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04.04.2008
Wohin geht die Reise bei Ölsaaten?

Stark steigende Preise und aufgebrauchte Vorratslager kennzeichnen die Situation auf den Märkten für Ölsaaten. Wie sich dieser Nachfrageboom in den kommenden Jahren entwickeln wird, analysiert Marktexperte Jan Peters (Brunsbüttel).

Jan Peters
Freiberuflicher Agrarjournalist „Agrarzeitung Ernährungsdienst“, Brunsbüttel

Die Preise für die wichtigsten Ölsaaten sowie für Weizen, Mais und Gerste erreichen in diesen Tagen neue historische Höchststände. Der Verbrauch von Pflanzenölen für die Energieproduktion ist weltweit außerordentlich stark gestiegen – Stichwort Biodiesel, Stichwort Ethanol. Neben einer Preisexplosion auf den Märkten für Getreide und Ölsaaten führte diese Marktentwicklung zu einer sehr engen Versorgungslage; die globalen Vorräte an Getreide und Ölsaaten bewegen sich auf historischen Tiefständen.

Neun Mio. Tonnen für Bioenergie

Zudem sorgt die gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln seitens einer wachsenden und gerade in den Schwellenländern zunehmend zahlungskräftigeren Bevölkerung für weitere Preissteigerungen. Dieser Nachfrageboom konnte durch das Angebot nicht bedient werden, zumal witterungsbedingte Ernteausfälle zu beklagen waren. Die Bewegungen sind eindrucksvoll. Weltweit habe sich der Verbrauch von Pflanzenölen und tierischen Fetten für die Gewinnung von Bioenergie seit 2004 vervierfacht. Gut neun Mio.t sind im vergangenen Jahr für diese Zwecke verwendet worden. In den USA ergibt sich ein besonderer Druck auf die Bodenmärkte, wo der zunehmende Anbau von Getreide die US-Anbaufläche von Ölsaaten verkleinert und bereits im Herbst 2007 zu einer Verringerung der Produktion von 16 Mio. Tonnen führte.

Angespannte Marktlage in Deutschland

In dieser angespannten Marktlage zeigt sich Deutschland – schon lange Nettoimporteur von Rapssaat und Rapsöl – zunächst besonders betroffen, wobei die Margen in der Biodieselproduktion seit Mitte 2007 erheblich unter Druck stehen. In diesem Segment stiegen die Preise von Pflanzenölen stärker als die von Mineralöl. Die höheren Produktionskosten konnten aber nicht weitergegeben werden. Zudem hat die Wettbewerbsfähigkeit von Biodiesel durch die im Januar 2008 erhöhte Steuer für B100 in Deutschland (von bislang 9 auf nunmehr 15 Cent) zu erheblichen Produktions- und Absatzproblemen geführt. Der deutsche Markt mit einem Vorjahresvolumen von 1,7-1,8 Mio. Tonnen ist zusammengebrochen; B100 ist derzeit nicht mehr konkurrenzfähig zu fossilem Diesel; der Absatz beschränkt sich weitgehend auf die Menge, die sich aus dem Beimischungszwang ergibt sowie auf den steigenden Importbedarf Frankreichs.

Andererseits drängen mit Argentinien und den USA ausländische Mitbewerber auf den Markt, die zunehmend Biodiesel nach Deutschland liefern. Eine diskutierte Erhöhung der Zwangsbeimischung in Deutschland und/oder anderen EU-Ländern wird vor allem zu weiteren Nettoimporten an Ölen führen, da Potential für eine Produktionsausdehnung hierzulande begrenzt sind. Für 2008 wird für Deutschland einen Rückgang der Rapsproduktion auf 4,7-4,9 Mio. Tonnen nach 5,3 Mio. Tonnen im Vorjahr erwartet. Auf Ebene der EU-27 dürfte die Produktion um 0,3-0,6 Mio. Tonnen auf 17,5-17,8 Mio. Tonnen schrumpfen.

Produktionsdefizite über 2010 hinaus

Nach den jetzt bekannten Fakten wird es bis zum Jahre 2010 und darüber hinaus noch zu größeren weltweiten Produktionsdefiziten kommen, wenn die Produktions- und Verbrauchsziele von Bioenergie nicht reduziert werden.Marktkenner gehen in der langen Frist ebenso von weiteren Preissteigerungen aus sowie von einer Rationierung der Nachfrage auf dem Nahrungsmittelsektor.

Der Rapspreis könnte allerdings aufgrund der durch die B100-Problematik bedingten Verbrauchsreduzierung in den nächsten Monaten unter Druck geraten, sofern die Steuererhöhung nicht zurückgezogen bzw. der Beimischungszwang durch die Bundesregierung erhöht wird. Rapspreissenkend würde auch eine Abschwächung der Mineralölpreise wirken. Von allzu großen Preissenkungen geht man im Markt indes nicht aus, da der erhöhte Biodieselverbrauch in Frankreich sowie die weltweit knappe Versorgungslage an Ölsaaten, Ölen und Getreide stabilisierend wirke. Von stärkeren Preissenkungen müsse aber im Falle günstiger Witterungsbedingungen ausgegangen werden, „ab Mai oder Juni 2008“. Doch selbst dann werden in 2008 und 2009 sehr attraktive Marktbedingungen für Raps gesehen. Die Preise werden weit über den Produktionskosten und über dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Auf einen Blick

Bei den Olsaaten kann es mittel- und langfristig zu Produktionsdefiziten kommen, wenn die Verbrauchsziele von Bioenergie nicht reduziert werden. Marktexperten gehen von weiteren Preissteigerungen und einer Rationierung der Nachfrage auf dem Nahrungsmittelsektor aus. Deutschland und die EU werden zu Netto-Importeuren bei pflanzlichen Ölen, da das europäische Potenzial für eine Produktionsexpansion begrenzt ist.