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14.02.2008
Studenten aus der ganzen Welt kennen gelernt

Anna Luetgebrune ist Pionierin: Sie war die erste Bachelor-Absolventin der Göttinger Agrarfakultät und die erste, die mit einem Stipendium im Gepäck ihr Studium im Ausland fortsetzte. Rückblickend hat sie ihre Erfahrungen im Fragenkatalog der Journal-Redaktion dokumentiert.

Anna Luetgebrunne
Landwirtin, Masterabschluss am Imperial College at Wye, Universität London

Sind Sie in Sachen Landwirtschaft ‚vorbelastet’ durch Elternhaus oder andere Einflüsse?

Ja, ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Ostwestfalen-Lippe geboren und aufgewachsen. Obwohl meine Geschwister und ich uns während der Schulzeit fast gar nicht mit Landwirtschaft, sondern mit diversen anderen Aktivitäten beschäftigt haben, so hat sich doch eine gewisse Verbundenheit zur Landwirtschaft entwickelt.

Wann hatten Sie zum erstenmal den Berufswunsch gespürt, Landwirtin zu werden? Gab es einen besonderen Anstoß?

Unternehmer zu sein, war schon immer mein Ziel. Aber dafür muss man ja nicht unbedingt Landwirt sein. Dass ich wirklich in Richtung Landwirtschaft gehen wollte, habe ich während meines einjährigen landwirtschaftlichen Praktikums nach dem Abitur in Schleswig-Holstein beschlossen. Dass ich allerdings tatsächlich in der praktischen Betriebsführung landen würde, hätte ich selbst nicht für möglich gehalten. Ergeben hat sich diese Version auch erst nach dem Agrarstudium und nach dem Berufseinstieg.

Weshalb haben Sie sich für den Studienort Göttingen entschieden?

In Frage kamen für mich Kiel oder Göttingen, weil beide vor allem in Sachen Agrarökonomie einen guten Ruf hatten und haben. Nach Göttingen bin ich dann gegangen, weil meine Schwester schon den Standort Kiel besetzt hielt.

Wann kam die Idee, im Ausland zu studieren und nach London zu gehen?

Mein Vater hat seinerzeit einen Management-Kurs für landwirtschaftliche Betriebsleiter am Wye College belegt – deshalb waren dieser Ort und die Gruppe von Landwirten, die sich dabei zusammengefunden hat, in der Familie bekannt. Als dann in Göttingen ein Plakat von Master-Kursen am Wye College aushing, habe ich mich entschlossen, diesen Weg zu gehen.

Was war für Sie mit dem Wechsel an das Wye College besonders schwierig?

Am anspruchsvollsten war es damals, den passenden Abschluss an der Göttinger Uni zu erhalten. Mit großer Unterstützung des Prüfungsamtes war ich im Jahr 1999 die erste Bachelor-Absolventin an der Agrarfakultät. Mit diesem Abschluss und mit einem bewilligten DAAD-Jahresstipendium war der Rest nicht mehr schwierig. Untergebracht wurde man in der so genannten College-accomodation, die in meinem Fall aber nicht besonders hübsch war. Ich hatte das Glück, mit drei anderen Studenten ein Haus in Wye beziehen zu können, das durch einen Auslandsaufenthalt eines Professors frei war.

Wo liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem Landwirtschaftsstudium in Göttingen und London?

In England wird im Agrarstudium projektbezogener und kontinuierlicher gearbeitet. Die „Party-Phasen“ und „Lern-Phasen“, wie ich sie aus Göttingen kannte, gab es in England gar nicht, weil man ständig Referate und „Essays“ vorbereiten musste. Immerhin wird der ganze Kurs ja auch in nur einem Jahr absolviert. Das Schreiben von „Essays“ hat mir besonders viel Spaß gemacht, da man sich auf diese Weise mit einer Materie tiefgehend auseinandersetzen musste.

Allerdings spielte die Ernährungswirtschaft und die Struktur des Lebensmittelhandels in England eine viel größere Rolle als in Deutschland. Sich mit landwirtschaftlicher Unternehmensführung zu beschäftigen, war in meinem Master-Kurs eher die Ausnahme, aber dennoch möglich. Gut gefallen hat mir zum Beispiel das Modul „farm management in practice“.

Welche Vorteile hat Ihnen das Auslandsstudium gebracht?

Neben sprachlichem Training hatte ich die Möglichkeit, ein anderes Studiensystem kennen zu lernen, durch das ich mein gesamtes Agrarstudium in nur vier Jahren abschließen konnte. Da die Studentenzahlen am Wye College niedrig und dadurch die Zusammenarbeit mit den Dozenten intensiv war, konnte ich gute Kontakte aufbauen, die zum Teil immer noch existieren. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, mit Studenten von der ganzen Welt ein Jahr lang zusammen an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Das sind Erfahrungen, die man wirklich am besten im Studium macht, weil es später – je nach dem in welchen Job man landet – solche Möglichkeiten vielleicht nicht mehr gibt. Darüber hinaus stellt ein Auslandsstudium auf jeden Fall den berühmten Blick über den Tellerrand dar, der in jeder Lebenssituation nützlich ist.

Welchen Beruf üben Sie zurzeit aus, welche berufliche Perspektive schwebt Ihnen vor?

Im Moment leite ich den landwirtschaftlichen Ackerbaubetrieb, den ich von meinen Eltern übernommen habe, und das ist auch meine berufliche Perspektive. So, wie sich die Agrarmärkte zurzeit präsentieren, ist das der interessanteste Job, den ich mir vorstellen kann – vor allem weil ich dabei selbständig arbeite. Wenn es die Saison erlaubt, versuche ich, agrarjournalistisch tätig zu werden, so wie ich es in meinem Volontariat bei den DLG-Mitteilungen direkt nach dem Studium gelernt habe. Tatsache ist allerdings, dass mich immer wieder das Fernweh packt, seitdem ich einmal mit den Auslandsaufenthalten angefangen habe. Deshalb stehen kurze oder lange Auslandsreisen, meistens auch mit landwirtschaftlichem Hintergrund, weiterhin auf meiner Agenda.