12.02.2009
Millionen Tonnen Getreide und Futtermittel bewegen
Der Transport von Massengütern per Lkw-Nutzung stagniert, dagegen werden Schiffstransporte immer bedeutender. Über die Anforderungen an Logistik- und Handelsketten in einem international tätigen Genossenschaftsunternehmen berichtet Max Sigl (München).
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Max Sigl
Leiter der Logistik, BayWa AG, München
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Im Jahr 1984 wurde eine Fuhrparkleitstelle am zentralen Standort in München eingerichtet und sukzessiv ausgebaut. Der heutige Logistikbereich in der BayWa, mit insgesamt 50 Mitarbeitern, managt unter Leitung von Max Sigl die Bereiche Werksverkehr und Spedition, Lagerplanung und Lagertechnik, die Administration von über 1000 Fuhrunternehmern und Speditionen, sowie Logistikcontrolling, -schulungen und Qualitätsmanagement.
Kundenbetreuung in der Fläche
Zu den Kunden der BayWa Logistik Agrar und Ernährung zählen namhafte Firmen aus der Land- und Ernährungswirtschaft, sowie der Endkunde selbst. Spezialtransporte, z.B. Mehrkammer Silo, werden neben dem Standort München in vier weiteren regionalen Standorten in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen disponiert. Disponenten in den zehn Spartenregionen Agrar managen den herkömmlichen Frachtverkehr in Beschaffung und Verteilung. Dadurch wird eine optimale Betreuung der Kunden in der Fläche durch Ansprechpartner vor Ort gewährleistet.
Jährlich 5 Mio. Tonnen Getreide
Der BayWa-Konzern vermarktet Getreide, Ölsaaten und Ölschrote im Umfang von ca.5 Mio Tonnen jährlich in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Der Aufkauf der Güter erfolgt direkt bei den Landwirten vor, während und nach der Ernte. In den Agrarbetrieben der BayWa werden die Produkte verarbeitet und veredelt, d.h. erfasst, getrocknet, aufbereitet und gelagert. Der Ankauf erfolgt z.B. für Industrie- und Handelsunternehmen im In- und Ausland. Die BayWa verfügt über Silolagerkapazitäten von ca. 1,5 Mio Tonnen in diesem Geschäftsbereich.
Die Abnehmer von Getreide, Ölsaaten und Ölschroten sind Ölmühlen, die Mühlen- und Futtermittelindustrie, Mälzereien, Stärkefabriken, Bioethanolanlagen und Landwirte in Deutschland und Europa. Neben dem Transport auf der Straße, setzt die BayWa verstärkt auf die Verkehrträger Wasser und Schiene. Der Zugang zur Binnenschifffahrt spielt dabei eine zentrale Rolle. Die BayWa unterhält 18 eigene Hafenstandorte an Donau, Main, Rhein und Main-Donau-Kanal und nutzt weitere Fremdverladestellen. Der Modal Split in diesem Geschäftsbereich beträgt 60 % Straße, 30 % Wasser und 10 % Schiene.
Vermarktung mineralischer Düngemittel
Ein weiterer Geschäftsbereich der BayWa ist die Vermarktung mineralischer Düngemittel für den landwirtschaftlichen Bedarf, z.B. von Stickstoff, Schwefel, Magnesium, allen Grundnährstoffen und Kalk. Das Handelsvolumen umfasst ca. 1,5 Mio Tonnen jährlich. Die BayWa kauft die Düngemittel bei den Lieferanten auf und erbringt die logistische Dienstleistung bis zum Endkunden. Neben der Distribution ist die Aufgabe der Logistik, die Lagerung und Sicherstellung der Warenverfügbarkeit des angebotenen Sortiments. Hierfür wird eine Lagerkapazität von ca. 0,5 Mio Tonnen vorgehalten.
Die Dienstleistungen der BayWa im Düngemittelhandel umfassen zudem die Beratung des Kunden zum Düngemitteleinsatz, die bedarfgerechte Mischung der Produkte und die Ausbringung der Düngemittel vor Ort. Abnehmer sind Landwirte, Genossenschaften Kommunen, sowie Kunden aus den Bereichen Handel und Gartenbau. Die Distribution der Frachten erfolgt zu 50 % über die Binnenschifffahrt, zu 45 % per Lkw und zu 5 % auf der Schiene.
Internationaler Futtermittelhandel
Ein dritter wesentlicher Geschäftsbereich ist der Futtermittelhandel. Das RKW Süd produziert jährlich ca. 0,5 Mio Tonnen Mischfutter und ist als Beteiligungsgesellschaft im BayWa-Konzern integriert. Zudem werden auf den internationalen Warenmärkten für Einzelfuttermittel ca. 1 Mio Tonnen Futtermittel für den weiteren Handel aufgekauft. Der Vertrieb erfolgt über die BayWa-Betriebe, sowie direkt an Landwirte, Mastbetriebe, Tierzüchter, Lagerhäuser und Privatkunden. 70 % des Transportaufkommens werden über die Straße abgewickelt und 30 % auf dem Wasser.
Neuausrichtung beim Transport
Das vergangene Jahr 2008 war ein Jahr der Extreme für die Agrarwirtschaft. Die Auswirkungen der Globalisierung und die fortschreitende Marktliberalisierung konfrontierten Erzeuger und Verbraucher mit stark schwankenden Preisen am Markt. Die volatilen Märkte im Agrarsektor und die zunehmend kostenintensiver werdenden Bedingungen im Straßengüterverkehr führen zwangsläufig zu einer Neuausrichtung im Transport.
Der Gütertransport mit Lkw-Nutzung im Massengütertransport stagniert. Hier fallen die höchsten Transportkosten mit nahezu dem doppelten Wert im Vergleich zur Wasserstraße an. Die wesentlichen Kostentreiber sind Maut und Dieselkraftstoff. Daneben bringen Vorschriften wie die Arbeitszeitordnung für Personal und Bußgeldbestimmungen ebenfalls erhebliche Kostenbelastungen mit sich. Für Verlader ist ab Mai diesen Jahres mit einer Verschärfung des Wettbewerbs zu rechnen, welche aus der Gesetzesänderung im Kabotagerecht resultieren könnte. Wettbewerbsverzerrungen aufgrund bestehender Kostenunterschiede begünstigen osteuropäische Fuhrunternehmen am deutschen Markt.
Wasserstraße am günstigsten
Schiffstransporte gewinnen für die BayWa immer mehr an Bedeutung. Die Wasserstraße ist der kostengünstigste Verkehrsträger mit der besten Ökobilanz von durchschnittlich 0,28 Cent pro Tonnenkilometer im Vergleich zur Straße mit ca. 2,0 Cent pro Tonnenkilometer. Dabei sind Massengüter wie Getreide, Dünge- und Futtermittel bestens für den Schiffstransport geeignet. Die Binnenschifffahrt gewährleistet den Transport von Massengütern zu konkurrenzfähigen Preisen bei Mengen von 500 - 2000 Tonnen. Folgende Rahmenbedingungen müssen für den Schiffstransport gegeben sein: Relativ weite Transportstrecken, schnelle Be- und Entlademöglichkeiten, eine gute Anbindung an das Straßen- und Schienennetz und befahrbare Wasserstraßen, d.h. mit durchschnittlichem Wasserstand und Eisfreiheit.
Die BayWa hat in den letzten Jahren ca. 30 Mio Euro in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Hafenanlagen an Main-Donau-Kanal, Neckar und Donau investiert, z.B. in Dietfurt, Bamberg, Freiberg a.N. und Straubing. Logistisch strebt das Unternehmen einen Standort an der Elbe bei Magdeburg an. Durch die Kombination der Hinfrachten von Getreide und Rückfrachten von Futtermitteln soll die Wirtschaftlichkeit dieser Verkehre erhöht werden.
Ausbau zu trimodalen Logistikzentren
Der Zugang zur Binnenschifffahrt ist eine zentrale Voraussetzung für wettbewerbsfähige Erfassungs- und Absatzstrukturen im BayWa-Konzern Agrar. Der Hafenumschlagplatz spielt bei der Standortwahl eine immer wichtigere Rolle. Zukunftschancen liegen hier im weiteren Ausbau der Binnenhäfen zu trimodalen Logistikzentren, d.h. einer Kombination aus Wasserstraße, Schienenverkehr und Straßentransport. So können auf der Schiene witterungsunabhängige Transporte durchgeführt werden. Die zukünftigen Entwicklungen im Transportwesen machen einen Ausbau der Donau unumgänglich. Schaffen die Politik und Wirtschaft es nicht, Massengüter überwiegend per Schiff zu transportieren, müssen die höheren Transportkosten der Straße letztendlich die Verbraucher zahlen.