14.02.2008
Internationale Attraktivität der Hochschulen nutzen
Der DAAD ist zur weltweit größten akademischen Austauschorganisation geworden. Fast 60.000 Geförderte pro Jahr und ein Haushalt von ca. 300 Mio. Euro sind ein beachtliches Kapital. Zugleich hat die Internationalisierung der deutschen Hochschulen gerade in den letzten 10 Jahren enorme Fortschritte gemacht. Mit rund 250.000 ausländischen Studierenden rangiert Deutschland als Gastland weltweit an dritter Stelle hinter den USA und dem Vereinigten Königreich.
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Professor Dr. Stefan Hormuth
Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Bonn |
Auch bei der Entsendung unserer eigenen Studierenden und Hochschullehrer ins Ausland nehmen wir unter den Industrieländern einen Spitzenplatz ein. Immer mehr Hochschulen und auch unsere wichtigsten Partner-Ministerien entwickeln eine dezidierte Internationalisierungs-Strategie und nutzen internationale Netzwerke, Erfahrungen, Vergleiche und Wettbewerb auch als Reform-Strategie. Der Bologna-Prozess ist nun in einem Stadium, in dem die Strukturen der international kompatibleren Studienabschlüsse Bachelor und Master an den deutschen Hochschulen weitgehend umgesetzt sind. Nun gilt es, den Anspruch der erhöhten europäischen Mobilität und der größeren internationalen Attraktivität des europäischen Hochschulraums zu nutzen. Das Ziel war die Schaffung vergleichbarer Studienabschlüsse, um die Mobilität innerhalb Europas in bisher nicht gekanntem Maße zu ermöglichen. Die Strukturen sind nun da, nun müssen wir dies ernst nehmen. Wer seinen Bachelor in Deutschland gemacht hat, kann seinen Master in Belgien, Portugal oder Dänemark machen; in derselben Weise müssen wir unsere Hochschulangebote für junge Italiener, Spanier, Polen und Briten attraktiv machen. Europäische Universitäten können in Konsortien ihre Angebote bündeln und damit die Wahlmöglichkeiten in konsekutiven Studiengängen gemeinsam erhöhen. Zugleich muss durch intensive Bemühungen die interne Internationalisierung der neuen Studiengänge gewährleistet und erhöht werden. Verpflichtende Auslandsaufenthalte von kurzer und längerer Dauer, Praktika, gemeinsame Abschlüsse mit ausländischen Universitäten müssen gefordert und gefördert werden. Das Ziel muss eine deutliche Erhöhung der europäischen Mobilität sowohl aus Deutschland als auch nach Deutschland sein.
Über Europa hinaus sollte die internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich stärker als bisher auf die Entwicklungsländer ausgedehnt werden. Im Zuge der Globalisierung haben einige Länder wie Indien und China ihr Bildungssystem stark ausgebaut und werden zunehmend wichtige Partner in Forschung und Lehre. Andere benötigen unsere Unterstützung, um tragfähige Hochschulstrukturen aufzubauen, in denen der Nachwuchs für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefördert wird. Zurzeit errichtet der DAAD beispielsweise fünf Fachzentren an afrikanischen Hochschulen und leistet damit Hilfe zur Selbsthilfe.Die wissenschaftliche, aber auch die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands wird maßgeblich davon beeinflusst, inwieweit Deutschland als Standort für führende Forschung und Lehre wettbewerbsfähig ist. Für die kommenden Jahre hat sich der DAAD u.a. folgende Ziele gesetzt:
1. Wir wollen beitragen, Deutschlands Position im weltweiten Wettbewerb um kluge Köpfe weiter zu verbessern. Wir sollten unseren bisherigen Anteil von 10 % ausländischen Studierenden wenigstens halten und bis zum Jahr 2012 die Zielzahl von 300.000 ausländischen Studierenden anstreben. Die Zahl der ausländischen Hochschullehrer sollten wir von derzeit rund 2000 auf wenigstens 4000 verdoppeln.
2. Wir wollen unseren eigenen Führungsnachwuchs noch mehr als bisher international und weltoffen qualifizieren und damit fit machen für den verschärften globalen Wettbewerb. Mittelfristiges Ziel bleibt, dass jeder zweite Studierende eine substanzielle Auslandserfahrung, sei es im Studium oder im Praktikum, absolviert haben sollte; derzeit ist es nur etwa jeder Dritte. Im Jahr 2012 sollten wir 100.000 deutsche Studierende im Ausland haben, das sind 25.000 mehr als heute.
3. Wir wollen dafür werben, dass Hochschulen, Wissenschaftsorganisationen und staatliche Instanzen in Bund und Ländern systematische und konsistente Strategien der Internationalisierung entwickeln und dies auch als nationale Reformstrategie begreifen und nutzen ( „Vom Ausland lernen“).