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17.02.2010
Defizite von Professoren

Eine neue Studie zweier Psychologen zeigt, dass die deutschen Professorinnen und Professoren Nachholbedarf bei der Personalführung haben. Nach Einschätzung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllt nur rund die Hälfte ihre Führungsaufgaben „vorbildlich" oder zumindest „recht gut". Der anderen Hälfte wird hingegen ein „mittelmäßiger" bis „miserabler" Führungsstil attestiert.

Für die Studie haben die Psychologen Dr. Boris Schmidt und Astrid Richter im Rahmen ihres Forschungsprojekts„Führungshandeln an Hochschulen" 597 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 96 Universitäten und Fachhochschulen zu den Führungsstilen ihrer Vorgesetzten befragt, darunter neben wissenschaftlichem euch technisches Personal und Verwaltungspersonal. In Anlehnung an die drei „klassischen" Führungsstile der Management-Literatur - den Laisserfaire- Stil, den autokratischen Stil und den kooperativen Stil - bilden die Autoren fünf Cluster, die sich durch eine unterschiedliche Mischung der drei Stile auszeichnen:

(1) Die gesteuerte Kooperation: 24,5% der Professor(innen) führen so. Sie setzen auf intensive Kooperation und wenig Laisserfaire, formulieren klare Zielvorgaben, an die sie sich auch selbst halten. „Ein solches Verhalten wird von den Befragten am positivsten eingeschätzt und am ehesten den Anforderungen der Hochschule gerecht", lautet das Urteil von Schmidt und Richter.

(2) Die ungesteuerte Kooperation verzichtet demgegenüber auf klare Absprachen und Zielvorgaben. Ein Manko - trotzdem schneidet dieser Führungsstil noch recht gut ab. Ihn pflegen 23,1 % der Professoren-Chefs.

(3) Das gemischte Führungsprofil vereint die drei oben genannten Stile zu etwa gleichen Anteilen. Diese Führungspersonen werden als unberechenbar und widersprüchlich erlebt, weshalb dieser Stil nur mit „mittelmäßig" bewertet wird. Gut jeder fünfte Professor bzw. jede fünfte Professorin ist dieser Mischkategorie zuzuordnen.

(4) Das unbeteiligte Nebeneinander praktizieren 16,9 % der Professor(innen). Führung findet nicht statt, die Mitarbeiter/ -innen arbeiten weitgehend allein gelassen vor sich hin.

(5) Die herrschaftliche Führung ist die Kategorie, die am schlechtesten abschneidet. 14,6 % der Professor(innen) sehen nach Einschätzung der Mitarbeiter/Annen ihren Lehrstuhl als Königreich, in dem ein Herrscher Hof hält.

An den Hochschulen wächst erst langsam das Bewusstsein dafür, dass Professorinnen und Professoren nicht nur Forscher und Hochschullehrer sind, sondern auch Vorgesetzte ihrer Mitarbeiter, Laboranten, Doktoranden und Habilitanden. Sowohl der Promovierendenverbund Thesis als auch der Deutsche Hochschulverband (DliV), die Standesvertretung der Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses, loben daher, dass das Thema nun mehr Aufmerksamkeit erfährt. Viele Hochschulen haben bereits reagiert und bieten beispielsweise Seminare für junge Forscher, Nachwuchsgruppenleiter und Neuberufene an, um sie auf ihre Führungsaufgaben vorzubereiten.

 

Quellen: duz, Spiegel online, dpa aus Perspektiven | 11-12/2009