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12.02.2009
Milchprodukte in 70 Länder

Zwischen der Milchabholung bei 5.000 Landwirten und der Auslieferung unterschiedlicher Milchprodukte besteht eine ausgefeilte Logistikkette, die NN (Everswinkel) am Beispiel der Humana Unternehmensgruppe erläutert.

Dipl. Ing. agr. Ursula Lütke Entrup
Kommunikation Humana Milchindustrie
Trinkmilch, Quark, Sahne und Eis sind äußerst empfindliche Waren. Damit sie frisch in den Handel kommen, ist eine ausgefeilte Logistik unabdingbar. Diese beginnt schon bei der Erfassung des Rohstoffes Milch, der von der Humana Unternehmensgruppe bei etwa 5.000 Landwirten aus sieben Bundesländern eingesammelt wird. Die Milchabholung bei der Humana ist sowohl über eigene Fahrzeuge als auch über Speditionen organisiert. Eigene Fahrzeuge kommen im Einzugsgebiet der Werke Georgsmarienhütte (sieben Tanksammelwagen plus ein Ersatzfahrzeug) und Altentreptow (15 Tanksammelwagen plus zwei Ersatzfahrzeuge) zum Einsatz. Bezogen auf die gesamte Unternehmensgruppe sind darüber hinaus 40 Tanksammelwagen von insgesamt 27 Spediteuren täglich unterwegs.

Bis 35 Mio. Liter je Sammelwagen
Jeder Tanksammelwagen wird täglich zwischen 20 und 22 Stunden genutzt. Pro Jahr legt er eine Strecke von über 200.000 km zurück. Insgesamt bewältigen die Tanksammelwagen der Unternehmensgruppe pro Jahr eine Strecke von über 12 Mio. km, was 300 Erdumrundungen entspricht. Jedes Fahrzeug sammelt pro Jahr zwischen 25 und 35 Mio. l Milch ein.
Die Tanksammelwagen fassen rund 25.000 l Milch und sind isoliert, werden aber nicht aktiv gekühlt. Die Milch wird beim Landwirt mit einer Temperatur von unter 6 Grad Celsius angenommen. Vom Tankvorgang beim ersten Landwirt bis zur Molkerei vergehen maximal sechs Stunden. Beim Tanken der Milch erfasst das Fahrzeug die Lieferanten-Nummer (durch Auslesen eines Magnetblocks oder mittels GPS) und die Milchmenge in Litern. Während des Tankvorgangs wird aus dem Milchstrom kontinuierlich eine kleine Menge Milch abgezweigt, um eine repräsentative Probe zu erfassen. Außerdem wird eine Probe kontinuierlich über den gesamten Befüllvorgang genommen, anhand derer die Eingangskontrolle im Werk erfolgt. Zusätzlich wird noch das Gewicht des Tanksammelwagens mittels einer Brückenwaage erfasst (doppelte Eingangskontrolle).
Eine besondere Bedeutung kommt bei der Milcherfassung den Fahrern der Tanksammelwagen zu. Dies betrifft zum einen ihre Qualifikation – alle Fahrer sind speziell geschult – zum anderen ihre Rolle als Bindeglied zwischen Molkerei und Landwirt. Sie sind so häufig wie kein anderer Mitarbeiter der Molkerei mit dem Landwirt in Kontakt und damit nicht zuletzt ein „Sprachrohr“ der Molkerei. Auch aus diesem Grund bilden die Fahrer der Speditionen eine Stammbelegschaft. So konnten bereits einige Fahrer in den Ruhestand verabschiedet werden, die seit über 40 Jahren als Milchfahrer für die Humana Unternehmensgruppe und ihre Rechtsvorgänger im Einsatz waren.

Milchverarbeitung an 11 Standorten
Rohmilch wird in der Humana Unternehmensgruppe an acht Produktionsstandorten angenommen. Die Rohmilchanfuhr wird mit einer speziellen Software geplant. Dabei werden zunächst Lieferbetriebe zu einem Rohmilcherfassungsgebiet zusammengefasst. Anschließend optimiert das Programm dann die Streckenführung, die als Routenvorschlag an die Spediteure geht. Die Abholung erfolgt an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Der Abholrhythmus ist innerhalb der Unternehmensgruppe nicht einheitlich. In den alten Bundesländern ist, von wenigen Großbetrieben abgesehen, die zweitägige Abholung üblich. In den neuen Bundesländern ist aufgrund der Größe der Betriebe eine tägliche Abholung Standard. Die Abholmengen schwanken dabei von 20 Litern bei Kleinstbetrieben bis hin zu kompletten Tankzügen. Die pro abgeholten Liter entstehenden Kosten liegen bei durchschnittlich einem Cent, sind aber insgesamt sehr variabel.
Die angelieferte Milch wird von etwa 3.000 Mitarbeitern in elf Werken in vier Bundesländern zu einem breiten Produkt-Portfolio weiterverarbeitet. Das Sortiment reicht von Milchbasisprodukten, Joghurt- und Dessertprodukten, Eiscreme, Industrieprodukten und Käseerzeugnissen bis hin zu diätetischen Qualitätserzeugnissen und Gesundheitsprodukten.
Die Steuerung der Warenströme zu den Kunden der Humana Unternehmensgruppe ist Aufgabe der Humana Food Logistic, einem Tochterunternehmen der Humana Milchindustrie GmbH. Diese ist mit sieben Mitarbeitern als reiner Dienstleister konzernweit tätig.
Die Lagerung der fertigen Produkte erfolgt in fünf Hochregallagern und zehn weiteren Lagern, die alle zum Unternehmen gehören (zusammen über 36.000 Palettenplätze). Darüber bedient sich die Humana Food Logistic mehrerer Außenläger. Die Lagerung der produzierten Eiskrem erfolgt in Everwinkel zudem im Tiefkühl-Center Everswinkel GmbH, an dem die Humana Unternehmensgruppe beteiligt ist. Im Jahr 2008 wurden hier im Sommer 40.000 Palettenplätze belegt, für das Jahr 2009 rechnet man mit 60.000 benötigten Palettenplätzen.

Export in 70 Länder
Die Humana Unternehmensgruppe verfügt für den Transport der fertigen Produkte zum Kunden über keine eigenen LKWs sondern wickelt ihr gesamtes Frachtaufkommen über Speditionen ab. Aufgrund der internationalen Ausrichtung des Konzerns, die Humana exportiert in rund 70 Länder auf vier Kontinente der Erde, stehen derzeit 55 Speditionen unter Vertrag. Die Auswahl der Firmen erfolgt zum einen nach dem gebotenen Preis-Leistungs-Verhältnis, zum anderen aufgrund von Spezialgebieten (z.B. Überseekontainer) der Speditionsfirmen. Über 50 Prozent des Frachtvolumens wird aber über drei Speditionsunternehmen abgewickelt.
Zum Einsatz kommen drei Typen von LKWs: H-Milch, Milchpulver und Babynahrung werden mit ungekühlten LKWs für Trockengut transportiert. Kühlpflichtige Ware, wie Quark, Joghurt oder Frischmilch wird mit Kühltransportern bei Plus-Graden transportiert, Eis schließlich wird in Tiefkühl-Frachtern gefahren. Die Details des Transports sind über die verschiedenen Zertifizierungen geregelt, über die die Humana Unternehmensgruppe verfügt. Die Qualitätskriterien für den Transport sind in den Verträgen mit den Spediteuren festgelegt.

2,5 Millionen Produkt-Paletten
Täglich verlassen etwa 400 LKWs die Läger der Humana Unternehmensgruppe. Der Transport der Ware bis zu den Zentrallägern des Handels erfolgt nur an Werktagen. In Abhängigkeit vom Produkt verlässt die Ware die Werke sowohl kommissioniert als auch palettenweise. Insgesamt summieren sich diese Transporte auf 2,5 Mio. Paletten mit ca. 1,5 Mio. t Ware pro Jahr. Dahinter verbergen sich etwa 300.000 einzelne Aufträge.
Zur Steuerung de Transporte setzt die Humana Food Logistic eine spezielle Speditionssoftware ein, in der automatisch die Aufträge an die Speditionen erteilt werden. Auch die Frachtabrechnung erfolgt aus dieser Software heraus.

Inhalt
Auf einen Blick
Die Humana Unternehmensgruppe hat rund 5.000 Rohmilchlieferanten und verarbeitete im Jahr 2008 über 2,5 Milliarden kg, die als Milchprodukte auch an Kunden in 70 Ländern exportiert werden. Die Steuerung der Transporte und Lagerung liegt in Verantwortung der Humana Food Logistic. Täglich verlassen 400 LKW die 11 Produktionsstandorte in den vier Bundesländern.