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| Prof. Dr. P. Michael Schmitz Institute of Agricultural Policy and Market Research
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Als Gründe hierfür werden genannt:
Neben diesen eher mittel- bis langfristig wirksamen Fundamentalfaktoren waren in jüngster Zeit aber auch noch weitere Treiber für die extreme Preisentwicklung verantwortlich. Ausgeprägte Dürreperioden in Australien und Produktionsrückgänge in wichtigen Agrarexportländern haben zweifellos ihren Beitrag ebenso geleistet wie das neuerwachte Interesse der Kapitalanleger und Spekulanten an Agrarrohstoffen. Mehr als bisher scheinen somit die Agrarmärkte mit den internationalen Energie- und Kapitalmärkten verknüpft zu sein und deren Gesetzmäßigkeiten zu unterliegen.
Landwirte und ihre Marktpartner müssen sich darauf einstellen. Volatilere Märkte erfordern ein professionelles Risikomanagement und ein sorgfältiges Monitoring. Bei weltweit knapper werdenden Flächen muss zudem intensiver produziert werden. Dass dies nachhaltig geschehen sollte, ist eine Selbstverständlichkeit und kann nur mit modernen Betriebsmitteln und innovativer Technik geleistet werden. Hier sind vor allem die Hersteller von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, von Landtechnik und Saatgut sowie von Futtermitteln gefordert. Auch Handel und Logistik werden bei offenen Grenzen eine zunehmende Bedeutung erfahren und neue Konzepte entwickeln. An unternehmerischem Geschick und Gespür mangelt es dabei in der Nahrungskette Europas und Deutschlands nicht. Der Engpassfaktor zur Ausschöpfung der vollen Potenziale liegt vielmehr in der Wirtschafts- und Agrarpolitik. Wirtschaftspolitisch sind es vor allem die vergleichsweise hohen Arbeits- und Energiekosten, sowie Steuern und Abgaben, die die Wettbewerbsfähigkeit der Sektoren beschränken.
Agrarpolitisch ist zu kritisieren, dass
erstens die Ausdehnung der Produktion bei Milch, Zucker und anderen Teilbereichen durch strikte Quotensysteme nach wie vor begrenzt ist;
zweitens infolge der obligatorischen Flächenstilllegung, umfangreichen Extensivierungsprogramme und der den Landwirten abverlangten Bereitstellung von Ausgleichsflächen für den Naturschutz das volle Potenzial der Ackerproduktion nicht genutzt wird;
drittens die Bioenergie EU-weit zu Lasten der Nahrungs- und Futtermittelproduktion und im Übrigen auch der stofflichen Verwertung nachwachsender Rohstoffe massiv gefördert wird;
viertens das für offene Märkte notwendige Instrumentarium zur marktnahen Exportförderung und Risikoabsicherung in der EU noch unterentwickelt ist und
fünftens die Entwicklung bzw. der Einsatz neuer Technologien und moderner Betriebsmittel massiv behindert wird, wie die Beschränkungen bei den Sojaimporten mit drohender Eiweißlücke und bei den Pflanzenschutzmitteln mit drohender Wirkstofflücke.
Die Zeit ist also reif und günstig, über einen grundlegenden Wandel der EU-Agrarpolitik nachzudenken, weg von Konservierung und übertriebener staatlicher Alimentierung hin zur Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovation und einer Stärkung der Marktkräfte bei offenen Grenzen. Hierzu gehören vor allem die Aufhebung aller Beschränkungen für die Produkt- und Technologieentwicklungen, ein Abbau der Bürokratie und eine Bioenergiepolitik mit Augenmaß, die auf Konsum- und Investitionslenkung verzichtet und die die Konkurrenzfähigkeit anderer Standorte sowie alternativer Energielinien im Auge behält. Schließlich ist die EU vor allem ein geeigneter Standort für die Produktion hochwertiger variantenreicher Agrarprodukte und Nahrungsmittel. Dort hat sie ihre komparativen Vorteile und auch Exportchancen und nicht in der Produktion homogener Massenware der Bioenergie.
Beim Umbau der Agrarpolitik ist dabei Eile geboten, weil ansonsten andere Spieler die internationalen Märkte besetzen und ausbauen. Einmal verlorene Märkte sind nur schwer wieder zurückzugewinnen.