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12.02.2009
Erfolgsfaktor für Wertschöpfung und Wettbewerb

Eine leistungsstarke Logistik ist Voraussetzung für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und bedeutet mehr als nur Schnittstellenmanagement: Sie ist Integration entlang der Wertschöpfungskette, wie Heiko Wöhner und Dr. Thomas Wimmer (Bremen) in ihrem Beitrag aufzeigen.


Als Konsequenz der voranschreitenden Globalisierung verändern sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen zunehmend und machen es notwendig, sich an die aktuellen Anforderungen anzupassen. Dabei hat in den vergangenen Jahren insbesondere die Vernetzung mit anderen Unternehmen zugenommen und sich als Erfolgsfaktor erwiesen:
Zur Nutzung individueller Kernkompetenzen und regionaler Standortvorteile schließen sich Unternehmen in internationalen Wertschöpfungsnetzwerken zusammen. So führt beispielsweise die Kombination von technologischem Know-How in der Produktentwicklung in Deutschland mit günstigen Fertigungsbedingungen in China und Osteuropa und einer Entwicklung der zugehörigen Informationstechnolgie in spezialisierten Industrieclustern in Indien zu  wettbewerbsfähigem Wirtschaften der beteiligten Unternehmen. Zur Erzeugung komplexer Endprodukte entstehen so „fragmentierte Supply Chains“ mit einer Vielzahl unterschiedlicher, spezialisierter Partner.

Der Erfolg dieser Wertschöpfungsnetzwerke hängt maßgeblich von der Fähigkeit der beteiligten Unternehmen ab, übergreifende Prozesse effizient zu gestalten, da andernfalls die Vorteile der Arbeitsteilung durch Verschwendung von Ressourcen aufgezehrt werden. Logistik als der Teil der Wertschöpfungsprozesse, der das effiziente und effektive Fließen und Lagern von Gütern, Services und Informationen von der Entstehung bis zur Übergabe an die Kunden zur Zufriedenstellung ihrer Bedürfnisse plant, implementiert und kontrolliert ist eine wesentliche Verbindung zwischen den Partnern im Wertschöpfungsnetzwerk.
Dabei hat sich die Logistik von der einer transport-, umschlags- und lagerungsbezogenen Unternehmensfunktion über das Schnittstellenmanagement innerhalb eines Unternehmen und entlang der „Supply Chain“ zum integrierenden Erfolgsfaktor entwickelt: Je bedarfsgerechter sich Unternehmen vertikal und horizontal mit ihren Netzwerkpartnern auf verschiedenen Ebenen vernetzen können, desto effizienter können die Kundenbedürfnisse befriedigt werden.

Vertikale und horizontale Integration
Die Entwicklung der Logistik als Querschnittsfunktion veranschaulicht die Potenziale, die durch unternehmensinterne, übergreifende Betrachtungen realisiert werden können. Während sich das Transportwesen in der Vergangenheit an den produktionsbedingten Anforderungen zu orientieren hatte, werden heute Produktionslinien so gestaltet, dass sie optimal mit den benötigten Teilen versorgt werden. Dabei spielen sowohl Transport- und Losgrößen sowie Transportbehälter, aber auch Versorgungskonzepte wie Just-in-time und Kanban eine Rolle.
Durch Betrachtung logistischer Anforderungen bereits beim Produktdesign können erhebliche Kosten vermieden werden. Hierzu zählen nicht nur Komponenten, die ein einfaches Handling ermöglichen, sondern – gerade auch im Landmaschinenbau mit großen Bauteilen – die Berücksichtigung der Transportfähigkeit mit Standard-Straßen- und -Schienenfahrzeugen. Auf diese Weise können komplizierte Prozesse vermieden und die Flexibilität der Wertschöpfungskette erhöht werden.
Nicht zu unterschätzen ist die Integration auf der kundenorientierten Seite der Wertschöpfungskette: Das Marketing sollte nicht zuletzt durch die Logistik mit anderen Unternehmensfunktionen vernetzt sein: Welche kapazitiven Veränderungen sind durch Marketingaktivitäten zu erwarten und in welchem Zeitraum sollten diese die Produktion idealer Weise erreichen? Wie werden sich die Kundenwünsche kurz-, mittel- und langfristig verändern und welche Folgen ergeben sich somit für das Produktportfolio, die Beschaffung und die Produktion?
Wie beschrieben erfordert die Fragmentierung der „Supply Chains“ eine Integration der Prozesse über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus. Güter- und Informationsflüsse müssen auf der Lieferanten- und der Kundenseite effizient gemanaget werden. Neben der Abstimmung funktionsgleicher Bereiche wie beispielsweise die Synchronisierung von Produktionen zur Vermeidung unnötiger Ausgleichsbestände in Lagern verbinden logistische Fragestellungen auch unternehmensübergreifend verschiedene Funktionen und Märkte: So ist für einen Hersteller von Komponenten eines Endprodukts relevant, wie sein Kunde, der Hersteller des Endprodukts, die Entwicklung der Kundenanforderungen und die Auswirkungen auf die Produkte in verschiedenen Segmenten einschätzt, damit auf der Lieferantenseite proaktiv geprüft werden kann, ob beispielsweise die technologische Qualifikation und die Kapazität der derzeitigen Lieferanten in Zukunft ausreichen wird beziehungsweise welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
Bereits beim „Supply Chain Design“ werden die Voraussetzungen für effizientes Wirtschaften bestimmt: Beschaffungsstrategien, die Vernetzung der IT-Landschaften entlang der „Supply Chain“ und die Rollendefinition der einzelnen Netzwerkpartner geben den Rahmen für die operativen Möglichkeiten. Hierbei ist jedoch keineswegs davon auszugehen, dass ein höheres Maß an Integration per se vorzuziehen ist. Der Einkauf von Normteilen und kundenindividuellen Produktkomponenten unterscheidet sich naturgemäß ebenso wie die Möglichkeit, in hierarchisch oder partnerschaftlich geprägten Beziehungen Chancen und Risiken gemeinsam zu teilen. Der Logistik kommt zur Erreichung eines effektiven und effizienten Fließens und Lagerns von Gütern, Services und Informationen die Aufgabe zu, unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen optimale Lösungen zu finden und zu etablieren.

Zukünftige Entwicklungen
Die einleitend vorgestellte Orientierung an den Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Unternehmen verdeutlicht, dass die Bedeutung der Logistik weiter zunehmen wird – und zwar nicht als Selbstzweck sondern als notwendiges Mittel, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Während die europäischen Wirtschaften derzeit auf eine Rezession zusteuern, bieten wirtschaftlich aufstrebende Regionen, beispielsweise in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China weiterhin – wenn auch abnehmende – Wachstumsraten.
Die effiziente Integration neuer Beschaffungs- und Absatzmärkte in das vorhandene Unternehmensnetzwerk, die Anpassung bisheriger Güter- und Informationsflüsse und die ständige Gewährleistung operativer Exzellenz zur Sicherung der derzeitigen Wettbewerbsfähigkeit zeigen die Bandbreite logistischer Aufgaben. Auch langfristige Entwicklungen wie die zunehmende Ressourcenknappheit – auch bei kurzfristig fallenden Rohstoffpreisen – stellen die Logistik vor die Herausforderung, nicht nur effizientes, sondern auch nachhaltiges Wirtschaften sicherzustellen, beispielsweise Outsourcing an ferne Standorte zu überdenken und umweltfreundliche Transportalternativen auszuwählen. Die Stärke und auch die Herausforderung der Logistik liegen in der ganzheitlichen Betrachtung, weil sich Probleme schon heute nicht mehr rein funktional, sondern nur übergreifend lösen lassen.

Inhalt
Auf einen Blick
Logistik ist ein Teil der Wertschöpfungsprozesse, der das effiziente Fließen/Lagern von Gütern, Services und Informationen von der Entstehung bis zur Übergabe an die Kunden plant, umsetzt und kontrolliert. Logistik stellt damit eine wesentliche Verbindung zwischen den Partnern im Wertschöpfungsnetzwerk dar und hat sich längst von der einer transport-, umschlags- und lagerungsbezogenen Unternehmensfunktion zum integrierenden Erfolgsfaktor entwickelt.