heute nie in Technik investiert, die sie nicht brauchen konnten. Dafür sind die Maschinen auch zu teuer.
Als der Traktorenmarkt in Deutschland Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre radikal schrumpfte von mehr als 60.000 Einheiten pro Jahr auf 30.000 Neuschlepper und weniger, gab es in der Branche durchaus Sorgen. Wenn jetzt die Betriebswirtschaftler Recht behielten und sich die Landwirte nur noch für billigste Produkte interessierten, kämen viele Firmen in Probleme, die auf solide Hightech-Maschinen gesetzt hatten.
Sie wissen, wie es damals ausgegangen ist. Die Praxis entschied sich gerade in diesen Jahren verstärkt für den Kauf von teureren Landmaschinen nach dem Motto „Wer weiß, wann ich mir den nächsten Ersatz dieser Technik wieder leisten kann?“
Und diese Entscheidung war im Allgemeinen richtig. Denn die Landwirtschaft ist ein Geschäft, bei dem Landtechnik als Arbeitsmittel notwendig ist. Arbeitsmittel dieser finanziellen Größenklasse sind Investitionsgüter, und die haben in Ordnung zu sein. Sonst ist der wirtschaftliche Erfolg gefährdet.
Um es ein Stück weit komplizierter zu machen: Auch eine Gebrauchtmaschine kann durchaus ein Statussymbol sein: „Seht her, ich habe das notwendige Wissen und Zutrauen in meine Fähigkeiten, für die beabsichtigten Zwecke reicht mir eine gebrauchte Landmaschine aus!“
Drei Marken mit 49 Prozent Marktanteil
Aber zurück zum Neugeschäft und der Frage, ob das Status-Denken und das Image der Marke die Kaufentscheidung beeinflussen. Weil der Traktor die Schlüsselmaschine der Landwirtschaft ist, die auf fast jedem Betrieb arbeitet, und weil es über die Traktorenzulassungen zuverlässige Zahlen gibt, lässt sich die Frage am Beispiel der Traktoren am besten untersuchen und beantworten:
Von 31.249 neu verkauften Traktoren entfielen im Jahr 2008 insgesamt 15.178 Zulassungen auf die drei führenden Marken John Deere, Fendt und Deutz-Fahr, das sind fast 49 % des Marktes. Dass diese drei Fabrikate in Deutschland noch eine Fertigungsstätte unterhalten, ist dabei sicherlich wichtig zu wissen. Aber diese Fabrikate stehen auch nicht in dem Ruf, stets zu den besonders preisgünstigen Anbietern zu gehören.
„Statussymbol“ und Marken-Image
Denn ein „Statussymbol“ korrespondiert immer auch mit dem Image einer Marke. Und ein Markenimage lässt sich langfristig nur aufbauen, wenn das Produkt diesem Image auch gerecht wird. „Man kann alle Menschen einige Zeit und einige Menschen alle Zeit betrügen, aber nicht alle Menschen alle Zeit zum Narren halten.“ (Abraham Lincoln)
Für unsere Betrachtung über Landtechnikinvestitionen und Statussymbole bedeutet dies, dass die unterschiedlichen Preise verschiedener Fabrikate sich in aller Regel auch im tatsächlichen Wert der Maschinen widerspiegeln. Denn auch für die Landmaschinenindustrie gilt: Ein solides Hightech-Produkt unter Wert zu verkaufen ist ebenso dumm wie ein überteuertes Einfachprodukt!
Ein Beispiel aus der Technik ist hier die Abgasrückführung in den Dieselmotoren für die aktuell gültige Abgasnorm 3a: Um die Schadstoffgrenzen einzuhalten, muss das entstehende Abgas nachverbrannt werden. Dieses Ziel kann man technisch erreichen durch eine so genannte interne Abgasrückführung. Das ist konstruktiv weniger aufwändig, erhöht aber den Kraftstoffverbrauch des Motors. Konstruktiv deutlich aufwändiger und teurer ist die externe Abgasrückführung, die dann aber sogar einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch als vorher ermöglicht.
Als Hersteller müssen Sie sich entscheiden, welchen der beiden Wege Sie gehen wollen. Dabei spielt das Image Ihres Produktes eine wichtige Rolle, weil Sie das richtige Verhältnis von Preis und Leistung im Auge behalten und treffen müssen. Deshalb ist es für manchen Hersteller richtig, sich für die preiswerte interne Abgasrückführung zu entscheiden. Und andere entscheiden sich richtigerweise für die teure externe Version.